Der Schwäbische Städtebund von 1376 bis 1389 als Beispiel für reichsstädtische Bünde im späten Mittelalter


Seminararbeit, 2012

20 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einführung

2. Allgemeines

2.1. Definition des „Städtebundes“
2.2. Rechtliche Situation im Reich des 14. Jahrhunderts und ausgewählte Städtebünde

3. Grundlagen des Schwäbischen Städtebundes
3.1. Hintergrund der Gründung
3.2. Mitglieder und Beitrittsdaten
3.3. Ziele und Regeln des Schwäbischen Städtebundes
3.4. Organisation

4. Der Schwäbische Städtebund im Krieg
4.1. Blütezeit
4.2. Machtzuwachs und weitere Allianzen
4.3. Städtekrieg und das Ende des Bundes

5. Weitere Entwicklung und Schlussbetrachtung

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Einführung

Im ausgehenden 14. Jahrhundert erlangte das Bürgertum vor allem in den Reichsstädten ein ganz neues Selbstverständnis.

In einer Zeit des ökonomischen und gesellschaftlichen Umschwungs entwickelten einige Reichsstädte und ihre Bürger dank ihrer hervorragenden wirtschaftlichen Situation und der Rechte, die ihnen der Kaiser vormals zugesprochen hatte, ein Selbstbewusstsein und einen Stolz, die ihnen die Sicherheit gaben, sich gegen die Ungerechtigkeit der Verpfändung durch den Kaiser und Schröpfung durch die Landesherren zur Wehr zu setzen.

Nach einer kurzen Darstellung allgemeiner Ausführung über die genaue Begriffsbedeutung, sowie die rechtliche Situation folgt eine kurze Benennung prominenter Städtebünde.

Der Hauptteil der Arbeit jedoch befasst sich explizit mit dem Schwäbischen Städtebund von 1376 bis 1389.

Ausführlich werden hier sowohl die näheren Umstände der Gründung des Bundes, ebenso die Mitglieder und ihre jeweiligen Beitrittsdaten behandelt. Zudem sollen hier die Ziele und auch die Organisationsformen, die es dem Bund ermöglichten, seinen Machteinfluss bis weit über Schwabens Grenzen hinaus auszudehnen, näher beleuchtet werden. Daneben wird der berühmte schwäbische Städtekrieg betrachtet. Hierbei interessiert besonders das komplizierte Allianzsystem und die Probleme, die sich aus ebendiesen Allianzen ergaben. Hierbei ist vor allem die Rolle Erzbischof Pilgrims II. als Auslöser des Städtekrieges zu beachten.

Abschließend soll noch das Ende des Städtebundes eingeleitet durch die Niederlage der Städte vor Döffingen und der so genannte Frieden von Eger zum Thema gemacht werden, um zu verstehen, wie es zu einem solchen rasanten Niedergang des Bundes kommen konnte.

2. Allgemeines

2.1. Definition des „Städtebundes“

Ein Städtebund ist eine vertraglich, beschworene Abmachung zwischen Städten, um den Organisationsrahmen zum erreichen gemeinsamer, im Vertrag genannter Zwecke festzulegen.

Im Regelfall auf Zeit geschlossen, wenn auch zumeist verlängerungsfähig, verfügen die Städte über ein gemeinsames Siegel, gemeinsame Exekutivorgane und Schiedsgerichte.[1]

Diese Ausführung im Lexikon des Mittelalters enthält alle wichtigen Bedingungen, die den Städtebünden im Deutschen Reich des 14. Jahrhunderts gemeinsam waren.

Zwar trifft ein Großteil dieser Prämissen auch auf beispielsweise die Hanse zu, allerdings handelt es sich in diesem Fall doch eher um einen Ständebund der Kaufleute, die die Städte zu einem Bündnis angeregt hatten, da ihnen der kaiserliche Schutz, der ihnen eigentlich sicher sein sollte, immer mehr verloren ging. Zudem führten die Städte auch weiterhin ihr eigenes Siegel, anstatt ein Gemeinsames zu benutzen.

Der größte Vorteil dieses Bundes lag also eher indirekt bei den Städten, die ihren Wohlstand damit sicherten, die Handelswege und ihre Kaufleute zu schützen. Damit ist die Hanse eine Sonderform, die im weiteren Verlauf dieser Arbeit keine Rolle spielen soll.

2.2. Rechtliche Situation im Reich des 14. Jahrhunderts und ausgewählte Städtebünde

Die rechtliche Lage eines Städtebundes war juristisch gesehen immer etwas heikel, da viele Landesfürsten und sogar Könige sich von der wachsenden wirtschaftlichen und vor allem finanziellen Macht der Bürger bedroht fühlten und die Bünde zu verbieten suchten.

Da jedoch kein vom Kaiser erlassenes Gesetz den Zusammenschluss solch mächtigen Zentren verbot, entstanden vor allem im 14. Jahrhundert viele Städtebünde, die begünstigt durch den neu erworbenen Reichtum der Reichsstädte ihre Rechte und Privilegien gemeinsam schützen wollten.

Bereits 1304 gründeten Erfurt, Nordhausen und Mühlhausen den Thüringer Dreistädtebund. Bautzen übernahm 1346 die Führung in dem so genannten Oberlausitzer Sechsstädtebund.

Als sich nun 1349 auch noch die 25 schwäbischen Reichsstädte vereinigten, um dem „aggressiven Herrschaftsaufbau der Landesfürsten“[2] etwas entgegensetzen zu können, handelte der neue Kaiser Karl IV.

Da die Selbstständigkeit der Städte und wohl auch ihre vereinte Macht immerzu wuchsen, wandelte er zunächst das Bündnis der schwäbischen Städte in den 1350er Jahren in einen Landfrieden um.[3]

Er ging sogar am 10 Januar 1356[4] noch weiter, nachdem sich 1354 auch noch im Elsass der Elsässische Zehnstädtebund gebildet hatte, und ließ im Rahmen der Goldenen Bulle jegliche Zusammenschlüsse dieser Art verbieten.

So heißt es im Punkt 15:

Über die Verschwörer

Wir verwerfen die verabscheuungswürdigen und durch heilige Gesetze untersagten Verschwörungen, mißbilligen und verurteilen sie und erklären sie aus bestem Wissen für ungültig, so wie sie durch die ehrwürdigen Verordnungen unserer seligen und erhabenen Vorgänger verboten und für ungültig erklärt worden sind, nämlich: Zusammenkünfte und Bündnisse in Städten und außerhalb, ferner zwischen Stadt und Stadt oder zwischen Einzelpersonen untereinander oder zwischen einer Einzelperson und einer Stadt, jeweils unter dem Vorwand der Verwandtschaft oder der Aufnahme in die Bürgerschaft oder mit einer anderen Ausrede; außerdem Schwurgenossenschaften, Bündnisse und Verträge. Schließlich verbieten wir den dabei eingeführten Brauch - den wir vielmehr als Mißbrauch betrachten - der Bündnisse von Städten und Personen - welch Stand, Rang und Ansehen sie haben mögen -, die sie unter sich oder mit anderen geschlossen haben oder in Zukunft zu schließen wagen. […][5]

Dieser Artikel erklärte also jegliche Gründung eines Städtebundes zu einer sträflichen Verschwörung und sollte per Gesetz alle bisher gegründeten Bünde sofort auflösen. Explizit wird jede Möglichkeit zu einem Bund oder einer Schwurgenossenschaft bis hin zu einem Vertrag untersagt.

Dieses Gesetz schloss aber Landfriedensbünde und das Pfahlbürgertum aus, sodass der Kaiser bereits am 7. November 1356 ausgewählte Reichsstädte aufforderte, den Landfrieden, den er am 11. November 1356 in Kraft setzen würde, zu bewahren und sich aus diesem Grund mit Erlaubnis erneut zu verbünden.[6] 1358 verbündeten sich dann auch bereits wieder Konstanz, St. Gallen, Lindau und Schaffhausen, um sich bis zum 6. Januar 1361 gemeinsam gegen Gewalt und Angriffe zu schützen.[7]

Der Kaiser hatte also sein eigenes Gesetz selbst ausgehöhlt und mit Ausnahmen und Sonderregelungen gemildert. So hatten die Reichsstädte Mitte der 1370er Jahre absolut keine zweifelsfreie, rechtliche Grundlage. Andererseits hatte sich auch nach dem Erlass der Bulle keines der bereits zuvor gegründeten Bündnisse wie verlangt aufgelöst.

Die Möglichkeiten und auch eine gewissen Duldung eines solchen Bündnisses durch den Kaiser waren offensichtlich unter bestimmten Umständen durchaus möglich.

3. Grundlagen des Schwäbischen Städtebundes

3.1. Hintergrund der Gründung

Kaiser Ludwig IV. der Bayer persönlich hatte am 11. November 1331 die Gründung des Esslinger Städtebundes begünstigt.[8] 22 Städte verpflichteten sich damit zu gegenseitigem Beistand und Hilfe. Der Bund war als eine Art Erweitung des Landfriedens gedacht, um den Kaiser bei einer seiner Reichaufgaben der Friedenswahrung zu unterstützen. Dieses Bündnis sollte vor allem die kaiserliche Macht stabilisieren.

1349 vereinigten sich wieder die 25 schwäbischen Reichsstädte, doch diesmal um dem „aggressiven Herrschaftsaufbau der Landesfürsten“[9] etwas entgegensetzen zu können.

Doch das Reich war geschwächt und der neue König Karl musste seine Macht erst festigen.

Die Pestwelle, die seit 1347 von Süden durch Europa rollte, hatte einschneidende Folgen für Wirtschaft und Sozialordnung (Wüstungen, Agrarpreisverfall, Reallohnerhöhungen, […] Lasten und Fronden durch die Lehns- und Grundherren […])[10]. Zudem verschlangen Karls Feldzüge immer wieder Unsummen, was die ohnehin schon leeren Reichskassen nur weiter belastete. So blieb ihm nichts anderes übrig, als die Kosten für seinen Italienfeldzug von 1368/69 in möglichst großen Teilen auf vermögendere Parteien umzuverteilen.[11] Bei diesen unfreiwilligen Geldgebern handelte es sich vor allem wegen ihres Reichtums nur allzu oft um die Reichsstädte, die die finanzielle Last abzufangen hatten.

[...]


[1] FAHLBUSCH, Art. Städtebund, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 7, Sp. 17-18.

[2] SCHULER, Art. Schwäbischer Städtebund, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 8, Sp. 1608.

[3] Vgl. SCHULER, Art. Schwäbischer Städtebund, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 8, Sp. 1608.

[4] Vgl. GOLDENE BULLE, S. 39.

[5] GOLDENE BULLE, S. 68 f.

[6] Vgl. VISCHER, Geschichte des schwäbischen Städtebundes der Jahre 1376-1389, S. 123.

[7] Vgl. VISCHER, Geschichte des schwäbischen Städtebundes der Jahre 1376-1389, S. 123.

[8] Vgl. SCHULER, Art. Schwäbischer Städtebund, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 8, Sp. 1608.

[9] SCHULER, Art. Schwäbischer Städtebund, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 8, Sp. 1608.

[10] MATZ, Europa-Chronik, S. 142.

[11] Vgl. DIRLMEIER, FOUQUET, FUHRMANN, Europa im Spätmittelalter 1215 – 1378, S. 106.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der Schwäbische Städtebund von 1376 bis 1389 als Beispiel für reichsstädtische Bünde im späten Mittelalter
Hochschule
Universität Stuttgart  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Entstehung und Entwicklung der Stadt vom Mittelalter bis zur Ratsreform Kaiser Karls V.
Note
2,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
20
Katalognummer
V191803
ISBN (eBook)
9783656172888
ISBN (Buch)
9783656173069
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Landesgeschichte, Baden-Württemberg, Städtebund, Stadt, Mittelalter, schwäbischer Städtebund, Frieden von Eger, Schlacht bei Döffingen, Goldene Bulle, 14. Jahrhundert, Ulm, König Wenzel, Städtekrieg, Bayern, Schwaben, Rheinische Städtebund, Süddeutsche Städtebund
Arbeit zitieren
Roxana Romahn (Autor), 2012, Der Schwäbische Städtebund von 1376 bis 1389 als Beispiel für reichsstädtische Bünde im späten Mittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191803

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