Schlüsselqualifikationen - Medienkompetenz für Historiker?


Essay, 2011

6 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Die vorliegende Ausarbeitung befasst sich mit dem Thema der Schlüsselqualifikationen. Dabei wird zunächst allgemein auf diese eingegangen und versucht eine Begriffsdefinition zu geben. Anschließend wird der Begriff der Medienkompetenz erläutert und untersucht, ob dieser als Schlüsselqualifikation für Historiker wichtig ist.

1. Schlüsselqualifikationen allgemein

Wenn es früher in der Produktionsgesellschaft ausreichte, ein Produkt zu bearbeiten, fleißig und pünktlich zu sein, verlangt man in der heutigen Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft mehr. So werden die „alten Tugenden“ zwar immer noch vorausgesetzt, doch darüber hinaus wird erwartet, dass man sich als Arbeitnehmer ständig weiterbildet, Verantwortung übernimmt, selbstständig handelt und Konflikte möglichst eigenverantwortlich bewältigt.[1]

Diese neuen Tugenden sollen Schlüsselqualifikationen übernehmen. Doch was genau versteht man unter Schlüsselqualifikationen? Zunächst erfolgt eine Begriffsklärung der Qualifikation an sich. In der Fachliteratur ist der Begriff sehr vielschichtig, doch im Allgemeinen versteht man darunter „die Gesamtheit der Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten, […], über die eine Person verfügt oder als Voraussetzung für die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit verfügen muss.“[2] Der Begriff der Schlüsselqualifikation wird 1974 in der Arbeitsmarktforschung von Dieter Mertens begründet und dient als Umschreibung „des beabsichtigten Vermögens, auf unvorhersehbare neue Anforderungen flexibel zu reagieren, so dass die einmal erworbenen Kenntnisse für immer erhalten bleiben.“[3] Weiterhin resultieren durch die Integration und Verzahnung von Aufgaben höhere Qualifikationsanforderungen für den Arbeitnehmer. Dabei haben aber Schlüsselqualifikationen und Fachqualifikationen jeweils unterschiedliche Funktionen, können aber nur gemeinsam wirksam werden.[4] Versucht man nun Schlüsselqualifikationen zu definieren, könnte der Ansatz von Mertens und der Begriff der Qualifikationen genommen werden: So sind Schlüsselqualifikationen „relativ lang verwendbare Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten […], zum Lösen gesellschaftlicher Probleme.“[5] Außerdem dienen diese Qualifikationen als sprichwörtlicher Schlüssel, zur Erschließung neuen Spezialwissens und als Schlüssel zum Problemlösen neu gestellter Aufgaben und Wandlungen im Beruf, die möglichst ohne Fremdhilfe bewältigt werden können.[6] Was sollen Schlüsselqualifikationen noch leisten? Nach Rummler sollen sie zunächst den Qualifizierungsstand und das Erfahrungspotential des Einzelnen ergänzen. Zudem sollen diese Qualifikationen zum lebenslangen Lernen befähigen und, wie schon bei Beck erwähnt, Mitarbeiter anleiten, Anforderungen am Arbeitsplatz gerecht zu werden.[7] Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit, Analysevermögen, DV-Kenntnisse und Zielstrebigkeit gelten also nicht mehr unbedingt nur für das Finanz- und Rechnungswesen, sondern für fast alle Berufe, besonders in den Geisteswissenschaften. Vera Nüning hat Schlüsselqualifikationen wie folgt gegliedert:

1. Kognitive Kompetenzen (Wissen verschiedener Denkprozesse; Lernbereitschaft, Transferfähigkeit)
2. Kommunikative Kompetenzen (Fähigkeiten in Sachen Kommunikation, Artikulation, Präsentation)
3. Soziale Kompetenzen (Fähigkeit, für Austausch von Informationen und Verständigung)
4. Persönlichkeitsmerkmale / Selbstkompetenz (Individualverhalten)
5. Allgemeines Basiswesen (Allgemeinbildung, Medienkenntnisse, Lern –u. Arbeitstechniken)

Eine zentrale Schlüsselqualifikation, die Historiker aber auch jeder andere Geisteswissenschaftler heutzutage benötigt, ist die Medienkompetenz. Diese soll im folgenden Abschnitt näher erläutert werden.

2. Medienkompetenz für Historiker

Neben den Schlüsselqualifikationen wie Textverständnis oder Rhetorik steht heute mehr denn je die Medienkompetenz im beruflichen Alltag im Vordergrund. Obwohl der Beruf des Historikers auf den ersten Blick nicht vermuten lässt, mit sogenannten Neuen Medien umzugehen, ist es doch sehr wichtig, um bei Projekten, dem Recherchieren oder dem Verwalten bzw. Aufbau von Datenbanken bestehen zu können. Denn die Geschichtswissenschaft befindet sich, wie andere Wissenschaften auch (z. B. Bibliothekswissenschaft) in einem medialen Wandel.

Doch was versteht man unter Medienkompetenz? Eine einheitliche Definition gibt es nicht. Der Begriff taucht seit den 90’er Jahren in vielen Bereichen und Diskursen auf und ebenso viele Bedeutungen hat er. Einfach könnte man sagen, mit Medienkompetenz wird zum Ausdruck gebracht, mit Medien kompetent umgehen zu können. Dazu zählt auch die Fähigkeit, Medien zu verstehen, zu beherrschen, zu verwenden, zu gestalten und am wichtigsten für Historiker, zu bewerten. Gerade bei Quellenkritik ist die Bewertung von Medien sehr wichtig.[8] Andere Definitionen teilen den Begriff der Medienkompetenz. Also den Begriff der Medien, unter dem man den Informationsträger und das Vermittelte sieht[9], und den Begriff der Kompetenz, welche in Handbüchern oft an Stelle von Bildung oder Qualifikation steht[10]. Auf die Ursprünge und Geschichte des Begriffes soll an dieser Stelle verzichtet werden. Zentraler Punkt der Medienkompetenz ist einen Zugang zu Medien bzw. neuen Medien zu finden, die identifizierten Botschaften zu analysieren, zu evaluieren und zu kommunizieren.[11] Eng damit verbunden ist der Begriff der Relevanz, welcher eine gewisse Selektions- und Entscheidungskompetenz voraussetzt. Heute ist es mehr denn je wichtig, die Fähigkeit zu besitzen, aus Mengen von Informationen die Wesentlichen auszuwählen und nicht in der Informationsflut im Internet durch Überlastung unterzugehen.

[...]


[1] Vgl.: Werner, Erwin: Schlüsselqualifikation. Persönliche Voraussetzung für beruflichen Erfolg. Heidelberg 2003, S. 16.

[2] Beck, Herbert: Schlüsselqualifikation. Bildung im Wandel. Darmstadt 1993, S. 12.

[3] Ebd.

[4] Vgl. Ebd., S. 16.

[5] Ebd., S.17.

[6] Vgl.: Ebd., S. 23.

[7] Vgl.: Rummler, Hans-Michael: Die Bedeutung der Schlüsselqualifikation für die Weiterbildung von Führungskräften. Frankfurt u.a. 1991, S. 60 f.

[8] Vgl.: Sutter, Tillman u. Charlton, Michael: Medienkompetenz-einige Anmerkungen zum Konzeptbegriff. In: Medienkompetenzen-Voraussetzungen, Dimensionen, Funktionen. Hrsg.: Nobert Groeben u. Bettina Hurrelman. Weinheim u. München 2002, S. 129.

[9] Vgl.: Billes-Gerhart, Elke: Medienkompetenz von Lehramtsstudierenden. Eine empirische Betrachtung, Analyse und Interpretation der Orientierungs- und Bewertungsschemata von angehenden Lehrkräften. Göttingen 2009, S. 38f.

[10] Vgl.: Ebd., S.46.

[11] Vgl.: Kommer, Sven: Kompetenter Medienumgang? Eine qualitative Untersuchung zum medialen Habitus und zur Medienkompetenz von SchülerInnen und Lehramtsstudierenden. Budrich 2010. S. 52f.

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Schlüsselqualifikationen - Medienkompetenz für Historiker?
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Veranstaltung
Vom Studium zum Beruf
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
6
Katalognummer
V191465
ISBN (eBook)
9783656162742
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medien, Schlüsselqualifikation, Medienkompetenz, Historiker
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts André Rekulowitsch (Autor), 2011, Schlüsselqualifikationen - Medienkompetenz für Historiker?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191465

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