Vision einer Friedrichausstellung

Eine Ausstellung zu Friedrich II. – Was würde Sie heute interessieren?


Essay, 2011
4 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Eine Ausstellung über Friedrich II.: ‚Das’ Friedrichbild – Ein Mosaik

Friedrich II., aus dem hohenzollern’schen Hause stammend, trat 1740 die Nachfolge seines Vaters Friedrich Wilhelm an und ist der vermutlich populärste der preußischen Herrscher.

Anlässlich seines 300. Geburtstages kommenden Jahres laufen in Berlin in Brandenburg bereits die Vorbereitungen für dieses regionale Ereignis, an dem nicht nur Museen, sondern auch Bibliotheken und Archive zusätzlich zu ihrem normalen „Friedrich“-Programm beteiligt sein werden. Was aber genau, fragt man sich nach genauerer Betrachtung, soll mit diesem Jahrestag eigentlich zelebriert werden und warum diese ‚Verkultung’ eines Herrschers, der, heute wie damals, polarisiert und eindeutig kein Volksheld ist?

Vermutlich liegt in eben dieser Frage zugleich die Antwort. Presseberichten zufolge sei Ziel der Sonderausstellungen das teils düstere Bild von Friedrich aufzuwerten und eine verfälschte Sicht auf den preußischen Monarchen zu korrigieren. Ein ‚falsches’ Bild aber schlicht durch ein anderes zu ersetzen, würde hingegen zu kurz greifen. Friedrich als den Philosophen von Sanssouci, Ersten Diener des Staates, toleranten Monarchen, Bildungspolitiker, tapferen Kriegshelden oder aufgeklärten Absolutisten zu inszenieren, wäre wenig Erfolg verheißend. Die Plattform einer öffentlichen Veranstaltung hat das Potenzial ein großes Publikum zu erreichen. Ein Klischee über Friedrich durch ein weiteres zu ersetzen, zeichnet nicht annähernd ein reales Bild Friedrichs, es würde immer nur einen Teil seiner Person widerspiegeln. Die Chance einer solchen Ausstellung liegt also darin, diese verschiedenen Aspekte sinnvoll zusammenzuführen, um sich Friedrichs Wesen nähern zu können. Dieses Wesen und seine Errungenschaften, sowie die Grenzen seines Systems zu skizzieren, wäre für das Konzept einer Friedrichausstellung angebracht.

In seiner 46-jährigen Regentschaft zeigte sich Friedrich II. facettenreich wie kaum ein anderer Monarch. Er prägte die Landschaft nicht nur durch Landerweiterungen und –verkleinerungen in seinen Kriegen, wie den Schlesischen und dem Siebenjährigen, oder durch die Pöblierung der Provinzen zwecks ökonomischer Aufwertung des Landes, vor allem geistig gab Friedrich neue Anstöße. Als einziger europäischer Herrscher war Friedrich II. trotz seiner eigenen Skepsis zur Religion gegenüber verschiedensten Konfessionen tolerant und so wurden Verlautbarungen zu seiner religiösen Toleranz wie „Jeder soll nach seiner Façon selig werden“ als auch „so wollen wier sie Mosqueen und Kirchen bauen“[1] als Indiz seiner Bevölkerungspolitik gegenüber fremdvölkischen Einwanderern bis heute konserviert. Worauf aber seine streckenweise fast schon modernen Vorstellungen basieren, ist der breiten Masse heute größtenteils schlichtweg unbekannt.

Schon als Kronprinz verfasste Friedrich damals den Antimachiavel als Gegenentwurf zur Theorie Machiavellis. Dieses vom jungen Friedrich als ‚Schandschrift’ verschmähte Konzept vom Fürsten als Gewaltherrscher diente Friedrich zugleich als Grundlage für den Entwurf seiner eigenen zukünftigen Herrschaftsvorstellung. So sei der Erfolg eines Monarchen stets von der Zufriedenheit und dem Vertrauen seines Volkes abhängig. Das Land würde somit vom Herrscher als Richter und Vermittler und somit indirekt auch von seinem Volk regiert. Die seinerzeit übliche Willkürherrschaft lehnt Friedrich zunächst ab und ersetzt sie durch das Konzept des „Ersten Staatsdieners“. Er weicht somit von der herkömmlichen Vorstellung eines legitimen Fürsten, nämlich der von „Gottesgnadentum“, ab.

Im Laufe seiner Amtszeit hingegen nähert Friedrich sich dieser königlichen Willkür aber an, indem er aktiv in das juristische Geschehen eingreift. Wie im Fall „Müller Arnold“ geschehen, revidierte Friedrich das Urteil seiner eigens eingesetzten Richter, bedachte sie mit seinen berühmten Schimpftiraden wie „Ihr seid alle Narrens!“, „Ihr seid ein Esel […] man kann keinen dümmeren Bericht machen.“ Sowie „Ihr seid alle Erzschäker, die das Brot nicht wert sind, das man Euch gibt, und verdient alle, weggejagt zu werden.“[2] und drohte sogar mit Folter sowie Amtsenthebungen. So human und sozial Friedrich sich gegenüber dem einfachen Volk gab, so strikt und brutal herrschte er in seinen eigenen Reihen. Staatsdiener wie Richter, Minister und Räte hatten den Herrscher Friedrich, der sie unter anderem als „Federfuchser!“ verschrie, sicher anders in Erinnerung als das Volk, welches Friedrich II. auf seinen Inspektionsreisen meist als einen an Verbesserungsvorschlägen interessierten König wahrnehmen konnte, der ihnen mit dem Erlass der Akzise auf essentielle Nahrungsmittel das Leben seiner Zeit ein Stück weit erleichterte. Einen ebenso schweren Stand hatte das unter Friedrich stets aufgestockte Heer, militärischer Gehorsam hatte dabei oberste Priorität und so wurde dieser den Söldnern durch stundenlanges Exerzieren oder Spießroutenlauf gewaltsam ‚gelehrt’. Dieses ambivalente Verhalten Friedrichs zeigt sich auch in Friedrichs Justizreform. Einerseits schmälert er den Gebrauch von Leibesstrafen als Rechtsmaßnahme und schafft sogar die Todesstrafe ab, seinen direkt Unterstellten im Staatsdienst ließ er solche Privilegien allerdings nicht zuteil werden.

[...]


[1] Holmsten, Georg: Friedrich II. mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten dargestellt von Georg Holmsten, 14. Auflage, Reinbek bei Hamburg 2004, S. 82.

[2] Ebenda, S. 138.

Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Vision einer Friedrichausstellung
Untertitel
Eine Ausstellung zu Friedrich II. – Was würde Sie heute interessieren?
Hochschule
Universität Potsdam  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Proseminar BM-RE Friedrich und die Aufklärung
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
4
Katalognummer
V190783
ISBN (eBook)
9783656154181
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kartoffel, Freidrich II., Preußen, Absolutismus, Friedrich-Jahr, Siebenjähriger-Krieg, Mirakel von Brandenburg-Preußen
Arbeit zitieren
Julia Neubert (Autor), 2011, Vision einer Friedrichausstellung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190783

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