1. Einleitung
Die Französische Revolution war Wegbereiter eines modernen Menschen-, Gesellschafts- und Politikbildes. Dieser 1789 begonnene Umwälzungsprozess, der sich über zehn Jahre bis 1799 hinzog, verbreitete noch einmal mehr die Motive der Aufklärung und ihrer berühmten Vertreter wie Rousseau, Mon-tesquieu und Voltaire. Da Frankreichs absolutistische Staatsform und die da-zugehörige gesellschaftliche Ordnung im Europa des späten 18. Jahrhunderts weit verbreitet war, hatten die Ideen der Aufklärung und deren beginnende Umsetzung für Europa Modellcharakter. Eine bis dato vermeintlich nicht um-setzbare Veränderung der seit Jahrhunderten herrschenden Vorstellung vom Monarchen als Alleinherrscher, vollzog sich in wenigen Monaten im Nachbar-land Frankreich.
Eine Reaktion des Gelehrtenkreises innerhalb Europas ließ folglich nicht lange auf sich warten. Die Pariser Ereignisse wurden durch Journale, Briefe oder sogar durch einen persönlichen Besuch vor Ort verfolgt: Das Interesse war enorm. Auch die deutschen Intellektuellen tauschten sich aus und positionier-ten sich. Über die lange Dauer der Revolution veränderte sich jedoch der an-fängliche Enthusiasmus vieler Befürworter/Gelehrter. Die Reaktionen reichten später von Skepsis und Kritik über Ablehnung und strikte Verurteilung dieser brutalen Umsetzung des Volkswillens v.a. unter der Jakobiner Herrschaft.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit Schillers „Lied von der Glocke“. In diesem Gedicht sucht er den Pariser Ereignissen lyrisch beizukommen, wobei dem historisch interessierten Leser die eindeutige Kritik an der Französischen Re-volution nicht entgehen dürfte. Daher sucht diese Arbeit Schillers Weg in die-se scheinbare Ablehnung der Revolution in Zügen darzustellen und zu erklä-ren. Von besonderem Interesse für diese Arbeit soll dabei der Schlussteil des Gedichtes sein (Vers 299 bis 424), weil sich Schillers Kritik an der Französi-schen Revolution ab diesen Versen am deutlichsten erkennen lässt.
5. Fazit
Sowohl Schillers privaten Äußerungen - z.B. Briefen an seine Freunde und Kollegen - als auch seinen öffentlichen Aktivitäten wie die Verteidigungsrede für Ludwig XVI. ist politisches Engagement zu entnehmen, welches ein Selbstverständnis seiner Zeit widerspiegelt. Der gebildete, ebenso wie der un-gebildete Mensch, will ins aktuelle Geschehen eingreifen, mehr noch: Er will die Welt nach seinem Bilde formen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Französische Revolution und ihre Bedeutung
2.1 Die Phasen der Französischen Revolution
2.2 Die Reaktionen auf die Französischen Revolution
3. Schiller – Aufgeklärter Geist und Skeptiker der Französischen Revolution
4. „Das Lied von der Glocke“ – Vielmehr ein historischer Kommentar als ein Gedicht
5. Fazit
6. Textnachweis/Grundlagentext
7. Literaturnachweise
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Friedrich Schillers Gedicht „Das Lied von der Glocke“ unter dem Aspekt seiner kritischen Auseinandersetzung mit der Französischen Revolution, wobei der Fokus auf dem Schlussteil des Werkes liegt, um Schillers politische Haltung als ehemaliger Befürworter und späterer Skeptiker der revolutionären Ereignisse aufzuzeigen.
- Historische Einordnung der Französischen Revolution und ihrer Phasen
- Wandel in der Wahrnehmung der Revolution durch deutsche Intellektuelle
- Schiller als Dichter, Historiker und Philosoph im Kontext seiner Zeit
- Analyse der Bildsprache und Metaphorik in „Das Lied von der Glocke“
- Die Funktion des Gedichts als politisch-historischer Kommentar
Auszug aus dem Buch
4. „Das Lied von der Glocke“ – Vielmehr ein historischer Kommentar als ein Gedicht
Doch was dem gemeinen Mann als fröhliches, den Arbeitsgang begleitendes Handwerkslied und dem Skeptiker als ‚spießbürgerliches‘ und völlig veraltete Normen hochhaltendes Zeugnis von Schillers ‚Biedersinn‘ daherkommt, legt sich dem historisch bewanderten Leser gänzlich anders dar. Für diese Arbeit soll folglich weniger die lyrische Ausformung und klassische Interpretation des Gedichtes im Vordergrund stehen, sondern vielmehr die historische Relevanz in Form von Aufschlüsselung der von Schiller bewusst verwendeten Bilder herausgearbeitet werden. Natürlich lassen sich spießbürgerliche Werte gepaart mit Fingerzeigen finden. Deren Gehalt ergibt sich von geschichtswissenschaftlicher Seite aus Reflexionen Schillers über der Französische Revolution. Durch das quasi unbelastete Medium – das Gedicht – konnte zum einen die freie Zugänglichkeit und darüber hinaus – was viel wichtiger war – die Unvoreingenommenheit eines breiten Publikums sichergestellt werden.
Wie bereits erwähnt ist der Vorgang des Glockengießens das zentrale Motiv. Die Glocke, deren „erst Geläute“ „Friede“ (V.424) sein soll, erhält zu ihrer ohnehin schon enormen Bedeutung als über dem Leben der Menschen schwebende und wachende Instanz noch den symbolträchtigen Namen „Concordia“ (V.392). Wortwörtlich als „Eintracht“ übersetzt, durchzieht er dabei als Idealmaß das gesamte Gedicht. Einzelne Arbeitsschritte werden mit „allgemeinen Betrachtungen über den Gang des menschlichen Lebens“ in Verbindung gesetzt und so funktioniert der gedichtete Arbeitsvorgang immer als Metapher zum darauffolgendem Kommentar zu einzelnen Szenen, die das menschliche Leben symbolisch nachvollziehen sollen: Von der Geburt und der Jugend, über die erste Liebe, die Hochzeit und das typische Familienleben bis hin zum Umgang und der Überwindung von alles neuordnenden Naturkatastrophen. Am Ende des Gedichts steht die gemeinsame Inbetriebnahme der Glocke durch die Bürger, denn erst durch den Einsatz der symbolträchtig vereinten Kräfte lässt sich die Glocke heben. Über den Köpfen der Bürger schwebend soll fortan Eintracht über die Menschen walten und der „Stadt […] [Freude] bedeuten“ (V.424).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung der Französischen Revolution ein und erläutert das Ziel der Arbeit, Schillers lyrische Auseinandersetzung mit den Ereignissen in seinem Werk „Das Lied von der Glocke“ aufzuzeigen.
2. Die Französische Revolution und ihre Bedeutung: Dieses Kapitel skizziert die verschiedenen Phasen der Revolution und beleuchtet die Reaktionen europäischer Gelehrter sowie den Wandel der deutschen Intellektuellen von anfänglichem Enthusiasmus hin zu kritischer Ablehnung.
3. Schiller – Aufgeklärter Geist und Skeptiker der Französischen Revolution: Hier wird der Wandel Friedrich Schillers vom Befürworter zum Kritiker der Revolution analysiert, wobei seine aufklärerischen Konzepte und seine Enttäuschung über die radikale Gewalt der Jakobiner im Zentrum stehen.
4. „Das Lied von der Glocke“ – Vielmehr ein historischer Kommentar als ein Gedicht: Dieses Hauptkapitel untersucht das Gedicht als Metapher und politischen Kommentar, in dem Schiller gesellschaftliche Normen und Eintracht dem zerstörerischen Chaos der Revolution entgegenstellt.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet Schillers „Lied von der Glocke“ als Appell gegen das Negativbeispiel der Französischen Revolution, wobei der Dichter ein harmonisches Gesellschaftsbild unter fachkundiger Führung fordert.
6. Textnachweis/Grundlagentext: Dieser Abschnitt enthält den vollständigen Grundlagentext von Schillers „Das Lied von der Glocke“ für die Analyse.
7. Literaturnachweise: Dieses Kapitel führt sämtliche verwendeten Quellen und Sekundärliteratur zur Arbeit auf.
Schlüsselwörter
Friedrich Schiller, Französische Revolution, Das Lied von der Glocke, Aufklärung, Politische Lyrik, Revolutionskritik, Concordia, Eintracht, Bürgerliche Ordnung, Jakobiner, Historischer Kommentar, Menschenbild, Gesellschaftsordnung, Literaturgeschichte, Rezeptionsgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Auseinandersetzung Friedrich Schillers mit der Französischen Revolution, dargestellt durch sein Gedicht „Das Lied von der Glocke“.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Publikation behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Einordnung der Französischen Revolution, der intellektuellen Resonanz in Deutschland, Schillers Philosophie und der Interpretation seiner Metaphorik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Schillers Weg von der anfänglichen Begeisterung für die Revolution hin zur distanzierten Kritik nachzuzeichnen und aufzuzeigen, wie er dies lyrisch in seinem Glockenlied verarbeitet hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text des Gedichts mit historischen Kontexten und Schillers biografischen Äußerungen sowie zeitgenössischen Briefen verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Gedicht als Metapher für den staatlichen Umbau, wobei die Glocke als Symbol für „Eintracht“ und bürgerliche Ordnung der Gewalt der Revolution gegenübergestellt wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben Friedrich Schiller und der Französischen Revolution insbesondere Begriffe wie Concordia, Eintracht, politische Lyrik und Revolutionskritik.
Wie bewertet Schiller die Rolle der Obrigkeit im Vergleich zum Volk?
Schiller plädiert in dem Gedicht für eine Ordnung, die von politisch versierten Akteuren in Zusammenarbeit mit der Obrigkeit geleitet wird, da er das „revolutionsbegeisterte Volk“ als unmündige Laien betrachtet.
Welche Bedeutung haben die Verse 299 bis 424 für die Argumentation des Autors?
Diese Verse bilden den Schlussteil des Gedichts und werden als besonders relevant erachtet, da sich hier Schillers Kritik an der Revolution und sein Plädoyer für gesellschaftliche Eintracht am deutlichsten manifestieren.
- Arbeit zitieren
- Julia Neubert (Autor:in), 2011, Die Reaktion der deutschen Intelligenz auf die Französische Revolution am Beispiel Friedrich Schillers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190951