Im Folgenden soll dargelegt werden, dass es zur Ausbildung einer Hysterie aufgrund der gesellschaftlichen Verhältnisse zu Zeiten des Fin-de-siècle in Wien kommen konnte. Dabei werden wir den Begriff Verdrängung und seine Bedeutung als „Abwehrmechanismus“ für die psychoanalytische Neurosenlehre erörtern. Dabei beziehen wir uns auf die 19. und 23. Vorlesung des Arztes und Neurologen Sigmund Freud, die 1917 veröffentlicht wurden. Wir werden die Entdeckungen Freuds in seiner Psychoanalyse näher betrachten und erfahren, warum es wahrscheinlich in der vorletzten Jahrhundertwende in Wien zu einer derart schöpferischen Hochkonjunktur gekommen ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Fin-de-siècle in Wien und die Rolle der Frau
2. Hysterie und der Begriff der Verdrängung
3. Psychoanalytische Methode und Symptombildung
4. Die Bedeutung der Libido und des Widerstandes
5. Ätiologie der Neurose
6. Phantasie, Realität und Fazit
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, den Begriff „Verdrängung“ und seine Funktion als Abwehrmechanismus innerhalb der psychoanalytischen Neurosenlehre von Sigmund Freud zu erörtern und in den historischen Kontext des Wiener Fin-de-siècle einzuordnen.
- Historische Rahmenbedingungen des Wiener Fin-de-siècle
- Die Entwicklung des psychoanalytischen Verständnisses von Hysterie
- Die Funktion der Verdrängung als Abwehrmechanismus
- Dynamik von Libido, Widerstand und Symptombildung
- Die ätiologische Gleichung zur Entstehung von Neurosen
Auszug aus dem Buch
Die Funktion der Verdrängung als Abwehrmechanismus
Der Widerstand verhindert das bewusstes oder unbewusst gebliebenes ins Bewusstsein übertritt. Freud bezeichnete diesen pathogenen Prozess als Verdrängung. Das Konstrukt des Ich ist nach Freud (1905) die zentral regulierende Organisation, die eng verknüpft ist mit physiologischen und nervösen Prozessen. In seinen Studien zur Mechanik der Physiologie entwickelte der Arzt und Physiker Helmholtz den Energieumsatz von Mayer weiter, in dem sich im Körpersystem die inneren und äußeren Kräfte im Gleichgewicht halten, nicht verloren sind und sich umwandeln müssen. Die Begriffe Energie und Kraft wurden bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts synonym verwendet. Freud bezog sich in seinen Studien auf diesen, um im Ich nach danach zu forschen. Freud vermutete also den Grund von Symptomen in einer starken Kraft, die sich widersetzte.
Den Vorgang der Verdrängung, teilte Freud weiter ein. Eine Beurteilung darüber, ob eine Handlung durch einen Impuls ausgeführt wird, kann vom Ich wahrgenommen und bewertet werden. Dieser Impuls verliert dann, wenn nicht ausgeführt, seine Energie. Bei den unbewussten Impulsen ist es anders, sie werden vom Ich nicht wahrgenommen und vorher verdrängt. Die Energie bleibt aber erhalten und bildet ein Symptom aus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Fin-de-siècle in Wien und die Rolle der Frau: Beschreibt die gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Umbrüche in Wien zwischen 1880 und 1910 sowie die Unterdrückung der Frau.
2. Hysterie und der Begriff der Verdrängung: Beleuchtet die historische Entwicklung der Hysterie-Diagnose von der Antike bis zur medizinischen Betrachtungsweise des 19. Jahrhunderts.
3. Psychoanalytische Methode und Symptombildung: Analysiert Freuds Abkehr von der Hypnose hin zur kathartischen Methode und der freien Assoziation.
4. Die Bedeutung der Libido und des Widerstandes: Untersucht die Rolle des Widerstands bei der Symptombildung und wie das Ich versucht, libidinöse Triebe zu verarbeiten.
5. Ätiologie der Neurose: Erläutert Freuds theoretische Typologie zur Entstehung von Neurosen unter Einbeziehung konstitutioneller Faktoren und frühkindlicher Erlebnisse.
6. Phantasie, Realität und Fazit: Diskutiert die Funktion der Phantasie als Fluchtmöglichkeit aus der puristischen Realität und fasst Freuds Erkenntnisse zur Prävention von Neurosen zusammen.
Schlüsselwörter
Psychoanalyse, Verdrängung, Hysterie, Sigmund Freud, Fin-de-siècle, Abwehrmechanismus, Libido, Neurosenlehre, Symptombildung, Widerstand, Übertragung, Ätiologie, Psychosomatik, Sexualität, Unbewusstes.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den psychoanalytischen Begriff der „Verdrängung“ und seine Bedeutung als Abwehrmechanismus innerhalb der Neurosenlehre von Sigmund Freud.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der gesellschaftliche Kontext des Wiener Fin-de-siècle, die Entwicklung der Hysterie-Theorie sowie die psychodynamischen Prozesse wie Widerstand, Libido und Regression.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Entstehung hysterischer Symptome durch gesellschaftliche Bedingungen und psychische Abwehrmechanismen theoretisch herzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse der Schriften Sigmund Freuds, insbesondere seiner 19. und 23. Vorlesung, sowie zeitgenössischer historischer Quellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Mechanismen der Symptombildung, die Rolle des Ichs, das Modell des Unbewussten und die ätiologische Gleichung von Neurosen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Psychoanalyse, Verdrängung, Libido, Hysterie, Widerstand und die ätiologische Gleichung.
Wie definiert Freud das Verhältnis von bewussten und unbewussten Prozessen?
Freud nutzt ein Modell mit zwei Räumen – dem Unbewussten und dem Bewussten –, die durch einen „Wächter“ (den Widerstand) voneinander getrennt sind.
Welche Rolle spielt das Wiener Fin-de-siècle für die Entstehung der Psychoanalyse?
Die puristische und autoritäre Gesellschaft dieser Zeit erzeugte einen hohen sozialen Druck, der bei vielen Menschen zu sexuellen Konflikten und zur Verdrängung führte, was Freud zur Entwicklung seiner Theorie anregte.
- Arbeit zitieren
- Sabine Müller (Autor:in), 2012, "Verdrängung" und seine Bedeutung als Abwehrmechanismus für die psychoanalytische Neurosenlehre, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191868