Josef A. Ratzinger befasst sich in seinem Aufsatz „Primat, Episkopat und successio apostolica“ mit der Frage nach der Legitimität der apostolischen Nachfolge außerhalb der römisch-katholischen Kirche und stellt dabei deutlich heraus, dass nur die „sedes apostolica“, die direkte apostolische Nachfolge der von den Aposteln begründeten Bischofsitze und die Bindung an den Papst als „apostolicus primatus“ ein Erfassen des lebendigen Wortes und die wahre Kommuniongemeinschaft ermögliche. Aber wie begründet er diesen Anspruch und was bedeutet diese Haltung für die Ökumene?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Darstellung des Primats und der Unfehlbarkeit
2.2 Definitionen der Nachfolge und Tradition
2.3 Abhängigkeit und Unterschiede in der Nachfolge
3. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert Joseph Ratzingers Essay „Primat, Episkopat und successio apostolica“ (1961), um die römisch-katholische Auffassung von der Legitimität der apostolischen Nachfolge und deren Auswirkungen auf das ökumenische Selbstverständnis zu untersuchen.
- Struktur der römisch-katholischen Kirche unter dem Primat des Papstes
- Definition und theologische Bedeutung der „successio apostolica“
- Differenzierung zwischen direkter und indirekter apostolischer Nachfolge
- Die Rolle Roms als „sedes apostolica“ und ihr Einfluss auf die Katholizität
- Konsequenzen der rassistischen Exklusivität für das ökumenische Verhältnis zu anderen Kirchen
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung der apostolischen Nachfolge
Das zweite Kapitel erläutert zunächst die Definitionen der Worte Nachfolge „successio“ und Tradition „traditio“ und verweist im Weiteren auf die Entstehung der apostolischen Nachfolgetradition als Gegenpart der Geheimlehren im Kampf gegen die Gnostiker in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten. Den Geheimlehren wäre eine klare Überlieferung der mündlichen Lehre Christi und der Apostel entgegengesetzt worden. Denn, so Ratzinger: „ „Überlieferung“ ist eben gar nie einfaches, anonymes Weitergeben von Lehre, sondern ist personengebunden, ist lebendiges Wort, das im Glauben seine konkrete Wirklichkeit hat. Und umgekehrt: Nachfolge ist nicht ein Übernehmen von Amtsgewalten, die ihrem Träger dann zur Verfügung stehen, sondern sie ist Indienstnahme für das Wort; Zeugenamt am Anvertrautem Gut, das über seinem Träger steht, so daß er ganz hinter dem zurücktritt, was er übernommen hat, (…).“4 Diese Nachfolgetradition der mündliche Überlieferung lebe als „lebendiges Wort“ in der Kirche weiter und durch die direkte Nachfolge der Bischöfe auf die Apostel, wirke der „Heilige Geist“ durch die Bischöfe, so dass Gottes Wort durch sie in der Kirche weiterlebe und den Hörern- den Gläubigen- vermittelt werden kann, dies sei der Gegenpol zu den, von den Gnostikern offerierten geheimen, angeblich apostolischen Überlieferungen. Die Nachfolgetradition in der katholischen und orthodoxen Kirche ließe sich namentlich bis zu den einzelnen Aposteln zurückverfolgen, welche die Gemeinden gründeten und durch die der Geist der mündlichen Weitergabe bis heute bezeugt werden können, so Ratzinger. Diese Gemeinden müssen zu Recht als „apostolisch“ bezeichnet werden und dienen als Richtschnur der Kirche.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Paradoxie der Bezeichnung „römisch-katholisch“ und leitet zur Untersuchung der christlichen Spaltung über.
2. Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der päpstlichen Autorität, die Bedeutung der apostolischen Tradition als „lebendiges Wort“ sowie die hierarchische Differenzierung der Bischofssitze.
3. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die dialektische Einheit von Primat und Episkopat zusammen und zieht Rückschlüsse auf die ökumenische Haltung der katholischen Kirche.
Schlüsselwörter
Joseph Ratzinger, apostolische Nachfolge, successio apostolica, Primat, Papsttum, Katholizität, Ökumene, lebendiges Wort, Tradition, Episkopat, römisch-katholische Kirche, Unfehlbarkeit, Bischofsamt, Dogmatik, Glaubenslehre.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Essay „Primat, Episkopat und successio apostolica“ von Joseph Ratzinger, um zu verstehen, wie die römisch-katholische Kirche ihre eigene Legitimität und die der apostolischen Nachfolge begründet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die päpstliche Autorität, das Wesen der Tradition, die Bedeutung der apostolischen Nachfolge für die Katholizität sowie die ökumenische Abgrenzung der katholischen Kirche zu anderen Konfessionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Ratzingers Argumentation für die exklusive Legitimität der katholischen Kirche durch die apostolische Nachfolge nachzuvollziehen und deren Auswirkungen auf das ökumenische Verhältnis zu erläutern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine textanalytische Untersuchung, die Ratzingers theologische Thesen aus seinem Essay von 1961 mit späteren lehramtlichen Dokumenten vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der päpstlichen Unfehlbarkeit, der Bedeutung der „successio“ als mündliche Überlieferung und der Unterscheidung zwischen direkter und indirekter apostolischer Nachfolge.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie „Apostolische Nachfolge“, „Primat“, „Ratzinger“, „Katholizität“ und „Ökumene“ beschreiben.
Wie unterscheidet Ratzinger zwischen orthodoxen und protestantischen Kirchen?
Nach Ratzinger gelten orthodoxe Kirchen als „Teilkirchen“ mit apostolischer Nachfolge, während protestantische Kirchen aufgrund des fehlenden Bezugs zu einer „sedes apostolica“ lediglich als „kirchliche Gemeinschaften“ eingestuft werden.
Welche Rolle spielt Rom in Ratzingers Argumentation?
Rom fungiert als „sedes apostolica“ und als Sitz des Papstes, dessen doppelte Authentizität durch Petrus und Paulus anderen Bischofssitzen als legitimierender Orientierungspunkt dient.
- Quote paper
- Yvonne Büchner (Author), 2011, Das katholische Selbstverständnis zur apostolischen Nachfolge in Joseph Ratzingers "Episkopat, Primat, successio apostolica", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191140