Thomas Hobbes war einer der wichtigsten und bekanntesten Theoretiker des 17. Jahrhunderts. Seine Staatstheorie bildet den zentralen Bestandteil seines Schaffens. In dieser Hausarbeit werde ich mich mit der Analyse der von Hobbes oft benannten Konstellation des Naturzu-standes befassen. Diese Analyse werde ich vorrangig auf Hauptwerk Hobbes’, den „Levia-than“, beziehen. Die englische Fassung des „Leviathan“ erschien 1651. Zunächst werde ich daher mit einer Schilderung der englischen Geschichte in dieser Zeit beginnen, da die Ver-hältnisse in England einen gewissen Einfluss auf die Entwicklung der Naturzustandstheorie von Hobbes hatten. Anschließend werde ich das Menschenbild Hobbes’ erläutern und schließ-lich mit der konkreten Analyse des Naturzustandes beginnen. Hierbei werde ich auf die Ent-stehung, die Merkmale, die Folgen und den Weg aus dem Naturzustand eingehen. Abschlie-ßend werde ich noch auf einige Kritikpunkte an der Hobbesschen Theorie des Naturzustandes eingehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Geschichtlicher Hintergrund zur Entstehungszeit des Leviathan
3 Menschenbild Hobbes’
4 Naturzustand bzw. “Krieg Jeder gegen Jeden“
4.1 Konflikttheorie im Naturzustand
4.2 Merkmale des Naturzustandes
4.3 Folgen des Naturzustandes
4.4 Wege aus dem Naturzustand
5 Kritik an Naturzustandstheorie Hobbes’
6 Fazit
7 Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die Naturzustandstheorie von Thomas Hobbes, mit einem besonderen Fokus auf sein Hauptwerk, den "Leviathan". Ziel ist es, die Entstehung, die wesentlichen Merkmale und die Konsequenzen dieses hypothetischen Zustands zu untersuchen sowie den Übergang in den staatlichen Zustand zu beleuchten, während gleichzeitig kritische Einwände diskutiert werden.
- Historischer Kontext der Entstehung des "Leviathan"
- Anthropologisches Menschenbild nach Hobbes
- Analyse des "Krieges aller gegen alle"
- Staatstheoretische Ableitung und der Vertragsschluss
- Wissenschaftliche Kritik an der Naturzustandstheorie
Auszug aus dem Buch
4.1 Konflikttheorie im Naturzustand
Hobbes sieht die Ursachen des Naturzustandes im Wesen des Menschen begründet: 1. Konkurrenz, 2. Misstrauen und 3. Ruhmsucht.
Das Konkurrenzdenken veranlasst die Menschen dazu über Vorteile und Gewinne in Streit zu geraten.
Misstrauen führt zu Konflikten, da die Menschen einen höchstmöglichen Grad an Sicherheit erreichen wollen. Sie sind misstrauisch und können einander nicht vertrauen.
Ruhmsucht, d.h. das Streben nach dem zwar nicht materiellen aber nichts desto weniger knappen Gut Anerkennung oder einem gutem Namen, führt schon über geringfügige Dinge, wie beispielsweise über ein Wort, ein Lächeln oder jeden anderen Beweis der Geringschätzung, zu Uneinigkeiten.
Diese Handlungsanlässe führen jedoch nicht allein zum „Krieg eines Jeden gegen Jeden“. Eine weitere wichtige Prämisse ist die Gleichheit der Menschen. „Die Natur hat die Menschen sowohl hinsichtlich der Körperkräfte wie der Geistesfähigkeiten untereinander gleichmäßig begabt“ Somit erwachsen für alle dieselben Ansprüche. Der Schwächste ist fähig den anderen, mittels Hinterlist oder durch ein Bündnis mit anderen, zu töten. Klugheit gründet sich für Hobbes nur auf Erfahrungen und wird von Natur aus zunächst gleichmäßig auf alle Menschen verteilt. Die scheinbaren Unterschiede in der Geistesfähigkeit gründen sich nur auf der Arroganz der „Gebildeteren“. Diese Gleichheit aller erlaubt keine Herrschaftsordnung von Natur aus, wie es etwa bei Aristoteles’ politischer Theorie der Fall war (natürliche Herrschaft des Mannes über die Frau, des Herrn über den Sklaven, des Vaters über den Sohn).
Der Wettbewerb um rare Güter führt aus diesen Gründen nicht zur Feststellung der Überlegenheit des einen über den anderen. Somit ist eine Schlichtung des Konflikts durch Abhängigkeit nicht möglich. Vielmehr ergibt sich daraus eine ständige Feindschaft und ständige Furcht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt den theoretischen Rahmen und die Zielsetzung der Analyse der Hobbesschen Naturzustandstheorie dar.
2 Geschichtlicher Hintergrund zur Entstehungszeit des Leviathan: Dieses Kapitel erläutert die politisch instabilen Verhältnisse in England zwischen 1629 und 1649, die Hobbes zur Formulierung seiner Staatstheorie bewegten.
3 Menschenbild Hobbes’: Hier wird der Mensch als Sprach- und Vernunftwesen beschrieben, dessen Handeln primär durch Leidenschaften und das Streben nach Selbsterhaltung bestimmt wird.
4 Naturzustand bzw. “Krieg Jeder gegen Jeden“: Dieses Kapitel analysiert die Ursachen, Merkmale und Folgen des kriegerischen Urzustands der Menschheit ohne staatliche Ordnung.
4.1 Konflikttheorie im Naturzustand: Die zentralen Treiber für den Konflikt im Naturzustand werden als Konkurrenz, Misstrauen und Ruhmsucht identifiziert.
4.2 Merkmale des Naturzustandes: Es wird dargelegt, warum der Naturzustand eine ständige gegenseitige Gefährdung und Angst beinhaltet.
4.3 Folgen des Naturzustandes: Die Konsequenzen eines Lebens ohne staatlichen Schutz, wie ständige Gefahr und fehlender Fortschritt, werden verdeutlicht.
4.4 Wege aus dem Naturzustand: Die Notwendigkeit eines Vertrags zwischen den Individuen zur Einsetzung eines souveränen Staates wird begründet.
5 Kritik an Naturzustandstheorie Hobbes’: C. B. Macpherson wird als Kritiker angeführt, der die historische und soziale Bedingtheit von Hobbes' Annahmen hinterfragt.
6 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der zentralen Punkte über das Menschenbild, den Kriegszustand und die Notwendigkeit des souveränen Staates.
7 Bibliographie: Ein Verzeichnis der verwendeten Quellen und Literatur.
Schlüsselwörter
Thomas Hobbes, Leviathan, Naturzustand, Krieg aller gegen alle, Bellum omnium contra omnes, Selbsterhaltung, Vernunft, Machtwesen, Staat, Souverän, Gesellschaftsvertrag, C. B. Macpherson, Konflikttheorie, Politische Theorie, Menschenbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretische Konzeption des Naturzustands bei Thomas Hobbes, insbesondere wie dieser Zustand aus dem menschlichen Wesen erwächst und zur Notwendigkeit staatlicher Herrschaft führt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem geschichtlichen Kontext, dem Hobbesschen Menschenbild, der Dynamik des Naturzustands und der kritischen Auseinandersetzung mit diesen Thesen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine fundierte Analyse der Entstehung, der Merkmale und der Überwindung des Naturzustands im Leviathan sowie eine kritische Reflektion dieser staatstheoretischen Überlegungen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politiktheoretische Analyse, die primär textbasiert auf Hobbes' Hauptwerk "Leviathan" beruht und durch wissenschaftliche Sekundärliteratur gestützt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Ursachen menschlicher Konflikte, die Folgen des Naturzustands, die Rolle der Vernunft und Leidenschaften sowie den Prozess der Staatsgründung durch einen Vertrag.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Leviathan, Naturzustand, Selbsterhaltung, Souveränität und Gesellschaftsvertrag beschreiben.
Wie unterscheidet Hobbes im Menschenbild zwischen Vernunft und Leidenschaft?
Hobbes beschreibt den Menschen als vernunft- und leidenschaftsgesteuertes Wesen, wobei die Leidenschaften oft das Streben nach Macht und Selbsterhaltung forcieren, während die Vernunft als Kalkül zur Sicherung des Lebens fungiert.
Warum wird der Naturzustand bei Hobbes als "Krieg" bezeichnet?
Da ohne eine einschränkende staatliche Macht jeder Mensch potenziell gegen jeden anderen steht und die ständige Unsicherheit sowie die Bereitschaft zum gewaltsamen Kampf herrscht, bezeichnet Hobbes dies als permanenten Kriegszustand.
Welche Kritik übt C. B. Macpherson an Hobbes?
Macpherson kritisiert, dass Hobbes gesellschaftlich erworbene Eigenschaften des modernen Menschen fälschlicherweise als universell-natürlich darstellt und den Naturzustand auf Basis einer bereits existierenden Zivilgesellschaft konstruiert.
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- Bianca Affeldt (Author), 2009, Eine Analyse der Naturzustandstheorie des Thomas Hobbes insbesondere im Leviathan , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191034