Der historische Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit, obwohl man bei allen Periodisierungen beachten muss, dass das Alte erst allmählich abstirbt und das Neue nicht schlagartig da ist, man also mit längeren Übergangszeiten zu rechnen hat, stellt aus heutiger Sicht den Beginn der Wissenschaftlichkeit dar.
Nach dem pfeilschnellen Aufstieg der Naturwissenschaften kommt es im 19. Jahrhundert zum Einzug einer neuen, andersartigen Art der Wissenschaft. Diese unterscheidet sich gänzlich in Hinsicht auf Methodik, Vorurteilsfreiheit, Wertfreiheit und nicht zuletzt der Verifizierbarkeit ihrer Aussagen von den damals bekannten Forschungen.
Ein deutscher Philosoph beschreibt diese neue Form als eine Wissenschaft von der geschichtlich-gesellschaftlichen Wirklichkeit – sein Name ist Wilhelm DILTHEY.
Gegenstand dieser Hausarbeit soll das Wissenschaftsverständnis Wilhelm Diltheys werden. Dabei wird im speziellen auf seine Errungenschaften und Forschungen auf dem Gebiet der Hermeneutik eingegangen.
Matthias JUNG beschreibt ihn in seinem Werk 'Dilthey zur Einführung' „…zu Recht als Klassiker des hermeneutischen Denkens, jener philosophischen Richtung, die die Kategorie des geschichtlichen Verstehens in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen gestellt hat. Mit seiner methodischen Konzeption des Verstehens, der aus ihr resultierenden Unterscheidung von Geistes- und Naturwissenschaften, schließlich mit seinen Ansätzen zur Integration geschichtlicher und systematischer Analyse hat er die Entwicklung der Philosophie im 20. Jahrhundert mitbestimmt.
Dem ersten Teil der vorliegenden Arbeit wird die Vita der Person Wilhelm DILTHEYS gewidmet. Daran anschließend soll sein Verhältnis zu den Geisteswissenschaften in kurzen Auszügen aufgezeigt und mit Hilfe von Beispielen kritisch betrachtet werden.
Der Hauptaugenmerk der folgenden Ausführungen wird sich auf DILTHEYS Beschreibungen zur Methode der Hermeneutik fokussieren. Dabei wird nach einer kurzen Erläuterung, die dem Weg DILTHEYS hin zur Hermeneutik gewidmet ist, ein Versuch einer konkreten Definition des Begriffes 'Hermeneutik' unternommen. Abschließend sollen hermeneutische Grundbegriffe, die gerade in dem Bereich der Pädagogik einen großen Stellenwert einnehmen, erklärt und voneinander abgegrenzt werden. Hierbei wird speziell der 'hermeneutische Zirkel', der quasi das Ausgangsproblem allen Verstehens und somit der Hermeneutik darstellt, betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hauptteil
2.1. Zur Person Wilhelm DILTHEYS
2.2 DILTHEYS Verständnis über die Geisteswissenschaften
2.3 DILTHEYS Weg zur Hermeneutik
2.4 Hermeneutik – Versuch einer Definition
2.5 Hermeneutische Grundbegriffe unter besondere Beachtung des hermeneutischen Zirkels
3 Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, das Wissenschaftsverständnis des Philosophen Wilhelm Dilthey zu beleuchten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf seine grundlegenden Arbeiten und Erkenntnisse im Bereich der Hermeneutik gelegt wird. Dabei soll seine Bedeutung für die Geisteswissenschaften herausgearbeitet werden.
- Biographischer Abriss zu Wilhelm Dilthey
- Differenzierung zwischen Natur- und Geisteswissenschaften
- Entwicklung und Definition der Hermeneutik
- Analyse der hermeneutischen Grundbegriffe
- Untersuchung des hermeneutischen Zirkels
Auszug aus dem Buch
2.5 Hermeneutische Grundbegriffe unter besondere Beachtung des hermeneutischen Zirkels
Neben dem sehr stark zentralisierten Begriff des Verstehens, der wie bereits erörtert eine grundlegende Rolle in der Forschung und dem Wissenschaftsverständnis DILTHEYS spielt, ist der Ansatz eines hermeneutischen Zirkels in den Werken und Schriften DILTHEYS erkennbar.
Verstehen tritt für das Individuum meist unbewusst in Erscheinung und ist zeitlich nicht begrenzt bzw. abgrenzbar, das heißt, wir verstehen ständig: „...die Gesten des anderen, seine Worte, die Aufforderung der Werbung, eine Melodie, einen geistigen Zusammenhang...“.
In der wissenschaftlichen Arbeit ist es aber nicht ausreichend, sich in seinen Errungenschaften auf vage Verstehensprozesse zu beziehen. In dieser Phase und in diesem Raum der Forschung ist eine Theoriebildung aus den Verstehensprozessen heraus unumgänglich. Diesen Zusammenhang zu bilden, ist Aufgabe der Hermeneutik. Folglich ist Verstehen „...dann nicht mehr ein unmittelbarer, unreflektierter Vorgang, sondern es soll sich in seiner Struktur, in seiner Leistungsfähigkeit, in seiner Komplexität zeigen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung Diltheys als Philosoph der geschichtlich-gesellschaftlichen Wirklichkeit ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit.
2 Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in eine biographische Darstellung Diltheys, die Abgrenzung der Geistes- zu den Naturwissenschaften sowie eine eingehende Erörterung hermeneutischer Prinzipien.
2.1. Zur Person Wilhelm DILTHEYS: Dieses Kapitel zeichnet den Lebensweg Wilhelm Diltheys von seiner Herkunft bis zu seinem Wirken als bedeutender Historiker und Philosoph der Geisteswissenschaften nach.
2.2 DILTHEYS Verständnis über die Geisteswissenschaften: Hier werden Diltheys methodologische Fundierung und sein Verständnis der Geisteswissenschaften im Gegensatz zu den Naturwissenschaften analysiert.
2.3 DILTHEYS Weg zur Hermeneutik: Dieses Kapitel thematisiert die Entwicklung von Diltheys Denken hin zu einer Kritik der historischen Vernunft und einer stärkeren hermeneutischen Ausrichtung.
2.4 Hermeneutik – Versuch einer Definition: Hier wird der Ursprung des Hermeneutik-Begriffs erläutert und verschiedene Definitionen zur Kunst der Auslegung werden gegenübergestellt.
2.5 Hermeneutische Grundbegriffe unter besondere Beachtung des hermeneutischen Zirkels: Dieses Kapitel widmet sich dem hermeneutischen Zirkel als zentralem Strukturmoment des Verstehens und der Interpretationspraxis.
3 Schluss: Das Schlusskapitel resümiert die Bedeutung Diltheys für die geisteswissenschaftliche Forschung und hebt die Aktualität seines Denkens hervor.
Schlüsselwörter
Wilhelm Dilthey, Hermeneutik, Geisteswissenschaften, Verstehen, hermeneutischer Zirkel, Interpretation, historische Vernunft, Wissenschaftstheorie, Pädagogik, Sinnzusammenhang, Methodik, Erklären, Lebensphilosophie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Wissenschaftsverständnis des deutschen Philosophen Wilhelm Dilthey und untersucht dabei schwerpunktmäßig seine Beiträge zur Methodik der Geisteswissenschaften.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Biographie Diltheys, die theoretische Unterscheidung zwischen Geistes- und Naturwissenschaften sowie die Grundlagen und Anwendungsweisen der Hermeneutik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Diltheys Schaffen darzustellen und seine unverwerfliche Stellung innerhalb der geisteswissenschaftlichen Tradition sowie die Aktualität seiner hermeneutischen Ansätze aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit folgt einem systematischen, literaturbasierten Ansatz, der philosophische Quellen analysiert und interpretativ erschließt.
Was ist der inhaltliche Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung Diltheys, eine Analyse seines Wissenschaftsbegriffs und eine detaillierte Erörterung des hermeneutischen Zirkels als Methode zur Interpretation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Dilthey, Hermeneutik, Verstehen, Geisteswissenschaften, Interpretation und der hermeneutische Zirkel.
Wie unterscheidet Dilthey zwischen Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften?
Dilthey differenziert methodisch: Während die Naturwissenschaften auf die Erklärung von Phänomenen durch objektive Daten setzen, liegt der Kern der Geisteswissenschaften im Verstehen von Sinnzusammenhängen und geschichtlicher Wirklichkeit.
Was genau versteht Dilthey unter dem hermeneutischen Zirkel?
Der hermeneutische Zirkel beschreibt eine spiralförmige Bewegung des Verstehens, bei der das Einzelne nur aus dem Gesamtzusammenhang gedeutet werden kann und sich umgekehrt das Ganze erst durch die Teile erschließt.
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- Maik Teichgräber (Author), 2003, Das Wissenschaftsverständnis Wilhelm Diltheys, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19184