Die zwei deutschen Staaten DDR und BRD entwickelten sich ein halbes Jahrhundert lang getrennt voneinander. In dieser Zeit zeigten sich in den beiden verschiedenen Gesellschaftssystemen verschiedene Leitbilder und institutionelle Rahmenbedingungen für die Stellung der Frau auf. Diese Tatsache kann auf unterschiedliche Entwicklungen des Abbaus geschlechtsspezifischer Ungleichheiten zurückgeführt werden. Unterschiede zwischen Frauen aus Ost- und Westdeutschland sind auch heute noch sichtbar und Thema vieler soziologischer und privater Auseinandersetzungen und Erfahrungsaustausche.
In dieser Arbeit wird angestrebt, die Stellung der Frau in beiden Teilen Deutschlands zu untersuchen. Dabei soll versucht werden, die Zeit von DDR und BRD zu betrachten, da sie als Ursache der heute bestehenden Geschlechterverhältnisse und -diskurse gelten kann. Ziel dabei ist es, aus verschiedenen soziologischen Studien Grobstrukturen herauszuarbeiten und ihnen eine Systematik zugrunde zu legen. Es wird vermutet, dass es möglich sein kann, zwei entgegengesetzt positionierte Befunde zum Vergleich der Stellung der Frau in DDR und BRD zu finden.
Die Arbeit wird zunächst mit einleitenden Worten zum Thema der Geschlechterdifferenz als Ungleichheitsquelle moderner Gesellschaften und Emanzipation als deren Gegenentwicklung beginnen. Darauf folgt die Darstellung der verschiedenen Ausführungen der Autorinnen und Autoren, wobei anschließend versucht wird, ihre Befunde zusammenzufassen und kritisch zu betrachten. Sie werden in den Kontext einer internationalen Studie zu Unterschieden in der Frauenerwerbsbeteiligung gestellt. Im letzten Teil werden schließlich die Ergebnisse zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
1 GESCHLECHTERDIFFERENZEN ALS UNGLEICHHEITSQUELLE DER MODERNEN GESELLSCHAFT UND EMANZIPATION ALS REAKTION
1.1 Geschlechterdifferenzen als Ungleichheitsquelle
1.2 Emanzipation und Frauenemanzipation in Deutschland
2 DIE STELLUNG DER FRAU IM VERGLEICH DDR – BRD (OST-/WESTDEUTSCHLAND) IN SOZIOLOGISCHEN STUDIEN
2.1 Geißler: Die Entwicklung von sozialen Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern in Deutschland
2.1.1 Ungleichheiten im Bildungssystem
2.1.2 Ungleichheiten in der Arbeitswelt
2.1.3 Beteiligung von Frauen in der Politik in DDR und BRD
2.1.4 Die Situation der Familie in DDR und BRD
2.2 Deutschmann-Temel: Vergleichbarkeit oder Unvergleichbarkeit von Arbeitszeitformen der Frauenerwerbsarbeit in der ehemaligen DDR und alten Bundesrepublik
2.3 Meyer/Schulze: Parallelen und Unterschiede im Leben der Frauen in BRD und DDR
2.4 Hülser: Bedingungen der Frauenerwerbstätigkeit in der DDR und in der ehemaligen Bundesrepublik im Vergleich
2.5 Trappe/Rosenfeld: Geschlechtspezifische Segregation in der DDR und der BRD - Im Verlauf der Zeit und im Lebenslauf
2.6 Zusammenfassung: Befunde und theoretische Erklärungsansätze
ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Stellung der Frau in der ehemaligen DDR und der BRD, um die historischen Ursachen für heute bestehende Geschlechterverhältnisse und -diskurse zu analysieren. Ziel ist es, durch die Auswertung soziologischer Studien Grobstrukturen herauszuarbeiten, theoretische Erklärungsansätze zu systematisieren und die Befunde im Kontext internationaler Entwicklungen zu hinterfragen.
- Vergleich der Situation von Frauen in verschiedenen Gesellschaftssystemen (DDR vs. BRD)
- Analyse geschlechtsspezifischer Ungleichheiten in Bildung, Arbeitswelt, Politik und Familie
- Untersuchung von Emanzipationsprozessen und deren Wirkung in Ost- und Westdeutschland
- Kritische Reflexion soziologischer Studien und deren theoretischer Modelle
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Ungleichheiten im Bildungssystem
Nach Geißler (2002) ist der Bildungssektor derjenige, in dem sich Ungleichheiten vergleichsweise am einfachsten abbauen lassen. Dies zeige die Erfahrung der Nachkriegsjahrzehnte in Deutschland. Der Abbau von Ungleichheiten verlief während 1950er bis 1970er Jahre progressiv und in der DDR eher und umfassender als in der BRD, da dies durch die sozialistische Bildungspolitik nach dem Vorbild der marxistischen Frauenbewegung (Clara Zetkin) Vorraussetzung für die Gleichstellung der Frau im Berufsleben war. Die Förderung von Frauen im Bildungswesen erhielt in der DDR Verfassungsrang (Artikel 20 der Verfassung der DDR von 1968/1974). Währenddessen wurden in der BRD während der Reformdiskussion der 1960er Jahre die Forderung von äquivalenten Bildungschancen für Mädchen laut (Geißler 2002, 367).
Im Bereich der allgemeinen Schulbildung gab es eine Entwicklung vom Bildungsdefizit der Mädchen zum Bildungsvorsprung. Die Gleichstellung wird in der DDR im Bereich der Erweiterten Polytechnischen Oberschule (Gymnasialniveau) in den 1960er Jahren erreicht. 1963/64 betrug der Anteil der jungen Frauen 48 %, 1975/76 bereits 53 %. In der BRD holten die Mädchen die Jungen etwa 15 Jahre später, Anfang der 1980er Jahre ein (Geißler 2002, 367 f.).
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die historische Differenz der deutschen Gesellschaftssysteme ein und benennt das Ziel, die Stellung der Frau durch soziologische Studien zu vergleichen.
1 GESCHLECHTERDIFFERENZEN ALS UNGLEICHHEITSQUELLE DER MODERNEN GESELLSCHAFT UND EMANZIPATION ALS REAKTION: Dieses Kapitel definiert Geschlecht als soziale Strukturkategorie und thematisiert Emanzipation als historische Gegenbewegung zur Unterdrückung.
2 DIE STELLUNG DER FRAU IM VERGLEICH DDR – BRD (OST-/WESTDEUTSCHLAND) IN SOZIOLOGISCHEN STUDIEN: Das Hauptkapitel wertet fünf zentrale soziologische Studien aus, die unterschiedliche Aspekte von Erwerbsarbeit, Familie, Politik und Bildung vergleichen.
ZUSAMMENFASSUNG: Die Arbeit resümiert, dass keine einfachen idealtypischen Gegensätze zwischen den Systemen feststellbar sind und plädiert für eine internationalere Ausweitung der frauensoziologischen Perspektive.
Schlüsselwörter
Stellung der Frau, DDR, BRD, Geschlechterdifferenz, Emanzipation, soziale Ungleichheit, Frauenerwerbsarbeit, Bildungssystem, Arbeitsmarktsegregation, Geschlechterarrangements, Familienpolitik, Transformationsprozess, Geschlechterrolle, Soziologie, Vereinbarkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die unterschiedliche Stellung der Frau in den beiden deutschen Staaten DDR und BRD und deren historische Wurzeln.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Die zentralen Felder sind die geschlechtsspezifische Situation in Bildung, Arbeitsmarkt, politischer Partizipation und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es, aus verschiedenen soziologischen Studien Grobstrukturen der Stellung der Frau herauszuarbeiten und die theoretischen Erklärungsansätze zu systematisieren.
Welche Methode wird angewendet?
Es handelt sich um eine Literatur- und Studienanalyse, bei der zentrale soziologische Veröffentlichungen zum Thema vergleichend ausgewertet und kritisch reflektiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Ansätze von Autoren wie Geißler, Deutschmann-Temel, Meyer/Schulze, Hülser sowie Trappe/Rosenfeld detailliert vorgestellt und hinsichtlich ihrer Befunde zu Arbeitszeit, Erwerbsquoten und Segregation diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Frauenerwerbsarbeit, DDR-DDR-Vergleich, Geschlechtersegregation, Emanzipationsbegriff und soziale Ungleichheit.
Wie bewerten die Studien den Unterschied bei der Erwerbstätigkeit?
Die Studien heben hervor, dass die hohe Erwerbsbeteiligung in der DDR ideologisch und ökonomisch motiviert war, während Frauen in der BRD aufgrund rechtlicher Rahmenbedingungen häufiger in Teilzeit arbeiteten.
Welche Kritik äußert die Verfasserin an den untersuchten Studien?
Die Verfasserin kritisiert das Fehlen qualitativer Daten in vielen Studien sowie die teilweise Problematik, das Verhalten von Frauen rein über rational-individualistische Modelle (wie die neoklassische Ökonomie) zu erklären.
- Quote paper
- Magistra Artium Denise Demnitz (Author), 2003, Die Stellung der Frau im Vergleich Ost-/Westdeutschland (DDR - BRD): Befunde und theoretische Erklärungsansätze, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19143