Der Kinderhochleistungssport ist nicht erst in den letzten Jahren ein kontrovers diskutiertes Thema geworden. Diese Thematik wird schon seit etlichen Jahren aufgeworfen und immer wieder von Kritikern angegriffen, sowie von Befürwortern verteidigt. Die Äußerungen derjenigen, die den Kinderhochleistungssport ablehnen, reichen von ,,Leistungsknecht", ,,Muskelmaschine" und ,,Leistungsroboter" bis hin zu einem ,,Mängelwesen mit Orientierungslosigkeit". Diese Äußerungen zielen alle auf eine Reizverarmung der Umwelt dieser Kinder, auf eine Überbetonung des Leistungsgedankens, auf eine Unterdrückung durch z.B. Trainer, Eltern, Funktionäre und auf die Herausbildung von fremdbestimmten Menschen durch das Umfeld des Kindes (z.B. Trainer, Trainingsalltag, Trainingsmethoden, ...) ab. Im Gegenzug sprechen die Befürworter davon, dass dem Kind neue Möglichkeiten aufgezeigt werden, sich selbst zu erkunden, ihrem Bewegungsdrang nachzukommen, soziale Kontakte (vor allem in Mannschaftssportarten) zu knüpfen, positive (z.B. Sieg) wie auch negative (z.B. Niederlage) Erfahrungen zu sammeln und somit ihre Kindheit intensiv auszuleben. (vgl. MEINBERG, E.: Kinderhochleistungssport. Fremdbestimmung oder Selbstentfaltung. Köln 1984)
Dazu Zitate einiger Pädagogen: " Du bist mein Glück, mein Kind, mein Werk; von deinem Glück erwarte ich mein eigenes; täuscht du meine Hoffnung, so stiehlst du mir zwanzig Jahre meines Lebens und bist das Unglück meiner alten Tage" J.J. Rousseau, 1762)
" Die 18- jährigen sehen aus wie dreizehn, und den 15-jährigen möchte man am liebsten einen großen Teddy zum Geburtstag schenken oder eine kräftige Portion Pommes, damit sie nicht so ausgemergelt aussehen. .... Wer genau hinsieht, entdeckt kaputte Füße, Blutergüsse an den Oberschenkeln, wundgeriebene Hände" ( aus: Franke, E.: Kinder im Hochleistungssport - Eine ethische Herausforderung)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition sportlicher Leistungsentwicklung und des Kindertraining
3. Leistungsvoraussetzungen und Leistungsfähigkeit von Kindern
4. Doppelbelastung der Kinder im Hochleistungssport - Integration von Training, Bildung und Ausbildung
5. Äußere Einflüsse – Eltern, Trainer, Gesellschaft
6. Pro und Kontra des Kinderhochleistungssport
a) biologisch- medizinische Perspektive
b) soziale Komponente
c) psychologische Sichtweise
7. Zur Schwierigkeit einer konsequent pädagogischen Betrachtung des Kinderhochleistungssport und zum Problem der Kindgemäßheit
8. Lösungsansätze und -vorschläge für einen humaneren Kinderhochleistungssport
9. Zur Schwierigkeit der Diskussion über den Kinderhochleistungssport
10. Schluss
11. Literatur
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht den Kinderhochleistungssport aus einer kritisch-pädagogischen Perspektive und beleuchtet das Spannungsfeld zwischen leistungssportlichem Erfolg und den Entwicklungsbedürfnissen des Kindes. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit Hochleistungstraining mit einer humanen Pädagogik vereinbar ist und welche Verantwortung Trainer, Eltern und die Gesellschaft tragen.
- Die Kontroverse um Kinderhochleistungssport (Fremdbestimmung vs. Selbstentfaltung)
- Leistungsvoraussetzungen und körperliche Belastbarkeit in verschiedenen Altersstufen
- Die Doppelbelastung durch Integration von Training, Schule und Ausbildung
- Der Einfluss von Eltern, Trainern und gesellschaftlichen Erwartungen auf das Kind
- Pro- und Contra-Argumente aus medizinischer, sozialer und psychologischer Sicht
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Der Kinderhochleistungssport ist nicht erst in den letzten Jahren ein kontrovers diskutiertes Thema geworden. Diese Thematik wird schon seit etlichen Jahren aufgeworfen und immer wieder von Kritikern angegriffen, sowie von Befürwortern verteidigt. Die Äußerungen derjenigen, die den Kinderhochleistungssport ablehnen, reichen von ,,Leistungsknecht", ,,Muskelmaschine" und ,,Leistungsroboter" bis hin zu einem ,,Mängelwesen mit Orientierungslosigkeit". Diese Äußerungen zielen alle auf eine Reizverarmung der Umwelt dieser Kinder, auf eine Überbetonung des Leistungsgedankens, auf eine Unterdrückung durch z.B. Trainer, Eltern, Funktionäre und auf die Herausbildung von fremdbestimmten Menschen durch das Umfeld des Kindes (z.B. Trainer, Trainingsalltag, Trainingsmethoden, ...) ab.
Im Gegenzug sprechen die Befürworter davon, dass dem Kind neue Möglichkeiten aufgezeigt werden, sich selbst zu erkunden, ihrem Bewegungsdrang nachzukommen, soziale Kontakte (vor allem in Mannschaftssportarten) zu knüpfen, positive (z.B. Sieg) wie auch negative (z.B. Niederlage) Erfahrungen zu sammeln und somit ihre Kindheit intensiv auszuleben. (vgl. MEINBERG, E.: Kinderhochleistungssport. Fremdbestimmung oder Selbstentfaltung. Köln 1984)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Debatte über den Kinderhochleistungssport ein und stellt die gegensätzlichen Positionen von Kritikern und Befürwortern dar.
2. Definition sportlicher Leistungsentwicklung und des Kindertraining: Es werden die Grundlagen der sportlichen Leistungsentwicklung definiert und die Notwendigkeit einer kindgerechten Trainingsgestaltung hervorgehoben.
3. Leistungsvoraussetzungen und Leistungsfähigkeit von Kindern: Das Kapitel analysiert, inwieweit koordinative, physische und motivative Aspekte im Kindesalter trainierbar sind.
4. Doppelbelastung der Kinder im Hochleistungssport - Integration von Training, Bildung und Ausbildung: Es wird die hohe zeitliche Belastung durch Sport und Schule thematisiert und die Rolle von sportbetonten Schulen erläutert.
5. Äußere Einflüsse – Eltern, Trainer, Gesellschaft: Hier wird die Rolle der Bezugspersonen sowie die Fremdsteuerung der jungen Athleten kritisch beleuchtet.
6. Pro und Kontra des Kinderhochleistungssport: Eine systematische Gegenüberstellung von Argumenten aus biologisch-medizinischer, sozialer und psychologischer Sicht.
7. Zur Schwierigkeit einer konsequent pädagogischen Betrachtung des Kinderhochleistungssport und zum Problem der Kindgemäßheit: Das Kapitel erörtert die ethischen Probleme und die Frage, was eine kindgemäße Erziehung im Leistungssport bedeutet.
8. Lösungsansätze und -vorschläge für einen humaneren Kinderhochleistungssport: Es werden Forderungen nach mehr Transparenz und spezifischen Schutzregelungen für Kinder im Sport aufgestellt.
9. Zur Schwierigkeit der Diskussion über den Kinderhochleistungssport: Eine Reflexion über die Komplexität der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema und das Scheitern bisheriger Diskurse.
10. Schluss: Ein abschließendes Plädoyer für eine pädagogisch fundierte Neuausrichtung des Kinderleistungssports.
Schlüsselwörter
Kinderhochleistungssport, Sportpädagogik, Leistungstraining, Kindgemäßheit, Doppelbelastung, Fremdbestimmung, Selbstentfaltung, Leistungsentwicklung, sportliche Belastbarkeit, Trainerverantwortung, Ethik im Sport, Kindheit, Athletenförderung, sportliche Karriere, Pädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die ethischen und pädagogischen Konflikte, die entstehen, wenn Kinder im frühen Alter bereits in einem Hochleistungssportsystem trainieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Belastbarkeit von Kindern, der Rolle der Eltern und Trainer, den gesundheitlichen Risiken und dem pädagogischen Anspruch, eine Kindheit trotz Leistungssport zu ermöglichen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Problematik des Kinderhochleistungssports aufzuzeigen und Ansätze für einen humaneren, pädagogisch verantwortbaren Umgang mit jungen Athleten zu finden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer kritischen Auseinandersetzung mit sportpädagogischen sowie sportmedizinischen Diskursen und Studien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die physischen Voraussetzungen, die sozialen Einflüsse des Umfelds sowie die Pro- und Contra-Argumente aus medizinischer und psychologischer Perspektive.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kinderhochleistungssport, Kindgemäßheit, pädagogische Verantwortung, Fremdbestimmung und Leistungsentwicklung.
Warum ist die Diskussion über den Kinderhochleistungssport so schwierig?
Die Diskussion ist komplex, da Kinder individuell sehr unterschiedlich sind, es keine eindeutige Definition für eine "normale" Kindheit gibt und der Leistungssport zu vielfältig ist, um pauschale Urteile zu fällen.
Welche Rolle spielen Eltern und Trainer laut der Autorin?
Sie tragen eine hohe Verantwortung für das Wohlergehen der Kinder. Oft drohen sie jedoch, das Kind durch übermäßige Leistungsanforderungen in seiner Autonomie zu beschneiden und das Eltern-Kind-Verhältnis zu belasten.
- Quote paper
- Sabrina Engels (Author), 2002, Kinderhochleistungssport aus pädagogischer Sicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19116