Coppola = Coppelius?

Versicherung als Erzählstrategie in E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann" am Beispiel des Doppelgängermotivs


Hausarbeit, 2011

9 Seiten, Note: 2,4


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Vorstellung des Untersuchungsgegenstands

2. Analyse des Untersuchungsgegenstands
2.1. Vergleich von Coppelius und Coppola anhand des Doppelgängermotivs
2.1.1. Coppelius
2.1.2. Coppola
2.1.3. Das Doppelgängermotiv

3. Fazit
3.1. Rückführung auf die Eingangsthese und Ergebnisbericht

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Sandmann gilt als eines der meist und unterschiedlich interpretierten Erzählungen des Schriftstellers E.T.A. Hoffmann. Die Geschichte um den jungen Studenten Nathanael, seine Kindheit und seinen Verfall in den Wahnsinn, wirft viele Fragen auf und konnte bisher nie klar gedeutet werden. Im Folgenden befasst sich diese Hausarbeit mit einem Aspekt der Erzählung, welcher sich vor allem mit dem Wahrnehmungsverlust des Protagonisten Nathanael und dem möglichen Doppelgängermotiv des Sandmanns Coppelius und des Wetterglashändlers Coppola beschäftigt.

1.1. Vorstellung des Untersuchungsgegenstands

Nathanaels Wahnsinn ist vor allem dadurch begründet, dass er in dem Wetterglashändler Coppola den Advokaten Coppelius wiedererkennt, den er durch die Geschichten und Erfahrung aus der Vergangenheit auch als den Sandmann in Erinnerung hat. Dem Leser stellt sich beim Lesen die Frage, ob es sich bei Coppola wirklich um den Advokaten Coppelius handelt, oder ob dies lediglich eine Illusion ist, die sich durch die psychischen Probleme und Traumata des Protagonisten begründen lassen. E.T.A. Hoffmann löst dieses Rätsel auch zum Ende der Erzählung nicht auf, und lässt dem Leser die Frage beziehungsweise die Verunsicherung, ob Nathanaels Ängste und der daraus folgende Wahnsinn berechtigt sind oder ob Coppelius und Coppola tatsächlich zwei vollkommen unterschiedliche, und voneinander unabhängige Personen sind. Eine wichtige Rolle in der Erzählung könnte das sogenannte Doppelgängermotiv sein, welches vor allem ein Stilmittel der bildenden Künste der Romantik war, und von welchem Hoffmann nicht nur in Der Sandmann sondern unter anderem auch in Die Elixiere des Teufels und in Meister Floh und in seinen Fantasiestück Der goldne Topf Gebrauch machte.1

Die Wirkung der Doppelgängerexistenz spielt im Verlauf dieser Arbeit eine fundamentale Rolle, vor allem da dieses Motiv einen ausschlaggebenden Effekt auf den Leser ausüben soll.

2. Analyse des Untersuchungsgegenstands

Im Folgenden werden zuerst die beiden Charaktere Coppelius und Coppola vorgestellt, sodass ein Vergleich beziehungsweise eine Gegenüberstellung vorgenommen werden kann. Daraufhin wird das Doppelgängermotiv aufgegriffen, um festzustellen, ob Coppola und Coppelius wirklich ein und dieselbe Person sein könnten. Es wird auf Nathanaels Realitätswahrnehmung und sein psychisches Trauma eingegangen, um einen genaueren Einblick in seine Gedankenwelt zu bekommen.

2.1. Vergleich von Coppelius und Coppola anhand des Doppelgängermotivs

2.1.1. Coppelius

Denk dir einen großen breitschultrigen Mann mit einem unförmlich dicken Kopf, erdgelbem Gesicht, buschigten grauen Augenbrauen, unter denen ein paar grünliche Katzenaugen stechend hervorfunkeln, großer, starker über die Oberlippe gezogener Nase. Das schiefe Maul verzieht sich oft zum hämischen Lachen; dann werden auf den Backen ein paar dunkelrote Flecke sichtbar und ein seltsam zischender Ton fährt durch die zusammengekniffenen Zähne.2

So wie in diesem Zitat aufgeführt, erinnert sich der Protagonist Nathanael an den grausigen Advokaten Coppelius, welchen er seit seiner Kindheit durch seine traumatischen Erlebnisse als den Sandmann bezeichnet, sehr detailliert. Er wird als ein unheimlicher alter Mann beschrieben, der mit seinem Vater alchemistische Experimente durchgeführt hat und möglicherweise für dessen Tod verantwortlich ist. Die Assoziation des Sandmanns ist nicht nur durch die Geschichten über einen Sandmann begründet, der den Kindern Sand in die Augen streut, sodass sie bluten wenn sie nicht zeitig schlafen gehen, sondern auch dadurch, dass Coppelius Nathanael nach seiner heimlichen Beobachtung im Arbeitszimmer seines Vaters die Augen nehmen will. Schon als Kind verbreitete Coppelius in seiner Fantasie einen Schrecken, der durch das Erscheinen des Wetterglashändlers Coppola wieder in sein Gedächtnis gerufen wird. Durch sein Erscheinungsbild und vor allem durch sein grausames Handeln in Nathanaels Kindheit, hat er in dem Jungen ein tiefes psychisches Trauma ausgelöst, welches nach einer nicht harmlosen Zeit des Wahnsinns und einer stark ausgeprägten Form des Verfolgungswahns für seinen qualvollen Tod verantwortlich ist, auch wenn Nathanel am Ende der Erzählung selbst davon überzeugt ist, dieses Trauma verarbeitet zu haben.

2.1.2. Coppola

Giuseppe Coppola ist laut Nathanaels Beschreibung anders gekleidet als Coppelius, jedoch scheinen sie beide die gleiche Figur und Gesichtszüge zu haben. „Er gibt sich hier [] für einen piemontesischen Mechanicus aus.“3 Bei seiner ersten Begegnung mit Coppola, droht Nathanael ihn von der Treppe zu stoßen, Coppola verlässt ihn daraufhin jedoch freiwillig. Auch Clara wird nach Nathanaels erstem Brief in ihren Träumen von dem Wetterglashändler heimgesucht, bis sie sich darauf besinnt, dass es sich bei Coppola unmöglich um den Advokaten Coppelius handeln kann. Nach der Antwort Claras, besinnt sich auch Nathanael und gesteht sich selbst ein, dass „es wohl gewiss [sei], dass der Wetterglashändler Giuseppe Coppola keineswegs der alte Advokat Coppelius ist.“4 Coppola ist im Gegensatz zu Coppelius Italiener, was sich auch an seiner Aussprache bemerkbar macht. Als der Protagonist dem mysteriösen Wetterglashändler ein zweites Mal begegnet, und dieser ihm „sköne Oke“5 (schöne Augen – gemeint sind hiermit Brillengläser) verkaufen möchte, bringt er den jungen Nathanael, dazu ein Taschenperspektiv zu kaufen, woraufhin er beginnt die Welt, und vor allem Spalanzanis ,Tochter‘ mit ganz anderen Augen zu sehen.

2.1.3. Das Doppelgängermotiv

Wie bereits im einleitenden Kapitel erwähnt, gilt das sogenannte Doppelgängermotiv als typisches Stilelement der Epoche der Romantik. In Der Sandmann kann dieses Motiv wiedergefunden werden, da Nathanael in Coppola den Sandmann Coppelius wiederentdeckt. Innerhalb der Erzählung gibt es einige Textstellen, in denen es wirklich so scheint als wenn es sich bei dem Wetterglashändler um den alten Advokaten handelt. Als Nathanael Spalanzani um die Hand seiner Tochter bitten will, wird er Zeuge eines Streits zwischen ihm und Coppola, jedoch waren es „Spalanzanis und des grässlichen Coppelius Stimmen, die so durcheinander schwirrten und tobten.“6 Als Nathanael den Raum betritt, sieht er Coppola.

[...]


1 Vgl. Bär, Gerald: Das Motiv des Doppelgängers als Spaltungsphantasie in der Literatur und im deutschen Stummfilm. Amsterdam, New York 2005. S. 258 ff.

2 Hoffmann, E.T.A.: Der Sandmann. Durchgesehene und bibliographisch ergänzte Ausgabe 2004. Stuttgart, 1991,2003 (=RUB 230).

3 Hoffmann, E.T.A.: Der Sandmann. S. 12.

4 Ebenda. S. 16.

5 Ebenda S. 27.

6 Ebenda S. 37.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Coppola = Coppelius?
Untertitel
Versicherung als Erzählstrategie in E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann" am Beispiel des Doppelgängermotivs
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Institut für Neuere Deutsche Literatur)
Note
2,4
Autor
Jahr
2011
Seiten
9
Katalognummer
V191852
ISBN (eBook)
9783656167150
Dateigröße
575 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
coppola, coppelius, versicherung, erzählstrategie, hoffmanns, sandmann, beispiel, doppelgängermotivs
Arbeit zitieren
Friederike Mannig (Autor), 2011, Coppola = Coppelius?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191852

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