Literarische Elemente im Werk Peter Simon Pallas‘ "Reise durch verschiedenen Provinzen des Russischen Reichs 1771 - 1801"

Eine Analyse


Hausarbeit, 2012
16 Seiten

Leseprobe

0. INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Zur Entstehung des Werkes

3. Die Motive und Motivationen
3.1. Auftrag Katharina der Großen, imperiale Motivation
3.2. Persönliche Motivation
3.3. Wissenschaftliche Motivation

4. Stilistisch Bemerkenswertes
4.1. Objektivität
4.2. Ich-Erzähler
4.3. Chronologie
4.4. Wissenschaftliche Benennungen

5. Tropen und Stilmittel
5.1. Pleonasmus
5.2. Redundanz
5.3. Oxymoron
5.4. Metapher
5.5. Metonymie
5.6. Synekdoche
5.7. Antonomasie
5.8. Euphemismus
5.9. Hyperbel
5.10. Personifizierung
5.11. Synästhesie
5.12. Allegorie
5.13. Symbolik

6. Fazit

7. Quellenverzeichnis

1. EINLEITUNG

In der nachfolgenden Arbeit soll die zentrale Frage aufgeworfen werden, inwiefern das Werk Peter Simon Pallas‘ „Reise durch verschiedenen Provinzen des Russischen Reichs 1771-1801“ als literarisches Werk in der Reiseliteratur verortet werden kann. Dabei sollen einige Merkmale als zentral herangezogen werden, welche elementar auf die Literarizität des Werkes hinweisen. Um dieser Frage nachzugehen, sollen einige allgemein einleitende Worte zu diesem Werk vorangestellt werden.

Zum einen wird dem Motiv des Werkes genauere Aufmerksamkeit geschenkt, da es bei diesem Text von besonderer Bedeutung ist. Bei der Behandlung des Reisemotivs kommt man um die Verortung des Werkes in einer literarischen, politischen und historischen Epoche nicht herum, da der historische Kontext möglicherweise ein entscheidendes Moment für das Reisemotiv selbst bildet. Zum anderen soll genauer auf den Schreibstil, dem sich der Autor bedient, sowie auf die grundlegende Struktur des Werkes eingegangen werden, da wesentliche Informationen über die Literarizität, wie man im Nachhinein weiß, ebenso in Angedeutetem oder in Nicht-Erwähntem stecken.

Einen weiteren Aspekt dieser Abhandlung wird das Kapitel der Stilmittel und Tropen bilden, derer sich Peter Simon Pallas in seinem Werk bedient. Obwohl vorweg angemerkt werden kann, dass der Autor seinen Bericht auf sehr nüchterne und unverblümte Art vorträgt, so wird trotzdem im Folgenden angenommen, dass auch in Pallas‘ Werk einige der bekannten und geläufigen Stilmittel und Tropen anzutreffen sind.

2. ZUR ENTSTEHUNG DES WERKES

Für die weitere Abhandlung dieser Arbeit muss festgehalten werden, dass der genaueren Analyse nicht das Originalwerk Pallas‘ in seiner dreibändigen Erscheinung zu Grunde liegt sondern die gekürzte Ausgabe des Reclam-Verlags aus dem Jahr 1987. In der ersten und ursprünglichen Variante seines Werkes verfasste Pallas Briefe und Berichte und sandte diese schon vor seiner Rückkehr auf dem Postweg an die Zarin Katharina die Große bzw. an die St. Petersburger Akademie der Wissenschaften. Nach einigen Jahren der Überarbeitung Pallas‘ nach seiner Rückkehr nach St. Petersburg bzw. während der Jahre seines Rückzugs auf der Krim verfasste er im Nachhinein weitere Werke, für welche seine Aufzeichnungen als elementare Grundlagen dienten (Gärtner 2001).

Dieses Werk erschien in seiner ursprünglichen gedruckten Ausgabe zuerst in deutscher Sprache, bis es einige Jahre danach in russischer Sprache erschien.

„[Als Pallas am 30.7.1774 (Schorkowitz 1995:336) nach St. Petersburg zurückkehrte, hatte] die Akademie […] bereits die Manuskripte Pallas als „Reise durch verschiedenen Provinzen des Russischen Reichs“ in deutscher Sprache veröffentlicht und damit seinen internationalen Ruf verstärkt“ (Gärtner 2001).

Die Akademie der Wissenschaften, welche für die erste Veröffentlichung der Manuskripte zuständig war, zählte bis zum Jahre 1800 unter ihren 108 Mitgliedern gerade einmal 24 Russen, aber 68 Mitglieder mit deutscher Muttersprache (Schorkowitz 1995:332), was ein Grund dafür ist, dass die Werke Pallas‘ ursprünglich in deutscher Sprache veröffentlicht wurden. In der allerersten Auflage erschien die „Reise durch verschiedene Provinzen des Rußischen Reichs“ in drei Teilen, verlegt von der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg. Der erste Teil erschien 1771 mit 504 Seiten, der zweite 1773 mit 774 Seiten und der dritte Teil 1776, welcher 760 Seiten umfasste. Erst einige Jahre später erschien das Werk auch in russischer Sprache. Der Titel lautete dabei „Putešestvija po raznym‘ provincijam Rossijskoj imperii“. Der erste Teil erschien 1773, der zweite Teil, der im Russischen zwei Bände umfasste, erschien 1786, die beiden Bänder des dritten Teils erschienen 1788 (Wendland 1991:937f.). Ein weiterer gesamter Abdruck der drei Werke erschien 1967 in Kurrentdruck in der akademischen Druck- und Verlagsanstalt der Universität Graz.

3. DIE MOTIVE UND MOTIVATIONEN

3.1. Auftrag Katharina der Großen, imperiale Motivation

Peter Simon Pallas war ein am 22. September 1741 in Berlin geborener Wissenschafter, welcher in den Augen seines Vaters nie den Weg ging, den er für ihn vorgesehen gesehen hatte. Pallas kam dem Wunsch seines Vaters Militärarzt zu werden nicht nach. Er selbst hingegen strebte schon sehr jung eine wissenschaftliche Karriere an, was ihm zumindest anfangs immer wieder erhebliche Schwierigkeiten einbrachte. Häufig in Geldnot, aber dennoch mit ausgezeichneter Fachkenntnis auf seinen Spezialgebieten wurde er 1767 von Katharina der Großen an die St. Petersburger Akademie der Wissenschaften eingeladen und von ihr zum Mitglied und Adjunkt ernannt. Bald darauf wurde er dort mit einer Professur für Naturgeschichte sowie der Leitung des Naturalienkabinetts beauftragt (Gärtner 2001) - ein Angebot, das er dankend und scheinbar mit Freuden annahm. Wenige Zeit später wurde er mit einer Mission beordert, Russland, insbesondere den asiatischen, sibirischen Teil des Reiches in entlegenen Gebieten, zu erforschen. Dieser Auftrag, welcher ihn 1768 ereilte, stammte von der Zarin selbst, Russland befand sich zu dieser Zeit auf einem Expansionskurs. Während alle anderen europäischen Großmächte sich nach neuen Kolonien auf anderen Erdteilen, allen voran Afrika, umsahen, versuchte Russland, seine Ausweitung Richtung Osten voranzutreiben. Osterhammel bezeichnet dies als die „absolutistische Entwicklungspolitik“ des russischen Imperiums. Da jedoch diese Gebiete so gut wie gar nicht erforscht, geschweige denn, erschlossen waren, bedurfte es einiger tollkühner Wissenschaftler, die sich im Auftrag der Zarin über die St. Petersburger Akademie der Wissenschaften als Pioniere auf den Weg in die östlichen Reichsgebiete machten, um dort systematisch nach wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten zu suchen (Osterhammel 1989:245)

„Beschaffenheit von Böden, Gewässern, Zustand von Ackerbau und (vor allem nomadischer) Viehzucht, von Fischerei und Jagd, von Handel und Gewerbe, Verbreitung von Epidemien, usw. Wo immer möglich, sollten die Reisenden ungenutzte Potentiale aufspüren, mangelhafte Ressourcenverwertung registrieren und Verbesserungsvorschläge machen“ (Osterhammel 1989:245).

Gleichzeitig mit Pallas, der am 21.6.1768 zu seiner Mission aufbrach, machten sich auch noch einige andere Expeditionen auf den Weg. All diese Forschungsexpeditionen waren Teil einer Politik, welche bereits Peter der Große initiierte, wodurch die östlichen Teile des Reichs der Hauptstadt St. Petersburg unterworfen werden und der Handel nach Osten erschlossen werden sollte (Schorkowitz 1995:332).

3.2. Persönliche Motivation

Schon auf den ersten Seiten seines Werkes beschreibt Peter Simon Pallas seine Motivation, zu dieser Reise aufzubrechen, indem er sich bei der Zarin Katharina der Großen für diesen Auftrag bedankt.

„Die vor einigen Jahren von unsrer Großen Monarchin zum Besten der Wissenschaften und der Menschlichkeit überhaupt an die Russisch-Kaiserliche Akademie der Wissenschaften ergangenen allergändigsten Befehle und zufolge derselben gemachten Veranstaltungen sind der Welt zur Genüge bekannt. Ich habe die Ehre, unter der Zahl derjenigen zu erscheinen, welche so glücklich gewesen sind, zur Ausführung dieser hohen Befehle gewählt zu werden“ (Pallas 1987:6).

„Sosehr mich auch die Begierde zu den natürlichen Merkwürdigkeiten, welche ich mir in den entfernteren Gegenden versprechen konnte, antrieb, meine Reise zu beschleunigen, […]“ (Pallas 1987:8).

Die Einladung an die Akademie der Wissenschaften kam Pallas äußerst gelegen, da er sich somit endlich in der Wissenschaft beweisen konnte. Pallas wird in der Sekundärliteratur immer wieder als Universalgelehrter beschrieben, Bezeichnungen als Botaniker, Zoologe, Pharmazeut, Ethnologe, Linguist, Geograph, Geologe und Mineraloge werden ihm hier zu Teil, woraus deutlich hervorgeht, dass dieser Auftrag Katharina der Großen für Pallas den lang ersehnten „Karrieresprung“ oder „Ansehenssprung“ unter den namhaften europäischen Wissenschaftern seiner Zeit bedeuten konnte. Aus der Sekundärliteratur geht ebenso hervor, dass Pallas stets bemüht war, den richtigen Wissenschaftern die richtigen Informationen zukommen zu lassen, um so eine schnelle Publikation und Rezeption seines Wissensstandes garantieren zu können. Beachtlich für das 18. Jahrhundert und den Aufenthalt in entlegenen Gebieten des imperialen Reichs ist die Konsequenz, mit welcher Pallas Briefe und Objekte in alle Welt versandte, um auch in den entlegensten Winkeln Briefkontakt zu anderen europäischen Wissenschaftern zu halten.

„P.S. Pallas verstand es, das zeitgenössische Interesse an dieser Jahrhundertexpedition erfolgreich zu nutzen, indem er seine Reiseaufzeichnungen von Zeit zu Zeit nach St. Petersburg sandte, wo sie im Auftrage der Akademie sofort in mehreren Sprachen publiziert wurden. […] Für die Kultur- und Wissenschaftspolitik Katharinas II. stellte sie einen glanzvollen Höhepunkt dar und half entscheidend mit, das zwischenzeitlich angeschlagene Renommee der Petersburger Akademie der Wissenschaften wieder herzustellen“ (Schorkowitz 1995:337).

„In dem halb Europa und das asiatische Russland umspannenden wissenschaftlichen Kommunikationsnetz [, welches er sich während seines peregrinatio academica schuf,] war der Naturforscher Peter Simon Pallas (1741-1811) ein Knotenpunkt“, womit es ihm gelang, rasch in anderen Teilen Europas rezipiert und rezensiert zu werden und so beachtliches Ansehen erlangte (Lühmann-Frester 2004:131f., Wendland 2004:145).

3.3. Wissenschaftliche Motivation

Obwohl Pallas den Auftrag einerseits von Katharina der Großen erhielt und häufig als Universalgelehrter bezeichnet wird, wird ihm andererseits jedoch vorgeworfen, in seinen Reiseberichten Elemente ausgelassen zu haben, die für die Nachwelt und eine umfassende Beschreibung des russländischen Reichs von Bedeutung gewesen wären. Schorkowitz kritisiert an den Aufzeichnungen Pallas eine ethnozentristische Sichtweise, die ihn nur bestimmte Elemente an Völkern wahrnehmen ließ (Schorkowitz 1995:340).

„Da Pallas als kaiserlicher Kommissar reiste und seine Expedition letztlich der internen Expansionsund Kolonisierungspolitik des russischen Absolutismus diente, wird man eine grundsätzliche Kritik an den politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen, wie sie zum Begriff der Aufklärung gehört, bei ihm nicht erwarten wollen“ (Osterhammel 1989:248).

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Details

Titel
Literarische Elemente im Werk Peter Simon Pallas‘ "Reise durch verschiedenen Provinzen des Russischen Reichs 1771 - 1801"
Untertitel
Eine Analyse
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V191273
ISBN (eBook)
9783656162841
ISBN (Buch)
9783656163657
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
literarische, elemente, werk, peter, simon, pallas‘, reise, provinzen, russischen, reichs, eine, analyse
Arbeit zitieren
Claudia Fallmann (Autor), 2012, Literarische Elemente im Werk Peter Simon Pallas‘ "Reise durch verschiedenen Provinzen des Russischen Reichs 1771 - 1801", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191273

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