Mit dem Begriff „Christenverfolgung“ im Imperium Romanum werden- meist eher einseitig- zahlreiche Foltermethoden, Kreuzigungen, Steinigungen und andere grausame körperliche Strafen sowie unzählige Todesopfer über einen Zeitraum von Jahrhunderten verbunden. Fast automatisch fallen dazu die Namen der berühmt-berüchtigten Kaiser Nero, Trajan oder „Der blutdürstige Tiger, der unbarmherzige Decius“, deren Verfolgungsdurst als schier unersättlich galt und in Literatur wie auch der älteren Forschung zum Teil verfälscht dargestellt wurde. Seltener aber wurden die Hintergründe dieser Verfolgungen genauer beleuchtet und hinterfragt; die religiösen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und militärischen Situationen und Entscheidungen berücksichtigt. Eben jene komplexen Wirkzusammenhänge sollen in dieser Arbeit an ausgewählten Aspekten am Beispiel der Christenverfolgung Valerians verstärkt betrachtet werden.
Die valerianische Verfolgung war eine recht kurze, aber dennoch nicht minder heftige Welle der Christenverfolgung, die sich aufgrund ihres taktischen Strategiewechsels in der Krise des 3. Jahrhunderts von vorhergehenden Verfolgungen unterscheidet. Weg von der Masse der einfachen christlichen Bevölkerung und hin zu Führungspersönlichkeiten in Klerus und Gesellschaft lautete die Devise der Bekämpfung des Christentums, weshalb das Augenmerk der Forschung besonders darauf gerichtet ist. Doch wer war Valerian? Welche Motive haben ihn geleitet, in welcher Lage befand sich das riesige Reich, welche Rolle spielte sein Sohn Gallienus dabei und weshalb setzte die Verfolgung erst Jahre nach der Erhebung zum Augustus ein?
Zur Beantwortung dieser Fragen soll zunächst eine Einordnung des Valerian und seines Sohnes Gallienus erfolgen, die sich am Bild der älteren wie auch der neueren Forschung orientiert. Auf Grund dieser Basis wird anschließend den Ursachen der erst spät einsetzenden Verfolgung ab 257 n. Chr. nachgegangen; die Edikte und der taktische Wechsel sowie mögliche Motive werden dabei herausgestellt. Besonders im Hinblick auf Gallienus´ Toleranzedikt nach dem Tod des Vaters soll abschließend dessen Rolle und Motivation beurteilt und damit die Situation in der Krise noch einmal aus einem anderen Blickwinkel heraus betrachtet werden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die Valerianische Verfolgung: Ursachen und Motive
1. Das Bild des Valerian und des Gallienus im Spiegel der Forschung
2. Ursachen der späten Verfolgung ab 257: militärisch-geographische Krisenherde
3. Die Edikte: Taktikwechsel und Statuierung von Exempeln
4. Motive der Verfolgung
a) Finanzielle Motive
b) Religiöse und politische Beweggründe
III. Abschlussbetrachtung: Die Rolle des Toleranzediktes des Gallienus. Ideologische Abkehr vom Kurs des Vaters?
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Hintergründe, Motive und strategischen Besonderheiten der Christenverfolgung unter Kaiser Valerian im 3. Jahrhundert n. Chr. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, welche Rolle die wirtschaftliche Krise, militärische Bedrohungen sowie die religiös-politische Grundhaltung des Kaisers bei der Gestaltung der Edikte und deren Umsetzung spielten.
- Forschungsstand zu Valerian und Gallienus
- Einfluss militärischer und geographischer Krisenherde auf die kaiserliche Politik
- Analyse der Edikte und des Taktikwechsels in der Christenverfolgung
- Untersuchung finanzieller, religiöser und politischer Motive
- Die Rolle des Toleranzedikts des Gallienus im Kontext der Reichskrise
Auszug aus dem Buch
3. Die Edikte: Taktikwechsel und Statuierung von Exempeln
Der politische Umschwung kam mit dem Höhepunkt der militärischen und wirtschaftlichen Krisen im Jahr 257. Aufgrund der desolaten Lage, war eine Hinwendung zu den Christen nicht mehr verwunderlich. Zwar existiert keine Wortlautüberlieferung, die Quellenlage ist aber dennoch gut, was auf ein scharfes und geplantes Vorgehen zur Verbreitung und Durchsetzung der Edikte schließen lässt.
Mit dem ersten kaiserlichen Erlass 257 erging ein harscher Opferbefehl an alle Bischöfe, Presbyter und Diakone. Sie sollten in der Öffentlichkeit den Staatsgöttern opfern. Das folgende zweite Edikt von 258 bedeutete eine enorme Verschärfung des Ersten. Alle Bischöfe, Presbyter und Diakone sollten hingerichtet werden; Senatoren, angesehene Männer sowie römische Ritter, die dem Christentum angehörten, sollten zunächst ihr öffentliches Ansehen und ihr Vermögen verlieren. Erst nach einem weiteren Bekenntnis folgte auch für sie der Tod.
Zunächst ist zu betonen, dass diese Verfolgung anfangs in der Tradition der decischen Politik stand; es erfolgte in einem ersten Schritt die Ausschaltung und Gefangennahme der führenden Persönlichkeiten. Danach aber spielt die neue Taktik Valerians eine große Rolle: Es fand keine Verfolgung der christlichen Massen mehr statt, wie sie sein Vorgänger Decius praktizierte. Stattdessen wurden lediglich Verbote erlassen, die den Christen beispielsweise untersagten religiöse Versammlungen abzuhalten oder die Coemetrien zu betreten. Die Verfolgung war demnach eine absolute Ausrichtung gegen die Institution Kirche bzw. deren vertretenden Klerus.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einführung erläutert die komplexe Ausgangslage der Christenverfolgung im 3. Jahrhundert und definiert die Zielsetzung, die Hintergründe von Valerians Vorgehen kritisch zu beleuchten.
II. Die Valerianische Verfolgung: Ursachen und Motive: Dieses Hauptkapitel analysiert das moderne Forschungsbild der Kaiser, die militärischen Krisen als Kontext der Verfolgung sowie die spezifischen fiskalischen und religiösen Motive hinter den Edikten.
III. Abschlussbetrachtung: Die Rolle des Toleranzediktes des Gallienus. Ideologische Abkehr vom Kurs des Vaters?: Das Fazit stellt fest, dass das Toleranzedikt des Gallienus weniger eine bewusste ideologische Wende war, sondern als pragmatische Reaktion auf die unbewältigbaren Krisen des Reiches zu verstehen ist.
Schlüsselwörter
Valerian, Gallienus, Christenverfolgung, 3. Jahrhundert, Römische Reichskrise, Edikte, Klerus, Religionspolitik, Staatsgötter, Fiskalische Motive, Toleranzedikt, Kaiserkult, Märtyrer, Kirchengeschichte, Macrianus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Christenverfolgung unter Kaiser Valerian und den Hintergründen sowie Motiven, die zu dieser spezifischen staatlichen Maßnahme führten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die kaiserliche Religionspolitik im 3. Jahrhundert, die wirtschaftliche und militärische Krise des Römischen Reiches und die taktische Neuausrichtung der Verfolgung gegen den Klerus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Motive für die Verfolgung (fiskalisch, religiös, politisch) zu analysieren und zu prüfen, inwieweit diese durch die allgemeine Reichskrise bedingt waren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit angewendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Analyse des aktuellen Forschungsstandes sowie auf die kritische Auswertung historischer Quellen, insbesondere zeitgenössischer Berichte und kaiserlicher Edikte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Forschungslage zu Valerian und Gallienus, den geographischen Krisenherden, der spezifischen Taktik der Edikte sowie einer differenzierten Bewertung der finanziellen und religiösen Beweggründe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Valerian, Christenverfolgung, Reichskrise des 3. Jahrhunderts, Toleranzedikt des Gallienus und Religionspolitik definieren.
Inwiefern unterschied sich Valerians Vorgehen von seinem Vorgänger Decius?
Während Decius die Massen verfolgte, konzentrierte sich Valerian taktisch auf die Ausschaltung der Führungspersönlichkeiten (Klerus) und der gesellschaftlichen Oberschicht, um die Kirche finanziell und organisatorisch zu schwächen.
War das Toleranzedikt des Gallienus eine echte Kehrtwende in der Religionspolitik?
Die Autorin argumentiert, dass das Edikt eher eine pragmatische Entscheidung aus der Not heraus war, um das durch interne und externe Krisen überlastete Reich zu stabilisieren, statt einer ideologischen Abkehr von der väterlichen Politik.
- Arbeit zitieren
- Katharina Weiß (Autor:in), 2011, Die Valerianische Verfolgung: Ursachen und Motive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190884