Wohnungslose Jugendliche

Anwendung der Sozialen Theorien


Hausarbeit, 2009

24 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsangabe

1.1 Warum gibt es wohnungslose Menschen - wie kann Wohnungslosigkeit bekämpft werden?
1.2 Was beutet „wohnungslos“?
1.3 Was bedeuten Theorien für die Soziale Arbeit?

2.1 Lebensweltorientierung nach Hans Thiersch
2.2 Anwendung der Theorie auf wohnungslose Jugendliche

3.1 Lebensbewältigung nach Lothar Böhnisch
3.2 Anwendung der Theorie auf wohnungslose Jugendliche

4.1 Feminismus nach Maria Bitzan
4.2 Anwendung der Theorie auf wohnungslose Jugendliche

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Datenbankrecherche

1.1 Warum gibt es wohnungslose Menschen - wie kann Wohnungslosigkeit bekämpft werden?

Ich habe mich für dieses Thema als Hausarbeit entschieden, da ich persönliche Erfahrung mit wohnungslosen Menschen jeden Alters und Geschlechtes gemacht habe. Außerdem habe ich persönlich ein sehr starkes Interesse, wie die Jugendhilfe agiert und wie man verschiedene Theorien auf das Thema der Wohnungslosen anwenden kann. Wohnungslos kann jeder werden. Dies geht sogar sehr schnell. Ich habe wohnungslose Menschen jeder Bildungsstufe kennen gelernt. Der größte Anteil der Wohnungslosen waren meistens Schulabbrecher. Dennoch gab es viele andere. Es gab Realschüler, die keine Lust auf eine Ausbildung hatten, Abiturienten, die endlich allein wohnen wollten und dabei kläglich versagt hatten, jedoch zu stolz waren, sich Hilfe bei ihren Eltern zu holen oder einfach Angst vor der Reaktion der Eltern hatten. Es war von Selbstverschulden bis zum letzten Ausweg alles dabei. Da gab es zum Beispiel einen Professor, der von seiner Frau verlassen worden war. Er hat es nicht richtig verarbeiten können und ist in den Alkohol geflüchtet. Dieser hat ihn kurz darauf völlig zerstört. Er konnte nicht mehr zur Arbeit gehen, da er morgens schon sehr betrunken war. Er hatte seine Miete nicht mehr bezahlen können, weil er seine Arbeit verloren hat. Kurz darauf ist er dann aus der Wohnung geflogen. Und somit war er auf der Straße.

Mit diesem Beispiel wollte ich kurz erläutern, dass man sehr schnell auf der Straße sitzt. Und die Straße ist ein hartes Pflaster. Nicht jeder findet sich gleich zurecht. Während meiner Tätigkeit als Zivildienstleistender in der Fachberatung für Wohnungslose habe ich oft mit Verwandten oder Bekannten über dieses Thema diskutiert. Sie hatten alle eine ähnliche Meinung über Wohnungslose, die nicht gerade vorteilhaft für diese Menschen war. Ich spreche mit Absicht hier in der Vergangenheit, da ich versucht hatte ihnen allen klar zu machen, dass sie die meisten Wohnungslosen auf der Straße nicht einmal erkennen würden. Ein anderes Problem ist auch, dass die Wohnungslosen, wenn sie einmal auf der Straße waren, es für sie sehr schwer ist, wieder in eine Wohnung einzuziehen und dort einen geregelten Tagesablauf aufzubauen. Ich habe beobachtet, dass sie oft Ängste gegenüber Räumen entwickeln. Ich denke, dass dies auch unter anderem auch daher kommt, dass sie Angst haben wieder zu versagen. Ein weiteres Problem ist der eigene Wille. Man kann niemand zu seinem Glück zwingen. Wir können nur so lange helfen, wie sie es zulassen. Wenn sie nicht einer Unterkunft schlafen beziehungsweise wohnen wollen, können wir das auch nicht ändern. Dies war in meiner Zeit als Zivildienstleistender ein großes Problem der Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen in meiner Einrichtung.

Dies möchte ich kurz mit einem weiteren Beispiel näher erläutern. Es gab einen Klienten bei uns, der schon seit Jahren bei uns in Beratung war. Er wohnt auf der Straße. Er hatte keine Unterkunft und sein Arbeitslosengeld musste von seinem Sozialarbeiter eingeteilt werden. Das bedeutet für ihn, dass er dreimal die Woche bei uns vorbei schauen musste, um sein Geld abzuholen. Es waren auch nur diese Tage, an denen wir ihn zu Gesicht bekamen.

Eben dieser Mann, wollte nicht in eine Unterkunft oder Wohnung einziehen. Er sagte mir einmal, er fühle sich von den Wänden bedrängt. Über den Sommer auf der Straße zu leben ist noch zu bewerkstelligen, vor allem, wenn man jahrelange Erfahrung hat. Aber im Winter, wenn es nachts bis - 15°C oder noch kälter wird, dann hat man ein Problem. Um diesem Problem entgegen zutreten gibt es Notunterkünfte. Der Sozialarbeiter hatte ihn gebeten, in so eine Notunterkunft zu ziehen. Aber er war unverbesserlich. Er hat sich in seiner Meinung nicht beeinflussen lassen. Und so schlief er den ganzen Winter auf der Straße im Schlafsack, bis er eines morgen nicht mehr bei uns erschien. Anfangs machten wir uns keine Sorgen, aber als dann eine Woche später die Polizei bei uns war, und uns fragte, ob wir diesen Mann kennen, wussten, wir sofort, was passiert ist. Es ist erfroren, weil er betrunken nicht mehr seinen Schlafsack richtig zugemacht hat.

Wir hatten alles in unsere Macht stehende getan, aber er hatte seinen eigenen Willen.

Meiner Meinung nach, müssen Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen genau an diesem Punkt mehr ansetzten. Sie müssen mehr auf die Bedürfnisse, ihres Klientels achten. Genau dies möchte ich in dieser Hausarbeit näher beleuchten. Wie gehen die vereinzelten Theorien mit der Wohnungslosigkeit um? Und wie gehen sie auf die Bedürfnisse der Jugendlichen ein?

Dieses Kapitel ist mit der Frage betitelt, warum es wohnungslose Menschen gibt und wie kann man die Wohnungslosigkeit bekämpfen kann. Diese Fragen, sind so komplex, dass ich sie nicht in einem Absatz klären kann. Ich werde diese Fragen über die gesamte Hausarbeit verteilt klären und sie am Schluss noch einmal zusammenfassend beschreiben.

1.2 Was beutet „wohnungslos“?

Wohnungslose Jugendliche ist ein wichtiges Thema in der heutigen Zeit, da die Anzahl stetig weiter steigt. Es gibt keinen genauen Zahlen, wie viel Jugendliche oder junge Erwachsene auf der Straße leben. Das Kinderhilfswerks „terre des hommes“ spricht von einer Schätzung von 20.000 Jugendlichen, die zumindest zeitweise auf der Straße leben. Sie schätzen, dass circa 50% dieser Jugendlichen unter 18 Jahre und circa 3% unter 14 Jahre alt sind. Circa 35% dieser Jugendlichen sind Mädchen.1 Dies Zahlen sind jedoch nur Schätzungen. In Deutschland gibt es keine bundeseinheitliche Wohnungsnotfall- Berichterstattung, deswegen legt die BAG Wohnungslosenhilfe jedes Jahr ihre Schätzung zur Zahl der Wohnungslosen vor. Diese Schätzung bezieht sich aber eher auf Männer und Frauen und deren Verteilung in Prozent. Eine genauere Schätzung, wie des Kinderhilfswerks über wohnungslose Jugendliche, gibt es nicht. Ich denke, dass dies daran liegt, da viele zwischen Zuhause, Jugendhilfeeinrichtung und Straße pendeln.2

Um aber herauszufinden warum Jugendliche wohnungslos werden und was man dagegen tun kann muss erst festgelegt werden, welche Personen als Jugendliche vor dem Gesetzt zählen und was wohnungslos überhaupt bedeutet. Im §1 Abs. 1 des Jugendschutzgesetzt steht, dass Menschen unter 14 Jahren Kinder sind und dass Jugendliche 14 Jahre aber noch keine 18 Jahre alt sind.3 Nun habe ich geklärt, wer als Kind und wer als Jugendlicher zählt. Nun muss ich noch definieren, was wohnungslos bedeutet. Es gibt verschiedene Wörter, die heutzutage benutzt werden. Menschen die auf der Straße leben, haben viele Bezeichnungen wie zum Beispiel „Obdachlose“, „Nichtsesshafte“ und „Wohnungsnotfälle“. Umgangssprachlich werden sie oft als „Penner“, „Berber“ oder „Landstreicher“ betitelt. Bei Jugendlichen kommt zu diesen Betitelungen noch „Straßenkinder“ und „Ausreißer“ dazu. Diese Begriffe können aber nicht klären, was wohnungslos bedeutet. Das Lexikon der Sozialpädagogik und der Sozialarbeit definiert wohnungslos so:

„Als wohnungslos gelten Menschen, die keine Unterkunft haben beziehungsweise denen der Verlust ihrer Unterkunft unmittelbar bevorsteht. Ebenso wohnungslos sind Menschen, die in Notunterkünften wohnen.“4

Notunterkünfte sind Wohnungen, die meistens von der kommunalen Verwaltung gestellt werden. Diese sind zum größten Teil sehr funktional eingerichtet und bieten nur ein Mindestmaß an Komfort.

Wohnungslose Jugendliche werden oft als Straßenkinder gesehen. Dieser Begriff hat sich durch die Medien geprägt. Der Begriff Straßenkinder kommt ursprünglich aus Südamerika und Afrika. Dort sind die Kinder oft Waisen oder die Eltern können sich ihre Kinder nicht leisten. Dies macht sie dort hauptsächlich zu Straßenkindern. Es ist für sie der Ort, wo sie leben und arbeiten. Die Straße ist für sie der zentrale Aufenthalts- und Überlebensort.5 In Deutschland sind es ganz andere Gründe, warum Kinder und Jugendlich auf der Straße leben. Bei Männern und Frauen, die wohnungslos sind, ist oft Arbeitslosigkeit ein Grund. Sie verlieren ihre Arbeit, haben dann nicht genug Geld um ihre Miete zu bezahlen und landen auf der Straße. Sie geraten in eine Abwärtsspirale. Sie sinken immer tiefer. Es ist sehr schwer aus eigener Kraft dort wieder heraus zu kommen. Dies ist natürlich nur einer unter sehr vielen Gründen warum Männer und Frauen auf der Straße leben. Bei Jugendlichen sieht das anders aus. Die meisten von ihnen hatten noch nie eine Wohnung oder haben je gearbeitet. Viele haben die Schule nicht einmal beendet. Sie sind von Zuhause ausgerissen. Manche von ihnen werden aber auch aus irgendwelchen Gründen hinausgeworfen. Die Jugendlichen sehen oft den Weg auf die Straße als Lösungsversuch, zur Bewältigungsstrategie oder zur momentan günstigeren Alternative.6 Meistens stecken hinter dieser Flucht auf die Straße zerstörte familiäre Bindungen, häusliche Gewalt und emotionale Verelendung. Es gibt keine einheitliche Definition von „Straßenkindern“ in Deutschland. Jede Einrichtung definiert Zielgruppe nach ihrem Angebot.7

Die Jugendhilfe hat verschiedene Maßnahmen um dieser steigenden Zahl an wohnungslosen Jugendlichen entgegenzuwirken. Diese Jugendhilfemaßnahmen sind im zweiten Kapitel des Kinder- und Jugendhilfegesetzt verankert. Dort werden die verschiedenen Angebote beschrieben. Diese Angebote sollen eine Alternative für Jugendliche darstellen, die nicht mehr in ihre Familie wohnen wollen oder können. Die Bandbreite der Maßnahmen, die im Kinder- und Jugendhilfegesetzt verankert sind, reichen von der klassischen Heimunterbringung bis zur intensiv sozialpädagogischen Einzelbetreuung. Es werden dort auch Hilfen zur Erziehung von Kindern aufgeführt. Um besser zu verdeutlichen wie diese Maßnahmen greifen und wann sie eingesetzt werden können, muss ich den Weg der Jugendhilfe, die zum Jugendamt dazu gehört, erläutern. Das Jugendamt bekommt eine Mitteilung von verschiedenen Institutionen und Personen, wie zum Beispiel Kindergärten, Schulen, Polizei, Nachbarn und Familienangehörigen. Das Jugendamt geht dieser Mitteilung nach. Im ersten Schritt wird die Familie besucht. Während diesem Besuch wird dieser Mitteilung auf den Grund gegangen. Dies bedeutet, es wird nachgesehen, ob das Kind irgendwelche Hämatome hat und ob es sonst in irgendeiner Weise auffällig ist. Sollte dies der Fall sein, muss das Jugendamt sofort entscheiden, was mit dem Kind bzw. den Kindern geschieht. Das Jugendamt hat nun verschiedene Möglichkeiten. In einem gravierenden Fall, wird das Kind beziehungsweise die Kinder sofort in Obhut genommen und in Notpflegefamilien oder Notunterkünfte gebracht. Hierbei kommt es darauf an, wie alt das Kind ist. Bei Jugendlichen ist es so, dass diese dann in Wohngruppen untergebracht werden können. Die Inobhutnahme eines Kindes oder eines Jugendlichen ist immer zeitlich begrenzt. Für weitere Schritte ist dann immer das Familiengericht zuständig.

Dies ist der Weg der Jugendhilfe, welcher in den meisten Fällen auch ohne große Komplikationen verläuft. Doch in manchen Fällen, flüchten Jugendliche auf die Straße. Dies passiert meistens vor oder zwischen einer dieser Maßnahmen. In den seltensten Fällen laufen die Kinder oder Jugendlichen danach weg.8

1.3 Was bedeuten Theorien für die Soziale Arbeit?

Um zu erklären was Theorie für die Soziale Arbeit bedeuten, muss ich im ersten Schritt erklären, was Theorie überhaupt bedeutet.

Je nach wissenschaftstheoretischem Standpunkt wird der Begriff „Theorie“ verschieden erklärt. Im Allgemeinen entwirft eine Theorie ein Bild oder Modell der Realität. Normalerweise bezieht sie sich dabei auf einen spezifischen Ausschnitt der Realität. Eine Theorie enthält in der Regel beschreibende („deskriptive“) und erklärende („kausale“) Aussagen über diesen Teil der Realität. Auf dieser Grundlage werden Vorhersagen und Handlungsempfehlungen abgeleitet. Theorien sind meist mit dem Anspruch verknüpft, sie durch Beobachtungen (z.B. mittels Experimenten oder anderer Beobachtungsmethoden) prüfen zu können. Einfach gesagt, ist eine Theorie eine Aussage, die empirische Daten zusammenfasst und diese beschreibt.

Es gibt verschiedene Bereiche von Theorie, wie die Alltagstheorie, die Wissenschaftstheorie sowie die Sozialwissenschaftstheorie. Ich möchte nun im Folgenden diese Bereiche kurz erläutern.

Die Alltagstheorie handelt sehr schnell und oft voreilig. Sie ist verschwommen und unklar definiert.

Die Wissenschaftstheorie handelt sehr komplex, was oft das Handeln erschwert. Diese Theorie ist klar definiert. Es gibt für alles eine Vorschrift und Regel. Sie ist durch verschiedene Methoden nachzuweisen.

Die Sozialwissenschaftstheorie bedient sich der vorhandenen Fachbegrifflichkeiten. Sie ermöglicht das Handeln in der Praxis. Es ist für wichtig ihre Ergebnisse empirisch beweisen zu können.9

Es gibt immer wieder Stimmen die sagen, Theorie und Praxis passen nicht zusammen. Theorie ist doch nur auf dem Papier, sie ist weltfremd und bloß im Kopf. Theoretisches und praktisches Handeln stehen doch immer in einem Widerspruch zusammen. „Theorie ist, wenn man alles weiß und nichts funktioniert und Praxis ist, wenn alles funktioniert, und keiner weiß warum.“

[...]


1 vgl. http://www.tagesschau.de/inland/strassenkinder4.html vom 01.06.2009

2 vgl. Bodenmüller 2003, 16

3 vgl. http://www.gesetze-im- internet.de/juschg/BJNR273000002.html#BJNR273000002BJNG000100000 vom 01.06.2009

4 vgl. Stimmer 2000, 458

5 vgl. Specht 1991 in Bodenmüller 2003, 11

6 vgl. Bodenmüller 2003, 13

7 vgl. Bodenmüller 2003, 12

8 vgl. Bodenmüller 2003, 219

9 vgl. http://www.efhlu.de/Dozenten/TWagner/sem2/EinfuehrungTS.pdf vom 13.07.09

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Wohnungslose Jugendliche
Untertitel
Anwendung der Sozialen Theorien
Hochschule
Hochschule Esslingen
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
24
Katalognummer
V191072
ISBN (eBook)
9783656157311
ISBN (Buch)
9783656157878
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wohnungslose, jugendliche, anwendung, sozialen, theorien
Arbeit zitieren
Benjamin Hagenmüller (Autor), 2009, Wohnungslose Jugendliche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191072

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