Freiheit und Demokratie im Denken des Alexis de Tocqueville


Seminararbeit, 2012

9 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Tocquevillesche Freiheit

3. Die Gefährdung der Freiheit in der Demokratie

4. Die Erziehung der Demokratie zur Erhaltung der Freiheit

5. Abschließende Betrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im heutigen Alltagsdenken westlicher Industrienationen überwiegt die Auffassung, dass Demokratie und Freiheit untrennbar miteinander verknüpft sind. So kämpfen die Anhänger des „arabischen Frühling“ gegen die autoritären Regime des Nahen Ostens und Afrikas, da sie sich von demokratischen Regierungsverhältnissen mehr Freiheit versprechen.1

Die Auffassung, dass eine demokratische Revolution unweigerlich zu mehr Freiheit führt, scheint jedoch mit Blick auf das Gedankengut von Alexis de Tocqueville fragwürdig. Denn in seinem Werk namens „Über die Demokratie in Amerika“ schildert der Franzose die Beziehung zwischen Demokratie und Freiheit als prekäres Spannungsverhältnis, bei welchem die auf dem Prinzip der Gleichheit beruhende Demokratie zwar einer Vielzahl von Bürgern größere Freiheit ermöglicht, jedoch ohne erzieherische Maßnahmen ebenso eine existenzielle Bedrohung für die Freiheit darstellt.

Die vorliegende Seminararbeit widmet sich der Darstellung sowie kritischen Reflektion des Tocquevilleschen Gedankenguts bezüglich Demokratie und Freiheit. Mit Hilfe des besagten Originalwerks und Hereth (2001) sowie Herb und Hidalgo (2005) soll zunächst Tocquevilles’ Freiheitsverständnis herausgearbeitet werden, um darauf aufbauend die Gefährdung der Freiheit in der Demokratie sowie die Erhaltung der Freiheit in der Demokratie zu erörtern. Eine abschließende Betrachtung bildet das Ende dieser Seminararbeit.

2. Die Tocquevillesche Freiheit

Sowohl Bürger als auch Politiker und Theoretiker assoziieren den Begriff der Freiheit häufig mit der Abwesenheit von Zwängen wie zum Beispiel politischer oder geistiger Bevormundung. Andere verstehen unter Freiheit wiederum institutionell garantierte Handlungsspielräume, in die niemand willkürlich eingreifen darf. Tocqueville sieht jedoch in einer„[...] Summe von Rechtsgarantien und Verfassungsartikeln, die die Unversehrbarkeit der Person garantieren oder dem Parlament, der Regierung, der Justiz, Parteien oder anderen Einrichtungen Kompetenzen und Schranken ihrer Handlungs- und Entscheidungsrechte zuweisen [...]“2 lediglich die Voraussetzung für eine besondere Lebensweise, welche der Franzose als Freiheit bezeichnet.

Bei der freien Lebensweise handelt es sich um eine Praxis politischen Handelns, bei der die Gesellschaftsmitglieder diverse Angelegenheiten durch Zusammenarbeit mit ihren Mitmenschen regeln. Insofern ist nicht ein von der Gesellschaft getrenntes Individuum, sondern ein in die Gesellschaft integrierter Individuum als frei zu erachten.3 Da diese politische Freiheit in Abhängigkeit der jeweiligen Gesellschaft unterschiedliche Formen annehmen kann, bemüht sich Tocqueville nicht um einer präzise Definition der Freiheit.4 Stattdessen weist er bloß darauf hin, dass man den „Geschmack an der Freiheit“5 erfahren haben muss, um eine Vorstellung davon besitzen zu können. Bei der Freiheit handelt es sich also um etwas Praktisches, das mit Theorie alleine nicht zu begreifen ist.6 Abgesehen vom politischen Handeln, umfasst Tocquevilles Freiheitsverständnis eine bestimmte psychologische Neigung des Menschen. Demnach würde ein freies Individuum erkennen, dass sein Leben von Gott und dessen Gesetzen abhinge. Aus diesem Grund würde der Gläubige sein Handeln auf das„[...]GuteundGerechtefestlegen[...]“7, während der Revolutionär unter Freiheit lediglich die Begrenzung seines Willens durch faktische Begebenheiten versteht. Die Verhaltensweise des Revolutionärs nennt sich„ungeregelteFreiheit“8, wohingegen das Verhalten des Gläubigen als„geregelteFreiheit“9 bezeichnet wird. Tocqueville befürwort die geregelte Freiheit und argumentiert, dass der tugendhafte Mensch die Freiheit liebe. Das wahrhaft Freie würde die Freiheit bzw. die Möglichkeit zur politische Partizipation um ihrer selbst willen erstreben, was das Individuum davon abhalten würde, die Freiheit dem Streben Reichtum unterzuordnen.10

Des Weiteren setzt die Realisierung der politischen Freiheit voraus, dass sich die Menschen zur gemeinsamen Beratung ihrer Angelegenheiten als Gleichberechtigte zusammenschließen.11 Dies war jedoch für die Bürger des vorrevolutionären Frankreichs nicht möglich, da sie von den Aristokraten beherrscht wurden. Aufgrund ihrer Privilegien gegenüber dem Bürgertum konnten lediglich die Aristokraten untereinander und mit dem König politisch interagieren, womit der Freiheitsgrad eines aristokratischen Gesellschaftsmitgliedes von der Anzahl an Vorrechten abhing, die es auf sich vereinte. Je größer die Anzahl dieser Rechte, desto freier das Individuum.12

Allerdings wendet sich Tocqueville gegen die aristokratische Auffassung von Freiheit als Ansammlung von angeborenen Privilegien. Mit Verweis auf die Lehren des Christentums argumentiert er, dass Menschen als Geschöpfe und Ebenbilder Gottes kein natürliches Vorrecht über ihresgleichen besäßen.13 Zudem sei es„[...]nichtdasbesondereWohlergeheneinigerweniger,sondern der größte Wohlstand aller [...]“14 das, was„[...]denBlickdesSchöpfersund Erhalters der Menschen am meisten befriedigt“15. Aufgrund dessen veranlasst Gott den Niedergang der Aristokratie den Niedergang der Aristokratie und das Aufstreben der Demokratie, die durch die „égalité des conditions“ (Gleichheit der Bedingungen) allen Menschen das gottgegebene Recht zur Führung eines selbstbestimmten Lebens einräumt.16 Obwohl für Tocqueville die Gleichheit der Bedingungen das charakteristische Merkmal der Demokratie ist, liefert er keine konkrete Definition der Gleichheit. Immerhin gibt er zu erkennen, dass Gleichheit für ihn zwei Dinge beinhaltet: Zum einen gewährt die Demokratie mit dem Prinzip der Volkssouveränität jedem Individuum das Recht zur politischen Mitbestimmung bzw. zur Ausübung von Freiheit.17 Zum anderen sorgt die Demokratie für Gleichheit, indem sie die Erbhierarchie der Aristokratie durch eine Hierarchie der freiwilligen Übereinkunft ersetzt. Anstatt erbliche Privilegien bestimmt nun der„[...]Kontraktzwischen Herren und Dienern, Arbeitgebern und Arbeitnehmern [...] Umfang und Dauer des hierarchischen Arrangements [...]“18, wodurch sich der gesamten Bevölkerung die Chance zur Erlangung materiellen Wohlstands eröffnet.

[...]


1 Vgl. Perthes 2011.

2 Hereth 2001, S. 23.

3 Vgl. Hereth 2001, S. 25, 30.

4 Vgl. Herb und Hidalgo 2005, S. 35.

5 Hereth 2001, S.26.

6 Vgl. Hereth 2001, S. 25ff, S. 44.

7 Herb und Hidalgo 2005, S. 39.

8 Herb und Hidalgo 2005, S. 39.

9 Herb und Hidalgo 2005, S.39.

10 Vgl. Herteh 2001, S. 26f; vgl. Herb und Hidalgo 2005, S. 38.

11 Vgl. Hereth 2001, S. 30.

12 Vgl. Herb und Hidalgo 2005 s.35; Hereth 2001, S. 32.

13 Vgl. Herb und Hidalgo 2005, S.34.

14 Tocqueville 1986, S. 484.

15 Tocqueville 1986, S. 484.

16 Vgl. Herb und Hidalgo 2005 32ff; vgl. Hereth 2001, S. 30f.

17 Vgl. Herb und Hidalgo 2005, S. 34f.

18 Tocqueville 1986, S. 269.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Freiheit und Demokratie im Denken des Alexis de Tocqueville
Hochschule
Frankfurt School of Finance & Management
Veranstaltung
Seminar: Freiheit und Demokratie
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
9
Katalognummer
V191893
ISBN (eBook)
9783656166924
ISBN (Buch)
9783656166887
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
freiheit, demokratie, denken, alexis, tocqueville
Arbeit zitieren
Dustin Lochead (Autor), 2012, Freiheit und Demokratie im Denken des Alexis de Tocqueville, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191893

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