Berufung des Abram

Eine Exegese von Genesis 12,1-4


Studienarbeit, 2007

22 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Bibeltext nach Wuppertaler Studienbibel

0. Vorbesinnung des Textes

1. Übersetzungsvergleich

2. Abgrenzung und Kontext des Textes
2.1 Abgrenzung des Textes
2.2 Kontext des Textes

3. Gliederung des Textabschnittes

4. Literarkritik

5. Formkritik und Sitz im Leben

6. Mündliche Überlieferungsgeschichte

7. Redaktionsgeschichte

8. Traditionsgeschichte

9. Religionsgeschichtlicher Vergleich

10. Einzelexegese

11. Skopus

12. Verkündigungsansatz für heute

Bibeltext nach Wuppertaler Studienbibel

(1)Jahwe sprach zu Abram: „Du aber geh für dich allein aus deinem Land, weg von deiner Verwandtschaft, aus dem Haus deines Vaters in das Land, das ich dir zeigen werde.
(2)Ich werde dich zu einem großen Volk machen, ich werde dich segnen, und ich werde deinen Namen groß machen, so dass du ein Segen sein wirst.
(3)Ich werde die segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den werde ich verfluchen; und in dir werden gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.

(4a)Da machte sich Abram auf den Weg, wie ihm Jahwe geboten hatte, und Lot ging mit ihm.

0. Vorbesinnung des Textes

Bei der ersten Betrachtung des Textes ruft der Text Erinnerungen an das eigene Verlassen der Heimat und der Familie in mir hervor. So fällt es mir leichter zu verstehen was vor Abram jetzt lag, etwas neues, etwas unbekanntes, eine Welt ohne den Schutz und der Geborgenheit der Familie.

Trotz allen hat Abram den Mut loszugehen ohne auch nur ein Wort über das von Gott gesagte zu verlieren. Dieser Mut, dieses Vertrauen in Gott fasziniert mich an diesem Text. Und wenn ich mich selbst mit Abram vergleiche, so muss ich zurücktreten und sagen dass ich nicht so mutig bin, viel eher meine Meinung dazu sage und mit Gott in Diskussion treten will.

Der zweite Punkt der mir an diesem Text aufgefallen und ins Auge gesprungen ist, ist der Segen Gottes. Es erweckt Freude in mir, wenn ich sehe, wie überreich Gott hier mit seinem Segen umgeht und ihn Abram zuspricht. Beim Lesen des Textes kommt eine Gewissheit in mir zustande, dass Gott immer bei mir sein wird und mich auf meinem Weg segnen wird. Auch wenn diese Zusage zuerst Abram betrifft.

Der letze Punkt, der mir beim Lesen des Textes wichtig geworden ist, ist dass Gott für mich eintreten wird, oder wie er es zu Abram sagte, die verfluchen wird, die ihn verfluchen. Ich brauche mich nicht zu fürchten, mich nicht zu Verteidigen, Gott tritt für mich ein und hilft mir.

1. Übersetzungsvergleich

Zum Übersetzungsvergleich habe ich die Revidierte Lutherübersetzung von 1984, die Revidierte Elberfelder von 1985, die Übersetzung Neues Leben, die Wuppertaler Studienbibel sowie den Kommentar von Claus Westermann zu Genesis 12-36 zu Hilfe genommen.

Abgesehen von der Übersetzung „Neues Leben“ ist der Text in allen weiterhin zum Vergleich herangezogenen Übersetzungen sehr Identisch. Die Übersetzung „Neues Leben“ gibt den Text in viel flüssigerer und aktuellerer Sprachform wieder. Ein weiterer Unterschied zu den anderen Bibelübersetzungen ist im Vers 1 der Satzbeginn mit: „ Dann befahl der Her Abram“. In anderen Übersetzungen heißt es hier: „Und der Herr sprach zu Abram“ (Elberfelder Übersetzung). Die Textaussage wird dadurch aber nicht verändert oder beeinträchtigt, die wörtliche Rede Gottes bekommt dadurch lediglich eine stärkere Ausdrucksweise zugewiesen.

Weitere wichtige Differenzen des Textes traten im Vergleich der Wuppertaler Studienbibel und dem Kommentar von Claus Westermann mit den anderen zum Vergleich herangezogenen Texten auf. Während die Übersetzungen von Claus Westermann und die der Wuppertaler Studienbibel den Gottesnamen „Jahwe“ gebrauchen, sprechen die anderen Übersetzungen nur von „der Herr“. Dieser Unterschied der Übersetzungen rührt, wie wir später noch ausführlicher erörtern werden, aus der Angst des Autors beziehungsweise des damaligen Volkes heraus den Gottesnahmen zu benutzen. Für uns heute macht er lediglich noch einmal die Heiligkeit und Unnahbarkeit Gottes deutlich.

Der letzte bedeutende Punkt der mir bei dem Vergleich der Übersetzung von Claus Westermann zu den anderen gewählten Übersetzungen Aufgefallen ist, ist der Gebrauch des Namens Abraham. Alle anderen Übersetzungen nennen hier nur den Namen Abram. Erst ab Genesis 17,5 tritt in den anderen Übersetzungen der Name Abraham auf.

Für diese Exegese werde ich mich für die Wuppertaler Studienbibel entscheiden, da sie für mich am nahesten am Urtext zu liegen scheint.

2. Abgrenzung und Kontext des Textes

2.1 Abgrenzung des Textes

Den Beginn des Textes können wir auf den ersten Blick scheinbar leicht abgrenzen da wir einen sehr deutlichen Übergang von einer Genealogie hin zu unserer Geschichte erkennen können. Die Abgrenzung nach hinten unseres Textes scheint schon nicht mehr ganz so einfach zu sein. Schauen wir deshalb den Text und die umgebenden Texte differenzierter an.

Beginnen wir mit der Überprüfung der Verfasser der einzelnen Verse und beginnen dabei bei der Genealogie die in Gen 11, 10 beginnt. Diese Genealogie wird in Vers 27 Unterbrochen. Bis zu diesem Punkt können wir die P1 als Verfasser anrechnen. Mit der Geschichte Terachs die der J¹ ab Vers 28 zu erzählen beginnt, scheint sich bereits ein neuer Abschnitt zu eröffnen. Die Verfasser wechseln hier. Die Geschichte Abrams beginnt.

Die Verse 31 und 32 sind von P eingefügt. Ebenso die Verse 4b-5 aus Gen 12. Diese Einfügungen der P dienen uns als Überleitungen zwischen den einzelnen Textabschnitten. Unser Text, Gen 12,1-4a, wurde wie schon die Verse 28 - 30 vom J geschrieben. Wir können daraus eine Fortführung der Geschichte erkennen. Die an unseren Text Angrenzenden Verse Gen 12,6-20 wurden wiederum vom J geschrieben und bilden die Fortführung unseres Textes. Als Fazit unserer Betrachtung der Verfasser können wir unseren Text zwischen die Verse 31-32 und 4b-5 die von der P abstammen eingrenzen. Jedoch bezieht sich diese Abgrenzung nur auf das Eingeschobene der P. sodass wir den eigentlichen Textumfang der schon ab Gen 11,28 beginnt und sich ab Gen 12,6 fortsetzt zumindest in der Kontextbetrachtung beachten müssen.

Bei exakter Betrachtung des Inhaltes und der Grammatik können wir den Text auch abgrenzen. Bis Gen 11,32 finden wir schwerpunktmäßig Genealogische Daten. Vater, Geschwister und die Frau Abrams werden hier aufgelistet. In Gen 12,1-4a wechselt der Text hin zu einer Verheißungszusage Gottes. „Wie am Anfang der Schöpfung, so steht hier zu Beginn der Geschichte Gottes mit Abram das göttliche Wort“2 Etwas Neues Beginnt! Hier geht es nun nicht mehr um Daten und Fakten sondern um die Zukunft Abrams, um Segen, um die Verheißung. Der Text wechselt von einer Art Auflistung hin zu einer persönlichen Rede Gottes an Abram. Ab Vers 4b finden wir wieder die

Auflistung von Daten wie wir sie schon vorher in der Genealogie angetroffen haben. Wir Grenzen den Text also Inhaltlich bzw. Grammatikalisch zwischen einer Unterbrochenen Genealogie ab.

2.2 Kontext des Textes

Der Kontext unseres Textabschnittes ist für das richtige Verständnis von enormer Bedeutung. Dies wird sofort deutlich, würden wir ihn aus dem Zusammenhang reisen, ihn einzeln betrachten. Entscheidende Aussagen über die Bedeutung des Textes z.B. im Zusammenhang über das Leben und Wirken Gottes an Abram, würden dadurch verloren gehen. Diese Abgrenzung soll dazu beitragen, den Kontext unseres Exegese Textes besser zu verstehen.

Beginnen wir mit der Vorgeschichte unseres Textabschnittes Gen 12,1-4a. Dazu möchte ich einen Bogen spannen von der Schöpfungsgeschichte über den Turmbau zu Babel hin zu der Segensverheißung, unseres Textabschnittes. Bereits in der Schöpfungsgeschichte finden wir eine Segensverheißung in den Worten „Seid fruchtbar und mehret euch“ (Gen 1,22). Diese wird auch später bei Noah wiederholt in Gen 9,1 („Und Gott segnete Noah und seine Söhne und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch und füllt die Erde“)und trifft jetzt unseren Abram in Gen 12,2 („Und ich will dich zu einer großen Nation machen“). Dazwischen lesen wir immer und immer wieder den Abfall des Menschen von Gott. „Eine Linie des Verfalls in der von Gott geschaffenen Welt“3 zeigt sich uns bis dahin auf. Bisher dominiert in der Urgeschichte das Wort „Fluch“ (Gen 3,14; 3,17; 4,11; 5,29; 8,21; 9,25), nun aber das Wort „Segen“. „Die Umfassende Verheißung steht sozusagen als das in der Urgeschichte fehlende Gnadenwort an deren Ende.“4 Ein starker Kontrast tritt besonders noch einmal zu der Geschichte des Turmbaus zu Babel auf. Ein letzter Versuch des Menschen sich gegen Gott aufzubauen. „Das große Volk der Menschheit in Babylon, das sich selber erhalten wollte, scheitert an seinem Tun“5 In Abram steht nun ein „wehrloser einzelner“ der zu einem großen Volk werden soll unter Gottes Verheißung. Unüberhörbar auch der Kontrast in dem Wortlaut „Wir werden uns einen Namen machen“ (Gen 11,4) und dem Segenswort an Abram „ich will deinen Namen groß machen“ (Gen 12,2). An Abram wird nun deutlich, das sich Gott in seinem Zorn nicht für immer von der menschlichen Gemeinschaft losgesagt hat. In Abram beginnt er zu handeln, um den von der Menschlichen Sünde verursachten Bruch zu heilen. „Der Möglichkeit völliger Vernichtung der Schöpfung hat sich -genauso unbegreiflich - Gottes Entschluss, die Erde zu erhalten, entgegengestellt. Das ist der Hintergrund, von dem die Geschichte der Berufung Abrams sich abhebt.“6

Mit der Berufung Abram beginnt jetzt etwas neues, eine neue Epoche. Der Text dient so als Überleitung von der Urgeschichte hin zur Vätergeschichte, abgegrenzt durch Genealogien.

Um den Kontext aber wirklich zu verstehen, ist nicht nur eine Betrachtung des Textes nach hinten zu sehen, auch seine Auswirkungen, die sich durch die ganze Bibel ziehen, sollten im Blick behalten werden. Schließlich betrifft die Segensverheißung an Abram ja die gesamte Menschheit.

Doch bleiben wir zuerst im näheren Umfeld bevor wir einen kurzen Bogen zum NT ziehen werden. Direkt an die Verheißung, finden wir den weiteren Verlauf Abram, ab Vers 17 schließlich Abrahams. Wir entdecken, wie sowohl Abraham als auch seine Frau, versuchen der Verheißung nachzuhelfen. Wir entdecken erneut den Gehorsam Abrahams als er seinen eigenen Sohn opfern soll. Wir entdecken den Ruf Gottes, sein „Heraus!“ an die Menschen.

Entdecken seinen Heilsplan, den er durch Abram beginnt. Besonders in Exodus, dem Auszug aus Ägypten wird dies deutlich.

„Sollte der J, wie viele annehmen, in die Zeit bald nach David zu datieren sein, so könnte er im Geschehen dieser Zeit die Zusage erfüllt sehen, dass Abraham in seinen Nachkommen zum großen Volk und darin zum Träger seines großen Namens werden sollte“7. Aber auch schon bei Laban und scheinbar auch bei Joseph finden wir Anfänge dieser Verheißung, bei Laban selbst über Israeliten hinaus. Wir merken hier schon die Tragweite der wenigen Verse der Segensverheißung und welche fatalen Fehldeutungen auftreten können, wenn wir den Text aus dem Zusammenhang reißen. An diesen Versen hängt das gesamte Volk Israel.

[...]


1 Die Verfasser (P / J) sind dem Kommentar von Claus Westermann zu Genesis entnommen.

2 Wuppertaler Studienbibel Kommentar zu 1.Mose S.45 .

3 Tausend Jahre und ein Tag S.24.

4 Das Alte Testament S.131.

5 Züricher Bibelkommentare S.20.

6 Tausend Jahre und ein Tag S.24.

7 Züricher Bibelkommentar S.20.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Berufung des Abram
Untertitel
Eine Exegese von Genesis 12,1-4
Hochschule
CVJM-Kolleg Kassel
Note
1
Autor
Jahr
2007
Seiten
22
Katalognummer
V190956
ISBN (eBook)
9783656155546
ISBN (Buch)
9783656155317
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Exegese Altes Tesament
Arbeit zitieren
Jörg Weise (Autor), 2007, Berufung des Abram, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190956

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