Wie schon zuvor in der Philosophie, hat sich auch in den Internationalen Beziehungen eine sprachanalytische Wende vollzogen. Diese linguistische Wende ergibt sich aus der Einbeziehung der Sprache in konstruktivistischen Ansätzen. Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass die schon existierenden sprachphilosophischen Konzeptionen der Sprechakttheorie als Grundlage, für die Untersuchung der Sprache in den Internationalen Beziehungen, dienen.
Das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit liegt in der Bedeutung der Sprache als Untersuchungsgegenstand in den Internationalen Beziehungen für konstruktivistische Ansätze. Es lässt sich hierfür die Behauptung aufstellen, dass Sprache in konstruktivistischen Ansätzen eine zentrale Rolle einnehmen muss. Onuf hat in seinen Ausführungen aufgezeigt wie wichtig der Aspekt der Sprache für Untersuchungen sein kann. Welche Möglichkeiten sich aus Onufs Perspektive eröffnen, mit seiner Einbeziehung der Sprache als Untersuchungsgegenstand, soll in dieser Arbeit beantwortet werden. Durch den Versuch der Beantwortung sollen nicht nur die Möglichkeiten aufgezeigt werden, sondern auch deren Bedeutung für konstruktivistische Ansätze.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sprachphilosophische Konzeptionen der Sprechakttheorie
2.1 Austins Konzeption der Sprechakttheorie
2.2 Searles Konzeption der Sprechakttheorie
3. Sprache in Onufs Konzeption des Konstruktivismus
3.1 Onufs Kategorisierung von Sprechakten
3.2 Onufs Kategorisierung von Regeln
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung der Sprache für den Konstruktivismus in den Internationalen Beziehungen, wobei sie insbesondere die sprachphilosophischen Grundlagen der Sprechakttheorie auf die Ansätze von Nicholas Onuf anwendet.
- Sprachphilosophische Grundlagen der Sprechakttheorie
- Analyse der Ansätze von Austin und Searle
- Konstruktivistische Theoriebildung durch Sprache
- Kategorisierung von Sprechakten und Regeln nach Onuf
- Die politische Dimension der Sprache und Machtverhältnisse
Auszug aus dem Buch
3.1 Onufs Kategorisierung von Sprechakten
Onufs Klassifizierung der Sprechakte bezieht sich zwar auf Searles Klassifizierung von illokutionären Akten, er lehnt jedoch eine vollständige Übernahme ab. Für ihn sind nur drei der fünf Sprechtypen interessant. Denn nur assertive, direktive und kommissive Sprechakte besitzen die seiner Meinung nach nötigen Vorraussetzungen. Da nur sie in der Lage sind Regeln zum Ausdruck zu bringen und einen perlokutionären Gehalt besitzen können. D.h., diesen drei Typen ist es möglich eine illokutionäre Rolle aufzuweisen, die eine Regel zum Ausdruck bringen kann. Oder anders formuliert, alle Regeln besitzen eine solche illokutionäre Funktion. Was jedoch nicht bedeuten soll, dass alle illokutionären Akte Regeln ausdrücken können, sie sind nur mögliche Regelkandidaten. Denn der von ihm geforderte perlokutionäre Gehalt ergibt sich nun aus der Bereitschaft des Hörers, der Äußerung glauben oder in Form von Regeln diese zu befolgen. Findet also keine Bereitschaft des Hörers statt, kann daraus keine Regel werden. Sie bleibt somit nur ein Regelkandidat. Daher auch der Ausschluss von expressiven und deklarativen Sprechakten. Expressiva können keine Regelkandidaten werden, da sie nicht fähig sind Regel zum Ausdruck zu bringen und beim Deklarativa lassen sich die Regeln anderer Kategorien zuordnen. Dies macht sie für Onufs Konzeption überflüssig.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der "linguistischen Wende" in den Internationalen Beziehungen ein und skizziert das Ziel, Sprache als Untersuchungsgegenstand im Rahmen konstruktivistischer Ansätze zu begründen.
2. Sprachphilosophische Konzeptionen der Sprechakttheorie: Dieser Teil erörtert die theoretischen Grundlagen von J.L. Austin und John Searle, insbesondere deren Differenzierung zwischen lokutionären, illokutionären und perlokutionären Akten.
3. Sprache in Onufs Konzeption des Konstruktivismus: Hier wird untersucht, wie Onuf die Sprechakttheorie adaptiert, um soziale Regeln und die Konstitution sozialer Phänomene in der Weltpolitik zu erklären.
4. Fazit: Das Fazit resümiert, dass die Einbeziehung der Sprache für den Konstruktivismus essentiell ist, da sie nicht nur soziale Wirklichkeit beschreibt, sondern diese erst konstituiert und Machtstrukturen offenbart.
Schlüsselwörter
Sprache, Internationale Beziehungen, Konstruktivismus, Sprechakttheorie, Austin, Searle, Onuf, soziale Regeln, illokutionärer Akt, Macht, Herrschaft, perlokutionärer Gehalt, Konstruktion, soziale Phänomene, linguistische Wende
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle der Sprache innerhalb der Internationalen Beziehungen, insbesondere unter dem Aspekt konstruktivistischer Theorien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die sprachphilosophische Sprechakttheorie (Austin, Searle) und deren Anwendung auf die politikwissenschaftliche Theoriebildung nach Nicholas Onuf.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Sprache nicht nur als Medium der Beschreibung, sondern als Instrument der Konstruktion sozialer und politischer Wirklichkeit verstanden werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die sprachphilosophische Konzepte auf konstruktivistische Ansätze in den Internationalen Beziehungen anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil setzt sich mit den Konzeptionen von Austin und Searle auseinander und analysiert, wie Onuf diese zur Erklärung sozialer Regeln und politischer Machtverhältnisse nutzt.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Sprache, Konstruktivismus, Sprechakte, Internationale Beziehungen, soziale Regeln und Machtstrukturen sind die prägenden Begriffe.
Wie unterscheidet sich Onufs Ansatz von Austin und Searle?
Onuf übernimmt die Sprechakttheorie nicht vollständig, sondern fokussiert sich auf die für ihn relevanten Sprechtypen (assertiv, direktiv, kommissiv), um soziale Regeln und politische Herrschaftsverhältnisse zu begründen.
Welche Bedeutung haben Regeln nach Onufs Verständnis?
Regeln dienen dazu, die soziale Wirklichkeit zwischen Akteuren zu konstruieren und zu stabilisieren, wobei sie implizit Macht und die ungleiche Verteilung von Privilegien beinhalten.
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- Magister Matthias Ludewig (Author), 2005, Sprache als Untersuchungsgegenstand in den Internationalen Beziehungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191022