Marlene Dietrich - Die deutsche "Göttin des Films"


Fachbuch, 2012
58 Seiten

Leseprobe

Ernst Probst

Marlene Dietrich

Die deutsche „Göttin des Films“

Zu Weltruhm gelangte in den 1930-er Jahren die deutsche Schauspielerin und Sängerin Marlene Dietrich (1901–1992), die eigentlich die Vornamen Maria Magdalene trug. Ihren Erfolg als Filmstar begründete sie als fesche Lola mit Zylinder, wasserstoffblonden Haaren, glühenden Blicken und betörenden Beinen in dem Streifen „Der blaue Engel“. Später feierte man die Dietrich oft als „Göttin des Films“.

Erst seit 1956 weiß man, dass Maria Magdalene Dietrich am 27. Dezember 1901 in Berlin-Schöneberg zur Welt kam. Denn damals tauchte ein im Zweiten Weltkrieg verlorener Auszug aus dem Berliner Geburtenregister wieder auf. Bis dahin hatte die Dietrich stets 1904 als ihr Geburtsjahr genannt. Ihr Vater war Louis Erich Otto Dietrich (1868–1907), ein Polizeileutnant der kaiserlichen Elitetruppe. Ihre Mutter Wilhelmine Elisabeth Josefine Dietrich (1876–1945), geborene Felsing, stammte aus einer Berliner Juweliersfamilie. Maria Magdalene hatte eine ältere Schwester namens Elisabeth, die zwei Jahre früher geboren worden war.

Die Eltern zogen kurz nach der Geburt von Maria Magdalene nach Weimar (Thüringen), wo diese an einer Privatschule unterrichtet wurde. Ihre wohlhabenden Eltern ließen ihr die „denkbar beste Erziehung“ zukommen, erzählte sie später. Früh erhielt sie Geigen- und Klavierstunden und lernte Französisch und Englisch.

1908 erlag der Vater in einer psychiatrischen Heilanstalt einem Nervenleiden. Vermutlich starb er an Syphillis, mit der er sich durch Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnerinnen infiziert hatte. Nach seinem Tod kehrte die Familie nach Berlin zurück. Maria Magdalene bezeichnete sich etwa im Alter von elf Jahren als Marlene. 1914 heiratete die Mutter in zweiter Ehe den begüterten Grenadierleutnant Eduard von Losch (1875–1916), der im Ersten Weltkrieg einer Kriegsverletzung erlag. Zu einer Adoption der beiden Stieftöchter war es nicht gekommen.

Marlene besuchte in Berlin zunächst die Auguste-Viktoria-Schule und vom 13. April 1917 bis Ostern 1918 die Victoria-Luisen-Schule (heute Goethe-Gymnasium). An letzterer Schule machte sie ihr Abitur. Nebenher lernte sie bei Paul Dessau (1894–1979), der später Dirigent und Komponist wurde, an der Berliner Musikakademie das Geigespielen. 1918 begann sie an der „Musikhochschule Weimar“ eine Ausbildung zur Konzertgeigerin. 1921 setzte sie ihr Musikstudium in Berlin fort, das sie nach einer Sehnenscheidenentzündung gegen den Willen ihrer Mutter abbrach. Nach dem gescheiterten Versuch, an der Schauspielschule von Max Reinhardt (1873–1943) aufgenommen zu werden, wurde sie als Revuegirl in der Truppe von Guido Thielscher (1859–1941) engagiert und debütierte Weihnachten 1921 im Hamburger Operettenhaus. Danach gab ihr und Grete Mosheim (1905–1986) Reinhardts Assistent, Berthold Held (1868–1931), Schauspielunterricht. Sie wurde in rhythmischer Bewegung und Gymnastik sowie im Fechten und in der Stimmbildung geschult. Zwischen September 1922 und April 1923 spielte Marlene kleine Rollen (oft als Statistin) in insgesamt 92 Theateraufführungen.

Der Vermittlung ihres Onkels Willi Felsing verdankte Marlene Dietrich einen ersten Kontakt zu einem Filmregisseur. Prompt wurde sie zu Probeaufnahmen eingeladen. Bald darauf feierte sie in dem Stummfilm „So sind die Männer“ (1923) unter der Regie von Georg Jacobi (1882–1964) ihren ersten Auftritt auf der Kinoleinwand. In diesem Streifen spielte sie die Rolle einer Zofe. Sie kritisierte sich später hierfür als „eine Kartoffel mit Haaren“.

Bei den Dreharbeiten für den Film „Tragödie der Liebe“ (1923) unter der Regie von Joe May (1880–1954) lernte Marlene Dietrich den Produktionsassistenten Rudolf Sieber (1897–1976) kennen und lieben. Am 17. Mai 1924 heirateten die Beiden und am 13. Dezember 1924 kam die gemeinsame Tochter Maria Elisabeth zur Welt.

Laut Online-Lexikon „Wikipedia“ wirkte Marlene Dietrich während der „Goldenen Zwanziger Jahre“ in 16 Stummfilmen mit. Darunter waren zuletzt auch Hauptrollen wie in „Café Elektrik“ (1927) oder „Ich küsse Ihre Hand, Madame“ (1929). Marlene verleugnete später ihre frühen Rollen und beurteilte ihr deutsches Bühnen- und Filmschaffen als reine Komparserie. In einem Interview erklärte sie einmal: „Ich war in den Zwanziger Jahren überhaupt nichts“. Zusammen mit dem Ensemble der Revue „Es liegt in der Luft“ machte sie 1928 ihre ersten Schallplattenaufnahmen.

Am 11. September 1929 fiel Marlene Dietrich dem aus Wien stammenden Hollywood-Regisseur Josef Sternberg (1894–1969) auf, als sie im „Theater am Schiffbauerdamm“ zusammen mit Hans Albers (1892–1960) in der Revue „Zwei Krawatten“ mitspielte. Er war aus den USA gekommen, um Hans Albers zu sehen und für seinen Tonfilm „Der blaue Engel“ (1930) zu verpflichten.

Sternberg war von den langen Beinen und der tiefen, rauchig-erotischen Stimme der 1,68 Meter großen Marlene Dietrich so beeindruckt, dass er ihr die weibliche Hauptrolle anbot. Um ihre Einwilligung zu erreichen, bedurfte es großer Überzeugungskunst, da die Dietrich damals noch keine hohe Meinung von ihrem schauspielerischen Talent und ihrer Fotogenität hatte. Das Drehbuch für diesen Film basierte auf dem Roman „Professor Unrat“ (1905) von Heinrich Mann (1871–1950).

Marlene Dietrich mimte in „Der blaue Engel“ die leichtlebige und mitleidslose Kabarettsängerin „Lola Lola“, die den strengen „Professor Immanuel Rath“ – gespielt von Emil Jannings (1884–1950) – betört, ihn auf sein Drängen heiratet, sich aber bald mit ihm langweilt und ihn verachtet. Weltberühmt wurde ihr für diesen Streifen von Friedrich Hollaender (1896–1976) komponierter Song „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ („Falling in Love Again“). Marlene erhielt für „Der Blaue Engel“ pauschal eine Gage von 20.000 Reichsmark, zuzüglich 5.000 Reichsmark für die parallel gedrehte englische Fassung. Ihr bereits international erfolgreicher Filmpartner Emil Jannings heimste dagegen eine Gage von 200.000 Reichsmark ein. Jannings missfiel das starke Interesse des Regisseurs Sternberg an der jungen Schauspielerin sehr. Deswegen gab es bei den Dreharbeiten immer wieder Spannungen zwischen dem Altstar Jannings und der Newcomerin Dietrich. Der Film „Der Blaue Engel“ hatte am 1. April 1930 Weltpremiere in Berlin. Die Premiere in den USA erfolgte später am 5. Dezember 1930.

Noch 1930 ließ Marlene Dietrich ihre vierjährige Tochter Maria und ihren Ehemann in Berlin zurück und ging mit Josef Sternberg nach Hollywood. Dort unterschrieb Marlene beim Filmstudio „Paramount Pictures“ einen Siebenjahresvertrag, der ihr anfangs ein Gehalt von 1.750 US-Dollar pro Woche garantierte. Danach baute man sie als Sexsymbol und Hollywood-Diva auf. Sie hungerte sich 30 Pfund Körpergewicht weg, trug fortan feinste Kleidung und achtete bei Dreharbeiten auf richtiges Licht und Make-up. In der kalifornischen Filmmetropole wurde sie zum Weltstar.

Zusammen mit Sternberg drehte Marlene Dietrich die Filme „Morocco“ („Marokko“ bzw. „Herz in Flammen“, 1930), „Dishonored“ („Entehrt“, 1931), „Shanghai Express“ (1932), „Die blonde Venus“ (1932), „The Scarlett Empress“ („Die scharlachrote Kaiserin“, 1934) und „The Devil is a Woman“ („Der Teufel ist eine Frau“, 1935). In „Morocco“ stand sie neben Gary Cooper (1901–1961) vor der Filmkamera und mimte eine Nachtclubsängerin, die sich zwischen zwei Männern entscheiden muss. In der bekanntesten Szene dieses Streifens küsst Marlene als Mann angezogen eine andere Frau. Für ihre Rolle in „Morocco“ nominierte man sie für den „Oscar“ als beste Hauptdarstellerin.

1931 holte Marlene Dietrich ihre Tochter Maria und ihren Ehemann Rudolf Sieber in die USA. Sie hatte ein schlechtes Gewissen, weil sie ihr Kind vernachlässigt und ihren Gatten mit Sternberg betrogen hatte. Die Tochter Maria spielte in dem Film „The Scarlet Empress“ die russische Zarin Katharina die Große (1729–1796) als Kind und die Mutter Marlene als Erwachsene.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland von 1933 mied die Dietrich ihr Heimatland.

1935 trennten sich der geniale Sternberg und die weltberühmte Schauspielerin im gegenseitigen Einvernehmen. Für ihre Rolle in „The Garden of Allah“ („Der Garten Allahs“, 1936) erhielt die Dietrich die bis dahin höchste Gage im Filmgeschäft: 200.000 US-Dollar. Erfolg hatte sie auch in der Filmkomödie „Angel“ („Engel“, 1937) unter der Regie von Ernst Lubitsch (1892–1947), dessen Spezialität charmant-ironische Lustspiele waren.

Marlene Dietrich besaß eine Ausstrahlung, die Männer und Frauen gleichermaßen anzog. Während der 1930-er Jahre trat sie oft in Männerkleidung auf, was damals als revolutionär empfunden wurde. In Paris wollte man ihr 1933 unter Androhung der Verhaftung das Betreten der Innenstadt in Männerkleidung untersagen, was aber nicht durchgehalten werden konnte. Für die Frauenbewegung zwischen den Weltkriegen wurde sie ein Idol und zu einer Schwulenikone. Ihr Freund Kenneth Tynan schrieb über sie: „Sie hat Sex, aber kein Geschlecht.“

Ein Jahr vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges (1939–1945) verlegte Marlene Dietrich ihren europäischen Hauptwohnsitz nach Paris. Von der französischen Hauptstadt aus half sie Flüchtlingen aus Deutschland und emigrierenden Künstlern mit Rat und Tat sowie Geld.

Ab 9. Juni 1939 war Marlene Dietrich amerikanische Staatsbürgerin. Ende der 1930-er Jahre trennte sie sich von ihrem Mann Rudolf Sieber, von dem sie nie geschieden wurde und der zuletzt in Kalifornien eine Hühnerfarm leitete. Danach hatte sie zahlreiche Liebesbeziehungen, unter anderem gleichzeitig mit dem französischen Schauspieler Jean Gabin (1904–1976) und mit dem deutschen Schriftsteller Erich Maria Remarque (1898–1970). In den Nächten, in denen die Diva mit ihrem feurigen Liebhaber Gabin schlief, betrank sich der eifersüchtige Remarque.

In dem Film „Destry Rides Again“ („Der große Bluff“, 1939) parodierte Marlene Dietrich ihr eigenes Image. Angebote der „Nazis“ für eine Rückkehr nach Deutschland lehnte sie ab. Statt dessen wandte sich gegen den Nationalsozialismus, unterstützte jüdische Emigranten und war ab 1943 drei Jahre lang in amerikanischer Uniform bei der Truppenbetreuung von US-Soldaten aktiv. Sie nahm ein Angebot des US-Geheimdienstes „OSS“ an, sich an der psychologischen Kriegsführung gegen Hitler-Deutschland zu beteiligen, sang für amerikanische Soldaten und besuchte Verwundete in Lazaretten. Weil sie nahe an der Front vor US-Soldaten auftrat, die vor oder nach ihrem Auftritt kämpfen mussten, entging sie bei der deutschen Ardennenoffensive im Dezember 1944 nur knapp einer Gefangennahme durch die Wehrmacht.

Während sie amerikanische Truppen bei deren Vormarsch durch Süddeutschland begleitete, erhielt Marlene Dietrich nach der Befreiung des Konzentrationslagers („KZ“) Bergen-Belsen in der Lüneburger Heide durch die Briten am 15. März 1945 Nachricht von ihrer Schwester Elisabeth. Letztere hatte zusammen mit ihrem Ehemann Georg Will während des Zweiten Weltkriegs in einer Kaserne in Bergen nahe des „KZ“ Bergen-Belsen ein vor allem von „SS“-Leuten besuchtes Kasino und Kino geführt. Marlene besuchte ihre Schwester noch vor Kriegsende und legte für sie bei der britischen Besatzungsmacht ein gutes Wort ein. Später hat Marlene ihre Schwester finanziell unterstützt, aber stets verschwiegen, um sie aus Schlagzeilen herauszuhalten. Der einzige Sohn ihrer Schwester namens Hans Georg Will arbeitete später für das Filmstudio „UFA“.

Bei Kriegsende hielt sich Marlene Dietrich mit amerikanischen Truppen in Pilsen (Tschechoslowakei) auf. Im Mai 1945 besuchte sie Verwandte ihres Ehemannes Rudolf Sieber in Aussig im sowjetisch besetzten Teil von Böhmen. Diese wurden bald danach vertrieben.

Im Frühsommer 1945 kehrte Marlene Dietrich nach New York City zurück. Damals wurde ihre Mutter von sowjetischen Soldaten im besetzten Berlin entdeckt, worüber man die amerikanischen Alliierten unterrichtete. Nach dem Einrücken der Amerikaner in Berlin im Juli 1945 konnte Marlene per Militärfunk kurz mit ihrer Mutter sprechen. Ende September 1945 gab es bei einer Konzertreise in Berlin ein Wiedersehen zwischen Mutter und Tochter. Ihre Mutter, die sich geschworen hatte, den Diktator Adolf Hitler zu überleben, starb am 3. November 1945 im Alter von fast 69 Jahren in Berlin. Marlene nahm an der Beerdigung auf dem Friedhof an der Stubenrauchstraße in Berlin-Friedenau teil.

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Details

Titel
Marlene Dietrich - Die deutsche "Göttin des Films"
Autor
Jahr
2012
Seiten
58
Katalognummer
V191553
ISBN (eBook)
9783656165750
ISBN (Buch)
9783656165811
Dateigröße
3118 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Marlene Dietrich, Film, Filmschauspielerinnen, Schauspielerinnen, Frauenbiografien, Biografien, Filmstars, Ernst Probst
Arbeit zitieren
Ernst Probst (Autor), 2012, Marlene Dietrich - Die deutsche "Göttin des Films", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191553

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