These: Die Fertilitätsrate wird durch Sachleistungen effektiver gefördert als durch Geldleistungen.
Der Rückgang der Geburten liegt sicherlich nicht nur daran, dass Frauen im Zeitalter der „Pille“ und der Emanzipation selbst wählen können, ob diese schwanger werden wollen oder nicht. Die heutigen potenziellen Eltern nehmen sich ein Beispiel an der vorherigen Generation, wo sie selbst oft in kinderarmen Familien aufgewachsen sind, wobei ein möglicher Grund hierfür oftmals die fehlende staatliche Unterstützung war. Heute spielen vor allem Konflikte über die Vereinbarkeit von Mutterschaft und Beruf eine sehr entscheidende Rolle. Gerade junge Mütter möchten ihre Erwerbstätigkeit aus Gründen der Unabhängigkeit und Selbstbestimmung nicht ganz vernachlässigen oder ganz aufgeben. Ängste, wie dass durch ein Kind die berufliche Entwicklung gehemmt wird oder aber dass es keine ausreichende Unterstützung in Form von Kindertagesstätten oder Ganztagesschulen gibt, führen zu einer erheblichen Unsicherheit bei den Frauen.
In Zeiten, wo Paare erst gar nicht mehr heiraten bzw. sich sehr schnell scheiden lassen, entscheiden sich viele Frauen gerade aufgrund der fehlenden gesellschaftlichen Unterstützung gegen ein Kind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Politischer Einfluss auf die familiäre Rollenverteilung im Vergleich Deutschland und Schweden im letzten Jahrhundert
3. Familienpolitik und deren Auswirkungen in Deutschland
3.1. Sachleistungen
3.2. Geldleistungen
3.3. Gesetzliche Erziehungszeiten
3.4. Erwerbstätigenquote von Frauen
3.5. Fertilitätsrate
4. Familienpolitik und deren Auswirkungen in Schweden
4.1. Sachleistungen
4.2. Geldleistungen
4.3. Gesetzliche Erziehungszeiten
4.4. Erwerbstätigenquote von Frauen
4.5. Fertilitätsrate
5.Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern staatliche Familienpolitik – unterteilt in Sach- und Geldleistungen – die Fertilitätsrate beeinflusst, und vergleicht hierzu die Entwicklung in Deutschland und Schweden.
- Vergleich der historischen Entwicklung der Familienpolitik in Deutschland und Schweden
- Analyse staatlicher Sachleistungen (insb. Kinderbetreuung) und deren Auswirkungen auf die Erwerbstätigkeit von Frauen
- Untersuchung von Geldleistungen und steuerlichen Anreizsystemen
- Evaluierung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für Erziehungszeiten
- Zusammenhang zwischen Betreuungsangeboten, Erwerbsquote und Fertilitätsrate
Auszug aus dem Buch
3.1. Sachleistungen
Deutschland liegt gegenüber anderen Ländern der EU weit zurück, was die Betreuung von Krippen- und Kindergartenkinder betrifft. Durch die nachhaltig unfortschrittliche Haltung der Einverdiener- Ehe hat sich in Deutschland die Mentalität der Einverdiener-Ehe lange gehalten und dadurch wurde versäumt, rechtzeitig Betreuungskapazitäten für eine neue Generation zu schaffen. Die Menschen heute wollen und/oder können es sich aus verschiedenen Gründen nicht mehr leisten, das alte Model weiter fortzuführen, sondern auch die Frauen möchten Berufstätigkeit mit Familie verbinden. Durch das Tagesbetreuungsausbaugesetz, kurz TAG, kann nun seit 2005 eine Verbesserung der Betreuungssituation von Kindern unter drei Jahren geschaffen werden. Der Prozess ist sehr langwierig, und wird noch bis Ende 2013 andauern. Bis dahin, darauf haben sich Bund, Kommunen und Länder geeinigt, sollen 750000 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren geschaffen werden, was einer Betreuungsquote von 35 % entspricht. 30 % hiervon sollen von Tagesmüttern übernommen werden.
Derzeit sieht es in vielen deutschen Städten jedoch noch anders aus, viele Mütter bekommen für ihre Kinder noch keinen Betreuungsplatz. 2006 besuchten gerade einmal 13,5 % der unter drei Jahre alten Kinder eine Betreuungseinrichtung, wobei das Versorgungsniveau der Bundesländer sehr unterschiedlich ausfällt. So fallen auf die ostdeutschen Bundesländer durchschnittlich bis zu 40 %, während die westdeutschen Länder nicht einmal 8 % erreichen.
Ein weiterer Nachteil des deutschen Systems sind die Öffnungszeiten der Betreuungseinrichtungen. Während man sich in anderen Ländern schon längst an Vollzeitstellen, Schicht- und Nachtarbeit angepasst hat, sind die Öffnungszeiten in Deutschland mehr als mangelhaft. Öffnungszeiten wie von 06.00 Uhr bis 18.00 Uhr gibt es selbst in Großstädten wie Hamburg nur selten. An Wochenenden gibt es nur noch vereinzelt Betreuungsplätze.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die These auf, dass Sachleistungen die Fertilitätsrate effektiver fördern als Geldleistungen, und umreißt den vergleichenden Ansatz der Arbeit.
2. Politischer Einfluss auf die familiäre Rollenverteilung im Vergleich Deutschland und Schweden im letzten Jahrhundert: Das Kapitel vergleicht die historische Entwicklung und die unterschiedlichen politischen Traditionen der beiden Länder bezüglich Familienmodellen und Geschlechterrollen.
3. Familienpolitik und deren Auswirkungen in Deutschland: Es wird die aktuelle deutsche Familienpolitik analysiert, wobei besonders die mangelnden Sachleistungen und die Struktur der Geldleistungen im Fokus stehen.
4. Familienpolitik und deren Auswirkungen in Schweden: Dieses Kapitel beschreibt das schwedische System, das sich durch umfassende Kinderbetreuung und eine stärkere Förderung des Zweiverdienermodells auszeichnet.
5.Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Deutschland bei der Erwerbstätigkeit von Frauen gegenüber Schweden Nachholbedarf hat und stellt den direkten Zusammenhang zwischen Betreuungsquoten und Fertilitätsrate fest.
Schlüsselwörter
Familienpolitik, Deutschland, Schweden, Fertilitätsrate, Sachleistungen, Geldleistungen, Kinderbetreuung, Erwerbstätigenquote, Elternzeit, Geburtenrate, Geschlechtergleichstellung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Elterngeld, Kindergeld, Tagesbetreuungsausbaugesetz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss der Familienpolitik auf die Fertilitätsrate durch einen Vergleich zwischen Deutschland und Schweden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind staatliche Sachleistungen, finanzielle Geldleistungen, gesetzliche Erziehungszeiten und deren jeweilige Auswirkungen auf die Frauenerwerbsquote sowie die Geburtenrate.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu prüfen, ob Sachleistungen die Fertilitätsrate effektiver fördern als Geldleistungen, und die Unterschiede in der gesellschaftlichen Unterstützung zwischen den beiden Ländern aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen komparativen (vergleichenden) Ansatz, der die familienpolitische Entwicklung und aktuelle Daten beider Länder gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die familienpolitischen Instrumente (Sach- und Geldleistungen) sowie die Auswirkungen auf die Erwerbstätigkeit und die Fertilitätsrate in Deutschland und Schweden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Familienpolitik, Fertilitätsrate, Kinderbetreuung, Erwerbstätigenquote und Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Warum schneidet Deutschland im Vergleich zu Schweden bei der Kinderbetreuung schlechter ab?
Die Autorin führt dies auf eine lang anhaltende Mentalität der Einverdiener-Ehe und eine versäumte rechtzeitige Schaffung von Betreuungskapazitäten zurück.
Welche Bedeutung hat das Fazit für die aufgestellte These?
Das Fazit bestätigt die Notwendigkeit von Betreuungsangeboten als zentrale Voraussetzung für Müttererwerbstätigkeit und sieht darin einen wesentlichen Faktor für die im Vergleich höhere Fertilitätsrate in Schweden.
- Arbeit zitieren
- Jasmin Geist (Autor:in), 2010, Familienpolitik: Deutschland und Schweden im Vergleich , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191029