Panem et Circensis - Die Macht der römischen Unterhaltungskultur


Facharbeit (Schule), 2012
19 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Iuvenal - der Schöpfer der These „Panem et Circenses“

3 Panem - die staatliche Getreideversorgung

4 Circenses - Die römischen Spiele
4.1 Der Ursprung der Gladiatorenspiele
4.2 Die Entstehung einer Unterhaltungsindustrie
4.3 Kritik und das Ende der Spiele

5 Der Wunsch nach Panem et Circensis in der modernen Gesellschaft

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

8 Anhang

1 Einleitung

“iam pridem, ex quo suffragia nulliuendimus, effudit curas; nam qui dabat olimimperium, fasces, legions, omnia, nunc secontinent atque duas tantum res anxius optat, panem et circenses.”

Iuvenal, Satura X, 77-81

„Das römische Volk scheint schon seit langer Zeit kein Interesse mehr an der Politik zu besitzen. Einst bestimmte es über alles, die Herrschaft, die Ämter und die Legionen. Doch nun wünscht sich das Volk, um zufrieden zu sein, nur noch zwei Dinge, Brot und Spiele.“

Panem et circenses - dieser berühmte Ausdruck stammt aus der Feder des römischen Dichters Iuvenal (60 - 127 n. Chr.) mit welchem er eindrucksvoll den Zustand der römischen Gesellschaft seinerzeit bezeichnet.

In seiner Satire kritisiert dieser, dass das römische Volk jegliches politisches Mitspracherecht gegen Brot und Spiele eingetauscht habe.

Mein Interesse an dieser Parole weckte der im Jahr 2009 erschienene Science-Fiction- Roman „Die Tribute von Panem.“ Der Bestseller enthält zahlreiche Bezüge zum alten Rom und zeigt eine dystopische Gesellschaft auf, in der das Prinzip der Brot und Spiele an der Tagesordnung ist.

Der Ausspruch Panem et circenses bildet die Grundlage meiner Facharbeit und verbindet die unterschiedlichen Themenbereiche miteinander.

Zuerst werde ich mich dem Begriff des Panem widmen und auf die damit von Iuvenal angesprochenen Getreidespenden des Staates an die Bürger eingehen. Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf der Beschreibung des zweiten Teils von Iuvenals berühmten Ausspruchs, den Circenses.

Nach Behandlung der einzelnen Begriffe werde ich abschließend die antike Parole auf die Gegenwart beziehen und differenziert versuchen folgende Frage zu beantworten:

In welcher Hinsicht ist der berühmte Ausspruch, der bis heute überdauert hat, auf unsere derzeitige Gesellschaft anwendbar?

2 Iuvenal - der Schöpfer der These „Panem et Circenses“

“Cereri sacrum

Decimus Iunius Iuvenalis

Tribunus cohortis I delmatarum

II vir quinq vennalis flamen

Divi vespasiani

Vovit dedicauitque

Sua pecunia”

Corpus Inscriptionum Latinarum X.5382

“Ceres zum Opfer

Decimus Iunius Iuvenalis,

Militärtribun der 1. Kohorte der Delmatae

fünfjährig im Doppelamt Opferpriester

des göttlichen Vespasians

gelobt und geweiht

sein Vermögen“

Diese Inschrift wurde auf einem Grabstein in Aquinum entdeckt und gilt als einziger Hinweis auf die biographischen Punkte des Satirendichters Iuvenals, abgesehen von den aus seinen Satiren hervorgehenden Angaben. Gesichert ist diese Annahme jedoch nicht, Kritiker sehen eine militärische Karriere konträr zu seiner Ablehnung des Militärs in seinen konzipierten Satiren und sind vielmehr der Meinung, es handele sich um einen späteren Nachfahren des Dichters.1

Dagegen spricht die Assoziation mit der Erntegöttin Ceres, die Iuvenal in seinen Satiren als einziger Gottheit hohen Respekt zuspricht. Außerdem wird angenommen, dass der römische Bürger seine Karriere als Satiriker erst im späteren Lebensverlauf aufnahm. Darauf deutet auch sein Freund und Dichter Martial hin, der Iuvenal nicht als Dichter beschreibt.2

Mehr als über sein Leben ist über Iuvenals Satiren bekannt, die ihn als brillanten Kritiker der Gesellschaftszustände in Rom in die Geschichte eingehen ließen. Er übt in seinen insgesamt 16 verfassten Satiren schonungslose Kritik an den Missständen in Rom.3 Diese Texte können dem heutigen Leser ein anschauliches, möglicherweise aber auch überzogenes Bild der damaligen Lebensumstände vermitteln.

Als seine bekanntesten Thesen gelten neben Panem et Circenses außerdem Sed quis custodiet ipsos custodes? - Wer bewacht die Wächter? [Satura IV, 347] und die Aussage, die den Satiriker Iuvenal selbst wohl am passendsten beschreibt: Difficile est saturam non scribere. - Es ist schwierig, keine Satire zu verfassen [Satura I, 30].

3 Panem - die staatliche Getreideversorgung

„C. Graccus, […] perniciosas aliquot leges tulit, inter quas frumentariam, ut senis et triente frumentum plebi daretur;“

Livius, Periocha LX

„Gaius Graccus […] hat einige verheerende Gesetzes(vorschläge) eingebracht, unter die- sen einen zur Getreideversorgung, so würde er den Alten und dem Volk ein Drittel des Ge- treides erteilen.“

Dieses Zitat geht zurück auf den römischen Geschichtsschreiber Livius, der in seinem Werk „Ab urbe condita“ kurz die Person des Gaius Graccus‘ (153 - 121 v. Chr.) vor- stellt und die von ihm erbrachten Gesetze. Eines davon war im Jahr 123 v. Chr. das lex frumentaria, ein Gesetz, welches bis zum Ende des Reiches die Getreideversorgung in Rom regeln sollte.4

Den Aspekt der Getreideschenkungen Roms mit einzubringen, ist insofern wichtig, als dass dieses Kapitel den ersten Teil der These Panem et Circenses beleuchten soll, ohne welchen diese eindrucksvolle Charakterisierung der römischen Gesellschaft wohl nicht annähernd so viel Wirkung erzielt hätte.

Die mit der lex frumentaria festgelegten Regelung war folgende: Künftig sollte jeder römische Bürger das Recht haben, eine bestimmte Menge Getreide monatlich zu einem festen Preis zu kaufen.5

Diese Grundzüge legen den Eindruck nahe, dass der Großteil des plebs urbana (das städtische Volk) in einer Art Wohlfahrtsstaat lebte, ohne selbst für seinen Lebensunterhalt arbeiten zu müssen. Aber wie viel Wahrheitsgehalt steckt in der Legende dieses römischen „Schlaraffenlandes?“6

Die Beweggründe von Graccus zum Gesetz bezüglich der cura annonae (Getreidever- sorgung) waren zweierlei. Einerseits war die Einwohnerzahl in Rom im 3. und 2. Jahr- hundert v. Chr. rasant angewachsen und zum anderen war die landwirtschaftliche Pro- duktion im Verhältnis dazu erheblich zurückgegangen. Kurz gefasst: das römische Reich war nicht mehr in der Lage sich selbst zu ernähren.

Die Nahrungsbeschaffung erfolgte nun hauptsächlich durch den Import von frumentum (Getreide) aus den zahlreichen Provinzen Roms, was allerdings einige Schwierigkeiten barg. (siehe Anhang I: Getreide für Rom)

Auf den nachteiligen Effekt, welche unter anderem der Import mit sich brachte, weist Livius ↑ mit dem Adjektiv perniciosas hin, welches übersetzt werden kann mit „verhee- rend“, „verderblich“ oder auch „ruinös.“ In der Tat, unter den enormen Kosten, die ins- besondere der Transport des Getreides verursachte, hatte die Staatskasse schwer zu lei- den. Aus diesem Grund wurde regelmäßig die Zahl der Empfangsberechtigten gesenkt.7

Außerdem mussten zwei Kriterien erfüllt werden, um sich für die frumentationes (Getreideversorgung) zu qualifizieren. Eine Bedingung war der Besitz des vollen römischen Bürgerrechtes und die andere, seinen Wohnsitz in Rom zu haben.

Diese Kriterien schlossen allerdings einen mehrheitlichen Teil der Bewohner Roms aus, denn nur freie Männer besaßen das römische Bürgerrecht.

Jeder Berechtigte erhielt monatlich 5 modii (Scheffel) Getreide, was einem täglichem Ernährungswert von drei- bis viertausend Kalorien entspricht, die wohl kaum ausreich- ten, um Tag für Tag eine ganze Familie zu ernähren.8 Aus diesem Grund kann das als häufig etikettierte Leben der Römer im „Schlaraffenland“ nur als Märchen betrachtet werden.

„Dennoch verband sich der Gedanke [der Römer] an eine [verlässliche] Getreideverteilung stets mit der Vorstellung kaiserlicher Großzügigkeit und Verantwortlichkeit.“9 Somit dienten die frumentationes als wichtiges Kontrollinstrument des Kaisers über seine Untertanen, welches zu der These des Panem et Cirenses führt.

Für das Wohl der Bürger in Rom musste nicht nur die Staatskasse zahlen, sondern auch Gaius Graccus. Seinen Einsatz für das einfache Volk büßte er mit dem Tod.

4 Circenses - Die römischen Spiele

4.1 Der Ursprung der Gladiatorenspiele

“Superest illius insignissimi spectaculi ac re- ceptissimi recognitio. [...] Muneris nomen est. Officium autem mortuis hoc spectaculo facere se veteres arbitrabantur, [...]”

Tertullian, De Spectaculis XII,1

„Es bleibt übrig, das berühmteste und belieb- teste der Schauspiele zu betrachten. […] Die- ses trägt den Namen „die Geschenke.“ Die Alten glaubten ferner, dass durch dieses Schauspiel den Toten ein Dienst erwiesen wurde, […]“

Munera - so lautete die Bezeichnung für die Gladiatorenkämpfe in der Antike. Eingebracht wurde dieser Begriff von dem Autor Tertullian (150 - 220), der den Anfang der Gladiatorenspiele in den Bestattungsriten sieht, in denen oftmals Menschen als Spende für die Toten geopfert wurden.10

Der Brauch der munus (Totenspende) war im Mittelmeerraum weit verbreitet. Durch das Vergießen von Blut am Grab sollten die Seelen der Verstorbenen geweiht und fried- lich gestimmt werden. Bei den dafür geopferten Menschen handelte es sich meist um Kriegsgefangene oder Sklaven, die zu diesem Zweck gekauft wurden. Es wird ange- nommen, dass dieses Bestattungsritual aus Kampanien stammte, welches zu dieser Zeit von den Etruskern beherrscht wurde, einem Volk von dem die Römer in vielerlei Hin- sicht beeinflusst wurden. Aus der ursprünglichen bloßen Opferung entwickelten sich mit der Zeit jedoch regelrechte Leichenspiele, bei denen zwei bewaffnete Männer ge- geneinander antraten. Dies kann man auch als erste Gladiatorenkämpfe sehen.11

Den entscheidenen Einstieg in die römische Kultur erhielten die munera im Jahr 264 v. Chr., als die Söhne des Iunius Brutus Peras‘ zu dessen Totenfeier drei Gladiatoren- kämpfer auftreten ließen.12 Von da an nahm die Bedeutung der Gladiatorenspiele in der römischen Gesellschaft stetig zu. Die Beerdigung rückte dabei in den Hintergrund und der Gefallen an der Unterhaltung gewann die Überhand. Schließlich wurden die Aus- richtung und Finanzierung der Spiele in die Hände der Konsulen gegeben und oblagen in der Kaiserzeit dem Kaiser.13

[...]


1 Vgl. KNOCHE, U. 1982, Die römische Satire, Göttingen, S.89

2 Vgl. KNOCHE, S.90

3 Vgl. VOGEL, A. 2010, Iuvenal- Satiren: Interpretation der Textstelle aus Iuv. Sat. 5, 49-79, München, S. 5

4 Vgl. ANONYM,1 2001. Panem et Circenses - Die Macht der römischen Unterhaltungskultur. Norderstedt, S. 7

5 Vgl. WEBER, C.W. 11983. PANEM ET CIRCENSIS - Massenunterhaltung als Politik im antiken Rom. Düsseldorf und Wien, S.255.

6 Vgl. WEBER, S. 273

7 Vgl. WEBER, S.261

8 Vgl. WEBER, S.263

9 Vgl. WEBER, S.264.

10 Vgl. WEBER, S.23

11 Vgl. PAOLUCCI, F.1 2007. Gladiatoren: Leben für Triumph und Tod. Berlin, S.11

12 Vgl. PAOLUCCI, S. 14

13 Vgl. GRANT, M. 11970. Die Gladiatoren. Stuttgart, S.16.

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Details

Titel
Panem et Circensis - Die Macht der römischen Unterhaltungskultur
Autor
Jahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V191451
ISBN (eBook)
9783656199106
ISBN (Buch)
9783656199854
Dateigröße
572 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Meine Facharbeit zu dem Thema "Panem et Circensis." Diese enthält die Ursprungsgeschichte der 'Circensis', den Aspekt der Getreideversorgung 'Panem' und einen Transfer in die Moderne.
Schlagworte
Panem et Circensis heute, Brot und Spiele
Arbeit zitieren
Inga von der Stein (Autor), 2012, Panem et Circensis - Die Macht der römischen Unterhaltungskultur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191451

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