Weihnachten und Ostern sind eine rhythmische Alternierung von zwei voneinander untrennbaren Formen der Geburt, jene der Geburt der Ewigkeit in die Zeit hinein und die Wiedergeburt der Zeit in der Herrlichkeit der Ewigkeit. Sie bilden einen rhythmisierten interdependenten zeitlichen Kreislauf, den die Riten des Jahreskreises zum Zweck der Einbindung des Menschen in diesen Heilskreislauf zu erfassen suchen.
Inhaltsverzeichnis
1. Feste und Rituale
2. Die Zeit
3. Rhythmus
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Zeit, Rhythmus und zyklischen Festtagsritualen für die psychische, geistige und religiöse Strukturierung des Menschen sowie deren Rolle für eine integrierende Auferstehungskultur.
- Die Analyse der Zeit als fundamentaler Bedingungsfaktor des Menschseins.
- Die komplementäre Beziehung zwischen linearer und zyklischer Zeit (Chronos vs. Kairos).
- Die Bedeutung von religiösen Ritualen zur Konsolidierung kultureller Identität.
- Die physiologischen und geistigen Auswirkungen natürlicher Rhythmen.
- Die Transformation vom "alten Adam" zum "neuen Menschen" durch das Heilsgeschehen.
Auszug aus dem Buch
OSTERKULTUR
Feste und Rituale: Kaum sind die Weihnachtsmänner und Nikoläuse von den Regalen der Kaufhäuser und Supermärkte verschwunden, da stehen auch schon die Osterhasen an ihrer Stelle in den Regalen. Das Business kennt keine natürliche Zeiten mehr, alles was sich verkaufen lässt, wird zunehmend im 24 mal 7 mal 360 Takt, das heißt möglichst ununterbrochen, zum alleinigen Zweck der Gewinnmaximierung angeboten. Der biologische, geistige und religiöse Rhythmus dagegen folgt der Schöpfungsordnung des Werdens, Vergehens und des Wiedergeborenwerdens. Die Feste des Jahreskreises sind daher organisch, in Einklang mit der Natur des Menschlichen und seiner geistigen Dimension verbunden. Rituale haben sozialanthropologisch betrachtet insbesondere auch die Funktion der Bestätigung und Konsolidierung einer Ordnung oder einer Gruppenidentität.
Die Zeit: Der Osterzeit ist die Weihnachtszeit und dieser wiederum die Adventszeit mit der Vorbereitung des Menschen auf die Menschwerdung Gottes vorgeschaltet und diese dauert bis Mariä Lichtmess, denn bis der geistige Geburtsprozess all jener, die an diese Geburt des Erlösers glauben, sowie auch jener anderen, die davon mitgeprägt werden, deren Herz, Geist und Körper durchdrungen hat, ist Zeit erforderlich, weil alles Geschaffene mit seinen vitalen Prozessen, insbesondere auch der Mensch, der Zeit unterworfen ist. Die winterlich-weihnachtliche Zeit, die eine Einkehr und In-sich-Kehrung des Menschen, synchron mit dem Ruhen der Natur und ihren Prozessen bewirkt, ist für eine Reflektion über die Zeit, wie auch der Ewigkeit und deren Interdependenz in natürlicher Weise geeignet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Feste und Rituale: Dieses Kapitel thematisiert die Kommerzialisierung der Zeit im Gegensatz zu den organischen, natürlichen Rhythmen der Feste und deren sozialanthropologische Funktion zur Identitätsstiftung.
2. Die Zeit: Der Abschnitt analysiert die philosophische und neurophysiologische Bedingtheit des Menschen durch die Zeit sowie die Bedeutung der Transzendierung der Zeit für die psychische Hygiene und Erlösung.
3. Rhythmus: Hier wird der Rhythmus als fundamentales Lebensprinzip beschrieben, dessen Störung durch technokratische Prozesse gesundheitliche Risiken birgt und eine bewusste rituelle Einbindung in den Jahreskreis erfordert.
Schlüsselwörter
Zeit, Rhythmus, Rituale, Auferstehung, Heilskultur, Transzendenz, Ewigkeit, Jahreskreis, Identität, Christentum, Schöpfung, Erlösung, Bewusstsein, Chronos, Kairos
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen temporalen Aspekten, wie Zeit und Rhythmus, und der kulturellen sowie religiösen Prägung des Menschen durch zyklische Feste.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Unterscheidung zwischen linearer und zirkulärer Zeit, die Bedeutung von Ritualen für die menschliche Psyche und das Heilsgeschehen als strukturelles Ordnungsprinzip.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch die Einbindung in den rhythmisierten Jahreskreis eine ganzheitliche Auferstehungskultur gefördert werden kann, die den Menschen in seiner Identität stabilisiert.
Welche wissenschaftliche Perspektive wird eingenommen?
Die Arbeit verknüpft sozialanthropologische Ansätze mit philosophischen Betrachtungen sowie Erkenntnissen aus der Religionswissenschaft und der Neurophysiologie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Konzepte von Chronos und Kairos, die Bedeutung der Weihnachts- und Osterzeit für die Transformation des Menschen und die Gefahr der Entfremdung durch unnatürliche Rhythmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Zeit, Rhythmus, Rituale, Auferstehungskultur, Transzendenz und Identität.
Wie unterscheidet der Autor zwischen der Zeit der Uhr und dem Rhythmus der Natur?
Während die Zeit der Uhr linear, sequenziell und auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist, folgt die natürliche Zeit einem zirkulären, rhythmischen Verlauf, der für das geistige und körperliche Wohlbefinden essenziell ist.
Welche Rolle spielt die Unterscheidung zwischen Immanenz und Transzendenz?
Die Gradwanderung zwischen diesen beiden Polen wird als notwendiger Prozess für die Erlösung des Menschen dargestellt, wobei Christus als Mittler zwischen der relativen Zeitlichkeit und der absoluten Ewigkeit fungiert.
- Arbeit zitieren
- D.E.A./UNIV. PARIS I Gebhard Deissler (Autor:in), 2012, Osterkultur - Temporale Aspekte einer Auferstehungs- und Heilskultur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191532