„[...] Schulleiter Schatka formuliert es drastischer: ‚Eigentlich konnte in Bremen jeder machen, was er wollte.‘ Damit ist es vorbei. Jetzt wird gemessen, kontrolliert und verglichen. Output-Orientierung nennt sich das.“ (Spiewak 2004)
Bei diesem Zitat handelt es sich um einen Auszug aus dem Zeit-Artikel „Wandel ohne Vision“ von Martin Spiewak. Der etwas zynische und anklagende Unterton lässt erahnen, dass der Autor eine eher negative Einstellung zu dem Thema Output-Orientierung hat. Letztere gibt es natürlich nicht ausschließlich in Bremen. Dieses Phänomen und damit in Verbindung stehende Veränderungen im deutschen Schulwesen betreffen eine große Anzahl von Menschen Tag für Tag. Wie der bereits erwähnte Journalist und auch der im Zitat angesprochene Schulleiter, hat jeder an diesem Prozess Beteiligte seine eigenen Gedanken und Einstellungen in Bezug auf dieses Thema. So ist es wahrscheinlich, dass sich ein gewisser Teil der unterrichtenden Lehrkräfte bedrängt, überfordert oder sogar attackiert von derartigen Innovationen fühlt. Allerdings sind Veränderungen im Schulwesen wie beispielsweise der Wandel von einer Input- zu einer Output-Orientierung mithilfe der Bildungsstandards nur dann zu bewerkstelligen, wenn Lehrer und Lehrerinnen diesem Konzept nicht ablehnend gegenüberstehen, sondern die Veränderung akzeptieren, sich darauf einlassen und ihrer Teil zur Umsetzung der Innovation aktiv beitragen. An diesem Punkt wird deutlich, dass die Lehrkräfte bei der Implementation einer Neuerung eine herausragende Rolle einnehmen und es deshalb überaus wichtig ist, ihre Einstellung zu der jeweiligen Angelegenheit zu kennen und gegebenenfalls einzugreifen, wenn sich Probleme anbahnen.
Eine Möglichkeit dazu bietet das Modell der Stages of Concern. Hierbei handelt es sich um sieben Stufen, die von Lehrkräften im Laufe der Implementation einer Neuerung durchlaufen werden. Die Stages of Concern sind aus dem Grund, beispielsweise für die Schulleitung, ein gutes Instrument, weil anhand der Auswertung spezieller Fragebögen die Einstellungen und Bedenken der Lehrenden zu der infrage stehenden Innovation deutlich werden. Die Schulleitung hat dann konkrete Anhaltspunkte und kann anschließend adäquat reagieren, um die Innovation erfolgreich umzusetzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Beschreibung der 7 Stufen
3. Mögliche Reaktionen des Change Facilitator Teams
4. Anwendungsbeispiel aus der Schweiz: Neue Kaufmännische Grundbildung
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das "Stages of Concern"-Modell als Instrument zur Begleitung von Innovationsprozessen im Schulwesen, um die Einstellungen und Bedenken von Lehrkräften sowie Schulleitungen systematisch zu erfassen und darauf aufbauend gezielte Unterstützungsmaßnahmen zu implementieren.
- Psychologische Aspekte der Schulentwicklung
- Die sieben Stufen der Betroffenheit (Stages of Concern)
- Rolle des Change Facilitator Teams bei der Implementierung
- Interventionsstrategien für unterschiedliche Stufen der Betroffenheit
- Fallstudie zur Reform der kaufmännischen Grundbildung in der Schweiz
Auszug aus dem Buch
3. Mögliche Reaktionen des Change Facilitator Teams
Für den erfolgreichen Ablauf der Implementation einer Innovation ist es von besonderer Wichtigkeit, dass man über die Sorgen und Gedanken der einzelnen Beteiligten an dieser Neuerung Bescheid weiß. Dafür ist der sogenannte Change Facilitator zuständig. Bei diesem handelt es sich in der Regel nicht nur um eine Person, sondern um eine ganze Gruppe. Aus diesem Grund ist in diesem Zusammenhang auch häufig die Rede von einem Change Facilitator Team. Im Kontext der Schule wird diese Rolle größtenteils von der Schulleitung übernommen. Als Dreh- und Angelpunkt der Umsetzung der Innovation ist es die Aufgabe des Change Facilitator Teams, den Implementationsprozess zu erleichtern beziehungsweise so gut wie möglich zu fördern und voranzutreiben. Hierfür bedient sich die Schulleitung einerseits gewisser Diagnoseinstrumente wie dem Stages of Concern Fragebogen, andererseits muss sie aber an geeigneter Stelle auch in den Prozess aktiv eingreifen und adäquate Interventionen durchführen. (Vgl. Seitz, Capaul 2005, S.600)
Denn es ist natürlich nicht genug, wenn man als Schulleitung mithilfe des Stages of Concern Fragebogens herausgefunden hat, welche Probleme und Gedanken die von der Innovation betroffenen Lehrkräfte umtreiben – anschließend muss selbstverständlich auch auf diese Bedenken und Anliegen individuell eingegangen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel im deutschen Schulwesen hin zur Output-Orientierung und stellt das Modell der "Stages of Concern" als geeignetes Diagnoseinstrument zur Unterstützung von Lehrkräften in Veränderungsprozessen vor.
2. Beschreibung der 7 Stufen: Dieses Kapitel erläutert die affektive Komponente von Veränderungsprozessen und detailliert die sieben Stufen der Betroffenheit, die von der anfänglichen Nicht-Auseinandersetzung bis hin zur Optimierung einer Innovation reichen.
3. Mögliche Reaktionen des Change Facilitator Teams: Hier wird die Rolle der Schulleitung als Change Facilitator thematisiert, wobei aufgezeigt wird, wie durch gezielte Interventionen und Unterstützung auf die spezifischen Sorgen der Lehrkräfte auf den verschiedenen Stufen reagiert werden kann.
4. Anwendungsbeispiel aus der Schweiz: Neue Kaufmännische Grundbildung: Anhand einer Reform der kaufmännischen Grundbildung in der Schweiz wird empirisch dargestellt, wie das Modell der "Stages of Concern" zur Analyse von Bedenken bei Lehrkräften und Schulleitungen in der Praxis angewendet wurde.
5. Schluss: Das Schlusskapitel resümiert die Bedeutung des Modells für die Schulentwicklung und unterstreicht, dass die systematische Berücksichtigung individueller Lehrerbedenken wesentlich zu einer erfolgreichen Innovation beitragen kann.
Schlüsselwörter
Stages of Concern, Innovationsmanagement, Schulentwicklung, Schulleitung, Change Facilitator, Lehrerfortbildung, Bildungsstandards, Output-Orientierung, Implementationsprozess, Betroffenheit, Schulkultur, pädagogische Reform, Diagnoseinstrumente, affektive Komponente, Veränderungsmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem psychologischen Prozess, den Lehrkräfte bei der Einführung von schulischen Innovationen durchlaufen, und wie dieser mit dem "Stages of Concern"-Modell erfasst werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die psychologische Begleitung von Innovationsprozessen, die Bedeutung der Lehrer-Einstellungen für Reformerfolge und die Rolle der Schulleitung bei der Unterstützung des Kollegiums.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie das "Stages of Concern"-Modell als diagnostisches Werkzeug eingesetzt werden kann, um Reformen im Schulsystem effizienter und für die Beteiligten schonender umzusetzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Modell der "Stages of Concern", ergänzt durch die Analyse eines konkreten Forschungsbeispiels aus der Schweizer Bildungslandschaft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der sieben Stufen, die Ableitung konkreter Interventionsmöglichkeiten für Schulleitungen sowie die empirische Fallstudie zur kaufmännischen Grundbildung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte umfassen "Stages of Concern", "Innovationsmanagement", "Schulentwicklung" und "Change Facilitator".
Warum ist die Stufe 0 für die Schulleitung besonders herausfordernd?
Auf Stufe 0 zeigen Lehrkräfte Desinteresse oder Unwissenheit gegenüber der Innovation; dies erfordert von der Schulleitung Fingerspitzengefühl, um Interesse zu wecken, ohne Druck auszuüben.
Wie unterscheidet sich das SoC-Profil von Lehrkräften von dem der Schulleitung?
Die Schulleitung zeigt im Beispiel ein Profil, das primär auf organisatorische Aspekte und die Zusammenarbeit (Stufe 5) fokussiert ist, während Lehrkräfte heterogenere Verteilungsmuster aufweisen.
- Arbeit zitieren
- Rolf Reimbold (Autor:in), 2012, Das Modell der Stages of Concern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191201