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Der gesellschaftliche Umgang mit selbstverschuldeten Katastrophen. Ein reiner Verdrängungsprozess?

Titre: Der gesellschaftliche Umgang mit selbstverschuldeten Katastrophen. Ein reiner  Verdrängungsprozess?

Dossier / Travail , 2011 , 29 Pages

Autor:in: Arian Sahitolli (Auteur)

Histoire - Divers
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Résumé Extrait Résumé des informations

Sie sind leise, klopfen nicht an und fallen oftmals gewaltig mit der Tür ins Haus. Sie sind nicht ständig da und doch irgendwie immer unter uns, denn sie haben einen Ruf wie Donnerhall. Sie stehen jenseits von Gewöhnlichkeit und Systematik, denn sie sind das Gegenstück zur Routinisierung und der Monotonie der Alltagserfahrungen. Wir rechnen mit ihnen und hoffen zugleich, dass sie -ähnlich wie Phantome- nur Hirngespinste bleiben. Sie besitzen die Kraft, die menschlichen Errungenschaften wie Kartenhäuser zusammenbrechen zu lassen: Katastrophen!
Der Mensch ist Bewohner eines unruhigen Feuerballs.Naturereignisse wie Erdbeben, Vulkanausbrüche, Hochwasser oder die zu den Sommerperioden vermehrt aufkommenden Dürren führen den Menschen immer wieder vor Augen, dass sie keinen Einfluss auf die innerweltlichen, natürlichen Prozessvorgänge haben. Korrelieren hierbei die natürlichen Ereignisse mit den menschlichen Lebensräumen, so sind eine soziale, wirtschaftliche, politische und kulturelle Katastrophe nur unmittelbare Folgen. In der heutigen Zeit der weltweiten Vernetzung bzw. Verflechtung aller Lebensbereiche des Menschen hat eine Katastrophe unmittelbar fatale Folgen für den größten Teil der Welt.Der Begriff der ,,Katastrophe“, der in der Medienlandschaft bei solchen Schicksalsschlägen geradewegs die Schlagzeilen füllt, ist in der breiten Bevölkerung bekannt: ein persönliches Unglück oder ein dramatisches Ereignis, dass eine unvorhersehbare, negative Wendung des persönlichen oder gesellschaftlichen Lebens einläutet, würde man im Alltagsverständnis wohl als ,,Katastrophe“ bezeichnen.Beim Umgang des Menschen mit Katastrophen zeigt sich jedoch zumeist eine besondere und unerschütterliche gesellschaftliche Mentalität: Licht am Ende des Tunnels zu sehen und den Wiederaufbau einzuläuten. Interessant ist jedoch in diesem Zusammenhang, dass die Weltbevölkerung bei selbst-verschuldeten ,,Katastrophen“, wie den Reaktorunfällen, semantisch gar keinen Unterschied macht. Auch in solchen Fällen, in denen der Mensch und die Technik konvergieren, wird nur von einem unglücklichen, förmlich tragischen Schicksalsschlag gesprochen. Es scheint so, dass der Mensch –und mit ihm die gesamte Gesellschaft- solche Katastrophen scheinbar vergisst, denn die Krallen des Alltags holen ihn schnell wieder ein. Findet nach selbstverschuldeten Katastrophen also ein reiner Verdrängungsprozess im menschlichen Bewusstsein statt? Diese Frage soll wissenschaftlich erörtert und beschrieben werden.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Die ambivalente Moderne - Selbstgefährdung im Schatten der Kontinuität des Fortschritts

2. Die menschliche Existenz in einer risikoreich[er]en Umwelt

2.1 Risiken und Katastrophen - Fundamentale Bestandteile der modernen Gesellschaft

2.2 Katastrophen- Unabwendbare Ereignisse?

3. Die geruchlose und unsichtbare Gefahr

3.1 Der Zusammenbruch eines Irrglaubens

4. Fazit: Das menschliche Kurzzeitgedächtnis für Katastrophen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das gesellschaftliche Reaktions- und Verhaltensmuster im Umgang mit selbstverschuldeten Katastrophen und geht dabei der Frage nach, ob der Mensch dazu neigt, diese Ereignisse aufgrund psychologischer Verdrängungsmechanismen aus seinem Bewusstsein zu tilgen oder zu bagatellisieren.

  • Analyse des ambivalenten Fortschrittsbegriffs in der Moderne
  • Definition und theoretische Einordnung der Begriffe Risiko und Katastrophe
  • Untersuchung des Verhältnisses von Technik, Mensch und Umwelt
  • Fallbeispielanalyse der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl
  • Reflexion über kollektive Lernprozesse und das menschliche Gedächtnis

Auszug aus dem Buch

3. Die geruchlose und unsichtbare Gefahr

Es gibt wenige Momente im Leben, in denen sich die Menschen über den gesamten Erdball der Tatsache bewusst werden, dass ihnen ein gemeinsames Schicksal vorauseilt. Unvorhergesehene oder/ und unbegreifliche Ereignisse vollbringen so ein Wunderwerk. Der 26. April 1986 sollte solch ein katastrophales Ereignis in einer Stadt nördlich der Ukraine (damalige UdSSR) und damit inmitten Europas auslösen, dass die Menschheit -bis hinein in die darauffolgenden Wochen und Monate- in Angst und Schrecken verjagen sollte. Was war geschehen?

Im Atomkraftwerk von Tschernobyl war infolge eines außer Kontrolle geratenen Sicherheitstest, welcher wohlgemerkt aus unerklärlichen Gründen zu nächtlicher Spätstunde durchgeführt wurde, der sich seit längerem angedrohte „Größte-Anzunehmende-Unfall“ Realität geworden. Eine Akkumulation der unterschiedlichen Fehlerquellen (u.a. die fehlenden Betriebsvorschriften, die es erlaubten einen Test zu jener Uhrzeit durchzuführen, die ungenügende Ausbildung des Personals oder die schlichtweg fehlende Schutzhülle aus Beton) führte dazu, dass sowohl der Reaktor explodierte als auch eine enorme radioaktive Strahlung in die Erdatmosphäre freigesetzt wurde. Mit fatalen Folgen für den Menschen und der Umwelt, denn die eigentliche Gefahr bestand in ihrer Unsichtbarkeit. Geruchs- und Geräuschlos wie eine Schlange bei der Jagd auf ihre Beute näherte sich die Strahlung ihren Opfern und macht das Gebiet von der Größenordnung unseres Saarlandes binnen kürzester Zeit – und bis zum gegenwärtigen Tag- zu einer apokalyptischen Sperr-und Todeszone. Welche Konsequenzen folgten?

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die ambivalente Moderne - Selbstgefährdung im Schatten der Kontinuität des Fortschritts: Die Einleitung führt in die Thematik der katastrophalen Anfälligkeit moderner Gesellschaften ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach dem menschlichen Verdrängungsprozess nach selbstverschuldeten Katastrophen.

2. Die menschliche Existenz in einer risikoreich[er]en Umwelt: Dieses Kapitel verankert die Begriffe Risiko und Katastrophe theoretisch und diskutiert die Verwobenheit von Technik und menschlichem Handeln in der Weltrisikogesellschaft.

2.1 Risiken und Katastrophen - Fundamentale Bestandteile der modernen Gesellschaft: Dieser Unterpunkt beleuchtet das fehleranfällige Mensch-Technik-Umwelt-Verhältnis und die Rolle der Technik als Mittel zur Naturbeherrschung.

2.2 Katastrophen- Unabwendbare Ereignisse?: Hier wird der Katastrophenbegriff kritisch hinterfragt und die Abgrenzung zwischen reinen Naturereignissen und menschengemachten Katastrophen diskutiert.

3. Die geruchlose und unsichtbare Gefahr: Anhand des Fallbeispiels der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl wird der Umgang mit technisch induzierten Gefahren und deren unmittelbare Auswirkungen auf die Gesellschaft analysiert.

3.1 Der Zusammenbruch eines Irrglaubens: Dieser Abschnitt thematisiert das Ende der Atomeuphorie und die Ernüchterung gegenüber dem technologischen Fortschrittsglauben.

4. Fazit: Das menschliche Kurzzeitgedächtnis für Katastrophen: Das Fazit bündelt die Ergebnisse und diskutiert die Unfähigkeit des Menschen, aus vergangenen Katastrophen nachhaltig zu lernen, und plädiert für einen bewussten Umgang mit den Risiken der Moderne.

Schlüsselwörter

Katastrophenforschung, Risiko, Weltrisikogesellschaft, Technikgeschichte, Tschernobyl, Selbstgefährdung, Verdrängung, Sozialkatastrophe, Anthropogen, Sicherheitsrisiken, Mensch-Technik-Verhältnis, Lernprozess, Fukushima, Atomkraft, Fortschrittskritik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht den gesellschaftlichen Umgang mit selbstverschuldeten Katastrophen und prüft, ob hierbei psychologische Verdrängungsmechanismen eine entscheidende Rolle spielen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der Soziologie des Risikos, der Technikgeschichte, der Analyse von Katastrophenereignissen und der Frage nach der menschlichen Lernfähigkeit angesichts technischer Bedrohungen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Hauptziel ist es zu ergründen, ob nach selbstverschuldeten Katastrophen ein reiner Verdrängungsprozess im menschlichen Bewusstsein stattfindet, der ein nachhaltiges Lernen verhindert.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Der Autor nutzt einen literatur- und fallstudienbasierten Ansatz, indem er soziologische Theorien (z.B. Ulrich Beck) mit historischen Ereignissen (Tschernobyl, Fukushima) verknüpft, um seine Thesen zu untermauern.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Begriffe Risiko und Katastrophe sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl als Paradebeispiel für die Schattenseiten technologischen Fortschritts.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Weltrisikogesellschaft, Selbstgefährdung, Sozialkatastrophe und die kritische Auseinandersetzung mit dem menschlichen Kurzzeitgedächtnis für existenzielle Bedrohungen.

Warum wird Tschernobyl als Fallbeispiel gewählt?

Tschernobyl dient als zentrales Beispiel, da es als „Super-GAU“ die gefährliche Ambivalenz der industriellen Technik offenbart hat und die Auswirkungen von Vertuschung sowie die Grenzen menschlicher Sicherheitsversprechen demonstriert.

Welche Rolle spielt die Reaktorkatastrophe von Fukushima in der Argumentation?

Fukushima fungiert als historisches Déjà-vu, das die Diskussion um den Atomausstieg in Deutschland reanimierte und bestätigt, dass Katastrophen selten alleine kommen und alte Ängste sowie Versäumnisse wieder in das öffentliche Bewusstsein rücken.

Was schlussfolgert der Autor über die Lernfähigkeit der Gesellschaft?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Gesellschaft aus schmerzhaften Erfahrungen oft nur kurzfristig lernt und weiterhin versucht, sich durch technischen Fortschritt in einer trügerischen Sicherheit zu wiegen, statt die grundsätzliche Unvernunft und das Mängelwesen Mensch anzuerkennen.

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Résumé des informations

Titre
Der gesellschaftliche Umgang mit selbstverschuldeten Katastrophen. Ein reiner Verdrängungsprozess?
Université
Technical University of Darmstadt
Auteur
Arian Sahitolli (Auteur)
Année de publication
2011
Pages
29
N° de catalogue
V191112
ISBN (ebook)
9783656157526
ISBN (Livre)
9783656157953
Langue
allemand
mots-clé
Naturkatastrophen Fukushima 2011 Tschernobyl Atomenergiedebatte Becks Risikogesellschaft Moderne Gesellschaft Bewusste Selbstgefährdung Die ambivalente Moderne Mängelwesen Mensch Becks Risikomodell Sozialkatastrophen Schenks Katastrophenbegriff nachhaltiges Lernen Selbstbedrohung als Monstrum des 21. Jahrhunderts Technikgeschichte
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Citation du texte
Arian Sahitolli (Auteur), 2011, Der gesellschaftliche Umgang mit selbstverschuldeten Katastrophen. Ein reiner Verdrängungsprozess?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191112
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Extrait de  29  pages
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