Neue Formen der kommunikativen Aushandlungen in sozialen Beziehungen in einem mediatisierten Alltag


Seminararbeit, 2011
16 Seiten

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Medienbegriff
2.1 Mediatisierung des Alltags
2.2 Die Entwicklungen und Ursachen von Medien der interpersonalen Kommunikation
2.2.1 Veränderungen in der familialen Kommunikation
2.2.2 Neue Formen der Paarkommunikation

3. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Seminararbeit mit dem Titel „Neue Formen der kommunikativen Aushandlungen in sozialen Beziehungen in einem mediatisierten Alltag“ soll einen Einblick darüber gewähren, wie sich soziale Beziehungen durch den Einsatz von Medien verändert haben.

Zunächst einmal soll zur besseren Verständlichkeit geklärt werden, was unter dem Begriff Medien zu verstehen ist, um dann im Folgenden grob zu umreißen, welche Medien zu welcher Zeit entstanden sind und wann es zum Umbruch im Gebrauch mit (Kommunikations-) Medien kam. Es soll dabei vor allem um die Entwicklung und die Verbreitung von Medien für den interpersonalen Gebrauch gehen. Massenmedien hingegen werden höchstens als hemmende bzw. konflikthafte Variable in der face-to-face Kommunikation eine Rolle spielen. Im Folgenden wird diese mediale Entwicklung dann auf die Veränderungen in den kommunikativen Aushandlungen übertragen, um so zu einem intersubjektiv nachvollziehbaren Ergebnis zu gelangen.[1]

Der Fokus wird auf persönlichen Beziehungen liegen, wobei insbesondere Paar- und Familienbeziehungen betrachtet werden. Leider kann auf viele andere interessante Aspekte, wie beispielsweise die Verschmelzung von Arbeits- und Freizeit von Privatpersonen als Folge einer mediatisierten Welt, nicht oder nur sehr rudimentär eingegangen werden, da sich die realen Gegebenheiten als zu komplex herausstellen und sich nicht alles im Umfang einer Seminararbeit bündeln ließe. Die besondere Bedeutung der Medien in der Sozialisation Jugendlicher und somit auch die neuen Formen der kommunikativen Aushandlungen in freundschaftlichen Beziehungen können aus ebendiesem Grunde auch nicht gesondert und detailliert betrachtet werden.

2. Der Medienbegriff

Um sich näher mit der Entwicklung der Medien und dessen Folgen auf individueller Ebene auseinandersetzen zu können, muss zunächst einmal geklärt werden, was unter dem Begriff „Medium“ überhaupt zu verstehen ist. In der weitreichenden wissenschaftlichen Literatur zum Thema Medien mangelt es nicht an Konzepten und Theorien, die versuchen, eine sinnvolle Definition für die Begriffe „Medium“ bzw. „Medien“ zu finden, wobei viele von ihnen eine gegensätzliche Auffassung von Medien haben. So vertritt Marshall McLuhan beispielsweise die Ansicht des Mediendeterminismus, welcher besagt, dass alle Information von Medium selbst aus geht: „Das Medium ist die Botschaft“ (Krotz 2001: 80). Rudolf Stöber hingegen beschreibt sie hingegen folgendermaßen: „ ,Medien‘ [werden; J.B.] im Sinne ihrer ursprünglichsten und zugleich abstraktesten Bedeutung verstanden: Sie sind ,Vermittler, vermittelndes Element‘“ (Stöber 2003: 10). Ähnlich definiert Werner Faulstich das Medium, wenn er sagt, dass unter Medium „Mitte, Mittel, etwas Vermittelndes“ (Faulstich 1991: 8) zu verstehen sei. Auch nach seiner Auffassung hat das Medium die Aufgabe des Vermittlers inne, da es Informationen zwischen Kommunikator und Rezipient übermittelt. Weiterhin differenziert Niels Logemann implizit zwischen dem einzelnen Medium und dessen Verwendung im Plural, also den Medien, wobei er davon ausgeht, dass unter Medien in erster Linie elektronische Medien wie die Massenmedien Fernsehen oder auch das Internet verstanden werden (vgl. Logemann 2003: 185).

Auch in dieser Arbeit soll das Medium als eine Art Vermittler angesehen werden und fungieren, da sich mehr und mehr herausgestellt hat, dass „Die Medien […] nichts als Potentiale [sind; J.B.], die sich die Menschen für spezifische Zwecke nutzbar machen“ (Krotz 2001: 77). Sowohl wissenschaftstheoretisch als auch empirisch lässt sich diese Auffassung der Funktion von Medien dadurch unterstreichen, dass in der Medienwirkungsforschung Mitte der 1970er Jahre ein Umbruch stattfand, weg von einer medienzentrierten Perspektive, die der sogenannte Stimulus-Response-Ansatz vertrat, und hin zu einer nutzenorientierten Perspektive, wo der Rezipient oder der Mediennutzer je nach Bedarf sein Medium auswählt und welche durch den Uses-and-Gratifications-Approach vertreten wird (vgl. Logemann 2003: 186). Anders gesagt fand ein Wechsel der Phase der starken (Medien-) Wirkungen statt hin zur Phase der schwachen Wirkungen (vgl. Brosius 2003: 129ff.).

2.1 Mediatisierung des Alltag

Um erkennen zu können, welche neuen Formen der kommunikativen Aushandlungen in sozialen Beziehungen in einem mediatisierten Alltag entstanden sind, muss geklärt werden, was eine Mediatisierung der Welt beziehungsweise des Alltags bedeutet. Die folgende Definition von Krotz bezieht sich, entsprechend der Fragestellung, auf die Mikroebene des Handelns, also auf die einzelnen Akteure:

„Konzepte wie ,Mediengesellschaft‘, ,Medienwandel‘ oder auch ,Mediatisierung‘ […] behaupten auf der Mikroebene des Alltags und des Handelns der Menschen, dass Medien und Mediennutzung von zunehmender Bedeutung sind, weil Arbeit und Freizeit, soziale Beziehungen der Menschen und ihre Identität, aber auch Kompetenzen und Wissen vom Wandel der Medien nicht mehr getrennt werden können“ (Krotz 2007: 48).

Mediatisierung des Alltags bedeutet also, dass die Mediennutzung aus dem alltäglichen Handeln der Individuen nicht mehr wegzudenken ist. Gleichzeitig zeigt sich auch, „dass Mediennutzung […] ebenso wie anderes Handeln selbstverständlicher Teil des Alltages [ist; J.B.]. Es fällt nicht als besonderes Handeln aus dem Rahmen des alltäglich Normalen“ (Kircher 2011: 27). Man kann also sagen, dass Mediatisierung des Alltags bedeutet, dass sich das Handeln von Individuen zu einem ganz selbstverständlichen Handeln mit, durch und über Medien entwickelt hat. Die Nutzung von Medien zu verschieden Zwecken im alltäglichen Leben ist zum Standard in vielen Situationen geworden.

Dennoch bleibt die Frage, wie sich die Entwicklung der Medien der interpersonalen Kommunikation vollzogen hat, welche Phänomene als Voraussetzungen und somit auch als Ursachen der Mediatisierung gelten. Dies soll im folgenden Kapitel veranschaulicht werden.

2.2 Die Entwicklungen und Ursachen von Medien der interpersonalen Kommunikation

Nachdem im vorigen Abschnitt geklärt wurde, welche Auffassung von Medium in dieser Arbeit vertreten wird, kann nun die Entwicklung von Medien der interpersonalen Kommunikation beschrieben werden. Wie eingangs bereits angedeutet, soll zwischen ihnen und reinen Massenmedien unterschieden werden. Unter Massenmedien fallen demnach die Rundfunkmedien, bestehend aus Radio und Fernsehen, aber auch Printmedien wie Bücher, Zeitschriften und Zeitungen. Diese sollen ebenso wie Medien der Unterhaltungselektronik, also zum Beispiel Spielkonsolen oder Filme, einen Gegenpol zu den Medien der interpersonalen Kommunikation darstellen und sind für diese Arbeit nur von geringer Bedeutung.

Bei Rudolf Stöber werden die Medien der interpersonalen Kommunikation auch als Netzwerkmedien bezeichnet. Zu ihnen gehören das Telefon, die Telegrafie, der Computer und das Internet (vgl. Stöber 2003: 11). Ich möchte den Begriff der Netzwerkmedien in dieser Arbeit noch etwas modifizieren und zur Verdeutlichung um einige Begriffe erweitern. Unter Netzwerkmedien sollen vor allem jene Medien fallen, welche der interpersonalen Kommunikation und dem Austausch von Informationen zwischen Privatpersonen dienen. Genauer gesprochen beinhalten sie also Briefe, Telegramme, Anrufe über das Fest- und Mobilfunknetz, SMS und E-Mails sowie weitere Formen der interpersonalen Kommunikation über das Internet (z.B. Chats, soziale Netzwerke).

Die Entwicklungsgeschichte von Medien der interpersonalen Kommunikation beginnt mit der Briefkultur des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts (vgl. Höflich 2003: 39). Ein Brief dient im Kontext der interpersonalen Kommunikation zur Übermittlung persönlicher Nachrichten. So konnten Informationen über eine weitere räumliche Distanz übermittelt werden. Mit dem Aufkommen von Telegrammen Ende des neunzehnten Jahrhunderts fand sich eine Möglichkeit, Nachrichten schneller zu übermitteln. Auch das Telefon wurde in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts erfunden, jedoch dauerte es noch einige Zeit, bis es sich verbreitete. Nachdem sich das Telefon aber in der Bevölkerung etabliert hatte, war ein weiterer Schritt in Richtung Überwindung der räumlichen und zeitlichen Beschränkung getan. So war es nun erstmals möglich auf oraler Ebene Kontakt zu Personen aufzunehmen, ohne dass eine räumliche Trennung dies verhindern konnte. Der Computer, welcher sich ab Mitte der 1970 begann durchzusetzen, war die Voraussetzung für das Internet und somit auch für die E-Mail und den Chat. Das Mobiltelefon und die damit einhergehende Mobiltelefonie und das Versenden von SMS hat sich in Deutschland seit Ende der 1990er Jahre mehr und mehr durchgesetzt (vgl. Wilke 2005: 24ff.). „2007 verfügen schließlich 94% aller Jugendlichen über ein Handy“ (Höflich 2010: 281). Auch die Aussage „In Deutschland gibt es mehr Mobilfunkanschlüsse als Einwohner. Auf 100 Deutsche kommen 104 Verträge und Prepaidkarten“ (Hintze 2007: 1) zeigt, wie rasant sich das neue, mobile Kommunikationsmittel Mobiltelefon verbreitet hat.

[...]


[1] Obwohl die Entwicklung der Medien sehr stark mit Veränderungen der interpersonalen Kommunikation zusammenhängt und nach Auffassung vieler Kommunikationstheoretiker sogar von den Mitgliedern einer Gesellschaft abhängt, halte ich es aus Strukturgründen und somit auch aus Gründen der Nachvollziehbarkeit für sinnvoller, die beiden oben genannten Ebenen gesondert zu betrachten.

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Details

Titel
Neue Formen der kommunikativen Aushandlungen in sozialen Beziehungen in einem mediatisierten Alltag
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V191565
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
neue, formen, aushandlungen, beziehungen, alltag
Arbeit zitieren
Joa Bürger (Autor), 2011, Neue Formen der kommunikativen Aushandlungen in sozialen Beziehungen in einem mediatisierten Alltag, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191565

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