Wurden die USA plötzlich und ungerechtfertigt vom Terrorismus überrollt? Plötzlich, aus heiterem Himmel, schien es aus Sicht einiger in der US-amerikanischen Gesellschaft einen Feind zu geben, der den USA grundlos abgrundtief Böses wolle. Das Phänomen des Terrorismus ist zur Zeit politisch und auch medientechnisch das meistdiskutierteste Thema . Obwohl es Terrorismus schon immer gab, drängte sich die Problematik besonders seit den Anschlägen des 11. September ins Bewusstsein von Politik, Medien und oft verängstigter (westlicher) Gesellschaft. Die komplexe Thematik wird in der Arena von oft verzerrendenden, sensationsfokussierten und vereinfachenden Medien und westlichen Politikern einerseits, aber nicht mit Berücksichtigung auf historische Zusammenhänge und arabische Positionen andererseits ausgetragen und war selten unvoreingenommen. Reichlich dramatische, gewaltgetränkte Rhetorik wurde seitens Medien und Politik bemüht, von „Megaterrorismus“, und der „Eliminierung terroristischer Parasiten“ (George W. Bush) einerseits und „dem Sturm des Glaubens“(Osama bin Laden) andererseits war die Rede, ungeachtet des Fakts, dass die Opferzahl dieser Art von Terrorismus (bis jetzt) nur etwa zehn Prozent beträgt.
Diese Hausarbeit bemüht sich um eine möglichst breite und vor allem ausgewogene Darstellung des Themas „fundamentalistischer Terrorismus“ unter Einbeziehung von Positionen aus westlicher und arabischer Welt, sowie aus Erkenntnissen der Friedens- und Konfliktforschung und versucht, ein möglichst vollständiges Bild der vielschichtigen Thematik zu skizzieren. Was ist Terrorismus? Welche Hintergründe gibt es für das terroristische Handeln der islamistischen Terroristen? Gibt es eine terroristische Logik? Wenn ja, wie sieht sie aus? (Gibt es einen Zusammenhang zwischen Religion und Gewalt?)
Und schließlich: Welche Gegenmaßnahmen können erfolgsversprechend und im Rahmen der freiheitlichen demokratischen Grundordnungen verfolgt werden? Wie wird sich der Terrorismus in Zukunft entwickeln und wie hoch sind die Chancen für dessen Bekämpfung? Eine endgültige Antwort auf diese Fragen wird kaum zu finden sein, aber eine Annäherung und eine Analyse ist sehr wohl möglich.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. „Der“ Terrorismus
2.1. Terrorismusdefinition und Abgrenzung zu Nachbarbegriffen
2.2 Funktionsweise, „Logik“ des Terrorismus allgemein
2.3 Al Quaida, Osama bin Laden und der Wahhabismus: Organisation, Profile und Ideologie
2.4 Die Welt als Risikogemeinschaft? Ursachen des Terrorismus
2.5 Lösungsvorschläge und Gegenstrategien
3. Home is an empty dream? Wider die Rosinenpicker – Schlussgedanken
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, eine ausgewogene Analyse des „fundamentalistischen Terrorismus“ unter Einbeziehung westlicher und arabischer Perspektiven zu erstellen. Dabei wird untersucht, welche Hintergründe und terroristischen Logiken existieren, wie sich diese manifestieren und welche Gegenstrategien im Rahmen freiheitlich-demokratischer Grundordnungen erfolgversprechend sind.
- Grundlagen des Terrorismusbegriffs und Abgrenzung zu verwandten Konzepten.
- Strukturen, Ideologien und Organisationsweisen von Al Quaida.
- Systemische, geopolitische und sozioökonomische Ursachen des Terrorismus.
- Diskussion über multidimensionale Lösungsansätze der Friedens- und Konfliktforschung.
- Die Rolle der Medien und die Bedeutung einer kritischen Reflexion westlicher Politik.
Auszug aus dem Buch
2.1. Terrorismusdefinition und Abgrenzung zu Nachbarbegriffen
Zunächst einmal gilt es, den Begriff von dem oft synonymisch gebrauchten Begriff „Terror“ sowie von den Begriffen „Freiheits- oder Widerstandskämpfer“ und „Guerilla“ abzugrenzen, wobei diese Abgrenzung wie erwähnt subjektiv erfolgt. Hier das Problem der Begriffe „Terrorist“ und Freiheitskämpfer“:
„Abhängig von der Sympathie oder Antipathie, die man den Zielen von Gruppen (...) entgegenbringt, wird man sie als Terroristen oder als Freiheitskämpfer bezeichnen. Die Frage, ob der Einsatz von Gewalt in gewissen Situationen legitim ist, wird je nach Standpunkt des Betrachters unterschiedlich beantwortet werden. Staaten definieren Gruppen, gegen die sie kämpfen, immer als terroristisch oder kriminell, auch wenn sie nach unseren Maßstäben ein legitimes Ziel (...) verfolgen.“
Ein plastisches Beispiel für diese Problematik sind die palästinensische Hamas, die für die Errichtung eines Palästinenserstaats kämpfen und sich als Freiheitskämpfer sehen, aus Sicht der Israelis aber Terroristen sind, und damit verbunden die Person Jassir Arafats, der ebenso eine Aufwertung seines Status erfuhr (er war der einzige, der jemals bewaffnet vor der UN sprechen durfte). Das definitorische Problem verhindert laut Barth eine Definition sowie auch eine intentionale Ächtung und Bekämpfung des Terrorismus. Dazu kommt der Begriff „Terror“, Barth empfiehlt, diesen als Form „staatlicher Schreckensherrschaft“ (Staatsterror), in der Staaten Terror und Gewalt einsetzen, um Macht zu sichern und ihre Bürger ruhig gegenüber eines Putsches zu halten, zu definieren. Terrorismus sei hingegen „eine bestimmte Form des Angriffs gegen den Staat“. Barth begründet sich mit den unterschiedlichen Auswirkungen beider Formen und der unterschiedlichen Strategie, die dahinter stehe. Einer der gravierendsten Unterschiede ist laut Peter Waldmann, dass der Terrorist sein Handeln an ein Publikum adressiert hat, welches reagieren muss, damit der Terrorist sein Ziel, den grundlegenden politischen und gesellschaftlichen Wandel, erzielen kann, da Terrorismus, darauf weisen viele Autoren hin, hautsächliche eine Kommunikationsstrategie und ein Signal an die Bürger sei (dazu mehr in Punkt 2.5) und keine Kampfstrategie.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Wahrnehmung des Terrorismus in westlichen Medien und Politik und formuliert das Ziel einer ausgewogenen Analyse unter Einbeziehung verschiedener wissenschaftlicher Perspektiven.
2. „Der“ Terrorismus: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Fundierung, indem es den Terrorismusbegriff definiert, die „Logik“ terroristischen Handelns erklärt und Ideologien sowie Ursachen und Gegenstrategien beleuchtet.
3. Home is an empty dream? Wider die Rosinenpicker – Schlussgedanken: Das Schlusskapitel fasst die Notwendigkeit einer respektvollen Zusammenarbeit und einer kritischen Auseinandersetzung mit historischen sowie globalen Konfliktursachen zusammen.
Schlüsselwörter
Terrorismus, Al Quaida, Osama bin Laden, Wahhabismus, Dschihad, Konfliktforschung, Internationale Beziehungen, Politische Gewalt, Kommunikation, Globalisierung, Naher Osten, Radikalisierung, Gegenstrategien, Geopolitik, Fundamentalismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Phänomen des fundamentalistischen Terrorismus, insbesondere am Beispiel von Al Quaida und Osama bin Laden, unter Berücksichtigung historischer und politischer Hintergründe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Definition von Terrorismus, die Ideologie des Wahhabismus, die Ursachensuche auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen sowie der Vergleich militärischer versus struktureller Lösungsstrategien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine ausgewogene Darstellung der Thematik, um von einer rein sensationsfokussierten Sichtweise zu einer fundierten Analyse der Beweggründe und Bekämpfungsmöglichkeiten zu gelangen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine politikwissenschaftliche und konfliktforschungsorientierte Literaturanalyse, um verschiedene Perspektiven und Theorien zum Terrorismus zusammenzuführen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der Terrorismusbegriff, die spezifische Organisationsstruktur von Al Quaida, ideologische Grundlagen, Ursachenbündel (historisch, kulturell, wirtschaftlich) und multidimensionale Gegenmaßnahmen diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Schlüsselbegriffen zählen Terrorismus, Al Quaida, Ideologie, Dschihad, globale Risikogemeinschaft, Kommunikation und Friedensforschung.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen Terrorismus und Guerillakampf?
Unter Berufung auf Wördemann wird verdeutlicht, dass der Guerillero den Raum besetzen will, während der Terrorist primär das Denken besetzen möchte – Terrorismus wird somit als Kommunikationsstrategie statt als militärische Strategie definiert.
Welche Bedeutung misst die Arbeit den Medien bei?
Medien werden als zentrale Arena des Konflikts betrachtet, die sowohl von Terroristen als auch von Politikern instrumentalisiert wird, weshalb eine ausgewogene Berichterstattung für die Deeskalation essentiell ist.
Warum hält die Autorin eine rein militärische Lösung für unzureichend?
Eine rein militärische Vorgehensweise bekämpft laut Arbeit nur Symptome; sie fordert stattdessen eine Behebung struktureller Ursachen, wie etwa die Lösung des Israel-Palästina-Konflikts und eine gerechtere Weltwirtschaftsordnung.
- Arbeit zitieren
- Sabrina Mazzola (Autor:in), 2006, Fundamentalistischer Terrorismus , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191358