Bedingt durch die schwachen wirtschaftlichen Verhältnisse in vielen Ländern Asiens, Afrikas, Südamerikas sowie Mittel- und Osteuropas, sind die Lebensumstände der ärmeren Bevölkerungsschicht schlecht.
Angezogen durch den Reichtum der Touristen in sogenannten Touristenhochburgen verlieren immer mehr Menschen den Bezug zur Legalität und zu ihrer eigenen menschlichen Würde und versuchen, durch den Verkauf ihres Körpers, der Armut zu entkommen.
Obwohl sich die Tourismusbranche heutzutage durchaus mit den negativen Auswirkungen des Reiseverhaltens für die besuchten Destinationen beschäftigt, bleibt ein wichtiges Thema weitaus unbeachtet und verdrängt: der sogenannte Sex- oder Prostitutionstourismus.
Es ist unbestritten, dass in vielen Entwicklungsländern Sextouristen eine wichtige ´Kundengruppe´ darstellen, jedoch sind es meist nicht die Touristen, sondern die Ein-heimischen, die den Löwenanteil der Kunden darstellen.
Das entlastet westliche Touristen jedoch nicht!
Prostitutionstourismus ist im wesentlichen eine von wohlhabenden, meistens weißen Männern betriebene Art des Reisens, die den sexuellen Kontakt beziehungsweise die sexuelle Misshandlung von leicht verfügbaren, meist ärmeren Frauen, Männern oder Kindern, zum Ziel hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Sextourismus als spezielle Form der soziokulturellen Zerstörung
1.2. Fragestellung
1.3. Gang der Untersuchung
2. Was ist Sextourismus?
2.1. Definition Sextourismus
2.2. Formen des Sextourismus
2.2.1. Sex gegen Entlohnung
2.2.2. Sex gegen Entlohung unter dem Deckmantel der Beziehung
2.2.3. Emotionale Beziehung mit ökonomischen Austausch
2.2.4. Emotionale Beziehung mit sozialem Austausch
2.3. Verschiedene Formen der Prostitution
2.3.1. Frei arbeitende Prostituierte
2.3.2. Festangestellte Prostituierte
2.3.3. ´Open-ended´ Prostitution
3. Wer ist ein Sextourist
3.1. Definition Sextourist
3.2. Verschiedene Gruppen von Sextouristen
3.2.1. Heterosexuelle Männer
3.2.2. Homosexuelle Männer
3.2.3. Weibliche Sextouristen
3.2.4. Pädophile Sextouristen
3.3. Psychoanalytische Klassifizierung der Sextouristen
3.3.1. Der anal-sadistische Typ
3.3.2. Der oral-regressive Typ
3.3.3. Der schizoide Typ
3.3.4. Der defizitäre Typ
3.3.5. Der phallische Typ
3.3.6. Der gehemmte Typ
4. Voraussetzungen für die Entwicklung des Sextourismus
4.1. Allgemeine Voraussetzungen
4.2. Politische Voraussetzungen
4.3. Die Werbung als wichtige Voraussetzung
4.3.1. Zeitschriften
4.3.2. Reisekataloge
4.3.3. Reiseführer
4.3.4. Heutige Situation
5. Die Verbreitung des Prostitutionstourismus
5.1. Prostitutionstourismus am Beispiel Thailand
5.1.1. Die Entwicklung des Sextourismus
5.1.2. Der Weg in die Prostitution
5.1.3. Erfahrungsbericht einer Thailand-Reisenden
5.2. Kinderprostitutionstourismus am Beispiel Brasilien
5.2.1. Der Sextourismus in Brasilien
5.2.2. Der Weg in die Prostitution
5.3. Prostitutionstourismus am Beispiel Kuba
5.3.1. Die Entwicklung des Sextourismus in Kuba
5.3.2. Die Bekämpfung des Sextourismus und die damit verbundene Problematik
5.4. Prostitutionstourismus am Beispiel Osteuropa
5.4.1. Osteuropa als neuer Markt für Sextourismus
5.4.2. Der Weg in die Prostitution
6. Folgen des Sextourismus
6.1. Die gesundheitlichen Folgen für die Betroffenen
6.1.1. HIV & AIDS
6.1.2. Syphilis
6.1.3. Tripper
6.2. Folgen für die sich prostituierenden Personen
6.3. Folgen für die Sextouristen
6.4. Folgen für die Destination
6.4.1. Im positiven Sinne
6.4.2. Im negativen Sinne
7. Vorstellung von (Hilfs-)Organisationen, die sich der Entwicklung Widerstehen und betroffenen Personen helfen
7.1. Ein Verhaltenskodex für die Reisebranche
7.2. Terre des hommes
7.2.1. Vereinbarung mit Reiseveranstaltern
7.2.2. Videospot gegen Kinderprostitution
7.2.3. Projekt in Thailand
7.2.4. Projekt in Nepal
7.3. Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt e.V.
7.3.1. Coletivo Mulher Vida
7.3.2. DAVIDA
7.4. missio ´Aktion Schutzengel´
7.4.1. Verkauf von Produkten aus betroffenen Ländern
7.4.2. Half-way House
7.4.3. Seminarveranstaltungen in Kenia
7.5. ECPAT
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, das Phänomen des Sextourismus in all seinen Facetten umfassend zu beleuchten. Dabei soll untersucht werden, welche Ursachen zur Entstehung dieses Tourismuszweigs führen, wie sich die Entwicklung und Verbreitung gestaltet und welche soziokulturellen sowie gesundheitlichen Folgen sich daraus für die betroffenen Individuen und Destinationen ergeben.
- Strukturelle Ursachen und soziokulturelle Auswirkungen des Sextourismus
- Differenzierte Charakterisierung verschiedener Sextouristengruppen
- Analyse der Verbreitung anhand länderspezifischer Fallbeispiele (Thailand, Brasilien, Kuba, Osteuropa)
- Gesundheitliche Konsequenzen, insbesondere im Hinblick auf Geschlechtskrankheiten und HIV/AIDS
- Vorstellung von Hilfsorganisationen und Interventionsstrategien zur Bekämpfung sexueller Ausbeutung
Auszug aus dem Buch
5.1.3. Erfahrungsbericht einer Thailand-Reisenden
Um die aktuelle Situation in Thailand zu verdeutlichen, stützt sich dieses Unterkapitel auf den Erfahrungsbericht einer Thailand-Reisenden im Sommer 2001. Im Zuge eines Praktikums bei Go Thailand Tours verbrachte Simone Burger 2 Monate in Thailand und hatte die Möglichkeit, das Phänomen Sextourismus ´aus nächster Nähe´ zu betrachten.
„Nun Pattaya...Das ist das Rimini von Thailand, ca. 2 Autostunden südöstlich von Bangkok und DAS Zentrum für den Sextourismus.
Das Zentrum Pattayas ist in South Pattaya und North Pattaya unterteilt, wobei jedoch beides ineinander übergeht. Parallel zum schmalen (und dreckigen !) Strand zieht sich die Hauptstraße und damit Dreh- und Angelpunkt alles Club- und Sexlebens – und das ca. 2/3 des Tages. Während morgens auf der Straße gähnende Leere herrscht, alle Geschäfte und Bars geschlossen sind, nur der ekelhafte Geruch von Bier und Urin in der Luft liegt, in der ein oder anderen Bar auf den leeren Stühlen noch völlig übernächtigte Mädchen hängen und mit ihren Freiern/Verehrern der letzten Nacht reden, wandelt sich das Bild im Laufe des Nachmittags völlig: Die Männer kommen wieder aus ihren Hotelzimmern gekrochen und die Mädchen und Frauen beginnen ihren Arbeitstag in den GoGo Bars und Kneipen.
Es gibt verschiedene Arten von Clubs und Bars: weit verbreitet sind die großen Open-Air-Bars mit meterlangen Theken, die üblicherweise im Rechteck gebaut sind. Damit bewegen sich die Mädchen innerhalb dieses Rechtecks und die Männer sitzen, aufgereiht wie die Hühner auf der Stange, gegenüber.
Es wird getrunken, serviert, gegrapscht. Und je nach dem, kommen die Mädchen dann auch hinter der Theke vor...Generell gilt hier nur flirten, aber auf Wunsch wird MANN auch begleitet für den Rest der Nacht...
In den GoGo Bars stehen die Mädchen schon nachmittags total gelangweilt an ihren Tanzstangen – was für ein Anblick! Was die Männer daran noch aufgeilt, weiß der Teufel...“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Sextourismus als soziokulturelle Zerstörungsform ein und definiert das Ziel der Arbeit, die Ursachen, Entwicklungen und Folgen dieses Phänomens zu untersuchen.
2. Was ist Sextourismus?: Das Kapitel definiert den Begriff Sextourismus, erläutert die verschiedenen Formen des Austauschs zwischen Freiern und Prostituierten und stellt unterschiedliche Prostitutionsmodelle vor.
3. Wer ist ein Sextourist: Hier wird der Sextourist charakterisiert, indem verschiedene Personengruppen und eine psychoanalytische Typisierung zur genaueren Identifikation der Beweggründe herangezogen werden.
4. Voraussetzungen für die Entwicklung des Sextourismus: Dieses Kapitel arbeitet die allgemeinen, politischen und werbetechnischen Rahmenbedingungen heraus, die eine Ausbreitung des Sextourismus begünstigen.
5. Die Verbreitung des Prostitutionstourismus: Anhand ausgewählter Fallbeispiele wie Thailand, Brasilien, Kuba und Osteuropa wird die regionale Verbreitung und Dynamik des Prostitutionstourismus analysiert.
6. Folgen des Sextourismus: Das Kapitel beleuchtet die gesundheitlichen und sozialen Konsequenzen für die Betroffenen, die Sextouristen sowie die Auswirkungen auf die Destination selbst.
7. Vorstellung von (Hilfs-)Organisationen, die sich der Entwicklung Widerstehen und betroffenen Personen helfen: Hier werden Akteure der Reisebranche und Hilfsorganisationen vorgestellt, die durch Kodizes, Kampagnen und Projekte aktiv gegen sexuelle Ausbeutung vorgehen.
8. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und betont die Dringlichkeit der Bekämpfung des ausbeuterischen Sextourismus angesichts globaler wirtschaftlicher Disparitäten.
Schlüsselwörter
Sextourismus, Prostitutionstourismus, sexuelle Ausbeutung, Kinderprostitution, Menschenhandel, HIV, AIDS, Prävention, Tourismusethik, Reisebranche, Hilfsorganisationen, Menschenrechte, soziokulturelle Folgen, globale Disparitäten, Prostituierte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen des Sextourismus als eine Form der sexuellen Ausbeutung, die weltweit in Entwicklungs- sowie Industriestaaten auftritt, und analysiert deren Hintergründe und Folgen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt die Definition des Sextourismus, die Charakterisierung der beteiligten Akteure (Sextouristen), die verschiedenen Formen der Prostitution sowie die ökonomischen, politischen und sozialen Voraussetzungen dieses Phänomens.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Ursachen für die Entstehung, die Entwicklung und die Verbreitung des Sextourismus zu ergründen und die daraus resultierenden gesundheitlichen sowie sozialen Folgen für die Betroffenen und die Destinationen aufzuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Fallbeispielen, Berichten von Hilfsorganisationen und der Analyse rechtlicher Rahmenbedingungen in den betroffenen Ländern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsklärung, eine Analyse der Akteure, die Untersuchung von Voraussetzungen (wie Werbung und Politik), länderspezifische Fallstudien zur Verbreitung sowie eine detaillierte Betrachtung der gesundheitlichen und sozialen Folgen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Sextourismus, sexuelle Ausbeutung, Kinderprostitution, Aids-Risiko, wirtschaftliche Not, Prävention und Tourismusethik.
Wie wirkt sich der Tourismus konkret auf die Kinderprostitution aus?
Der Tourismus und die damit verbundene wirtschaftliche Nachfrage schaffen laut der Arbeit Anreize, die besonders in verarmten Regionen zur Ausbeutung führen, da Kinder aufgrund der ökonomischen Notlage häufig als "Ware" in den Sex-Service-Sektor gedrängt werden.
Welchen Stellenwert nimmt die psychoanalytische Klassifizierung der Sextouristen ein?
Die psychoanalytische Typisierung, etwa durch Berit Latza, dient dazu, unterschiedliche psychologische Hauptmotivationen der Sextouristen – wie Machtausübung, Defizitausgleich oder Suche nach emotionaler Bindung – zu verstehen.
Welche Rolle spielen Hilfsorganisationen wie ECPAT oder Terre des hommes?
Diese Organisationen versuchen durch Verhaltenskodizes für die Reisebranche, Aufklärungskampagnen und konkrete Hilfsprojekte vor Ort, die Ursachen zu bekämpfen und den Opfern Unterstützung sowie eine Perspektive für ein Leben außerhalb der Prostitution zu bieten.
Inwiefern beeinflussen die wirtschaftlichen Verhältnisse in den Destinationen den Sextourismus?
Die Arbeit verdeutlicht, dass das massive wirtschaftliche Gefälle zwischen Industrieländern und Schwellen- bzw. Entwicklungsländern die materielle Not der Einheimischen verschärft, was den Einstieg in die Prostitution als oft einzigen Ausweg zur Sicherung des Lebensunterhalts erzwingt.
- Arbeit zitieren
- Christine Rackey-Hocke (Autor:in), 2002, Sextourismus - Eine spezielle Form der soziokulturellen Zerstörung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191724