„Erzähle mir und ich vergesse, zeige mir und ich erinnere, lass es mich tun und ich verstehe.“
Dieses bekannte Zitat von dem chinesischen Philosophen Konfuzius (551 v. Chr. bis 479 v. Chr.) lässt sich in zweierlei Hinsicht auf die Thematik des Planspiels übertragen. Zum einen wird in dem Zitat das Verständnis eines Sachverhalts zu einem höheren Ziel erklärt als dessen Reproduktion, was der heutigen Entwicklung von den stufen- und schulformabhängigen Curricula hin zur Kompetenzorientierung entspricht, die mit Einführung der Bildungsstandards oberste Priorität im hessischen wie im deutschen Bildungssystem erhalten soll. Zum anderen steht das aktive Tun des Individuums zum Lernen im Sinne von tiefergehendem Verständnis im Vordergrund und rückt damit die Handlungsorientierung als methodisches Prinzip ins Zentrum des Lernprozesses.
Das Planspiel als stark handlungsorientierte Methode müsste daher heute so aktuell sein wie nie und trotzdem wird sie im Schulunterricht noch sehr wenig angewendet.
Diese Arbeit stellt daher die Entwicklung und Methodik des Planspiels zunächst vor und definiert die Planspiel-Methodik. Daraufhin wird die Methode mit Hilfe ihrer Merkmale näher vorgestellt, um dann ihre Bedeutung für die politische Bildung in der Schule herauszustellen. Abschließend werden mögliche Erklärungsansätze für die nur langsame Entwicklung des Planspiels im deutschen Bildungssystem betrachtet sowie ihre Implementierung in den Unterricht diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entstehung und Entwicklung der Planspiel-Methodik
3. Definition des Planspiels
4. Merkmale und Formen des Planspiels
4.1 Aufbau und Phasen des Planspiels
4.2 Die Vorbereitungsphase
4.3 Die Spielphase
4.4 Die Reflexionsphase
5. Die Bedeutung des Planspiels für die politische Bildung
6. Diskussion und Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und die methodische Konzeption des Planspiels sowie dessen Relevanz für die politische Bildung. Ziel ist es, das Potenzial dieser handlungsorientierten Methode zur Förderung politischer Mündigkeit herauszustellen, Anwendungshürden in der Schulpraxis zu identifizieren und Möglichkeiten für eine stärkere Implementierung in den Unterricht zu diskutieren.
- Historische Herleitung der Planspiel-Methodik
- Struktur und Phasen eines Planspiels (Vorbereitung, Spiel, Reflexion)
- Bedeutung für die politische Urteils- und Handlungsfähigkeit
- Didaktische Prinzipien wie Handlungsorientierung und Kontroversität
- Herausforderungen bei der Implementierung in den Schulalltag
Auszug aus dem Buch
4. Merkmale und Formen des Planspiels
Das Kernelement des Planspiels ist der politische Entscheidungsprozess. Dazu nehmen die Schüler in der Regel Rollen ein, die mit bestimmten (politischen) Positionen behaftet sind und damit politische Institutionen, Organisationen oder Interessengruppen repräsentieren sollen. Durch die personengebundene Identifikation, die nicht gezwungenermaßen erfolgen muss, allerdings die Simulation authentisiert und veranschaulicht, und daher oftmals in das Planspiel implementiert wird, wird zugleich das soziale Lernen gefördert. Innerhalb eines wirklichkeitssimulierenden Modells, welches die Rahmenbedingungen (bzw. Spielregeln) vorgibt, sollen die Schüler in einer inszenierten problem- oder konfliktbehafteten Situation interagieren, kommunizieren und Entscheidungen treffen. Es kann sich sowohl um ein tatsächliches als auch um ein fiktives Szenario handeln, das in Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft zu einem möglichen Konflikt führt. Eine weitere zentrale Eigenschaft des Planspiels ist die didaktische Reduktion. Dabei wird der politischen Realität ein Teil ihrer Komplexität genommen, die die Simulation einerseits nicht abzubilden vermag (wie beispielsweise die tatsächlich zur Verfügung stehende Zeit oder die Anzahl der Akteure) und andererseits nicht muss, solange die wesentlichen Bestandteile beispielsweise in Form einzelner typischer Daten, Strukturen, Bedingungen, Intensionen und Handlungsabläufe erhalten bleiben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik ein, begründet die Aktualität des Planspiels im Kontext der Kompetenzorientierung und formuliert das Ziel der Arbeit.
2. Entstehung und Entwicklung der Planspiel-Methodik: Hier wird der historische Ursprung des Planspiels als militärisches Simulationsmodell beleuchtet und dessen Entwicklung bis hin zur Anwendung in anderen Bereichen skizziert.
3. Definition des Planspiels: In diesem Kapitel werden verschiedene Definitionen gegenübergestellt, um den Begriff vom Simulations- und Rollenspiel abzugrenzen und für den schulischen Kontext zu präzisieren.
4. Merkmale und Formen des Planspiels: Der Abschnitt erläutert die zentralen Elemente wie den Entscheidungsprozess und die didaktische Reduktion sowie die drei Phasen Vorbereitung, Spiel und Reflexion.
5. Die Bedeutung des Planspiels für die politische Bildung: Dieses Kapitel verknüpft die Methode mit dem Bildungsziel der Mündigkeit und zeigt auf, wie Planspiele politische Urteils- und Handlungsfähigkeit fördern.
6. Diskussion und Fazit: Abschließend werden Anwendungshürden diskutiert und Strategien zur erfolgreichen Integration von Planspielen in den Unterricht aufgezeigt.
Schlüsselwörter
Planspiel, Politische Bildung, Mündigkeit, Handlungsorientierung, Demokratieerziehung, Simulation, didaktische Reduktion, Kompetenzorientierung, politische Urteilsfähigkeit, soziale Kompetenzen, Unterrichtsmethode, Entscheidungsprozess, politische Partizipation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Planspiel als handlungsorientierte Unterrichtsmethode in der politischen Bildung und untersucht dessen Potenzial zur Förderung politischer Mündigkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition und Merkmale des Planspiels, dessen theoretische Herleitung sowie die Anwendung im schulischen Umfeld unter Berücksichtigung didaktischer Prinzipien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Planspiele zur politischen Mündigkeit beitragen können und warum sie trotz ihrer didaktischen Vorteile im deutschen Schulalltag bisher nur zurückhaltend Anwendung finden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf einschlägiger fachdidaktischer Literatur und theoretischen Konzepten der politischen Bildung basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Konzeption des Planspiels (Phasenmodell), die Begründung durch didaktische Prinzipien und die kritische Diskussion zur Implementierung in den Unterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Planspiel, politische Mündigkeit, Handlungsorientierung und didaktische Methode charakterisieren.
Welche Rolle spielt der Lehrer im Planspiel?
Der Lehrer agiert primär als Beobachter, Berater und Organisator, der den Lernprozess steuert, ohne das Ergebnis des Spiels vorzugeben.
Wie kann das Problem der Zeitknappheit in der Schule gelöst werden?
Die Autorin schlägt vor, kürzere Planspielformate oder Kurzplanspiele zu nutzen, die sich besser in den regulären Unterricht integrieren lassen als komplexe Großplanspiele.
- Arbeit zitieren
- Lisa Orth (Autor:in), 2010, Das Planspiel in der politischen Bildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191558