Die Gründung der Universität Neapel durch Friedrich II. - das „gepflanzte“ schulische Abbild eines modernen Herrschers


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

19 Seiten, Note: 1,00


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A) Vorwort

B) Die Staatsuniversität Neapel – die staufisch geprägte Bildungseinrichtung
I) Das Wesen des ‚ stupor mundi ’ – prägende Elemente und Beweggründe
II) Die Anfänge einer neuen Ära – Universitätsleben zwischen Freiheiten und Vorgaben
III) Bildungspolitische Macht im Reich – das akademische Monopol Neapels.
IV) Università degli Studi di Napoli - Federico II – das moderne Erbe der staufischen Bildungspolitik

C) Anhang

D) Bild-/ Quellen- u. Literaturverzeichnis

A) Vorwort

In der heutigen globalen Welt ist es mittlerweile eine Selbstverständlichkeit, sich nach erfolgreichem Abschluss der einzelnen Schulstufen wie der Grundschule, dann womöglich über die Realschule hin zum Gymnasium mit bestandenen Abitur sich zu überlegen, ob man die restliche Strecke einer akademischen Laufbahn zurücklegt oder nicht. Es stehen einem unzählige Möglichkeiten offen: Jurist, Mediziner, Lehrer, Künstler, die Liste ist fast endlos. Das Angebot der Universitäten hat sich im Laufe von gut 800 Jahren so weit entwickelt und doch gewisse Kernelemente erhalten, dass es ein sehr interessanter Verlauf gewesen ist, von den ersten Anfängen in Cambridge, Salamanca und Paris bis hin zu den heutigen Elite-Institutionen Harvard, Yale und Oxford.

Natürlich war solch eine lange Phase der Entwicklung und des Voranschreitens nicht eine geradlinige Sache ohne Höhen und Tiefen. Bildungsinstitutionen, klein und groß, haben im Laufe der Geschichte an Ansehen gewonnen, Inhalte eingebüßt, wurden als politisch-propagandistisches Werkzeug missbraucht oder haben auch vorbildliche Vertreter der gebildeten Menschheit hervorgebracht. Hier stellt sich auch die Frage, in welchem Rahmen denn die Verantwortung einer solch immensen Aufgabe, also der Bildung, sich übertragen bzw. verschoben hat. Es hat nicht schon immer ein Bildungs- bzw. ein Kultusministerium gegeben, wo all solche Entscheidungen von den gewählten Vertretern des Volkes gefällt werden. Dreht man das Rad der Zeit zurück, so erkennt man, dass die Aufgabe der (Aus)Bildung schon damals ebenso wie heute eine Sache der Finanzierung ist. Und wenn man sich mögliche große Quellen für Reichtum und Wohlstand noch vor dem bekannten Schulgeld oder dem Bildungsetat vor Augen führt, so wird einem womöglich eine mächtige Institution einfallen, die schon immer einen essentiellen Beitrag zur Bildung und geistigen Entwicklung beigetragen hat, nämlich die Kirche. Das heute selbstverständliche Handwerk wie Lesen und Schreiben hielten die Geistlichen besonders zur Zeit des Mittelalters wie eine Art „Monopol“ inne; „von der Wiege bis zur Bare“ waren sie an der Seite der Menschen, ihnen diese Fähigkeiten beizubringen. Allerdings darf man hier nicht außer Acht lassen, dass besonders zu dieser Zeit ein Faktor nicht unwesentlich zu einem Ungleichgewicht beitrug, das auch heute leider noch erkennbar ist, wenn auch in etwas abgewandelter Form: der Grad des Wohlstandes bestimmt die Zulassung zur Bildung. Waren es im Altertum die Söhne und Töchter der Politiker, Militär- und Wirtschaftsvertreter, so waren es ebenso im Mittelalter die Sprösslinge des Adels und der Höhergestellten im Reich.

Unglücklicherweise hatte es eine lange Zeit gedauert, bis diese unausgewogene Verteilung des Privilegs der Bildung mehrere und letztlich alle Schichten der Bevölkerung erreichte, damals in Form von kompletten Ausschluss solcher Kinder, heute in Form von teuren und auch elitären Privatschulen. Wie bereits erwähnt hat sich diese Kluft im Laufe der Zeit schrittweise, in unterschiedlichen Schüben, doch positiv verändert. Aber in Zeiten des Mittelalters ging es nicht vorrangig um die gerechte Verteilung des Bildungsgutes, sondern spezifischer um die eigentliche Machtkomponente hinter dem Konzept der Bildung. Eine damals wie heute gültige Aussage ist „Wissen ist Macht“. Wer das Denken in der Hand hält, muss keine andere Sache fürchten, zumindest nicht in den damaligen Zeiten. Indem also beispielsweise die Kirche das Erlernen von Lesen und Schreiben „kontrollieren“ und lenken konnte, war man in der Lage, einen sehr erlesenen Kreis auszubilden, natürlich ganz im Dienste Gottes, und somit auch der früh- bis spätmittelalterlichen Welt in Europa.

Man darf jedoch nicht die im Laufe der Zeit entstehenden Universitäten in Westeuropa als gegenläufige Entwicklung sehen. Der Einfluss der Kirche war ohne Frage sehr präsent, aber nicht in aller Herren Länder. Viele solche neu gegründete Bildungsstätten waren sowohl von Seiten der Kirche, also des Papstes, aber auch von Seiten des jeweiligen weltlichen Herrschers beeinflusst und geprägt. Es ist eben nun eine Zeit der Gründungen solcher Einrichtungen, die nicht mehr nur auf klerikaler Basis beruhen, sondern auch auf das Zusammenschließen von kleinen Fakultäten, geleitet von wenigen Gelehrten für noch weniger vorhandenen adligen Studenten. Mit der Zeit aber etablierten sich viele dieser Einrichtungen, meist beruhend auf ihre jeweilige spezifische Ausrichtungen, wie beispielsweise die Rechtsschule zu Bologna oder die Medizinschule in Salerno.

Aber selbst das bisherige „Bildungsmonopol“ der Kirche sollte nicht ewig bestehen bzw. unanfechtbar sein. Es war eher eine Seltenheit, sich in den wesentlichen Bereichen mit der Position der Kirche anzulegen, geschweige denn offen dagegen zu stehen. Jedoch gab es einen mittelalterlichen Herrscher, der es seine gesamte Regentschaft hindurch gewohnt war die Kurie in Rom als schwierigen Verhandlungspartner und auch als ebenbürtigen Gegner zu erleben. Die Rede ist von Friedrich II. von Hohenstaufen, dem römisch-deutschen Kaiser (siehe Abbildung unten). Nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch in den Vorlesungssälen und Lehrräumen war der moderne, hochgebildete Mann bereit, seinen Willen durchzusetzen. Mit der Gründung der Universität Neapel im Jahre 1224 ist ihm dies mehr oder weniger gelungen. Dies soll nun anhand von der Persönlichkeit Friedrichs, der Gründungsüberlieferung der Universität und der genaueren Beleuchtung der Organisation, Aufbau und Absicht dieser Bildungseinrichtung im Folgenden geschehen.

B) Die Staatsuniversität Neapel – die staufisch geprägte Bildungseinrichtung

I) Das Wesen des ‚ stupor mundi ’ – prägende Elemente und Beweggründe

Verschiedene prägnante Bilder bleiben in unseren Köpfen verankert hinsichtlich unserer gewählten Vertreter, auch außerhalb der politischen Arena: Winston Churchill war leidenschaftlicher Maler, Konrad Adenauer widmete sich der Schönheit und Eleganz der Rosen, und Helmut Schmidt und Bill Clinton ließen uns an der Freude der Musik teilhaben. Eigene geistige Beschäftigung, oft in solch künstlerischem Sinne neben dem verantwortungsvollen Beruf ist schon lange keine Seltenheit mehr. Aber selbst wenn man wieder an das Mittelalter denkt, so kommt einem ein vielseitig interessierter und gebildeter Herrscher nicht wirklich typisch vor. Es ist eher der Fall gewesen, dass für die wichtigen Angelegenheiten wie das Verfassen und Verlesen von gewissen Texten eigentlich bestimmte Leute am Hof dafür vorgesehen wurden. Daher musste der jeweilige Herrscher nur in der Lage sein, sein Zeichen unter das Dokument zu setzen, und schon waren die bildungstechnischen Formalitäten geklärt. Bei Sachfragen wandte er sich natürlich an seinen Stab, wie es auch heute noch der Fall ist; man muss sich nur an den vor kurzem scheidenden amerikanischen Präsidenten erinnern. Selbst in dieser Hinsicht war der Staufer Friedrich II. eine große bedeutende Ausnahme. Gewiss, es gab „dichtende Monarchen und Mäzenen aller Künste“, aber Friedrich verband sein in jungen Jahren erworbenes Wissen geschickt später mit seinem Herrscheramt.[1] Hauptsächlich wurde seine sehr breite Sprachkenntnis bewundert: das Griechische und Arabische hat er sich schon als junger Knabe angeeignet, hinzu kam noch Latein, selbst Provençalisch, Hebräisch und Deutsch werden genannt.[2] Nicht nur die Überlegenheit im sprachlichen Bereich hob ihn von anderen Herrschern seiner Zeit ab. Neben dem starken Interesse und der Fertigkeiten in Bereichen wie der Mathematik, Rhetorik galt sein Interesse ebenso der Tierwelt, die er sowohl im Rahmen der Wissenschaft, der Beobachtung, aber auch im Sinne einer gewissen herrschaftlichen Selbstdarstellung einsetzen konnte, wenn man an das Erscheinen von exotischen Tieren wie Dromedare, Elefanten, Leoparden, Luchse und Löwen denkt.[3] Allerdings galt einer besonderen Tierart womöglich Friedrichs größtes Interesse, und zwar den Vögeln, genauer gesagt den Falken.

Seine Jagdleidenschaft, die er passioniert mit solchen eleganten und teuren Vögeln betrieb, ist die Quelle für dieses Interesse.

Wie so oft war diese Beschäftigung für den Staufer nicht nur eine Freizeitaktivität oder höfisches Statussymbol, sondern tatsächlich auch Wissenschaft. Die Verbindung der Praxis, also der „Arbeit“ mit den Vögeln und die dabei festgehaltenen und beobachteten Ergebnisse wurden von Friedrich II. in einem der heute noch wichtigsten und angesehensten zoologischen Schriftwerke festgehalten: ‚ De arte venandi cum avibus ’, „Über die Kunst mit Vögeln zu jagen“ (siehe Abbildung).[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ebenso wie in literarischen und wissenschaftlichen Gebieten hinterließ er auch einige architektonische Besonderheiten, die heute noch Eindruck auf unsere Sinne machen, meist gepaart aus künstlerischem Ideal mit geometrischer Harmonie Das wohl berühmteste Exemplar hierfür bietet das in Apulien gelegene castrum Sancta Maria de Monte, also das Castel del Monte.

[...]


[1] Vgl. Sibylle, E. / Rösch, G.: Kaiser Friedrich II. und sein Königreich Sizilien. Sigmaringen 1995. S.134.

[2] Vgl. Cohn, Willy: Das Zeitalter der Hohenstaufen in Italien. Ein Beitrag zur Entstehung des modernen Beamtenstaates. Breslau 1925. S. 227.

[3] Vgl. Sibylle / Rösch, S. 136.

[4] Vgl. Houben, Hubert: Kaiser Friedrich II. (1194-1250). Herrscher, Mensch und Mythos. Stuttgart 2008. S.140f.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Gründung der Universität Neapel durch Friedrich II. - das „gepflanzte“ schulische Abbild eines modernen Herrschers
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Veranstaltung
Hauptseminar Mittelalterliche Geschichte "Bildung im Mittelalter"
Note
1,00
Autor
Jahr
2009
Seiten
19
Katalognummer
V192014
ISBN (eBook)
9783656168805
ISBN (Buch)
9783656169215
Dateigröße
2695 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mittelalter, Geschichte, Friedrich II., Neapel, Universität, Bildung, Italien, Gründung
Arbeit zitieren
Jerry Paramo (Autor), 2009, Die Gründung der Universität Neapel durch Friedrich II. - das „gepflanzte“ schulische Abbild eines modernen Herrschers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192014

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