Mittelalterliche Literatur erscheint dem Leser manchmal sehr fantastisch und märchenhaft. Historisch intendierte Epen enthalten Szenen, in denen unvermittelt Drachen, Meerjungfrauen und andere Fabelwesen auftauchen. Inwieweit dieser Unrealismus mit der mittelalterlichen Gedankenwelt zusammenhängt, will diese Hausarbeit zu erklären versuchen. Ein anderer Themenkomplex sind Utensilien der Helden, exemplarisch hierfür: Schwerter und Pferde. Aus gegebenem Anlass sollen hierbei besonders die historischen Dietrichepen „Dietrichflucht“ und „Rabenschlacht“ berücksichtigt werden. Ferner soll ein Exkurs zur Legende des sogenannten Roten Ritters gemacht werden, da sich im vorliegenden Text eine Anspielung auf diese Figur findet. Außerdem sollen intertextuelle Bezüge zu anderen Dichtungen des Mittelalters hergestellt werden, um die Vernetzung durch gleiche Elemente innerhalb verschiedener Texte zu zeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Drachen
2.1 Realität und Bedeutung
2.2 Intertextualität
3. Die „merminne“
3.1 Episode und Begründung
3.2 Intertextualität
4. Zwerge
5. Schwerter und Pferde
5.1 Das Schwert Balmunc oder Palmunc
5.2 Das Schwert Mimunge
5.3 Die Pferde Schemming und Valke
6. Exkurs: Legende vom Roten Ritter
7. Schlußwort
Zielsetzung und Themen
Die Hausarbeit untersucht die Funktion und Bedeutung fantastischer Elemente wie Fabelwesen sowie ritterlicher Utensilien in der historischen Dietrichepik. Dabei wird analysiert, wie diese Elemente in den mittelalterlichen Glaubens- und Wissenshorizont eingebettet sind und durch intertextuelle Bezüge eine Vernetzung der literarischen Texte erzeugen.
- Rolle von Fabelwesen wie Drachen und Meerjungfrauen in der Dietrichepik.
- Bedeutung von Schwert- und Pferdenamen sowie deren Symbolik für die Helden.
- Intertextuelle Vernetzung zwischen Dietrichepik und anderen mittelalterlichen Dichtungen.
- Der Einfluss von religiösen Weltbildern (Bibel) auf die Wahrnehmung des Unrealistischen.
- Vergleichende Analyse der Motive innerhalb der Epen „Dietrichs Flucht“ und „Rabenschlacht“.
Auszug aus dem Buch
2.1 Realität und Bedeutung
In der mittelalterlichen Literatur kommen nahezu überall Drachen oder sogenannte Lindwürmer vor. Das allein ist nicht sehr verwunderlich, aber tauchen sie dort nicht in einem märchenhaften Kontext auf, sondern in einer durchaus realistisch gemeinten Schilderung der Welt. Wie ist es möglich, dass wie selbstverständlich Drachen auftreten, wenn doch auch die Menschen des Mittelalters sich bewusst gewesen sein müssten, in ihrem eigenen Leben noch nie wahrhaftig einen Drachen gesehen zu haben, und somit selbst keinen Beweis für seine Existenz hatten. Und doch konsumierten sie durch Lesen oder Hören die Drachenepisoden neben ‚normalen’, also in der Realität durchaus möglichen Abenteuern, wie gefährliche Seefahrten oder Heereskämpfe, was daraufhin weist, dass die keinen Unterschied in Bezug auf die Möglichkeit oder Unmöglichkeit dieser Episoden gemacht haben.
Auch in der Dietrichepik kommen Drachen vor, in der Genealogie von „Dietrichs Flucht“ aus dem Ende des 13. Jahrhunderts muss Dietwart, ein Urahn Dietrichs, gegen ein solches Ungeheuer kämpfen, welches ihm auf seiner Reise zur zukünftigen Frau begegnet:
in der zît dô lief dort her/ ein wurm ungehiuwer,
dem vuor wildez viuwer/ ûz ze sînem munde […]
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Thematik hinsichtlich der fantastischen Elemente und ritterlichen Utensilien in der Dietrichepik sowie die geplante intertextuelle Untersuchung.
2. Drachen: Analyse der Darstellung von Drachen als reale Bedrohung und ihre psychologische sowie literarische Funktion im Kontext des mittelalterlichen Weltbildes.
3. Die „merminne“: Untersuchung der Meerjungfrau-Episode in der „Rabenschlacht“ und Erörterung des mittelalterlichen Verhältnisses zum unbekannten Lebensraum Meer.
4. Zwerge: Betrachtung des Zwergenbildes in der mittelalterlichen Dichtung am Beispiel von „König Laurin“ und dem Nibelungenlied.
5. Schwerter und Pferde: Untersuchung der Bedeutung und Herkunft der Waffen Balmunc, Mimunge sowie der Pferde Schemming und Valke für die Identität der Helden.
6. Exkurs: Legende vom Roten Ritter: Deutung der Figur des blutroten Reckens als Anspielung auf Parzival und Einordnung in den ritterlichen Kontext.
7. Schlußwort: Zusammenfassung der Erkenntnisse über die Bedeutung mündlicher Überlieferung und intertextueller Bezüge für die mittelalterliche Literatur.
Schlüsselwörter
Dietrichepik, Drachen, Meerjungfrauen, Zwerge, Mittelalter, Intertextualität, Rabenschlacht, Dietrichs Flucht, Mythologie, Fabelwesen, Ritter, Nibelungenlied, Literaturwissenschaft, Heldenepos, Symbolik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Integration fantastischer Wesen und ritterlicher Ausrüstungsgegenstände in den als historisch intendierten Epen der Dietrichepik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse von Drachen, Nixen (Meerjungfrauen), Zwergen sowie der symbolischen Bedeutung von Schwertern und Pferden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu erklären, wie unrealistische Elemente mit dem mittelalterlichen Gedankenhorizont vereinbar waren und wie intertextuelle Bezüge die Vernetzung der Texte stützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine textnahe Analyse der Epen „Dietrichs Flucht“ und „Rabenschlacht“ unter Einbeziehung literaturwissenschaftlicher und mediävistischer Quellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zu Fabelwesen, den Hintergründen ritterlicher Utensilien und einem Exkurs zum Motiv des „Roten Ritters“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Dietrichepik, Intertextualität, Mythos und ritterliche Symbolik charakterisieren.
Wie erklären die Autoren das Auftreten von Drachen im Mittelalter?
Das Auftreten wird primär durch den unumstößlichen Glauben an die Bibel begründet, in der Drachen als real existierende Wesen beschrieben wurden.
Welche Funktion hat die Figur des Roten Ritters in der „Rabenschlacht“?
Die Figur fungiert als intertextuelle Anspielung auf Parzival, um den Ruhm und die Verbindung des Helden Dietrich zu anderen ritterlichen Traditionen zu unterstreichen.
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- Caroline Dorn (Author), 2003, Fabelwesen, Legenden und Utensilien der Ritter in der historischen Dietrichepik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19206