Es gibt Links- und Rechtsküsser - schon einmal aufgefallen? Genauso wie es auch Rechts- und Linkshänder gibt. Wie beeinflussen sich die beiden Verhaltensasymmetrien. Anhand eines Kussexperiements wurde diese spannende Frage im Rahmen des experiementalpsychologischen Praktikums in der Biopsychologie untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1. Zusammenfassung
2. Einleitung
2.1 Händigkeit
2.2 Händigkeit und Gehirnasymmetrien
2.3 Händigkeit und Kopfdrehungsasymmetrien
3. Methode
3.1 Versuchspersonen
3.2 Aufbau und Material
3.3 Durchführung
4. Ergebnisse
4.1 Händigkeit
4.2 Füßigkeit
4.3 Äugigkeit
4.4 Köpfigkeit
4.5 Vergleich von Händigkeit und Köpfigkeit
5. Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Studie untersucht den Zusammenhang zwischen der Köpfigkeit (Kopfdrehungsasymmetrie beim Küssen) und anderen motorischen sowie sensorischen Asymmetrien wie Händigkeit, Füßigkeit und Äugigkeit, um deren potenzielle gegenseitige Beeinflussung und Ursprünge zu ergründen.
- Analyse des Kussverhaltens als Indikator für Köpfigkeit
- Erhebung der Händigkeit mittels Edinburgh Handedness Inventory
- Vergleich von motorischen Asymmetrien (Händigkeit, Füßigkeit) und sensorischen Asymmetrien (Äugigkeit)
- Diskussion evolutionsbiologischer Aspekte der Lateralisierung
- Untersuchung der ontogenetischen Entwicklung asymmetrischer Verhaltensweisen
Auszug aus dem Buch
2.3 Händigkeit und Kopfdrehungsasymmetrien
Ein weiterer Versuch die Händigkeit zu erklären, besagt, dass sie durch den Einfluss von Kopfdrehungsasymmetrien (Köpfigkeit) zustande kommt. Bereits am Ende der Schwangerschaft und in den ersten Stunden nach der Geburt zeigen die meisten Neugeborenen eine Vorliebe dafür, den Kopf nach Rechts zu neigen (Ververs et al, 1994). Dadurch entsteht eine frühe visuelle Orientierung zur rechten Seite und die Annahme, dass Kinder die rechte Hand öfter sehen und sich deshalb eine bessere Hand-Augen Feinkoordination entwickeln kann. Dies könnte eine Präferenz der rechten Hand bewirken (Coryell, 1978). Bei späteren Untersuchungen von Köpfigkeit und Händigkeit an Kleinkindern konnte allerdings kein Zusammenhang zwischen den beiden Asymmetrien festgestellt werden (Coryell, 1985; de Vries, 2001). Die Embryonalforschung zeigt zudem, dass sich eine Handpräferenz vor einer Kopfdrehungspräferenz entwickelt. Köpfigkeit entwickelt sich erst ab der 38. Schwangerschaftswoche, und damit 28 Wochen nach der Entwicklung der Vorliebe für eine Hand (Ververs et al, 1994).
Die Köpfigkeit von Föten und Neugeborenen sagt allerdings noch nichts über die Köpfigkeit bei Erwachsenen aus. Kopfdrehungsasymmetrien bei Erwachsenen wurden erstmals von Güntürkün (2003) untersucht. Dafür beobachtete er 124 küssende Paare in Flughäfen, Parks und Bahnhöfen. Die Untersuchung ergab eine Verteilung von zwei Rechtsküssern auf einen Linksküsser (2:1), was nicht der Rechts-Links-Verteilung der Händigkeit entspricht (9:1). Güntürkün konnte allerdings nicht ausschließen, dass sich die Küssenden gegenseitig beeinflussen. Zudem wurde die Händigkeit nicht abgefragt, so dass nicht festgestellt werden konnte, ob es einen Zusammenhang zwischen Händigkeit und Köpfigkeit bei Erwachsenen gibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zusammenfassung: Die Studie untersucht den Zusammenhang zwischen Köpfigkeit und Händigkeit und hinterfragt, ob eine der beiden Asymmetrien die andere beeinflusst.
2. Einleitung: Es werden grundlegende Theorien zur Händigkeit und deren Zusammenhang mit Gehirnasymmetrien sowie Kopfdrehungsasymmetrien erläutert.
3. Methode: Beschreibung der Probanden und der verwendeten Inventare zur Erfassung von Händigkeit, Füßigkeit, Äugigkeit und Köpfigkeit sowie des experimentellen Kuss-Versuchs.
4. Ergebnisse: Darstellung der Verteilungen der verschiedenen Lateralitätsquotienten und Analyse der Korrelationen zwischen den Asymmetrie-Typen.
5. Diskussion: Interpretation der Befunde, insbesondere hinsichtlich der geringen Korrelation zwischen Händigkeit und Köpfigkeit sowie evolutionsbiologischer Erklärungsansätze.
Schlüsselwörter
Köpfigkeit, Händigkeit, Laterality, Lateralisierung, Asymmetrie, Kussverhalten, Füßigkeit, Äugigkeit, Verhaltensasymmetrie, Edinburgh Handedness Inventory, Gehirnasymmetrie, Ontogenese, Rechts-Links-Verteilung, Neuropsychologie, motorische Kontrolle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, ob ein kausaler Zusammenhang zwischen motorischen Asymmetrien (Händigkeit) und Kopfdrehungsasymmetrien (Köpfigkeit) beim Menschen besteht.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentral sind die Untersuchung von Lateralisierungen beim Menschen, die Entwicklung von Hand- und Kopfpräferenzen sowie deren unterschiedliche evolutionsbiologische und genetische Ursprünge.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die Hypothese zu überprüfen, ob Köpfigkeit durch die Händigkeit beeinflusst wird, und die Ergebnisse bisheriger Studien zur Kopfpräferenz bei Erwachsenen zu replizieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Es wurden standardisierte Fragebögen (u.a. Edinburgh Handedness Inventory) zur Erhebung der Händigkeit, Füßigkeit und Äugigkeit verwendet sowie ein experimenteller Kuss-Versuch mit einer speziellen Apparatur zur Messung der Köpfigkeit durchgeführt.
Welche Inhalte werden im Hauptteil fokussiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der verschiedenen Asymmetrie-Typen, die methodische Beschreibung des Experiments und die statistische Auswertung der erhobenen Daten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Lateralitätsquotient, Rechts-Links-Verteilung, motorische Spezialisierung und die Abgrenzung von Händigkeit gegenüber anderen Asymmetrien.
Welche Rolle spielt der "Bochumer Head-turning Inventory" in der Untersuchung?
Dieser speziell entwickelte Fragebogen diente zur Erfassung der individuellen Kopfdrehungspräferenz in Alltagssituationen, um die im Experiment gewonnene Köpfigkeit zu ergänzen.
Was lässt sich aus dem Vergleich von Händigkeit und Köpfigkeit schließen?
Die Studie deutet darauf hin, dass die Köpfigkeit eine deutlich schwächere Lateralisierung aufweist als die Händigkeit und somit wahrscheinlich einen anderen, weniger streng genetisch determinierten Ursprung hat.
- Arbeit zitieren
- Kristina Lorenzen (Autor:in), 2007, Händigkeit und Köpfigkeit - was beeinflusst was?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191245