Trotz aller Bestrebungen der internationalen Gemeinschaft, Massenvernichtungswaffen zu verbannen, besteht heute für viele Staaten zunehmend die Möglichkeit, Waffen dieser Art zu erwerben oder sogar selbst herzustellen. Ebenso hat sich der Zugang zu Trägersystemen für diese Waffen stark vereinfacht. Internationale sicherheitspolitische Vereinbarungen, die diese Verbreitung verhindern sollen, werden in wachsendem Maße von möglichen Proliferationskandidaten unterlaufen.
Nordkorea ist einer der Hauptakteure, die in diese Proliferationsvorgänge involviert sind, und gehört gleichzeitig zu den Staaten, die selbst Massenvernichtungswaffen, insbesondere die Atombombe, besitzen wollen oder sie vielleicht schon besitzen. Die Fragestellung die in der folgenden Hausarbeit bearbeitet werden soll, ist die, worin die Motivation Nordkoreas besteht, in die Riege der Atommächte aufzusteigen. Um dies zu beantworten, soll eine systematische Analyse von möglichen Beweggründen durchgeführt werden.
Nachdem zu Beginn ein kurzer Überblick über das Land Nordkorea selbst gegeben wird, soll zunächst einmal festgestellt werden in welchem Zustand sich das nordkoreanische Nuklear- und Raketenprogramm befindet.
In den folgenden Kapiteln werden dann besonders die Vorteile für Nordkorea untersucht, die sich aus einer Forcierung des Nuklear- und Raketenprogramms ergeben. Ebenso wird ermittelt, welche Gründe es für Nordkorea gibt, Proliferation zu unterstützen. Dabei wird besonders auf die wirtschaftlichen Hintergründe eingegangen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse im Irak und dem Planungsbericht „Nuclear Posture Review“2 der USA, in dem unter anderem Nordkorea als Ziel eines atomaren Angriffes genannt wird, soll schließlich untersucht werden, inwieweit Nordkorea ein Bedürfnis hat, sich vor ausländischen Akteuren zu schützen. Gestützt habe ich mich bei meiner Arbeit hauptsächlich auf politische Aufsätze und Artikel auf Internetseiten, die sich mit Nordkorea im Hinblick auf Raketen und Nuklearpolitik beschäftigen. Der Vorteil lag darin, dass aktuelle Ereignisse dort eher dokumentiert sind. Verschiedene Bücher, die sich im allgemeinen mit Nuklearwaffen, Dritte Welt Staaten und Proliferation beschäftigen, wurden aber ebenfalls berücksichtigt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Nordkorea
1.1 Land und Leute
1.2 Politisches System
1.3 Wirtschaftliche Lage
1.4 Zustand der Nuklear- und Raketentechnologie
1.4.1 Chronik des Raketenprogramms
1.4.2 Chronik des Nuklearprogramms
2. Motive für Nordkoreas Nuklear- und Raketenprogramm
2.1 Stärkung der internationalen Position
2.2 Raketen- und Nukleartechnologie als „Verkaufsschlager“
2.3 Nuklear- und Raketentechnik als Ausweg aus der ideologischen Krise
2.4 Abschreckung
2.4.1 Bedrohung durch den Nachbarstaat Südkorea
2.4.2 Bedrohung durch die USA
Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zugrunde liegenden Beweggründe Nordkoreas für den Ausbau und die Aufrechterhaltung seines Nuklear- und Raketenprogramms. Dabei wird insbesondere analysiert, inwiefern dieses Programm als strategisches Mittel zur Existenzsicherung, als Druckmittel in internationalen Verhandlungen sowie als ökonomische Einnahmequelle dient.
- Analyse des aktuellen Zustands und der Historie des nordkoreanischen Nuklear- und Raketenprogramms.
- Untersuchung der außenpolitischen Motivationslage zur Stärkung der internationalen Position.
- Bewertung des Exports von Rüstungstechnologie als ökonomische Strategie des Landes.
- Analyse der Rolle der Rüstung zur internen Stabilisierung des Regimes in ideologischen Krisenzeiten.
- Bewertung der Abschreckungsstrategie angesichts wahrgenommener Bedrohungen durch Südkorea und die USA.
Auszug aus dem Buch
2.1 Stärkung der internationalen Position
Obwohl der Besitz einer fortgeschrittenen Nuklear- und Raketentechnologie gerade bei Dritte-Welt-Ländern von den Industrienationen mit Skepsis betrachtet wird, kann er doch für das jeweilige Land eine ganze Reihe an Vorteilen bringen.
So kann oft der erfolgreiche Bau einer Nuklearwaffe für internationale Leichtgewichte wie Nordkorea „der einzige Weg zur endgültigen internationalen Anerkennung“ sein. Dieses Argument gewinnt sicher immer dann an Gewicht, wenn andere Faktoren zur Stärkung der internationalen Anerkennung wegfallen oder an Bedeutung verlieren. Für Nordkorea besteht der Vorteil seiner Nuklearpolitik darin, dass es scheinbar seinen Bedarf an Souveränität und Status sowohl technologisch wie militärisch durch eine solche Politik decken kann.
Neben dem Prestigegewinn erlangt Nordkorea also durch seine durchaus beachtlichen Waffenentwicklungen die Möglichkeit, Entscheidungen des internationalen Systems zu beeinflussen. Hierbei spielt die Durchsetzung politischer Konzessionen eine wichtige Rolle. Eine Nation im Besitz einer nuklearen Waffe kann schließlich nicht ignoriert werden. Für den Politikwissenschaftler Hanns Maull haben die militärischen Aktivitäten Nordkoreas Methode. Gerade Massenvernichtungswaffen, so Maull, "stellen eine besonders attraktive Form der Absicherung und der Erpressung nach außen dar".
Ein Beispiel hierfür, ist das 1993 gemachte Angebot Nordkoreas, im Austausch gegen „Ausgleichszahlungen“ durch Israel seine Raketenlieferungen in den Nahen und Mittleren Osten einzustellen. Im Jahre 1996 stellte das Land die vollständige Beendigung seines Raketenprogramms für den Fall in Aussicht, dass die USA eine Friedensregelung für ganz Korea nach den Vorstellungen des Nordens akzeptieren würden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Massenvernichtungswaffen und die spezifische Rolle Nordkoreas als internationaler Akteur ein, der trotz wirtschaftlicher Probleme an seinem Nuklearprogramm festhält.
1. Nordkorea: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über das Land, sein politisches System, die wirtschaftliche Lage sowie den technischen Status quo des Nuklear- und Raketenprogramms.
2. Motive für Nordkoreas Nuklear- und Raketenprogramm: Hier werden die strategischen, ökonomischen und sicherheitspolitischen Gründe analysiert, die Nordkorea dazu bewegen, trotz internationalem Druck an seinem Rüstungsprogramm festzuhalten.
Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass das Nuklearprogramm für die nordkoreanische Führung trotz der damit verbundenen Isolation das zentrale Instrument zur Selbsterhaltung und Erpressung darstellt.
Schlüsselwörter
Nordkorea, Nuklearprogramm, Raketentechnologie, Abschreckung, Proliferation, Außenpolitik, Sicherheitspolitik, Kim Jong Il, Juche-Ideologie, Achse des Bösen, Rüstungsexport, USA, Südkorea, atomare Bewaffnung, internationale Anerkennung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Motive Nordkoreas, trotz massiver wirtschaftlicher Schwierigkeiten und internationaler Isolation an der Entwicklung eines Nuklear- und Raketenarsenals festzuhalten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der außenpolitischen Strategie, der Rolle von Rüstungsgütern als Exportartikel, der innenpolitischen Funktion der Ideologie und der sicherheitspolitischen Abschreckung gegenüber den USA und Südkorea.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, ein systematisches Verständnis dafür zu entwickeln, warum Nordkorea das Streben nach einer atomaren Bewaffnung als rationales Mittel für den Erhalt des Regimes betrachtet.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Der Autor führt eine systematische Analyse auf Basis von politologischen Aufsätzen, Internetberichten sowie aktuellen Dokumenten zur internationalen Nuklear- und Raketenpolitik durch.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden neben dem technischen Zustand des Programms vor allem die strategischen Vorteile wie Anerkennung, ökonomische Einnahmen durch Waffenexporte, ideologische Stützung des Regimes und die militärische Abschreckung detailliert untersucht.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind "Nuklear- und Raketenprogramm", "Abschreckung", "internationale Anerkennung", "Juche-Ideologie" und "Sicherheitsbedürfnisse".
Welche Rolle spielt die „Achse des Bösen“-Deklaration für die Analyse?
Diese Deklaration durch die USA wird als treibender Faktor identifiziert, der das nordkoreanische Sicherheitsbedürfnis verschärft und das Land dazu veranlasst, das Atomprogramm noch stärker als existenzielles Schutzinstrument zu instrumentalisieren.
Warum ist der Waffenexport für Nordkorea von so hoher Bedeutung?
Aufgrund der nahezu kollabierten Binnenwirtschaft stellen die Rüstungsexporte eine der wenigen verbliebenen Einnahmequellen für notwendige Devisen dar, um das Regime wirtschaftlich zu stützen.
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- Nils Fischer (Author), 2003, Nordkoreas Motive Nuklearmacht zu werden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19214