§ 16 Die am innerweltlich Seienden sich meldende Weltmäßigkeit der Umwelt aus Martin Heideggers "Sein und Zeit"


Essay, 2011

7 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

§ 16 Die am innerweltlich Seienden sich meldende Weltmäßigkeit der Umwelt

aus Martin Heideggers Sein und Zeit

Qua Zerlegung der Überschrift des Paragraphen 16 keimen zwei Fragestellungen auf. Die erste behandelt das, was als innerweltlich Seiendes nach Heidegger zu verstehen ist. Was innerweltlich Seiendes ist, wird in Paragraph 15 ausgiebig behandelt. Ein kurzer Rückgriff auf diesen Abschnitt ist dennoch zu vollziehen. Heidegger hat in §15 herausgearbeitet, dass das Dasein wesentlich In-der-Welt-sein ist. Und dieses In-der-Welt-sein vollzieht sich zunächst im Umgang mit dem innerweltlich Seienden. Dieser Umgang kann verschiedenartig gestaltet werden, deshalb spricht Heidegger von den Weisen des Besorgens.[1] Doch Umgang hat das Dasein nicht einfach mit den „Dingen“, die es in der Welt gibt. Sondern lehnt Heidegger die Festsetzung innerweltlich Seiendes als bloßes „Ding“ ab, zumal es seiner zugrundeliegenden Methode, der Phänomenologie, die er im Paragraphen 7 vorgestellt hat, nicht gerecht wird. Aus diesem Grund separiert Heidegger die „Dinge“ in zwei Termini, in Vorhandenheit und Zuhandenheit. Letzterer Terminus thematisiert die Zuhandenheit nicht als ein „Ding“, sondern als etwas mit dem es hantiert. Heidegger verweist auf den Hammer, mit dem umgegangen, bzw. hantiert wird. In seiner Funktion ist der Hammer nicht als Ding gegeben, sondern vielmehr in der Weise, wie das Dasein darauf bezogen ist, sprich wenn es mit ihm Nägel in die Wand hämmern möchte. Dieser Hammer, mit dem umgegangen wird, stellt ein Zeug dar, das wiederum in einem Zeugganzen eingebunden ist.[2] Man könnte auch hier von einem Zeugzusammenhang, bzw. Praxiszusammenhang sprechen.[3] Wichtig an diesem Punkt ist, dass das Zeug nur im Zeugzusammenhang vorkommen kann, da ein Zeug streng genommen nie „ist“.[4] Somit ist ein Zeug, das in einem Zeugzusammenhang eingebunden ist, „[...] immer etwas, das man braucht, um etwas anderes damit zu machen.“[5] An den Worten „um“ und „zu“ des letzten Zitates, wird das Erbe Husserls, die Intentionalität, deutlich.

Ohne auf diesen Aspekt weiter einzugehen, bleibt noch die Klärung der Vorhandenheit aus. Jene kann nur etwas sein, was nicht in einem Zeugzusammenhang steht und folglich nicht etwas, mit dem umgegangen wird. Sobald der Hammer jedoch thematisiert wird, fällt er

aus dem Gebrauch heraus. Dieses Herausfallen, vielmehr diese Isolation aus dem Zeugzusammenhang, die eine Eliminierung des Verweisungscharakters des Zeugs beinhaltet, legt das Wesen der Heideggerischen Vorhandenheit frei. Auf die Frage, wie die Vorhandenheit sich zur Zuhandenheit verhält, gibt Heidegger eine klare Antwort,: Zuhandenheit gibt es nur auf der Grundlage der Vorhandenheit.[6] Dieses Verhältnis zwischen Zuhandenheit und Vorhandenheit spiegelt die Abneigung Heideggers gegenüber der klassischen Ontologie, die nach Seiendem in Form von Vorhandenheit fragt) wieder.[7] Denn Vorhandenheit ist nichts anderes als reine Abstraktion von der Zuhandenheit.

Die Klärung des Terminus innerweltlich Seiendes ist somit vollständig und es folgt die zweite Fragestellung, was es bedeutet, dass eine Weltmäßigkeit der Umwelt sich am innerweltlich Seienden meldet. Einen Einstieg in diese Frage wird durch die Fragestellung Heideggers, „wie »gibt es» Welt?“[8], nachdem er Welt selbst nicht als ein innerweltlich Seiendes versteht, gewährleistet. Hier setzt Heidegger ein Verständnis von Welt an, das auf die Formulierung „die Welt gibt sich und sie ist eben nicht“ runter gebrochen werden kann.[9] Mit einer solcher Formulierung ist praktisch eine ontologische Differenz von Welt und innerweltlich Seienden angezeigt, da die Zusammenfügung des innerweltlich Seienden in seiner Summe nicht die Welt ergibt.[10] Somit kann nicht gesagt werden, Zeug in der Summe bilde die Welt, sondern die Welt muss etwas anderes bedeuten, als das innerweltlich Seiende. Und um diese Unterscheidung geht es Heidegger: Führt überhaupt vom Sein dieses Seienden, des innerweltlich Seienden, ein Weg zur Aufweisung des Weltphänomens? Ja, und zwar findet sich die Antwort andeutungsweise in Paragraph 15, der auf die phänomenologische Sichtbarkeit des Weltphänomens durch den Begriff der Zuhandenheit bereits anspielt. Nebenbei wird durch die Beantwortung dieser Frage deutlich, was mit der Einsicht der Zeughaftigkeit des Zeugs und des Verweisungszusammenhangs des Zeugganzen für das ontologische Verständnis des Weltphänomens gewonnen ist.

Bevor auf die Frage » wie gelangt man von der Zuhandenheit zum Weltphänomen? « eingegangen wird, muss zuerst ein wenig mehr Vorarbeit geleistet werden. Wie bereits erwähnt, konstituiert sich das Weltphänomen nicht durch die Summe des Zeugs und auch nicht durch den Zeugzusammenhang. Aber damit sich der Zeugzusammenhang überhaupt zeigen kann, muss die Welt in ihrer welthaften Verweisungsganzheit im Vorhinein aufgeschlossen sein. Es muss also schon Welt in irgendeiner Form aufgeschlossen sein, sonst könnte das Dasein nicht Zuhandenem begegnen.[11]

[...]


[1] Vgl. Heidegger 1967, S. 67

[2] Vgl. ebd., S.68

[3] Vgl. Luckner 2001, S.41

[4] Vgl. Heidegger 1967, S. 68

[5] Luckner 2001, S. 41

[6] Vgl. Heidegger 1967, S. 71

[7] Vgl. ebd., §3

[8] Vgl. ebd, S. 72

[9] In Paragraph 14 hat Heidegger die verschiedenen (vorläufigen) Formen von „Welt“ erläutert. Er hat dort im Durchgang (vgl. Heidegger 1967, S. 66) der ontologischen Interpretation des nächstgelegenden innerweltlich Seienden die Umweltlichkeit der Umwelt und die Weltlichkeit der Welt gesucht.

[10] Dem Welt-Begriff hatte sich Heidegger schon im Paragraphen 14 gewidmet, indem er jenen aber aber nicht darstellte, als das was er ist, sondern das was die Welt tut. Deshalb ist Welt nicht objektivistisch erfasst, sondern als Moment, bzw. Struktur des Daseins selbst. (Vgl Luckner S. 37)

[11] Das genaue Verständnis, was die Weltlichkeit der Welt als existenzialontologische Struktur ist, wird erst im §18 bestimmt. In dem §17 nimmt Heidegger noch einmal einen Durchgang zu Zeichen und Bedeutung von diesen Verweisungen, der §16 ist ein Zwischenschritt, der beschreibt, dass es die Welt gibt, sie leuchtet auf, ist aber eigentlich noch nicht ganz verstanden.

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Details

Titel
§ 16 Die am innerweltlich Seienden sich meldende Weltmäßigkeit der Umwelt aus Martin Heideggers "Sein und Zeit"
Hochschule
Universität Kassel  (Philosophie)
Veranstaltung
Sein und Zeit
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
7
Katalognummer
V191976
ISBN (eBook)
9783656168898
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
seienden, weltmäßigkeit, umwelt, martin, heideggers, sein, zeit
Arbeit zitieren
Sebastian Schneider (Autor:in), 2011, § 16 Die am innerweltlich Seienden sich meldende Weltmäßigkeit der Umwelt aus Martin Heideggers "Sein und Zeit", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191976

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