Feld und Sozialer Raum

Pierre Bourdieus Modelle zur Erklärung von differenzierten Gesellschaften


Hausarbeit, 2011

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der soziale Raum
2.1 Der Raum der sozialen Positionen
2.2 Der Raum der Lebensstile
2.2.1 Der Habitus als generierendes Prinzip der Lebensstile

3. Die Feldtheorie
3.1 Der Feldbegriff
3.2 Die Grenzen der Felder
3.3 Die Verbindung von sozialen Raum und Feldtheorie

4. Fazit

5.Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Heutige moderne Gesellschaften unterscheiden sich stark von denen vergangener Jahrhunderte. Die Gesellschaft ist zu einer stark differenzierten und individualistischen herangewachsen. Die Differenzierung von Gesellschaften ist ein Konzept das wie kaum ein anderes , Theoretiker der modernen Soziologie beschäftigt. Hierbei entstehen Fragen wie nach der Entstehung von differenzierten Gesellschaften und ihren Mechanismen und Strukturen. Auch Pierre Bourdieu, dessen Theorien maßgeblich für diese hier vorliegende Arbeit sind, beschäftigte sich ausgiebig mit diesem Phänomen. Entscheidend für Bordieus Auseinandersetzung mit der Differenzierung von Gesellschaften sind zwei von ihm entwickelte theoretische Konstrukte. Der soziale Raum und die Feldtheorie. Beide Modelle weisen starke Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede auf. Deshalb wird sich diese Arbeit mit der Frage beschäftigen, wie beide Modelle miteinander verknüpft werden können. Dabei werde ich wie folgt vorgehen: Zunächst wird das Konzept des sozialen Raumes erläutert, das Bourdieu zeitlich vor dem der Feldtheorie entwickelte. Hierzu wird das Modell erst allgemein erläutert und die Zweidimensionalität dieses Raumes betont. Weiterhin werden die beiden wichtigen Dimensionen, der Raum der sozialen Positionen und der Raum der Lebensstile erläutert. Der Raum der sozialen Positionen ist eng mit dem Kapitalbegriff verbunden, der in diesem Kapitel ausdifferenziert wird. Der Umfang und die Struktur des Kapitals entscheidet über die soziale Position im Raum. Danach wird die Arbeit den Raum der Lebensstile erläutern. Hierbei wird zunächst die Funktion des Lebensstils im Zusammenhang mit der sozialen Position herausgestellt. Der Lebensstil dient dazu, den auf einer bestimmten Position befindlichen Akteur von anderen Akteuren und ihren Gruppen abzugrenzen. Hierzu bedient sich Bourdieu verschiedenen Unterscheidungsmerkmalen. Im Folgenden wird der Habitus beschrieben, der den Lebensstil generiert und eine wichtige Rolle bei der Ausbildung von Schemata, welche die soziale Praxis für einen Akteur verständlich und erlebbar machen, spielt. Desweiteren besitzt der Habitus weitere charakteristische Merkmale wie Implizitheit, Inkorporation und den Hysteresis-Effekt, die darauffolgend erörtert werden. Auf dieser Basis aufbauend, wird sich die Hausarbeit mit dem für die Hausarbeit relevanten Modell der Feldtheorie beschäftigen. Dazu wird zunächst der Begriff allgemein erläutert. Darauf folgend werden die Dynamiken und die Bedingungen für die Entstehung von Feldern erklärt. Am Ende dieses Kapitels wird versucht eine Synthese zwischen dem Feldbegriff und dem Begriff des sozialen Raumes zu schaffen. Abschließend wird ein Fazit die Erkenntnisse der Arbeit zusammenfassen.

2. Der Soziale Raum

Dieses Kapitel wird sich mit Bourdieus Konzept des sozialen Raums beschäftigen. Dazu wird nach einer allgemeinen Einführung die Zweidimensionalität dieses Konzeptes erläutert. Hierzu werden der Raum der sozialen Position und der Raum der Lebensstile vorgestellt.

Pierre Bourdieu entwirft in den 60er Jahren im Rahmen seiner Studien über die Sozialstruktur der französischen Gesellschaft sein Modell vom Sozialen Raum, das unter anderem in seinem Werk „La Distinction. Critique sociale du judgement“(1979 „Die Feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft) erscheint. Im Fokus dieses Modells steht die Frage inwieweit Lebensstil und Geschmack, also individuelle Entscheidungen und Vorlieben, und die Klassenlage, die gesellschaftliche Position, zusammenhängen. Die Begriffe Lebensstil und Geschmack sind hierbei Indikatoren für individuell wirksame Wahrnehmungs- Bewertungs- und Handlungsschemata, die im weiteren Verlauf der Arbeit noch unter dem Begriff des Habitus erläutert werden (Vgl. Fröhlich/Rehbein, 2009: 220). Bourdieu sieht den sozialen Raum bzw. die Sozialstruktur moderner Gesellschaften hierbei nicht als ein eindimensionales Konstrukt (wie Klassengesellschaft, Hierarchien) sondern vielmehr als mehrdimensionalen Raum.

Hierzu äußert sich Bourdieu wie folgt: „[Es handelt] sich bei dem hier beschriebenen sozialen Raum um eine abstrakte Darstellung, ein Konstrukt, das analog einer Landkarte einen Überblick bietet, einen Standpunkt oberhalb der Standpunkte, von denen aus die Akteure in ihrem Alltagsverhalten (…) ihren Blick auf die soziale Welt richten“(Bourdieu, 1987:277). Dieser Standpunkt betont zwar, dass es sich hierbei um ein theoretisches Konstrukt handelt, spiegelt aber auch gleichzeitig wieder, dass dieses Modell weitaus praxisnäher ist als andere. Denn durch das Modell können soziale Unterschiede innerhalb der Gesellschaft effektiver und eindeutiger aufgezeigt werden. Aber wie ist der soziale Raum nach Bourdieu tatsächlich konstruiert?. Bourdieu führt hier die Zweidimensionalität des Raumes ein. Nach Bourdieu setzt sich der Sozialraum aus zwei homologen Räumen zusammen, dem Raum der sozialen Positionen und dem Raum der Lebensstile, die folgend ausführlich thematisiert werden sollen.

2.1 Der Raum der sozialen Position

Bevor der Raum der sozialen Positionen näher beschrieben werden soll, muss zunächst ein zentraler Begriff erläutert werden, der essentiell für das Modell des sozialen Raumes und der sozialen Position ist. Das Kapital. Bourdieu arbeitet hier in der Tradition einiger bekannter Theoretiker, wie David Ricardo, Adam Smith und Karl Marx die den Begriff über die Jahrhunderte thematisiert haben (Vgl. Fröhlich/Rehbein,2009:135). Der Kapitalbegriff ist hierbei zunächst nur als rein ökonomischer Faktor zu sehen. Wirtschaftswissenschaftliche Definitionen beschreiben Kapital als „sich vermehrendes Vermögen, Volksvermögen, das in Geld dargestellte Volksvermögen, Produktionsmittel, (..) zum Gütererwerb eingesetzte Produkte, Kaufkraft, (…) Voraussetzungen der Produktion“(Fröhlich/Rehbein,2009:134). Bourdieu erkennt zwar die Wichtigkeit des ökonomischen Kapitals, ist aber der Ansicht das nicht allein ökonomisches Kapital über die Position in einem bestimmten Raum entscheidet. So erarbeitet er im Laufe seiner Studien eine ausgedehnte Differenzierung des Kapitals. Er erweitert den Kapitalbegriff um das kulturelle, soziale und das symbolische Kapital. Dem kulturellen Kapital kommt in seinem Modell eine große Bedeutung zu. Im Fokus stehen neben den materiellen Ressourcen, eben jene Ressourcen die für den Erwerb und den Erhalt des ökonomischen Kapitals stehen. Andererseits ist das ökonomische Kapital ebenso wichtig um kulturelles Kapital zu produzieren. Bourdieu bezieht sich hier vor allem auf das künstlerische und literarische Feld. Zum kulturellen Kapital gehören neben Fähigkeiten und Bildung, auch Gegenstände wie Bücher, Kunstwerke und technische Geräte. Bourdieu spricht hier von objektiviertem Kapital. Ebenso kann sich das kulturelle Kapital durch gewisse Titel und Anerkennungen äußern. Diese Art des kulturellen Kapitals nennt Bourdieu das institutionalisierte Kapital (Vgl. Fröhlich/Rehbein,2009: 135f). An dieser Stelle wird es notwendig zu betonen, dass beide Formen des Kapitals, kulturelles sowie ökonomisches, für Pierre Bourdieu Formen von inkorporierten Kapitals sind, also Kapital was im Laufe der Zeit angeeignet wurde oder vererbt ist.

Nach Ausführung der beiden zentralen Kapitalsorten, soll nun die Bedeutung und die zentrale Stellung des Kapitals im Raum der sozialen Positionen erläutert werden. Das Zusammenspiel zwischen ökonomischem und kulturellem Kapital bestimmt die soziale Position eines Akteurs oder einer Gruppe im Raum. Hierbei unterscheidet Bourdieu zwischen Kapitalvolumen, also der Menge an inkorporierten Kapital, der Kapitalstruktur, der Verteilung beider Kapitalsorten und die Entwicklung des Kapitals im Laufe der Zeit. Die Kapitalstruktur bestimmt hierbei tatsächlich die Position im sozialen Raum. Mit anderen Worten: Je nachdem wie viel kulturelles oder ökonomisches Kapital bei einem Akteur vorhanden ist, bestimmt sich im Verhältnis dazu die Position im Raum (Vgl. Rehbein,2006: 167). Die Position koppelt Bourdieu an Berufsbezeichnungen, da somit die Menge an ökonomischen Ressourcen als auch an kulturellen Ressourcen deutlich wird. Somit entstehen soziale Gruppen oder auch Klassen, die eigene Vorlieben und Lebensstile besitzen (siehe Kapitel 2.2). Die Einteilung in Gruppen durch den Besitz von kulturellem und ökonomischem Kapital ist aber keineswegs deterministisch zu verstehen, da Bourdieu das Modell des sozialen Raumes eher als theoretisches Konstrukt sieht und zudem durchaus anerkennt dass ein Individuum von den Charakteristika und Merkmalen einzelner Gruppen abweichen kann.

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Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Feld und Sozialer Raum
Untertitel
Pierre Bourdieus Modelle zur Erklärung von differenzierten Gesellschaften
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Differenzierte oder kapitalistische Gesellschaft?
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
13
Katalognummer
V191172
ISBN (eBook)
9783656159018
ISBN (Buch)
9783656159384
Dateigröße
371 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
feld, sozialer, raum, pierre, bourdieus, modelle, erklärung, gesellschaften
Arbeit zitieren
Sebastian Bergmann (Autor), 2011, Feld und Sozialer Raum , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191172

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