American Monomyth - Geschichte, Struktur und Funktion im Überblick


Referat (Ausarbeitung), 2002

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Der klassische Mythos
2.1 Der Monomythos
2.1 Funktionen des klassischen Mythos
2.1.1 - für das Individuum
2.1.2 - für eine Gemeinschaft

3. Der Amerikanische Monomythos
3.1 Die Struktur
3.2 Die Darstellung des Helden
3.3 Funktionen
3.4 Entstehungsgeschichte
3.4.1 Paradiesische Zustände
3.4.2 Bedrohung des Paradieses
3.4.3 Selbstjustiz
3.4.4 Weitere Entwicklungen in den 30er Jahren
3.5 Moralverständnis

4. Politikvermittlung im American Monomyth
4.1 Die politischen Traditionen der USA
4.1.1 Die vier politischen Traditionslinien
4.1.2 Die pol. Traditionen als Bestandteil des American Monomyth
4.2. Popfaschismus vs. Demokratieverteidigung

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mythen sind überall auf der Welt allgegenwärtig. In jeder Epoche oder Kultur gab oder gibt es Mythen, die als Metaphern für den individuellen Entwicklungs- und Selbstfindungsprozess dienen und anhand derer das Individuum einen Teil von sich selbst zu erklären versucht. Zudem dienen sie als Möglichkeit, eine Kultur von einer anderen abzugrenzen und eine Gruppenidentität zu schaffen.

Nach Einzug der modernen Medien ist jedoch der klassische Mythos als Richtschnur für den individuellen und gesellschaftlichen Entwicklungsprozess in den Hintergrund geraten. Populäre Mythen werden heutzutage anhand von Filmen und Serien im Kino und im Fernsehen dem Zuschauer dargereicht. Ein bestimmter Typus eines modernen Mythos hat sich dabei in unserer Populärkultur besonders etablieren können: der American Monomyth. Inwieweit sich dieser von dem klassischen Mythos unterscheidet und inwieweit auch dieses Genre Symbole enthält und bestimmte Funktionen für das Individuum oder die Gesellschaft anbietet, möchte ich in dieser Arbeit untersuchen.

Hierzu werde ich in den folgenden zwei Kapiteln die Grundstrukturen des klassischen Mythos und des American Monomyth mit ihren Funktionen für das Individuum und die Gesellschaft darlegen. Im vierten Abschnitt soll aufgezeigt werden, inwieweit der American Monomyth bestehende politische Werte in seinen Narrationen umsetzt und diese seinen Rezipienten vermittelt.

2. Der klassische Mythos

2.1 Der Monomythos

Joseph Campell, der sein Leben lang Mythen von Völkern der verschiedensten Epochen und Kulturen zusammengetragen hat, um deren Gemeinsamkeiten zu ergründen, beschreibt den Mythos als „geheime(n) Zufluss (...), durch den die unerschöpflichen Energien des Kosmos in die Erscheinungen der menschlichen Kultur einströmen. Religionen, Philosophien, Künste, primitive und zivilisierte Gesellschaftsformen, die Unentdeckungen der Wissenschaft und Technik, selbst Träume, die den Schlaf erfüllen, all das gärt empor aus dem Grundklang des Mythos.“[1] Er stellt den Mythos als eine Art universelle Geschichte dar, die die unterschiedlichsten Kulturen der Welt miteinander verbindet. Das Bindeglied ist dabei eine gemeinsame Struktur, die allen Mythen der Welt zu Grunde liegt. Diese nennt Campbell Grammatik der Symbole und die Geschichten, die auf ihr basieren, Monomythos.[2] Die meisten Mythen der Welt bauen auf dem einheitlichen Kern der Trennung – Initiation – Rückkehr auf, der die persönliche Transformation eines Helden thematisiert:

Es existiert ein Protagonist, hier treffender als Heros bezeichnet, der aus seiner angestammten Gemeinschaft, die ihn behütet, ausbricht. Er dringt in eine Welt ein, die von übernatürlichen Wundern geprägt ist und kämpft dort gegen eine Figur, die als tyrannisches Ungeheuer gekennzeichnet ist. Der Heros erringt einen entscheidenden Sieg und kehrt zurück in seine vertraute Gemeinschaft. Auf seiner Reise erhält er Fähigkeiten, die er an seine Mitmenschen dort weitergeben kann. Der Held unterzieht sich einer Transformation seiner Persönlichkeit, die als Metapher der unterschiedlichen Entwicklungsstufen des Menschen im wahren Leben verstanden werden kann.

2.1 Funktionen des klassischen Mythos

2.1.1 - für das Individuum

Analog zum Transformationsprozess des Helden, deren einzelne Phasen Campbell als todähnlich beschreibt[3], erfolgt diese Entwicklung auch beim einzelnen Individuum. Die vom Helden durchlebten Stufen der Trennung, Initiation und Rückkehr entsprechen den Entwicklungsstufen, die jeder Mensch in seinem Prozess des Erwachsenwerdens durchlebt. Dieser beginnt mit dem Ende der unbekümmerten Kindheit, der Abkoppelung von den Eltern und einer damit einhergehenden Phase der Orientierungslosigkeit. Nachdem die Stufe der Identitätsfindung mit ihrer Suche nach der eigenen Position in der Gesellschaft abgeschlossen ist, kehrt der Held mit der Gründung einer eigenen Familie in die Gemeinschaft der Erwachsenen zurück.

Dies sind drei Entwicklungsstufen, die sich bei allen Menschen trotz individueller Unterschiede in ähnlicher Form gestalten. Dabei ist es gleich, in welcher Epoche er leben, aus welcher Kultur er entstammen oder welcher Bevölkerungsschicht er angehören mag, die Ziele und Bedürfnisse des Menschen für ein erfülltes Leben sind relativ kongruent. Sei es die Suche nach dem idealen Lebenspartner oder der Wunsch nach beruflicher Erfüllung, stets geht es darum, sich auf Basis der eigenen kognitiven Strukturen weiterzuentwickeln. Es lässt sich somit ein gemeinsamer Urquell dieser Erfahrungen konstatieren.

Mythen und Riten werden erzählt, um diese Entwicklungen zu unterstützen und auf bildhafte Weise zu verarbeiten. Sie können also als Symbole, die den Menschen in ihrem Prozess des Erwachsenwerdens fördern und weiterbringen, bezeichnet werden. Mittels der Identifikation mit dem mythischen Helden kann ein unbewusster Zusammenhang zu dem eigenen Leben abgeleitet werden. Folglich kann das Mitleiden mit dem Heros als eine Metapher für den Wunsch der Bewältigung eigener Probleme gedeutet werden und der glorreiche Sieg, der am Ende eines jeden Mythos steht, Ansporn sein, wirkliche Lebenskrisen durchzustehen.

2.1.2 - für eine Gemeinschaft

Während Mythen dem Individuum Symbole liefern, die den menschlichen Entwicklungsprozess fördern und unterstützen, basiert ihre gesellschaftliche Funktion eher auf dem Charakter der Identifikation. Mythen dienen hier vor allem als ein narratives Sinnbild für die Bildung eines Gemeinschafts- und Geschichtsbewusstseins. Mythen können den Prozess der Gründung einer Gemeinschaft demonstrieren und als deren Geburtslegende aufwarten. Hierbei entstehen konstante Werte und Normen, die von einer Gruppe akzeptiert und eingehalten werden und dem Veränderungsprozess als Konstante gegenüberstehen. Eine Abgleichung bzw. eine eventuelle Neubewertung dieser unter Berücksichtigung aktueller Gegebenheiten ist lediglich im Konsens der gesamten Gruppe möglich. Mythen beeinflussen die wechselnden Regierungen in ihrem Handeln und bieten das Formeninventar für die Abgrenzung zu anderen Gemeinschaften und Kulturen. Die mythischen Helden stehen neben den Mitgliedern der Gemeinschaft; sie verbindet die gemeinsame Sprache, gleiche Zeremonien und Rituale, die sie von anderen Gesellschaften unterscheidet.

Da im Mythos die innerhalb des menschlichen Erwartungssystems auftretenden Ängste und Impulse des alltäglichen Lebens verarbeitet werden, kämpft der mythische Held immer gegen einen Tyrannen, dem stets die gleichen negativen Eigenschaften zugeschrieben werden[4]. Es entsteht eine Freund-Feind-Dichotomie, die auch von einer Gemeinschaft angewandt wird, falls sie sich von einer anderen bedroht fühlen sollte. Abweichendes Verhalten innerhalb und außerhalb des vom Mythos vorgegebenen Wertekanons wird daher von den Gemeinschaftsmitgliedern mit Ausgrenzung bestraft.

[...]


[1] Campbell 1999, S. 13

[2] vgl. Campbell 1999, S.13 ff.

[3] „als Mensch der Gegenwart ist der Held gestorben, als Mensch des Ewigen, als vollkommen gewordener, nicht auf Partikularitäten festgelegter, universaler Mensch wird er wiedergeboren.“ (Campbell 1999, S. 26f.)

[4] z. B. die Gier auf Besitzrechte

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
American Monomyth - Geschichte, Struktur und Funktion im Überblick
Hochschule
Universität Siegen  (FB 3)
Veranstaltung
Politikvermittlung in Unterhaltungsformaten
Note
1,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
20
Katalognummer
V19166
ISBN (eBook)
9783638233484
ISBN (Buch)
9783638936118
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
American, Monomyth, Geschichte, Struktur, Funktion, Politikvermittlung, Unterhaltungsformaten
Arbeit zitieren
Christof Weingärtner (Autor), 2002, American Monomyth - Geschichte, Struktur und Funktion im Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19166

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