Die »Kunst der Fuge«, eines seiner großen Alterswerke, schrieb J.S. Bach zwischen wahrscheinlich 1740 und 1749. Das Werk blieb bekanntlich unvollendet.
Die vorliegende Arbeit geht ein auf die Gliederung des Werkes und die damit verbundenen Problemstellungen. Sodann erörtert sie mit vielen Notenbeispielen Fragen der Soggetti und deren Entwicklung aus dem Grundthema. Die Kontrapunkte 1 und 14 (Quadruppelfuge) werden am Notentext im Einzelnen analysiert.
Die Rezeptionsgeschichte des Werkes wird in den wesentlichen Etappen behandelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Entstehung des Werkes
2. Rezeption
2.1 Rezeption zur Bachzeit bis zum Ende des 18. Jh.
2.2 Rezeption des frühen 19. Jahrhunderts
2.3 Rezeption der Romantik und des beginnenden 20. Jh.
2.4 Die Rezeption nach 1945
2.5 Zur Aufführungspraxis
2.6 Ergänzungsversuche zum Fragment
2.7 Werkausgaben und deren Vorworte
3. Gliederung des Werkes
3.1 Zur Frage von Anordnung und Zyklus des Werkes
3.2 Die Fugentypen und Blockbildungen
3.3 Anordnung der Spiegelfugen 12 und 13
3.4 Anordnung der Canones 14 bis 17
4. Die Kontrapunkte, ihre Themen (Soggetti) und deren Variationen
4.1 Vorbemerkungen
4.2 Das Grundthema
4.3 Contrapunctus 1
4.4 Bachs Zahlensymbolik
4.5 Die Variationen des Grundthemas, entwickelt sich alles aus einer Quelle?
4.6 Nr. 2 bis 7 Variationen des Grundthemas
4.7 Nr. 8 und Nr. 11, die Tripelfugen und zwei neue Themen
4.8 Nr. 19 Contrapunctus 14: drei neue Themen und doch der Kern
5. Schlussbemerkung
6. Anhang
6.1 Kunst der Fuge, Aufbau, Ordnung, Themen
6.2 Ordnung der Nummern nach Wiemer und Butler
6.3 Nr. 1 Contrapunctus 1: Analyse des letzten Zwischenspiels als Akkordfolge
6.4 Nr. 1 Contrapunctus 1 Analyse, Strukturen und Besonderheiten
6.5 Themen der Kontrapunkte 1 bis 7, Entwicklungen aus dem Grundthema
6.6 Nr. 8 Contrapunctus 8 Analyse, Strukturen und Besonderheiten
6.7 Nr. 19 Contrapunctus 14 Analyse, Strukturen und Besonderheiten
8. Themen aus der Kunst der Fuge
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spätwerk von Johann Sebastian Bach, "Die Kunst der Fuge", unter besonderer Berücksichtigung der Entstehungsgeschichte, der Rezeptionsgeschichte sowie einer detaillierten musikanalytischen Betrachtung der thematischen Strukturen und Kontrapunktik. Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie sich die verschiedenen Fugen aus einem gemeinsamen Grundthema entwickeln und welche Rolle Zahlensymbolik sowie spezifische kompositionstechnische Verfahren im Aufbau dieses zyklischen Werkes spielen.
- Entstehungsgeschichte und philologische Einordnung des Werkes
- Wandel der Rezeption von der Bachzeit bis zur Moderne
- Analyse der thematischen Entwicklung und Fugentypen
- Untersuchung von Zahlensymbolik und kontrapunktischen Strukturen
- Betrachtung der unvollendeten Fuga a 3 Soggetti
Auszug aus dem Buch
4.3 Contrapunctus 1
Der Contrapunctus 1 hat seine Aufgabe darin, das Grundthema dem Hörer gründlich vorzustellen in seiner Exposition und seinen verschiedenen Durchführungen, die verbunden werden durch kleine Zwischenspiele. So ergibt sich folgender Aufbau, der am Notenbild (vgl. Kap.6.4) näher veranschaulicht wird:
Wir haben es also mit einer einfach gebauten Fuge zu tun, die ohne Modulationen und (fast) ohne Engführung auskommt.
Bemerkenswert ist allerdings eine Fülle von Dissonanzen, die in dieser Fuge melodisch und harmonisch zu finden ist. Allein das 1. Zwischenspiel ist eine Häufung von Quartsext- und verminderten Quartsextakkord-Rückungen über einer Basslinie, die mit fis, gis, h alles andere als d-moll ist.
Das letzte Zwischenspiel T.60-71 besteht nur aus dissonanten Akkorden über dem Orgelpunkt, die – wenn aufgelöst - sogleich in die nächste Dissonanz führen. –Um dies zu verdeutlichen, wurde diese Passage als reine Akkordfolge umgeschrieben (vgl. Kap 6.3). Die Dreiklänge in T.63 (A,E,b,cis' nach A,E,f',a') und T.66 (B1,D,fis,d') muten modern an und erinnern an Debussy und Honegger.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Entstehung des Werkes: Dieses Kapitel beleuchtet die schwierige Quellenlage und den zeitlichen Kontext der Entstehung, wobei es das Werk als wichtiges, aber nicht als das letzte Schaffen Bachs einordnet.
2. Rezeption: Hier wird der historische Wandel der Bach-Wahrnehmung von der Zeit nach seinem Tod über die Romantik bis zur modernen Aufführungspraxis nach 1945 analysiert.
3. Gliederung des Werkes: Das Kapitel widmet sich der wissenschaftlichen Debatte um die korrekte Anordnung der Fugen und Kanons, basierend auf Autograph und Erstdruck.
4. Die Kontrapunkte, ihre Themen (Soggetti) und deren Variationen: Dies ist der theoretische Kern, in dem die thematische Arbeit, die Rolle des Grundthemas und die Entwicklung zu den neuen Themen analysiert wird.
5. Schlussbemerkung: Der Autor reflektiert die Faszination und die Komplexität des Themas sowie die Schwierigkeit, ein Werk dieser Tiefe vollständig zu durchdringen.
Schlüsselwörter
Johann Sebastian Bach, Die Kunst der Fuge, Kontrapunkt, Grundthema, Fuga a 3 Soggetti, Zahlensymbolik, Fugentypen, Tripelfugen, Spiegelfugen, Werkanalyse, Musiktheorie, Barock, Kompositionsweise, Aufführungspraxis, Musikgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine umfassende Analyse von Johann Sebastian Bachs "Kunst der Fuge", wobei sowohl die historische Einordnung als auch die spezifische musikalische Struktur des Werkes untersucht werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Entstehungsgeschichte, die Rezeptionsgeschichte, die formale Gliederung sowie eine detaillierte musikanalytische Untersuchung der Themen und ihrer Variationen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die interne Logik des Werkes zu verstehen und aufzuzeigen, wie Bach aus einem einzigen Grundthema eine komplexe Vielfalt an kontrapunktischen Variationen entwickelt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt vornehmlich werkimmanente musikalische Analysen, ergänzt durch einen Vergleich mit existierender Fachliteratur und philologische Untersuchungen der Quellenlage.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Diskussion der Quellen und Anordnung, die systematische Darstellung der Fugentypen sowie die detaillierte Analyse der einzelnen Kontrapunkte und ihrer thematischen Verwandtschaften.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Kontrapunkt, Grundthema, Zahlensymbolik, Tripelfuge, Spiegelfuge und die spezifische Auseinandersetzung mit den Analysen von Eggebrecht und La Motte.
Was besagt der Disput um die Anordnung des Werkes?
Es herrscht unter Wissenschaftlern Uneinigkeit darüber, ob das Autograph oder der Erstdruck die authentische Reihenfolge wiedergibt, was zu unterschiedlichen Modellen der Dramaturgie führt.
Welche Bedeutung kommt der "Fuga a 3 Soggetti" zu?
Sie gilt als das unvollendete Fragment, das den geplanten krönenden Abschluss als Quadrupelfuge bilden sollte und in dem verschiedene neue Themen mit dem Grundthema verwoben werden.
Wie wird das B-A-C-H Thema in der Arbeit interpretiert?
Der Autor diskutiert kritisch die Zahlensymbolik und die thematische Ableitung des B-A-C-H Motivs, sowohl als explizites Zitat als auch als strukturelles Element in den Chromatiken.
- Arbeit zitieren
- Dipl. Ing. Karl Bellenberg (Autor:in), 2011, J. S. Bach: Die Kunst der Fuge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191788