Die Urkundensiegel Ottos I. zeigen den König bzw. Kaiser selbst. Diese liegen in drei Versionen vor. Das Königssiegel zeigt eine Halbfigur eines Kriegers. Nach der Kaiserkrönung wandelt sich die Figur zu einem Herrscher in Frontalansicht. Die beigegebenen Attribute zu den Figuren dienen zur Herrschaftsdarstellung sowie zur Betonung der Sakralität des Herrschers. Über diese Darstellungen erzeugt das Siegel eine Vertretung des körperlich nicht anwesenden Stellvertreter Gottes auf Erden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bedeutung von Siegeln in der Herrschaftspraxis Ottos I.
3. Eine Entwicklung in drei Schritten – Interpretation der Bildnaussagen der Siegel
3.1. Siegel Typ I
3.2. Siegel Typ II
3.3. Siegel Typ III
4. Vom siegreichen Krieger zum sakralen Friedenskaiser – Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Herrschaftsverständnis Ottos I. anhand der ikonografischen Analyse seiner Siegelbilder, um den Wandel seiner Selbstdarstellung von einem siegreichen Kriegerkönig zu einem sakral legitimierten Friedenskaiser zu ergründen.
- Entwicklung und Bedeutung mittelalterlicher Siegel als Herrschaftsinstrumente
- Symbolik und Ikonografie der Siegelbilder Ottos I.
- Wechselwirkung zwischen byzantinischer Vorbildkultur und ottonischer Herrschaftsideologie
- Verbindung von sakraler Machtlegitimation und politischer Repräsentation
Auszug aus dem Buch
3.1. Siegel Typ I
Vor und nach der Siegellegende findet sich je ein Kreuz. Seit dem 10. Jahrhundert war dies üblich. In seiner Exegese des Kolosserbriefes legte der heilige Johannes Chrysostomus aus, dass Christen vor alle Handlungen den Namen des Herren stellen sollten. Durch die Kreuzsymbole rahmt also der Namen Christi den Namen des Königs ein. Zudem korrespondieren die Kreuzsymbole mit den liturgischen Formeln und dem Gottesgnadentitel auf der Urkunde selbst und heben dadurch die sakrale Wirkung der Urkunde hervor.
Die Lanze weist die Figur als Krieger aus, oder wohl besser als Sieger von Schlachten. Keller und Posse sprechen von einer Fahnenlanze in ihren Siegelbeschreibungen. Die Fahne war in erster Linie ein militärisches Hilfsmittel zur Identifizierung von Truppenbewegungen, aber auch Ehrenabzeichen der Heeresabteilungen. Die Form aus Stange und Tuch stammt aus dem Orient und war seit dem 9. Jahrhundert in ganz Europa verbreitet, da diese sich als besonders leicht handhabbar erwies, vor allem für Reiter. So wurde die wehende Fahne zum Symbol für den Aufbruch zum Sieg. Daraus entwickelte sich das Sieges- und Hoheitssymbol, welches die militärische Bedeutung weitgehend verloren hatte. Besonders hervorzuheben sind die Siegesfahnen, die das Agnus Dei oder Christus selbst auf Auferstehungsdarstellungen tragen. Mehr noch, Fahnen waren mit Siegeserwartungen verbunden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle der Urkunde und des Siegels im Mittelalter als Instrumente zur Darstellung von Macht und zur Kommunikation königlichen Willens.
2. Bedeutung von Siegeln in der Herrschaftspraxis Ottos I.: Dieses Kapitel erläutert die Funktion der Siegel innerhalb der ottonischen Reiseherrschaft und ihre Rolle als Garanten für Rechtskraft und Präsenz des abwesenden Herrschers.
3. Eine Entwicklung in drei Schritten – Interpretation der Bildnaussagen der Siegel: Das Kernkapitel analysiert die drei unterschiedlichen Typen der ottonischen Siegel, um die symbolische Bedeutung von Attributen wie Lanze, Reichsapfel, Zepter und der Körperhaltung zu deuten.
4. Vom siegreichen Krieger zum sakralen Friedenskaiser – Zusammenfassung und Ausblick: Der abschließende Teil fasst den Wandel des Herrscherbildes zusammen und reflektiert über die Transformation von der kriegerischen zur sakralen Herrschaftslegitimation.
Schlüsselwörter
Otto I., Siegelkunde, Herrschaftspraxis, Ottonen, Ikonografie, Herrscherbild, Sakralität, Reichsapfel, Lanze, Urkundenwesen, Mittelalter, Byzanz, Gottesgnadentum, Symbolik, Machtlegitimation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit dem Herrschaftsverständnis Ottos I., wie es sich in der bildlichen Darstellung seiner Siegel über den Verlauf seiner Regierungszeit hinweg manifestiert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das mittelalterliche Urkunden- und Siegelwesen, die Entwicklung von Herrschaftssymbolik, der Einfluss byzantinischer Kunst sowie die sakrale Legitimation des ottonischen Königtums.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Ziel ist es, durch eine detaillierte Interpretation der Siegelattribute aufzuzeigen, wie sich das Bild Ottos I. vom kriegerischen Anführer hin zu einem von Gott legitimierten, sakralen Herrscher in der öffentlichen Wahrnehmung wandelte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die ikonografische Analyse von Bildzeugnissen in Verbindung mit einer kritischen Auswertung zeitgenössischer Quellen und der historischen Forschungsliteratur.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die verschiedenen Typen der Siegel Ottos I. chronologisch analysiert und deren Attribute hinsichtlich ihrer religiösen und politischen Symbolik gedeutet.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Herrschaftsrepräsentation, Siegelikonografie, ottonische Herrscherideologie und die Sakralisierung des Königtums geprägt.
Warum wurde das Siegelbild als Untersuchungsobjekt gewählt?
Das Siegel bot eine exklusive Möglichkeit, Machtansprüche auch in der Abwesenheit des Königs zu demonstrieren und wurde daher als zentrales Medium zur gezielten Konstruktion eines Herrscherbildes genutzt.
Welchen Einfluss hatte das byzantinische Vorbild auf die Siegelgestaltung?
Die byzantinische Ikonografie lieferte Vorbilder für die frontale Darstellung und bestimmte Insignien, die Otto I. aufgriff, um seinen Status innerhalb der europäischen Herrscherwelt zu festigen.
- Arbeit zitieren
- Christiane Arndt (Autor:in), 2011, Das Herrschaftsverständnis Ottos I. im Spiegel der Siegelbildnisse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191030