"Alice in den Städten" von Wim Wenders - der neue deutsche Film

Eine bildästhetische und inhaltliche Analyse der Selbstentfremdung und anschließenden Selbstfindung des Protagonisten Philipp Winter


Hausarbeit, 2009
19 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II Philipps Selbstentfremdung auf seiner Reise durch Amerika
II.1 Philipps Einführung
II.2 Philipps Selbstentfremdung aufgrund seiner Besessenheit, Fotos zu machen
II.3 Philipps Selbstentfremdung aufgrund seiner Reise und des Fernsehens

III Philipps Annäherung an Alice
III.1 Philipps und Alices Treffen
III.2 Alices klare Sicht auf die Realität wirkt auf Philipp ein
III.3 Philipps zunehmende Annäherung an Alice

IV Philipp und Alice in Deutschland - auf der Suche nach Alices Familie und nach Philipps Selbstgefühl

V Fazit

VI Filmographische Angaben

VII Literaturverzeichnis
VII.1 Literatur
VII.2 Internet

I Einleitung

„Ich hab mich völlig verrannt, das war eine grauenhafte Reise. Von dem Moment an, wo man aus New York rausfährt, verändert sich nichts mehr - sieht alles gleich aus, dass man sich nichts mehr vorstellen kann - dass man sich vor allem keine Veränderung mehr vorstellen kann. Ich bin mir selbst fremd geworden“, gibt der Protagonist von Wim Wenders Roadmovie Alice in den Städten zu, als er eine Freundin besucht.1 Rüdiger Vogler spielt den deutschen Journalisten Philip Winter, der eine Reise durch die USA unternimmt, um eine Geschichte im Auftrag seines Verlegers zu schreiben. Währenddessen aber verliert er sein Selbstgefühl, ihm ist, wie er seiner Freundin gesteht, „Hören und Sehen vergangen“.2 Als er den Flug zurück in die Heimat buchen will, trifft er zufällig auf das junge Mädchen Alice, das ihm durch ihre kindliche Unbefangenheit, „her uncomplicated understanding of things and her simplicity of vision“3 unbewusst hilft, wieder zu sich selbst zu finden. Wie im Film die Selbstentfremdung des Protagonisten und der Prozess seiner Selbstfindung im Bild zum Ausdruck gebracht wird und inhaltlich thematisiert wird, soll im Folgenden analysiert und interpretiert werden.

Der 110 Minuten lange Schwarzweißfilm, der 1974 in Deutschland und Amerika gedreht wurde4, lässt sich in zwei bzw. drei Abschnitte unterteilen. Bei einer Zweiteilung wird unterschieden zwischen der Zeit, die Philipp ohne Alice und später mit Alice verbringt, sodass die Grenze der Abschnitte in der siebzehnten Minute des Films gezogen werden muss, wenn Philipp und Alice in der Drehtür am Flughafen aufeinandertreffen. Es besteht aber auch die Möglichkeit, den zweiten Abschnitt nochmals in zwei Hälften aufzuteilen. Auf diese Weise thematisiert der allererste Teil bis zur genannten Grenze weiterhin Philipps Selbstentfremdung in Amerika, in der Alice noch keine Rolle spielt, während der zweite Abschnitt die Reise von New York über Amsterdam nach Deutschland umfasst und der Annäherung der beiden dient. Nach einer Stunde Film beginnt der dritte Teil, wenn die beiden in Deutschland eintreffen und die Suche nach einem Heim für Alice aufnehmen, die für Philipp gleichzeitig zur Suche nach seinem eigenen Ich wird. Um diese wesentlichen Schritte in Philipps Persönlichkeits- entwicklung zu veranschaulichen, ist die folgende Analyse in die drei Abschnitte des Films unterteilt, wobei sie sich vor allem auf den ersten Teil konzentrieren wird.

II Philipps Selbstentfremdung auf seiner Reise durch Amerika

II.1 Philipps Einführung

Die Anfangseinstellung zeigt ein in den Himmel aufsteigendes Flugzeug in einer extremen Totalen, welches von der Kamera langsam verfolgt wird. Es wird von schräg unten gefilmt und bleibt solange ungefähr mittig im Bild bis die tragende, melancholische Filmmusik einsetzt. Nachdem die Schriftzüge Alice in den Städten und ein Film von Wim Wenders verschwunden sind, schwenkt die Kamera langsam auf einen menschenleeren Strand. Mehr als 50 Sekunden vergehen bis zum ersten Schnitt, der nun ein Boardwalk in einer Halbtotalen am Strand zeigt. Auch die folgenden Einstellungen des Films erscheinen dem Zuschauer gedehnt und ruhig, sowie auch die Handlung nicht auf Action basiert, sondern auf der Darstellung der Probleme des Protagonisten Philipp Winter. Diese spielen sich hauptsächlich in seinem Inneren ab und werden nur selten offenkundig sichtbar dargestellt wie zum Beispiel im Gespräch mit seiner Freundin in New York. Besonders während des ersten Teils, aber auch im zweiten, als er zu Alice Mutter sagt, er sei nicht sehr unterhaltsam5, erscheint er als wortkarger Mensch. Sein Wesen wird bereits durch die Einführung seiner Person in der zweiten Einstellung des Filmes sichtbar, sitzt er doch allein am Meer versteckt unter einem Boardwalk und macht Fotos vom menschenleeren Strand. Er wirkt verloren und klein in der weitläufigen Umgebung, was durch die bildästhetische Hinführung zu seiner Person hervorgehoben wird. Die extreme Totale zu Beginn des Films zeigt den unendlich weiten Himmel, in dem das Flugzeug unbedeutend klein erscheint. Durch den Schwenk verkleinert sich der Bildausschnitt zu einer Totalen, die auf das bis zum Horizont reichende Meer gerichtet ist. Nun wechselt die Position der Kamera, die das Boardwalk in einer Halbtotalen zeigt, das durch seine Tiefendimension ebenfalls die Weitläufigkeit des Strandes verdeutlicht. Durch die Bewegung der Kamera verkleinert sich der Bildausschnitt erneut, bis er in einer Halbnahen Philipp zeigt. Hier findet eine Hinführung zum Protagonisten durch die Verkleinerung des Bildausschnitts und die Bewegung der Kamera statt, die seine Verlorenheit in der Welt ausdrücken, dessen Größe und Weitläufigkeit durch den Blick in den Himmel, aufs Meer und aufs Land hervorgehoben wird. Die melancholische Musik und Wenders Wahl, den Film in schwarzweiß zu drehen, unterstreichen das triste Befinden des Protagonisten. Hinzu kommt Philipp Winters Sitzposition, in der er dem Zuschauer zum ersten Mal vorgeführt wird. Versteckt lehnt er allein an einem Pfosten des Boardwalks, wodurch das Bild eng und klein im Vergleich zur vorher dargestellten Weite der Umgebung wirkt.

[...]


1 00.22.59 - 00.23.19 Min.

2 00.23.50 - 00.23.53 Min.

3 Graf, A.: the cinema of WIM WENDERS. The celluloid highway, London 2002, S. 86.

4 Rost, A.: Alice in den Städten, in: Töteberg, M. (Hrsg.): Metzler Filmlexikon, Stuttgart/Weimar 1995, S. 17.

5 00.20.00 - 00.20.05 Min.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
"Alice in den Städten" von Wim Wenders - der neue deutsche Film
Untertitel
Eine bildästhetische und inhaltliche Analyse der Selbstentfremdung und anschließenden Selbstfindung des Protagonisten Philipp Winter
Hochschule
Universität Konstanz
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
19
Katalognummer
V192042
ISBN (eBook)
9783656168775
ISBN (Buch)
9783656168713
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alice in den Städten, Wim Wenders, der neue deutsche Film, Amerika, Alice, Selbstentfremdung, Film, Sicht auf Realität, Selbstfindung
Arbeit zitieren
Elisabeth Yorck (Autor), 2009, "Alice in den Städten" von Wim Wenders - der neue deutsche Film, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192042

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