Heterogenität in der Schule

Erläuterungen zu den Ansätzen der Pädagogik und ihrer Handhabung in der deutschen Schule


Seminararbeit, 2009
17 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Ausländer oder Migrant? Definitionen und Erläuterungen
2.1 Geschichtlicher Überblick zur Entwicklung der Heterogenität in Deutschland und der Schule.
2.2 Die deutsche Schule und ihre Schwierigkeiten
2.3 Pädagogische Ansätze
2.3.1 Ausländerpädagogik
2.3.2 Interkulturelle Pädagogik
2.3.3 Vergleich von Ausländerpädagogik und Interkultureller Pädagogik
2.4 Antirassistische Pädagogik
2.5 Institutionelle Diskriminierung

3 Schluss

4 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im Giftschrank amtlich tabuisierter Zeitbegriffe steht eine Flasche mit der Aufschrift „Einwanderungsland“. Darin hockt ein Geist. Wer ihn befreit, so geht die Rede politischer Weisheit seit vielen Legislaturperioden, der ist verloren und mit ihm Land und Leute, von denen der Geist dann Besitz ergreift. Deshalb warnt vor solchem Tun seit jeher ein amtliches Dementi: „Die Bundesrepublik ist kein Einwanderungsland“.

(Bade 1999, S. 307)

Seit dem Zitat von Klaus J. Bade sind mittlerweile 10 Jahre vergangen und Deutschland hat sich öffentlich eingestanden, dass es ein Einwanderungsland ist. Alles andere wäre auch eine Vortäuschung falscher Tatsachen. Die Bundesrepublik ist mit 7,3 Mio. im Inland lebenden Ausländern das Land in Europa mit der zahlenmäßig größten Population an Einwohnern, die eine fremde Staatsbürgerschaft besitzen (Vgl. Datenreport 2006, S. 25). Der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund ist sogar noch erheblich höher. Die Migranten kamen nach Deutschland als Gastarbeiter aus den Anrainerstaaten des Mittelmeeres, als Aussiedler aus Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion oder als Asylsuchende aus der ganzen Welt. Aus dieser vielfältigen Zusammensetzung der in Deutschland lebenden Bevölkerung lässt sich für diese Arbeit eine zentrale Frage ableiten. Wie verhält sich die Bundesrepublik und speziell die Schule im Umgang mit der gegebenen Heterogenität seiner Bevölkerung?

Die Beantwortung dieser Frage stellt den zentralen Gegenstand dieser Hausarbeit dar. Der Fokus richtet sich dabei auf die Schule, die als Institution verstanden wird, und ihre Handhabung pädagogischer Ansätze bezüglich der sich ihr stellenden Aufgabe, das Unterrichten einer heterogenen Schülerschaft. Dabei bildet die Analyse der Ansätze der Ausländerpädagogik und der Interkulturellen Pädagogik sowie ihr anschließender Vergleich den Schwerpunkt dieser Arbeit. Anschließend folgt die Betrachtung von zwei neueren Untersuchungsperspektiven, die der antirassistischen Pädagogik und die der institutionellen Diskriminierung.

Beginnen wird die Arbeit allerdings mit einer Erklärung zur Begriffsverwendung der Wörter Ausländer und Migrant. Im sich dann anschließenden Kapitel wird ein geschichtlicher Überblick zur Entwicklung der Heterogenität innerhalb Deutschlands und der Schule im Allgemeinen gegeben.

2 Ausländer oder Migrant? Definitionen und Erläuterungen

Da, wie bereits in der Einleitung zu merken ist, sich eine klare Abgrenzung zwischen der Begriffsverwendung Ausländer und Migrant als schwierig erweist, der Begriff Ausländer zudem im Laufe der Zeit eine negative Konnotation erfahren hat und selbst in der Literatur beide Begriffe synonym verwendet werden, sollen an dieser Stelle kurze Definitionen sowie Erläuterungen dazu abgeben werden.

Aus rechtlicher Sicht wird eine Person als Ausländer bezeichnet, wenn sie „eine andere Staatsangehörigkeit als die ihres Aufenthaltslandes besitzt“ (Brockhaus Enzyklopädie 2006, S. 742). Dies ist zwar eine ziemlich einfache Definition, führt aber dennoch oft zu Problemen. Nach Rolf Meinhardt werden „Menschen, die wandern, […] als Migranten bezeichnet“ (Meinhardt 2006, S. 25). Wandern ist in dem Fall mit Migration gleichzusetzen, wovon sich auch der Begriff Migrant ableiten lässt. Unter Migration versteht man die „Wanderung, Bewegung von Individuen, Gruppen oder Gesellschaften (Bevölkerung) im geographischen und sozialen Raum, die mit einem ständigen oder vorübergehenden Wechsel des Wohnsitzes verbunden ist“ (Lexikon zur Soziologie 1994, S. 436). Daraus lässt sich schließen, dass unter Migranten alle nach Deutschland zugewanderten Menschen zu verstehen sind, auch wenn sie aus rechtlicher Sicht die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, wie es sich im Fall der Aussiedler darstellt. Zur Gruppe der Migranten gehören demnach alle ausländische Arbeiter, ausländische Flüchtlinge, die auch als Asylsuchende bezeichnet werden, und jüdische Emigranten aus der ehemaligen Sowjetunion (Vgl. Meinhardt 2006, S. 25).

Die begriffliche Auseinanderhaltung dieser beiden Kategorien ist nicht immer ganz einfach, da auf den ersten Blick jeder Ausländer quasi auch ein Migrant zu sein scheint. Es gibt aber Menschen, die in Deutschland geboren wurden, hier leben, aber dennoch die Staatsbürgerschaft ihrer ausländischen Eltern besitzen, womit sie de facto aus rechtlicher Sicht ebenfalls Ausländer aber nicht Migranten sind, da sie keine Wanderungsbewegung vollzogen haben. Bei dieser Gruppe von Menschen spricht man dann von Menschen mit Migrationshintergrund.1

Der Einfachheit halber wird dagegen im Alltagsdiskurs oft nicht zwischen den Begrifflichkeiten differenziert, sondern generalisierend von Ausländern gesprochen. Allerdings resultiert aus der Verwendung der Begrifflichkeit Ausländer, durch die bereits erwähnte negative Bedeutungszuschreibung der letzten Jahre, eine zunehmende Diskriminierung.

Im Verlauf dieser Arbeit soll, soweit möglich, der Begriff Migrant gebraucht werden, da dieser besser die jeweiligen Lebensumstände wiedergibt. Der Begriff Ausländer wird dagegen lediglich verwendet, wenn es sich um den rechtlichen Gebrauch des Begriffes handelt.

2.1 Geschichtlicher Überblick zur Entwicklung der Heterogenität in Deutschland und der Schule.

Wie erwähnt, leben heute 7,3 Mio. Ausländer in Deutschland und noch wesentlich mehr Menschen können als Migranten bezeichnet werden oder weisen einen Migrationhintergrund auf. In diesem Kapitel soll kurz beschrieben werden, welche Entwicklungen zu dieser Heterogenität der deutschen Gesellschaft führten.

Generell galt Deutschland über viele Jahrhunderte hinweg bis zum Ende des 19.Jh. als traditionelles Auswanderungsland, auch wenn es parallel dazu stets Einwanderungswellen gab, wie beispielsweise im 17.Jh. die Hugenotten, die aus Frankreich kamen und sich verstärkt in Berlin und Brandenburg ansiedelten (Vgl. Ebd. S. 29).

Mit der Reichsgründung von 1871 und einem zur selben Zeit stattfindenden wirtschaftlichen Aufschwung, dreht sich diese Tendenz um. Deutschland wird zum Einwanderungsland. Bereits um 1900 besitzen ca. 1,4 Prozent der Gesamtbevölkerung einen ausländischen Pass (Vgl. Gogolin 2006, S. 39).

Der lang anhaltende wirtschaftliche Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg führt zur Vollbeschäftigung und zur Anwerbung der so genannten Gastarbeiter. Am 20. Dezember 1955 wird der erste Anwerbevertrag mit Italien geschlossen (Vgl. Meinhardt 2006, S. 34). In den folgenden Jahren werden weitere Verträge mit anderen Mittelmeerstaaten vereinbart, so dass bereits 1964 der millionste Gastarbeiter in Deutschland2 begrüßt werden kann (Vgl. Ebd. S. 35).

Viele Gastarbeiter beschlossen im Lauf der Zeit nicht mehr in die Heimat zurück zu kehren und holten ihre Familien nach oder gründeten in Deutschland eigene Familien. Da zu Familien auch immer Kinder gehören, kommen infolge dieser Entwicklung die ersten ausländischen Kinder bzw. Kinder mit Migrationshintergrund in die Schule, worauf das deutsche Schulsystem zu jener Zeit nur mangelhaft vorbereitet ist. Es gibt weder Konzepte noch geschultes Lehrerpersonal, die den Umgang mit Migrantenkindern hätten erleichtern können. So kommt es fast zwangsläufig zu schwerwiegenden Fehleinschätzungen und gravierenden Problemen, die zum Teil noch bis heute nachwirken. Aufgrund dieser Lage entwickelen sich in der Pädagogik die ersten Ansätze zur so genannten Ausländerpädagogik. (Vgl. Gogolin 2006, S. 69).

Durch die zunehmende Zahl von Spätaussiedlern, der Gewährung von Asyl für Asylsuchende und die Entwicklung des freien Marktes innerhalb der Europäischen Union, der die freie Wohnorts- und Arbeitsplatzwahl für alle EU-Bürger festschreibt, hat sich die Zahl der in Deutschland lebenden Ausländer auf ca. 9 Prozent der Gesamtbevölkerung erhöht (Vgl. Datenreport 2006, S. 41).

Richtet man den Fokus zum einen weg von der Betrachtung der Gesamtbevölkerung hin zur Schule und zum anderen nicht ausschließlich auf die Kinder von Ausländern sondern auch auf Kinder mit Migrationshintergrund, dann ergibt sich ein noch viel heterogeneres Bild. Fast ein Drittel der in der Bundesrepublik eingeschulten Kinder weisen einen Migrationshintergrund auf (Vgl. Flam 2007, S. 35). Zudem gibt es Schulen, an denen sich die Schülerschaft zu fast 100 Prozent aus Migrantenkindern zusammensetzt.3

Diese sprachliche, kulturelle, ethnische und soziale Heterogenität der zu unterrichtenden Kinder führte in der Vergangenheit und führt bis heute noch zu Schwierigkeiten. Im folgenden Kapitel soll die Entstehung dieser Schwierigkeiten im deutschen Schulsystem näher erläutert werden.

2.2 Die deutsche Schule und ihre Schwierigkeiten

Historisch gesehen handelt es sich bei der Institution Schule um die „älteste Kernorganisation des Erziehungssystems“ (Mecheril 2004, S. 14). Erste Formen der Schule gibt es bereits im antiken Griechenland.

[...]


1 Als Mensch mit Migrationshintergrund kann man auch bezeichnet werden, wenn man die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. Generell trifft diese Bezeichnung zu, wenn mindestens ein Elternteil nach Deutschland zugewandert ist.

2 Allerdings muss an dieser Stelle gesagt werden, dass mit Deutschland in der Zeit zwischen 1945 und 1990 ausnahmslos die BRD gemeint ist. Im gesamten Verlauf der Arbeit wird sich während dieser Zeit ausschließlich auf die BRD bezogen. In der DDR gab es ebenfalls Migrationsbewegungen, diese sind allerdings für das Thema der Arbeit nicht von Relevanz und zu vernachlässigen.

3 Wie es beispielsweise an der Berliner Rütli-Schule der Fall ist. Die Rütli-Schule erlangt im März 2006 in den Medien zweifelhafte Popularität als bekannt geworden ist, dass die Lehrerschaft geschlossen den Dienst, aufgrund von Gewalt und Undiszipliniertheit der Schülerschaft, niederlegen will.

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Details

Titel
Heterogenität in der Schule
Untertitel
Erläuterungen zu den Ansätzen der Pädagogik und ihrer Handhabung in der deutschen Schule
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Soziologie )
Veranstaltung
Migrationssoziologie – Institutionelle Diskriminierung
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V190878
ISBN (eBook)
9783656154709
ISBN (Buch)
9783656154945
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Migration, Pädagogik, Diskriminierung, Schule, Schulsystem
Arbeit zitieren
Tobias Klein (Autor), 2009, Heterogenität in der Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190878

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