Die Kreuzzüge – Bewaffnete Wallfahrten ins Heilige Land?


Hausarbeit, 2012

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der erste Kreuzzug
2.1 Der Kreuzzugsaufruf
2.2 Der Verlauf des ersten Kreuzzugs
2.2.1 Der Volkskreuzzug
2.2.2 Das Kreuzfahrerheer
2.3 Die Folgen des ersten Kreuzzugs

3. Kreuzzug gleich Wallfahrt?

4. Fazit

5. Literatur

1. Einleitung

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit den Kreuzzügen, insbesondere jenen, die Jerusalem als Ziel hatten. Die Hauptfrage, welche ich diskutieren möchte, ist die, ob die Kreuzzüge wirklich als Wallfahrt oder Pilgerfahrt angesehen werden können bzw. ob die Kreuzfahrer selbst sich als Pilger ins Heilige Land sahen.

Um zu klären, was man unter dem Begriff Kreuzzug versteht bzw. zur Zeit der Kreuzzüge verstand, werde ich zuerst auf jene Quellen zurückgreifen, welche sich mit dem Kreuzzugsaufruf Papst Urbans II. im Jahre 1095 und dem darauf folgenden Ersten Kreuzzug beschäftigen. Hier bieten sich fünf Quellen besonders an, nämlich die Berichte Fulcher von Chartres, Robert von Reims, Guibert von Nogents und Raimund von Dols, sowie die von einem anonymen Autor verfassten Gesta Francorum et aliorum hierosolimitanorum, welche alle den Kreuzzugsaufruf des Papstes in Clermont und die darauf folgenden Ereignisse wiedergeben. Ich werde mich hier insbesondere auf den Bericht Fulcher von Chartres konzentrieren, welcher mir am glaubwürdigsten erscheint, besonders da Fulcher selbst in Clermont anwesend und schließlich auch Teilnehmer des Ersten Kreuzzuges war. Jedoch sollen auch andere Chroniken, wie die Alberts von Aachen oder Wilhelms von Tyrus durchaus Erwähnung finden. Wo mir Übersetzungen vorliegen werde ich in Deutsch oder Englisch zietieren, ansonsten zitiere ich das lateinische Original.

Nachdem ich den Kreuzzugsaufruf näher beleuchtet habe, möchte ich auf die Kreuzzüge selbst zu sprechen kommen und die Geschehnisse anhand des Verlaufs des ersten Kreuzzugs näher betrachten. Neben der Frage, was genau die Kreuzzüge waren, stellen sich z.B. die Fragen, wie es zu Massakern an der jüdischen Bevölkerung des Rheinlands durch Kreuzfahrer kommen konnte, und ob die gewaltsame Eroberung Jerusalems im Jahre 1099 und der damit einhergehende Umgang mit der Zivilbevölkerung der Stadt mit christlichen Werten zu vereinbaren ist.

Was Sekundärliteratur angeht, so werde ich mehrere Werke, welche sich mit den Kreuzzügen beschäftigen, verwenden. Hier bieten sich die Werke von Nikolas Jaspert[1], Eberhard Mayer[2], Steven Runciman[3] sowie Hans Wollschläger[4] an. Hierbei unterscheidet sich das letzte Werk „Die Kreuzzüge – bewaffnete Wallfahrten gen Jerusalem“ von den anderen durch die sehr offene Kritik des Autors an Kreuzzügen und Kirche. Zur abschließenden Betrachtung und Beantwortung der Hauptfrage dieser Arbeit werde ich insbesondere den Aufsatz „Kreuzzug – Pilgerfahrt – Imitatio Christi“ von Ernst Dieter Hehl[5] heranziehen.

2. Der erste Kreuzzug

2.1. Der Kreuzzugsaufruf

Möchte man den Kreuzzugsaufruf Papst Urbans II. näher beleuchten, so bietet es sich an zuallererst auf zeitgenössische Quellen zurückzugreifen, deren Autoren ich bereits in der Einleitung dieser Hausarbeit erwähnt habe.

Die Chronik Fulcher von Chartres, die sogenannte Historia Hierosolymitana ist „die einzige ursprüngliche Schrift eines Abendländers und fränkischen Bewohners von Jerusalem, der die während der genannten Zeit eingetretenen Hauptereignisse zumeist als Augenzeuge geschildert und der Nachwelt überliefert hat.“[6]

Fulchers Chronik beginnt mit den Ereignissen in Clermont 1095, wo der Papst ein Konzil einberufen hatte. Die Worte des Papstes werden in wörtlicher Rede wiedergegeben, wobei natürlich fraglich ist, ob der Papst exakt dies so gesagt hat, auch in Anbetracht dessen, dass andere Chronisten die gleiche Rede in anderen Worten wiedergeben, und alle diese Chroniken erst Jahre später und somit wahrscheinlich aus dem Gedächtnis geschrieben wurde.

Nachdem er den Anwesenden die Situation im Heiligen Land geschildert hat sagt Urban II. bei Fulcher unter anderem Folgendes:

“Qua de re supplici prece hortor, non ego, sed Dominus, id cunctis cuiuslihct ordinis tam equitibus quam peditihus, tam divitihus quam pauperibus, edicto frequenti vos, Christi pruccones, suadeatis, ut ad id genus nequam de regionibus nostrorum extermi nandum tempestire Christicolis opitulari satagant. Praesentibus dico, absentibus mando, Christus autem imperat.”[7]

Urban II. stellt den bevorstehenden Kreuzzug also als Wille Gottes dar und behauptet, Christi befehle ihn. Ob Jesus Christus wirklich eine „bewaffnete Wallfahrt“ befehlen würde ist jedoch fraglich. In der Bibel sagt Jesus wörtlich: „Stecke dein Schwert an seinen Ort! Denn alle, die das Schwert nehmen, werden durch das Schwert umkommen.“[8]

Bemerkenswerk ist, dass der Papst in Fulchers Version seiner Rede zum Kreuzzugsaufruf nicht eine einzige Bibelstelle anführt, um das Kreuzzugsunternehmen mit dieser zu rechtfertigen. Bei Robert von Reims, Guibert von Nogent und Balderich von Dol ist genau das Gegenteil der Fall – jedoch legen die drei Chronisten dem Papst jeweils unterscheidliche Bibelzitate in den Mund, was ihre Wiedergabe der Rede doch etwas in Frage stellt[9]. Als sicher überliefert kann man wohl die Behauptung des Papstes ansehen, dass der Kreuzzug gottgewollt sei. Der bekannte Ausruf „Deus lo vult!“, mit dem die Zuhörer auf die Rede Urbans reagiert haben sollen, wurde praktisch zum Motto des Kreuzzuges.

2.2 Der Verlauf des ersten Kreuzzugs

2.2.1 Der Volkskreuzzug

Der erste Kreuzzug begann schließlich im Jahr 1096. Die erste Phase ist heute unter der Bezeichnung „Volkskreuzzug“ bekannt. Diese Phase des Kreuzzugs, deren Teilnehmer größtenteils einfache Leute und ganze Familien, aber auch einige Adlige, waren, begann noch vor dem eigentlichen Termin, welcher zum Beginn des Kreuzzugs festgelegt worden war. Es handelt sich hierbei um drei Gruppen, angeführt von Peter dem Einsiedler, Walter de Sans-Avoir aus Frankreich, sowie Gottschalk und Folkmar aus Deutschland. Besonders Peter der Einsiedler muss eine bemerkenswerte Person gewesen sein, wenn man den Worten Guibert von Nogents in seiner Chronik Gesta Dei per Francos glauben schenken darf. Ich zitiere hier aus der mir vorliegenden englischen Übersetzung:

“While the leaders, who needed to spend large sums of money for their great retinues, were preparing like careful administrators, the common people, poor in resources but copious in number, attached themselves to a certain Peter the Hermit, and they obeyed him as though he were the leader, as long as the matter remained within our own borders. If I am not mistaken, he was born in Amiens, and, it is said, led a solitary life in the habit of a monk in I do not know what part of upper Gaul, then moved on, I don't know why, and we saw him wander through cities and towns, spreading his teaching, surrounded by so many people, given so many gifts, and acclaimed for such great piety, that I don't ever remember anyone equally honored. He was very generous to the poor with the gifts he was given, making prostitutes morally acceptable for husbands, together with generous gifts, and, with remarkable authority, restoring peace and treaties where there had been discord before.”[10]

Dieses Zitat zeigt gut, wie beliebt Peter der Einsiedler bei den einfachen Menschen gewesen sein muss. Aus heutiger Sicht erscheint es so, als sei er gut darin gewesen, die Menschen zu manipulieren. Dabei soll Peter von nicht wirklich ansprechender Gestalt gewesen sein, sondern klein, mit dunkler Haut und „auf schreckliche Weise dem Esel ähnlich, welchen er ritt und der nahezu die gleiche Verehrung genoss, wie er selbst.“[11] Trotz, oder eventuell gerade wegen, seiner Erscheinung, war Peter wohl so erfolgreich darin Teilnehmer für den Kreuzzug zu rekrutieren, sowohl für die erste wie auch für die zweite Phase.

In die Geschichtsschreibung ging die erste Phase des Kreuzzuges besonders dadurch ein, dass der „Volkskreuzzug“ eher unorganisiert war und die Gruppe, die verfrüht aufbrach, wenig mit dem eigentlichen Kreuzfahrerheer gemein hatte. Auf dem Weg nach Süden machten die Teilnehmer des Volkskreuzzuges besonders durch mangelnde Disziplin und Verhalten, welches für Menschen auf einer Pilgerreise eher unpassend erscheint, von sich reden. „Plünderungen und andere Übergriffe waren an der Tagesordnung“[12]. Schlimmer noch war jedoch, was sich in mehreren Städten entlang des Rheins, genauer gesagt in den jüdischen Vierteln dieser Städte, abspielte. Um es in den Worten Hans Wollschlägers auszudrücken:

„‚Ausschreitungen‘… Die Ereignisse, die von den Sekundärhistorikern so oft mit diesem konzisen Wort umschrieben werden, bilden in der Entsetzensgeschichte des ersten Kreuzzugs das vielleicht allerentsetzlichste Kapitel: die Verfolgung der Juden, jenes fluchwürdigen Pöbels, den man allerorten findet.“[13]

Gezielt stürmten die Teilnehmer des Volkskreuzzuges jüdische Viertel und massakrierten deren Bewohner, darunter auch Frauen und Kinder. Es soll sich hier um die Gruppe unter der Führung des deutschen Predigers Folkmar, sowie eines Grafen namens Emicho von Flonheim gehandelt haben. Berichte über die Ereignisse finden sich sowohl bei christlichen als auch bei jüdischen Chronisten. So findet man in der Chronik Alberts von Aachen folgende Schilderung der Ereignisse in Mainz:

„Die Juden, die gemerkt hatten, dass sie den Händen dieser großen Menge nicht entrinnen könnten, flohen in der Hoffnung auf Rettung zu Bischof Ruthard und hofften alles von seinem Schutz, da er ja der Bischof der Stadt war. Der Bischof nahm eine ganz unerhörte Menge Geldes aus den Händen der Juden entgegen und legte es in sorgsame Verwahrung. Die Juden selbst versammelte er zum Schutze vor dem Grafen Emich und seinen Leuten im geräumigsten Saal seines Hauses.

[...]


[1] Nikolas Jaspert: Die Kreuzzüge, 5. Auflage, Darmstadt 2010. S. 36. (hiernach zitiert als: Jaspert: Die Kreuzzüge)

[2] Hans Eberhard Mayer: Geschichte der Kreuzzüge, 9. Auflage, Stuttgart/Berlin/Köln 2000. (Hiernach zitiert als: Mayer: Geschichte der Kreuzzüge)

[3] Steven Runciman: Der erste Kreuzzug, München 1981. (Hiernach zitiert als: Runciman: Der erste Kreuzzug)

[4] Hans Wollschläger: Die bewaffneten Wallfahrten gen Jerusalem. Geschichte der Kreuzzüge, Zürich 1973. (Hiernach zitiert als: Wollschläger: Die bewaffneten Wallfahrten gen Jerusalem)

[5] Ernst Dieter Hehl: Kreuzzug – Pilgerfahrt – Imitatio Christi. In: Michael Matheus (Hrsg): Pilger und Wallfahrtsstätten in Mittelalter und Neuzeit, Stuttgart 1999. S.35-51. (Hiernach zitiert als Hehl: Kreuzzug – Pilgerfahrt – Imitatio Christi)

[6] Heinrich Hagenmeyer (Hrsg.): Fulcheri Carnotensis Historia Hierosolymitana (1095-1127), Heidelberg 1913, S. V. (Hiernach zitiert als: Hagenmeyer: Fulcheri Carnotensis Historia Hierosolymitana)

[7] Ebd., S. 134-135.

[8] Matthäus Evangelium XXVI, 52. Zitiert aus: Wollschläger: Die bewaffneten Wallfahrten gen Jerusalem. S. 5.

[9] Vgl. hierzu. Hagenmeyer: Fulcheri Carnotensis Historia Hierosolymitana, S. 131.

[10] Robert Levine (Übers.): The Deeds of God through the Franks, Woodbridge 1997, S. 96-97.

[11] Runciman: Der erste Kreuzzug, München 1981, S. 64-65.

[12] Jaspert: Die Kreuzzüge, S. 36.

[13] Wollschläger: Die bewaffneten Wallfahrten gen Jerusalem, S.18-19.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Kreuzzüge – Bewaffnete Wallfahrten ins Heilige Land?
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Übung Wallfahrten im Mittelalter
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V191068
ISBN (eBook)
9783656157595
ISBN (Buch)
9783656157786
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kreuzzüge, bewaffnete, wallfahrten, heilige, land
Arbeit zitieren
Gabriele Grenkowski (Autor), 2012, Die Kreuzzüge – Bewaffnete Wallfahrten ins Heilige Land? , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191068

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