Köln - Die Katholische Kirchenzeitung als Propagandamittel gegen den Nationalsozialismus


Hausarbeit, 2008

12 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Lokalpresse in Köln
2.1 Kirchenzeitungen in Köln
2.2 Gleichschaltungsversuche durch die Reichspressekammer

3. Reichstagswahl am 05.März 1933
3.1 Reaktionen der Kirchenzeitung auf die Märzwahl

4. Zusammenfassung

5. Quellenverzeichnis

6. Literaturverzeichnis

1. Einführung

Viele Historiker, die sich mit der Erforschung des Nationalsozialismus, gerade auch sozialgeschichtlich beschäftigen, stellen die These auf, dass die katholische Bevölkerung in Deutschland diejenige war, welche sich am wenigsten von der nationalsozialistischen Bewegung beeinflussen hat lassen. Weiter steht die These zur Diskussion, ob es das katholische Milieu[1] war, aus der sich die geringsten Wähler der NSDAP gewinnen ließen. Cornelia Rauh – Kühne behauptet, dass das Kirchenvolk als „geschlossene Front“ gegen die NSDAP auftrat, was besonders auf das soziale Gefüge des katholischen Milieus zurückgeführt werden kann.[2] Dieser Meinung schließt sich Jürgen W. Falter größtenteils an, auch im Hinblick auf die Auswertung der Wahlergebnisse der katholischen Zentrumspartei.[3] Während Oded Heilbronner behauptet, dass es zudem gerade die ländliche Bevölkerungsschicht war, welche die NSDAP konsequent bis 1933 nicht unterstütze und die These einer landesübergreifenden katholischen Ablehnung verneint[4]. Die vorliegende Arbeit soll mit diesem Hintergrund in erster Linie behandeln, wie und ob die katholische Kirche Propaganda im Dritten Reich betrieb, in dem sie anhand ihrer Kirchenzeitungen und Bistumsblätter als öffentliche Kommunikationsorgane Propaganda gegen die nationalsozialistische Diktatur betrieb. Um das Augenmerk auch auf ein katholisches Sozialmilieu zu lenken, wird als Quelle die Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln (welche bis 1937 noch „Kirchenblatt der Herz – Jesu Pfarre“ hieß) herangezogen. Ganz konkret werden die Verlautbarungen bezüglich der Reichstagswahl am 05.März 1933 untersucht. Letztlich wird die Fragestellung sein, ob die Kirchenzeitung als Propagandamittel des Kölsch-Katholischen Sozialmilieu aktiven Widerstand gegen den Nationalsozialismus leistete und sich als Kommunikationsorgan überhaupt durchsetzen konnte. Dazu wird zunächst der Kontext vorgestellt, indem sich die Kirchenzeitung durchzusetzen hatte um diese dann genauer vorzustellen. In einem weiteren Schritt werden die staatlichen Komplikationen vorgestellt, mit denen die Zeitungen generell zu kämpfen hatten.

2. Lokalpresse in Köln

Die Lokalpresse in Köln war weit gefächert und trat mit einer Füllzahl an Blättern dem „Westdeutschen Beobachter“ als nationalsozialistisches Organ gegenüber. Dieser erschien ab 1925 wöchentlich und publizierte sehr aktiv die Hetzkampagne gegen die Juden.[5] Trotzdem waren die Zeitschriften bezüglich der NSDAP eher abwartend. So bezeichnete die Sozialistische Republik, eine Linke Tageszeitung der KPD, am 14.März 1927, die Anhänger der NSDAP als „Jüngelchen und Gesindel“[6]. Auch die Kölner Jüdisch-liberale Zeitung, eine der zwei jüdischen Zeitungen in Köln, schrieb am 9.November 1928, dass die Hakenkreuzfahne keineswegs den Ethos und den Stolz der Juden antasten könne[7]. Die Kölnische Volkszeitung bezeichnete am 29.Oktober 1928 die NSDAP ironisch als eine besonders liebliche Blüte im breiten Feld der Parteien[8]. Die Neuwahlen im November 1932, mit einem Rückgang abgegebener Stimmen von 1,4 Millionen zur Vorwahl im Juli, brachte der NSDAP bemerkenswerte Stimmenverluste[9]. Die Rheinische Zeitung, ein Blatt der SPD, welche auf eine Tolerierungspolitik setzte, erlaubte sich am 7. November dazu folgenden Kommentar: ,Der Prophet Adolph Hitler […] ist mit seinen Weissagungen am Ende. […] Was vor wenigen Wochen viele noch für kaum erreichbar hielten, ist geschafft: die Hakenkreuzfahne sinkt auf Halbmast. Der Traum vom dritten Reich zerrinnt‘.[10] Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler war für die Kölner Presse dann eine absolute Überraschung. Während die gleiche Zeitung, welche vorher die NSDAP am Boden ihres eigenen Parteiprogramms sah, nun zu Massenstreiks und Massendemonstrationen aufrief, standen andere Kölner Zeitungen der neuen Regierung weniger ablehnend gegenüber und befürworteten diese sogar[11]. Treffend zusammengefasst schrieb das Kölner Tageblatt am 30. Januar: ,Es beginnt für Hitler die Zeit, wo es mit dem Theaterrummel vorbei ist […]. Er kann jetzt im Reichskanzlerpalais dem deutschen Volk demonstrieren, wie viel besser er alles machen kann.‘[12]. Selbst am 2. Februar 1933, drei Tage nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler, schrieb Das Kölner Jüdische Wochenblatt, dass man sich zwar in einer ernsten Lage befände, aber keinerlei Grund zur Panik bestehe[13]. Kurz darauf ließ man viele Kölner Zeitungen verbieten.

[...]


[1] Der Milieubegriff wurde von M. Lepsius in die Forschungsdebatte eingebracht. Ursprünglich war er zur Erklärung des stabilen Wahlverhaltens im Katholischen Sozialmilieu gedacht.

[2] Cornelia Rauh-Kühne, Katholisches Sozialmilieu. Region und Nationalsozialismus. In: Möller, Horst u.a. (Hg.), Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte Sondernummer. Nationalsozialismus in der Region. Beiträge zur regionalen und lokalen Forschung und zum internationalen Vergleich. München 1996, S. 217.

[3] Jürgen W. Falter, Hitlers Wähler. München 1991, S. 172 f..

[4] Oded Heilbronner, Die Achillesferse des deutschen Katholizismus. Gerlingen 1998. S.269.

[5] Jean Labussière, Der Aufstieg der nationalsozialistischen Bewegung in Köln im Spiegel der lokalen Presse (1919 – 1933). In: Geschichte in Köln. Studentische Zeitschrift am historischen Seminar 11 (Mai 1982). Köln 1982, S. 127.

[6] Ebd. S. 128.

[7] Ebd. S. 129.

[8] Ebd. S. 128.

[9] Vgl. dazu Jürgen W. Falter, Hitlers Wähler. München 1991, S. 36 f..

[10] Jean Labussière, Der Aufstieg der nationalsozialistischen Bewegung in Köln im Spiegel der lokalen Presse (1919 – 1933). In: Geschichte in Köln. Studentische Zeitschrift am historischen Seminar 11 (Mai 1982). Köln 1982, S. 132.

[11] Ebd. S. 140f..

[12] Jean Labussière, Der Aufstieg der nationalsozialistischen Bewegung in Köln im Spiegel der lokalen Presse (1919 – 1933). In: Geschichte in Köln. Studentische Zeitschrift am historischen Seminar 11 (Mai 1982). Köln 1982, S. 142.

[13] Ebd. S. 143.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Köln - Die Katholische Kirchenzeitung als Propagandamittel gegen den Nationalsozialismus
Hochschule
Universität zu Köln  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Nationalsozialismus
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
12
Katalognummer
V191331
ISBN (eBook)
9783656161257
ISBN (Buch)
9783656161547
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
köln, katholische, kirchenzeitung, propagandamittel, nationalsozialismus
Arbeit zitieren
Verena Nöckel (Autor:in), 2008, Köln - Die Katholische Kirchenzeitung als Propagandamittel gegen den Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191331

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