Studien- und Berufsprobleme von Sportlehrern in Schule und Gesellschaft

Am Beispiel der Lehrerin Gabi B.


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

15 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung:

2 Zum Charakter von Lehrerarbeit

3 Zur Situation von Gabi. B.

4 Beispiel einer Sportunterrichtsstunde bei Gabi B.

5 Beispiel einer Seminarstunde

6 Zur Situation von Gabi. B ein Jahr später

7 Resümee

8 Anmerkungen

9 Literatur:

1 Einleitung:

An der Situation der Sportlehrerin Gabi B. wird deutlich wie Lehrer und Schüler unter den institutio- nellen Zwängen der Schule zwangssozialisiert werden. Dadurch kann der pädagogische Auftrag nicht erfüllt werden. Die Schilderung des eineinhalbjährigen Sozialisationsprozess von Gabi B. zeigt die Diskrepanz der Vorstellung zu Beginn ihrer „Schulkarriere“ und die Zeit danach auf. Des weiteren werden außerdem auch die Ursachen für diese Diskrepanz genannt.

2 Zum Charakter von Lehrerarbeit

Im allgemeinen sind bei kritischer Lehrerarbeit nur geringe Handlungsspielräume vorhanden. Daher müssen die Arbeitsbedingungen, je nach Lehrerstatus, differenziert werden. Der Klassenlehrer hat mehr Möglichkeiten ein besseres Verhältnis zu seinen Schülern aufzubauen, als der Fachlehrer, der die Klasse nur wenige Stunden in der Woche betreut. Dennoch sind auch in den konkreten sehr unterschiedlichen Situationen und Problem einzelner Lehrer die allgemeinen Probleme und Bedingungen von Lehrerarbeit aufgehoben.

Im Unterricht setzen sich oft Lernprozesse gegen die Absicht des Lehrers, von diesem meist unbemerkt, durch à der sogenannte „heimliche Lehrplan“. Lehrer und Schüler befinden sich in einer Zwangs-sozialisation. Faktisch bereitet auch das Fach Sport auch oft ungewollt, auf den entfremdeten, hier-archisch gegliederten Arbeitsprozess vor.

Sport, eigentlich zur Kompensation von Passivität und Unterdrückung kreativer Bedürfnisse im übrigen Unterricht geeignet, reproduziert beim näheren hinsehen doch wieder nur Selektion, individuelle Konkurrenz, Passivität und Langeweile.

Aber warum spielt ein Lehrer in diesem Prozess mit, wenn doch seine persönliche Intentionen nichts mit dem Resultat seines Unterrichts zu tun haben? Um diese Fragen zu beantworten, befassen wir uns im späteren näher mit der Unterrichtswirklichkeit einer jungen Lehrerin (Gabi B.) Hier werden wir feststellen, dass auch Lehrerarbeit entfremdete Arbeit ist. Begründen lässt sich dies folgendermaßen:

Aufgrund der organisatorischen und strukturellen Zwänge in der Institution Schule sind Lehrer, um handlungsfähig zu bleiben, genötigt, die Individualität der Schüler, ihre spezifischen Bedürfnisse und Probleme zu ignorieren und sich ihnen gegenüber gleichgültig zu verhalten.

Daraus, dass dem Lehrer meist eine dominierende Rolle zugeschrieben wird resultiert:

- Das Lernen bleibt der Verantwortung der Schüler entzogen
- Lehrer personifiziert Kontrolle
- Lernen an sich erhält Zwangscharakter
- Schüler lernen nur, wenn ihre Leistung honoriert wird

Marx stellt eine Wechselbeziehung zwischen Mensch und Natur fest, dessen Vermittler die Arbeit ist Der Mensch macht sich die Natur durch Arbeit nutzbar, aber die Arbeit übt auch Einfluss auf seine eigene Verfassung aus. Durch die Industrialisierung veränderte sich die Produktionsweise und damit die Kontrolle, also die Herrschaft des Menschen über die Natur. Das emanzipatorische Potential der Leistung liegt darin begrünet, dass das Bürgertum in einer Leistungsgesellschaft besser Chancen erhält und Standesprivilegien abgebaut werden. Das emanzipatorische Potential hat sich jedoch im Laufe der Zeit gewandelt.

Aus einem emanziptaorischen Prinzip der Vergrößerung der Herrschaft von Menschen über die Natur wird ein ideologisches Prinzip der Stabilisierung der Herrschaft von Menschen über Menschen“4

Gründe. a) Akkumulation und Konzentration von Kapital

b) Abhängigkeit der Arbeit von Wirtschaft und Staat

Dadurch, dass die Besitzer der Produktionsmittel den Mehrwert (Gewinn) nicht gerecht verteilen entsteht eine Klassengesellschaft mit einer Abhängigkeit der Mehrheit von der Lohnarbeit.

Zitat aus Dreitzel: „ Das Leistungsprinzip dient heute weniger der Freisetzung von individuellen Lebenschancen denn als subtil verschleierten Legitimation des Fortbestandes gesellschaftlicher Ungleichheit.

Aus dem Leistungsprinzip wird eine Zwangsjacke der Lohnabhängigen.

Aus dem Leistungsprinzip werden Leistungsnormen, gegen die sich der Arbeiter in seinem alltäglichen Krieg am Arbeitsplatz zur Wehr setzen muss.“

Folglich wird der Mensch seiner Arbeit entfremdet.

MARX unterschiedet 5 Entfremdungsbeziehungen.3

1. Mensch – Produkt

[ der Mensch wird dem Produkt seiner Arbeit entfremdet, wenn es ihm als fremder Gegenstand gegenüber tritt]

2. Mensch – Produktionstätigkeit

[gerät der Arbeiter in ein Entfremdungsverhältnis gegenüber der Produktionstätigkeit selbst, so sieht er in seiner Arbeit ein Leiden, dass er nicht freiwillig, sondern gezwungen auf sich nimmt. Er übernimmt diese Aufgaben aus einer sekundären Motivation heraus ( Geld)]

3. Mensch – eigenes geistiges Wesen

[die Arbeit wird Existenzsicherungsmittel, der Mensch, sein geistiges Wesen selbst zum animalischen herabgewürgt. Sein menschliches/ geistiges Wesen wird ihm entfremdet.]

4. Mensch – anderer Mensch à Zwischenmenschliche Entfremdung

[Der Mensch gerät unter die Herrschaft, in die Abhängigkeit der fremden Eigentümer der Arbeit- und Produktionsmittel]

5. Mensch – sich selbst à Selbstentfremdung

[Dieses ist nach MARX direkte Konsequenz der zwischenmenschlichen Entfremdung (Punkt 4), die aus der Entfremdung der eigenen Arbeits- und Lebenstätigkeit resultiert(Punkt 2). Der Entfremdete wird sich in seinem Handeln selber zur Last.]

Leistungen werden dem Arbeiter unter Zwangs- und Sanktionsdrohungen abgepresst, so speziell, dass sie weder dessen Interessen, noch Fähigkeiten entsprechen. Dadurch werden Arbeiter von ihrer Arbeit entfremdet. Hieraus folgen Zwangscharakter, Interessenwidrigkeit und Fähigkeitsunangemessenheit.

Dasselbe trifft auf die Schüler zu, die in der Institution Schule zwangssozialisiert werden. Das heißt, dass der Schüler unter Zwangsnormen lernt.

Merkmale dieser entfremdeten Arbeit sind Gleichgültigkeit, Passivität und Langeweile. Im emanzipatorischen Sinne sollte der Schüler lernen, um sich aus eigenem freiwilligen Interesse weiter zu bilden. Dabei soll Freude am Gegenstand und dem Produkt entwickelt, eine Art libidinöse Zuwendung aufgebaut werden.

Dies emanzipatorische Potential ist hier leider nicht vorhanden.

Folglich sind die Schüler schließlich selbst davon überzeugt nur lernen zu können, wenn ein Lehrer da ist, der ihnen vorschreibt was und wie sie lernen sollen. Das Resultat entspricht somit nicht der pädagogischen Theorie, aber der gesellschaftlichen Funktion von Schule.

Der Charakter von Lehrer- und Schülerarbeit ist somit entfremdet.

Die Entfremdung des Lehrers von seiner Arbeit drückt sich unter anderem darin aus, dass er ihr zu entfliehen versucht, wo es nur geht.“1

„Lehrerarbeit ist zuallererst Lohnarbeit...“1

Das heißt, dass es in erster Linie darum geht Geld zu verdienen. Alles andere tritt in den Hintergrund.

Konflikte und Probleme mit Schülern oder Eltern werden dann ignoriert und gleichgültig behandelt, um sich zu schützen und seinen Lohn nicht zu gefährden. Diese Gleichgültigkeit wird zum Teil aber von der Schule erzwungen. Der Grund hierfür wurde schon im oberen Teil erläutert.

[...]


1 BAMME, A., HOLLING, E. (1977). Zum Beispiel Sportlehrerin Gabi B. In Betrifft Erziehung,

2 Zur Kategorie der Gleichgültigkeit im Zusammenhang mit schulischer und beruflicher

Sozialisation vgl. Bammé/Deutschmann/Holling: Erziehung zu beruflicher Mobilität

3 LENK, H. (1973). Manipulation oder Emanzipation im Leistungssport?. In Sporwissenschaft,1, S. 9-40.

4 DREITZEL, H. P. (1974). Soziologische Reflexion über das Elend des Leistungsprinzips. In:

Gehlen/Schmölders u.a.: Sinn und Unsinn des Leistungsprinzip. Ein Symposium. München, S. 73-111.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Studien- und Berufsprobleme von Sportlehrern in Schule und Gesellschaft
Untertitel
Am Beispiel der Lehrerin Gabi B.
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Sportinstitut)
Note
1
Autor
Jahr
2002
Seiten
15
Katalognummer
V19113
ISBN (eBook)
9783638233101
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Studien-, Berufsproblem, Sportlehrers, Schule, Gesellschaft, Beispiel, Sportlehrerin, Gabi, Arno, Bammé, Eggert, Holling, Bezug, Texten, Dreitzel, Lenk
Arbeit zitieren
Sabrina Engels (Autor), 2002, Studien- und Berufsprobleme von Sportlehrern in Schule und Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19113

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