Mindfuck-Filme im Vergleich

Ein Vergleich der unzuverlässigen und manipulativen Erzählung in den Filmen "Fight Club" und "A Beautiful Mind "


Hausarbeit, 2010

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II Synopsis
11.1 Fight Club
11.2 A Beautiful Mind

III Umgang mit der unzuverlässigen Erzählung in Fight Club
111.1 Hinweise mittels Widersprüchen und anderen Anzeichen
111.2 Hinweise mittels Selbstreferentialität

IV Umgang mit der unzuverlässigen Erzählung in A Beautiful Mind

V Vergleich der unzuverlässigen Erzählung beider Filme

VI Fazit

VII Filmographische Angaben:
VII.1 FightClub
VII. 2 A Beautiful Mind

VIII Literaturverzeichnis
VIII. 1 Bücher
VIII.2 Internet

I Einleitung

Mindfuck, ein vorwiegend in der Umgangssprache verwendeter Ausdruck, bezeichnet Filme, welche die Wahrnehmung des Zuschauers durch bestimmte Techniken täuschen oder manipulieren. Zu den Methoden gehört die unzuverlässige Erzählung, bei deren Verwendung Aussagen oder Teile der erzählten Welt nicht der Wahrheit entsprechen müssen. Dem Zuschauer wird meist durch einen homodiegetischen Erzähler eine Realität vorgetäuscht, die sich später durch einen Twist, eine unvorhergesehene Wendung der Handlung, als falsch herausstellt.1 Bei den Filmen Fight Club und A Beautiful Mind handelt es sich um Mindfuck- Filme, die den Zuschauern die Wahrnehmung ihrer geisteskranken Protagonisten als Realität vorführen. Durch diverse Anzeichen, die der Zuschauer beim erstmaligen Schauen aber kaum wahrnimmt, wird bei beiden Filmen auf die Manipulation des Publikums hingewiesen. Erst später, wenn sich die Anzeichen häufen, realisieren sowohl die Filmfiguren als auch die Zuschauer, dass sie Wahnvorstellungen als real empfunden haben.

Im Folgenden soll der Umgang mit der unzuverlässigen Erzählung in den Filmen Fight Club und A Beautiful Mind untersucht und anschließend miteinander verglichen werden.

II Synopsis

II.1 Fight Club

Der namenlose Protagonist des Films Fight Club ist ein frustrierter Versicherungsangestellter, der unter Schlafstörungen leidet. Durch seine Teilnahme an verschiedenen Selbsthilfegruppen für schwer Erkrankte, deren Leiden er selbst nicht teilt, bekämpft er erfolgreich seine chronische Schlaflosigkeit. Als er jedoch Marla Singer begegnet, die wie er als Elendstouristin an den Gruppen teilnimmt und daher seine Lüge durchschaut, wird er erneut von Schlafstörungen geplagt. In diesem Zustand trifft er während einer Dienstreise auf den extravaganten Tyler Durden. Nachdem er bei seiner Rückreise feststellen musste, dass sein Appartement explodiert ist, zieht er zu Tyler in ein heruntergekommenes Haus. Zuvor aber wird er von Tyler aufgefordert, ihn hinter einer Kneipe zu schlagen.

Je öfter sie gegeneinander kämpfen, desto mehr Zuschauer finden sich ein, mit denen sie schließlich den Fight Club gründen. Rasch findet die geheime Organisation, in der jeweils zwei Männer ohne Waffen gegeneinander kämpfen, während die anderen Mitglieder diese anfeuern, immer mehr Anhänger und verbreitet sich in vielen Städten der USA. Der Protagonist passt sich inzwischen immer mehr Tylers unkonventionellen Leben an, während dieser ein Verhältnis mit Marla Singer begonnen hat und sich immer merkwürdiger verhält. Ohne dass es der Protagonist weiß, hat Tyler aus dem Fight Club eine terroristische Untergrundbewegung entwickelt, die unter dem Projektnamen Chaos gegen die kapitalistische Gesellschaft Anschläge verübt. Als er plötzlich verschwindet, geht der Protagonist auf die Suche nach ihm, die zu der Erkenntnis führt, dass Tyler sein Alter Ego ist und somit nur für ihn selbst existiert. Ein von Tyler initiierter Sprengstoffanschlag auf mehrere große Finanzgebäude ist allerdings nicht mehr zu verhindern, jedoch kann der Protagonist sich von seiner Wahnvorstellung durch einen fast selbstmörderischen Schuss in die Mundhöhle befreien.

II.2 A Beautiful Mind

A Beautiful Mind handelt von dem Mathematiker John Nash, der zu Beginn des Films sein Studium an der Universität von Princeton anfängt. Im Gegensatz zu seinen Kommilitonen, von denen bereits die meisten wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht haben, besucht er keine Vorlesungen, da er keine Zeit verschwenden will. Er ist nämlich auf der Suche nach einer sensationellen wissenschaftlichen Erkenntnis, zu der er schließlich inspiriert durch ein Erlebnis in einer Kneipe gelangt - es handelt sich um seinen spieltheoretischen Ansatz, das sogenannte Nash-Gleichgewicht. Fünf Jahre nach seinem Abschluss entschlüsselt er als Analytiker des Wheeler-Labors einen sowjetischen Geheimcode für das US- Verteidigungsministerium. Auf diese Weise wird der Geheimdienstoffizier William Parcher auf ihn aufmerksam, der Nash dazu auffordert, verschlüsselte Botschaften einer gefährlichen russischen Verschwörungsgruppe in Zeitschriften ausfindig zu machen. Während seiner geheimen Arbeit hält Nash mit wenig Begeisterung Vorlesungen an der Universität von Princeton, wodurch er auf die Mathematikstudentin Alicia trifft. Diese umwirbt ihn selbstsicher, sodass die beiden schließlich heiraten.

Nashs Tätigkeit für Parcher wird bald von den Russen aufgedeckt, weshalb er von diesen verfolgt wird. Später allerdings stellt sich heraus, dass er unter paranoider Schizophrenie leidet, welche die Ärzte der psychiatrischen Klinik von Dr. Rosen nach seiner Einlieferung durch Insulinschocks zu bekämpfen versuchen. Nachdem er entlassen worden ist und wieder bei seiner Frau wohnt, findet sie einige Zeit später heraus, dass seine Schizophrenie zurückgekehrt ist, die sich hauptsächlich durch die Wahnvorstellungen eines alten Studienfreundes namens Charles, dessen Nichte und William Parcher äußern. Als Alicia versucht Dr. Rosen anzurufen, fordert der imaginäre Parcher Nash auf, sie zu töten. Trotz der akuten Lebensbedrohung verhindert sie, dass ihr Mann erneut in die Psychiatrie eingewiesen wird.

Schließlich schafft es Nash, seine Schizophrenie sowohl aus eigenen Kräften als auch durch die Liebe seiner Frau zu kontrollieren, sodass seine Wahnvorstellungen ihn zwar nicht verlassen, ihn aber auch nicht mehr beeinflussen. Um ins Leben zurückzufinden, hält er sich in der vertrauten Universitätsbibliothek von Princeton auf, wo einige Jahre später mehrere Studenten seinen mathematischen Ausführungen zuhören, was dazu führt, dass er wieder Vorlesungen geben darf. Der Film endet damit, dass er den Nobelpreis für seine erkenntnisbringenden Leistungen erhält und in seiner Rede Alicia für ihre Unterstützung zur Bekämpfung seiner Schizophrenie dankt.

III Umgang mit der unzuverlässigen Erzählung in Fight Club

III.l Hinweise mittels Widersprüchen und anderen Anzeichen

Mit einer radikal internen Fokalisierung auf den namenlosen Protagonisten wird der Zuschauer durch den Film Fight Club geleitet. So betrachtet er die präsentierte Welt mit der stark eingeschränkten Wahrnehmung des Protagonisten und empfindet sie als real. Allerdings ist sich der Zuschauer über einen langen Zeitraum hinweg nicht darüber im Klarem, dass seine Sicht auf die filmische Realität durch die Perspektive eines Geisteskranken vermittelt wird. Daher nimmt er die vielen Indizien kaum wahr, die mit der filmischen Realität im Widerspruch stehen. Diese Anzeichen häufen sich gegen Ende des Films, bis sowohl der Protagonist als auch der Zuschauer verstehen, dass ihre Wahrnehmung bisher von einer psychischen Störung beeinflusst worden ist: Tyler Durden ist keine reale Person, sondern er ist das Alter Ego des Protagonisten.

Vor ihrer Anhäufung, die beim Protagonisten und dem Zuschauer zur Erkennung der Täuschung führen, werden die vereinzelten Hinweise aber nur von einem Rezipienten wahrgenommen, der sich bereits mit dem Film auseinandergesetzt hat und weiß, dass ihm die Realität vorgetäuscht wird. So bemerkt er, dass nur der Protagonist ein Ticket löst, nicht aber Tyler, der mit ihm zusammen in einen Bus steigt (00:43:05 - 00:43:10). Ein weiterer versteckter Widerspruch wird gezeigt, als die beiden nach ihrem Verkehrsunfall aus dem Auto herausklettern - sie steigen jeweils nicht aus der Autotür aus, auf deren Seite sie vorher gesessen haben, sondern aus der gegenüberliegenden (01:36:50 - 01:37:16).

Die Indizien auf die Unzuverlässigkeit der Erzählung müssen aber nicht immer der Realität widersprechen, um auf den Mindfuck hinzuweisen. Dass Tyler und der Protagonist zum Beispiel in einem Flugzeug den gleichen Aktenkoffer haben, kann der Realität prinzipiell entsprechen, weshalb dem Zuschauer dieser „Zufall“ auch nicht auffällt (00:22:16 - 00:22:22). Bei genauerer Betrachtung erscheinen solche Zufälle jedoch als Hinweise auf die verfälschte Wahrnehmung. Besonders Marla Singer gibt in dieser Hinsicht Aufschluss, da sie niemals mit Tyler in einem Raum ist.

Einmal spricht das Alter Ego mit dem Protagonisten in ihrer Gegenwart, weshalb sie Tyler auch fragt, mit wem er denn rede (00:52:20 - 00:52:30). Aber auch der Zufall, dass der Protagonist und Tyler sich ähnelnde Väter zu haben scheinen und das Gleiche in ihrer Kindheit erlebt haben, weist darauf hin, dass die beiden Männer ein und dieselbe Person sind (00:38:00 - 00:38:50). Neben weiteren solcher Indizien zeigen auch Aussagen des autodiegetischen Erzählers, dass Tyler nur in der Imagination des Protagonisten existiert, wie zum Beispiel: „Manchmal sprach Tyler für mich“ (00:44:44), „Ich kannte die Geschichte schon, bevor er sie mir erzählt hat“ (00:48:10) oder: „Aus irgendeinem Grund dachte ich an meinen ersten Kampf mit Tyler“ (01:14:00 - 01:15:29).

Trotz all dieser Hinweise begreift der Zuschauer erst zum Schluss zusammen mit dem Protagonisten, dass Tyler nicht existiert, da sie der Erzählung vertrauen. Der Realisationsprozess kommt erst durch einen Dialog mit Tyler in Gang und findet auch auf der Bildebene statt, die durch repetitive Analepsen klar macht, dass der Protagonist und Tyler eine Person sind. Dies geschieht, indem zuerst die Wahrnehmung des Protagonisten mit der Tylers überblendet wird, daraufhin ihre äußere Gestalt und zuletzt ihr Handeln (01:48:15 - 01:48:34).2 Der Zuschauer versteht nun, dass er durch die unzuverlässige Erzählung getäuscht worden ist und die Perspektive eines Geisteskranken für die Realität gehalten hat. Doch obwohl erjetzt die psychische Störung kennt, ist Tyler immer wieder zu sehen, wodurch zwei Realitäten plötzlich miteinander konkurrieren und die Wahrnehmung des Zuschauers verwirren.

[...]


1 Vgl. Geimer, A.: Das postmoderne Genre des mindfuck-films, http://www.jump-cut.de/mindfuck2.html, 27.01.2010.

2 Vgl. Nowakowski, N.: Transgressives Erzählen in Fight Club, http://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/ v/littheo/methoden/narratologie/anwendungen/nowakows_fightclub.pdf, 27.12.09.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Mindfuck-Filme im Vergleich
Untertitel
Ein Vergleich der unzuverlässigen und manipulativen Erzählung in den Filmen "Fight Club" und "A Beautiful Mind "
Hochschule
Universität Konstanz
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V192062
ISBN (eBook)
9783656168935
ISBN (Buch)
9783656169161
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mindfuck, Fight Club, A beautiful mind, Manipulation, Erzählweise, Widersprüche, Selbstreferentialität, geisteskrank, Wahnvorstellung, Film, Vergleich, Synopsis, unzuverlässige Erzählung, Alter Ego
Arbeit zitieren
Elisabeth Yorck (Autor), 2010, Mindfuck-Filme im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192062

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Mindfuck-Filme im Vergleich



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden