Aktionsschnelligkeit beim Return im Tennis


Bachelorarbeit, 2011

63 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Abbildungsverzeichnis

II Tabellenverzeichnis

1 Einleitung und Problemstellung

2 Theoretische Grundlagen zum Aufschlag und zum Return
2.1 Der Aufschlag
2.2 Der Return

3 Schnelligkeitsanforderungen beim Return
3.1 Die besonderen Gegebenheiten beim Aufschlag-Return
3.1.1 Zur Taktik der Verteidigungs-Beinarbeit beim Aufschlag-Return
3.1.2 Zur Taktik der Angriffs-Beinarbeit beim Aufschlag-Return
3.2 Reaktionszeit beim Aufschlag - ein „worst case“ Szenario
3.3 Bewegungstheoretische Grundlagen
3.4 Was ist Schnelligkeit?
3.5 Was ist Aktionsschnelligkeit?
3.6 Antizipation
3.7 Notwendigkeit des Trainings der Schnelligkeit im Tennis

4 Zum Training der Aktionsschnelligkeit des Returns beim Tennis
4.1 Übungskatalog zum Returntraining
4.2 Zur Verbesserung der Aktionsschnelligkeit
4.3 Trainingsmethode zur Verbesserung der Aktionsschnelligkeit
4.4 Schnellkraftprogramme für Anfänger, Fortgeschrittene und Könner
4.5 Weitere Übungen

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

7 Anhang
Interview mit Julia Görges
Ausgewählte Regeln mit Augenmerk auf Aufschlag und Return
Geschichte des Tennissports
Schlagtechniken
Aufschlagphasen

8 Glossar

9 Eigenständigkeitserklärung

I Abbildungsverzeichnis

Deckblatt: Roger Federer beim Return i

(http://www1.picturepush.com/photo/a/5016644/img/Tennis/

roger-federer-return.jpg, 18.07.2011)

Abbildung 1: Ballflugverhalten 7

(dtb 2001, S. 103)

Abbildung 2: Ballabsprungverhalten 8

(dtb 2001, S. 171)

Abbildung 3: Aufschlag - Return 14

(Heß 1992, S. 71)

Abbildung 4: Aufschläge mit Seitenschnitt 15

(Heß 1992, S. 89)

Abbildung 5: Illustration zur Rechnung 18

(eigene Darstellung anhand fiktiver Daten)

Abbildung 6: Flugdauer des Balles über eine Geschwindigkeit von 100 - 250 km/h 19

(eigene Darstellung anhand fiktiver Daten)

Abbildung 7: Allgemeine Fähigkeitsstruktur der Schnelligkeit 23

(Hohmann, Lames, Letzelter 2007, S. 87)

Abbildung 8: Arten der motorischen Schnelligkeiten und ihre Unterteilungen 25

(Weineck 2010, S. 393)

Abbildung 9: Teileigenschaften und ihre Bedeutung für Leistungsfähigkeit 26

des Spielsportlers

(Weineck 2010, S. 394)

Abbildung 10: Julia Görges 47

(© stairwaystudios)

Abbildung 11: Tennisplatzmaße 51

(modifiziert nach http://upload.wikimedia.org/wikipedia/

commons/thumb/c/c5/Tennis_court_metric.svg/180px-Tennis_court_metric.svg.png, 18.07.2011)

Abbildung 12: Deutscher Tenniscourt des 17. Jahrhunderts 53

(Grillmeister 2002, S. 14)

Abbildung 13: „Wingfieldian court“: Ein stundenglasförmiger Platz 55

(Grillmeister 2002, S. 20)

Abbildung 14a: Aufschlagphasen 1 bis 8 60

(dtb 2001, S. 104)

Abbildung 14b: Aufschlagphasen 9 bis 16 61

(dtb 2001, S. 105)

II Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Trainingsmethode zur Verbesserung der Aktionsschnelligkeit 37

(eigene Darstellung aus den Daten von Müller 2010, S. 6)

Tabelle 2: Schnellkraftprogramme für Einsteiger, Fortgeschrittene und Könner 38

(vgl. McNeely, Sandler 2010, S. 167)

Tabelle 3: Techniken 58

(eigene Darstellung aus den Daten des DTB 2001)

Tabelle 4: Techniques 59

(eigene Darstellung aus den Daten des DTB 2001)

1 Einleitung und Problemstellung

Wie komme ich überhaupt darauf, mich mit dem Return im Tennis zu befassen? In meiner beruflichen Nebentätigkeit als Tennistrainer[1] und als begeisterter Spieler[2] ist mir (zuweilen unangenehm) aufgefallen, dass durch verbessertes Material und eine verbesserte Technik es zu immer schnelleren Aufschlägen gekommen ist. Dies hat zwangsläufig zur Folge, dass ein zum Gewinnen notwendiges Break immer schwerer zu realisieren ist. Nun könnte man zu der Auffassung kommen, dass auf Grund dieser Tatsache der Aufschläger gegenüber dem Rückspieler (Returnspieler) grundsätzlich im Vorteil ist. In Abwandlung der alten Fußballer-Weisheit: „Der Sturm gewinnt Spiele, die Abwehr Meisterschaften“ gilt für das Tennisspiel die Aussage: „Mit dem Aufschlag gewinnt man ein Spiel, mit dem Return das Match“ . Ich bin der Meinung, dass ein guter Returnspieler, wie zum Beispiel Andre Agassi in seinen besten Zeiten, einen enormen Vorteil gegenüber Spielern hat, die sich ausschließlich auf ihren Aufschlag verlassen müssen, wie etwa Boris Becker. Im Lichte dieser Arbeitshypothese kommt dem Return also eine zentrale Bedeutung zu.

Ziel dieser Arbeit ist, die bewegungstheoretischen Anforderungen an einen guten Return zu erarbeiten. Das wiederum setzt die Analyse der Schnelligkeitsanforderungen für einen guten Return und hier insbesondere der Aktionsschnelligkeit voraus. Aus den davon abgeleiteten Erkenntnissen werden dann spezielle Trainingsprogramme entwickelt und erläutert.

Die herausragende Bedeutung von Aufschlag und Return wird auch durch folgende Statistik belegt. Durchschnittlich machen 30% aller Schläge in einem Match der Aufschlag und der Return aus. Ferner sind bereits nach Aufschlag, Return und dem nächsten Schlag über 50% aller Punkte beendet (vgl. Speckner et. al. 2006).

Zentral in der Untersuchung zum Return ist die Frage, wie durch gezieltes Training der Return verbessert werden kann. In diesem Zusammenhang ist natürlich zu klären: welche Anforderungen stellt das moderne Tennis an den Return, was macht eigentlich einen guten Return aus und welche Fähigkeiten müssen hierfür trainiert werden? Diese Fragen werden in der vorliegenden Arbeit systematisch beantwortet.

Die Arbeit gliedert sich wie folgt. Im ersten Kapitel wird der Aufschlag beschrieben, genauer, die drei häufigsten Aufschlagsarten: gerader Aufschlag, Kick-Aufschlag und der Slice-Aufschlag werden analysiert. Diesen Erläuterungen folgen die spezifischen Anforderungen an den Return. An dieser Stelle sei erwähnt, dass der Return in der Trainingswissenschaft als eigenständiger Schlag betrachtet wird. Aus diesem Grund findet sich eine Tabelle (vgl. Tab. 3 im Anhang) mit den verschiedenen Schlagtechniken zur Einordnung im Anhang. Diese wird ergänzt durch eine Tabelle (vgl. Tab. 4 im Anhang) mit den entsprechenden englischen Begriffen, da diese in der Literatur häufig Verwendung finden.

Das nächste Kapitel widmet sich gezielt dem Zusammenspiel von Aufschlag und Return. Hierbei wird auch die taktische Komponente berücksichtigt. Dem folgt eine anschauliche Beispielrechnung zur Reaktionszeit beim Aufschlag. Daran lässt sich erkennen, in welch kurzer Zeit der Returnspieler reagieren muss. Die kurze Reaktionszeit lässt schon vermuten, dass das Thema Schnelligkeit eine enorm wichtige Rolle spielt. Um den komplexen Begriff der Schnelligkeitsfähigkeit verstehen und einordnen zu können, werden zunächst bewegungstheoretische Grundlagen geschaffen. Dem folgen Erläuterungen zum Oberbegriff Schnelligkeit. Besonders beleuchtet wird die Aktionsschnelligkeit. Weiterhin wird auch über die Notwendigkeit des Trainings der Schnelligkeit im Tennis gesprochen.

Eine hohe Aktionsschnelligkeit allein reicht jedoch nicht aus, denn schnell gespielte Bälle können ohne eine gute Antizipationsfähigkeit nicht mehr erreicht werden. Folgerichtig wird auch auf das Thema Antizipation im Tennis eingegangen.

Im Anschluss daran folgen Anregungen zum Training der Aktionsschnelligkeit des Returns beim Tennis. Um die Untersuchungen durch Expertenmeinung zu unterstützen, habe ich Julia Görges zum Thema Aufschlag/Return interviewt. Das Interview befindet sich im Anhang. Den Abschluss dieser Arbeit bildet das Fazit.

Aufgrund der Verwendung vieler tennisspezifischer Fachbegriffe befindet sich im Anhang dieser Arbeit auch ein Glossar. Tennisfremden Lesern wird empfohlen dieses Glossar vorab zu lesen. Weiterhin befinden sich im Anhang eine Zusammenstellung ausgewählter Regeln aus dem Regelwerk der Internationalen Tennis Föderation (ITF). Zur Abrundung des Allgemeinwissens im Tennissport findet sich im Anhang eine kurze Zusammenfassung der Geschichte des Tennissports.

Bei den folgenden Erläuterungen und Beschreibungen wird grundsätzlich aus Sicht eines Rechtshänders ausgegangen!

2 Theoretische Grundlagen zum Aufschlag und zum Return

In diesem Kapitel werden die verschiedenen Varianten des Aufschlags erklärt und auf die spezifischen Anforderungen des Returns eingegangen.

2.1 Der Aufschlag

Der Aufschlag ist der Eröffnungsschlag eines jeden auszuspielenden Punktes. Dieser wird hinter der Grundlinie und je nach Spielstand von rechts oder links von der Mitte aus gesehen geschlagen. Dabei soll der Aufschlag in das schräg gegenüberliegende Aufschlagfeld geschlagen werden. Der Aufschlagende hat zwei Versuche dies zu schaffen. Es handelt sich um den einzigen Schlag im Spiel, den der Spieler unbeeinflusst von den gegnerischen Aktionen ausführen kann (vgl. DTB 2001, S. 103).

Der erste Aufschlag wird meist mit erhöhtem Risiko geschlagen, weil man versucht entweder einen direkten Punkt zu erzielen oder den Gegner durch Schnelligkeit und Platzierung des Balles so unter Druck zu setzen, dass er als Folge dessen nur einen schwachen oder gar keinen Return mehr hinbekommt. Der zweite Aufschlag kommt dann zum Tragen, wenn der erste Aufschlag als Fehler gewertet wurde. Ein Fehler ist, wenn der Ball ins Netz oder ins »Aus« geschlagen wurde. In der Regel wird beim zweiten Aufschlag das Risiko gemindert, indem die Geschwindigkeit deutlich reduziert wird. Häufig wird der zweite Aufschlag bewusst auf die schwächere Returnseite des Gegners gespielt (vgl. ebd. S. 103).

An dieser Stelle wird auf die sich im Anhang befindende Beschreibung der Aufschlagphasen hingewiesen.

Im modernen Tennis gibt es im Wesentlichen drei verschiedene Aufschlagsvarianten. Diese werden im Folgenden genau erklärt und analysiert.

- Gerader Aufschlag

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dieser wird meistens als ersten Aufschlag gespielt und soll mit hoher Geschwindigkeit in einer flachen Kurve fliegen (siehe Abbildung 1 Flugkurve 1). Ein zweiter Aufschlag wird mit verminderter Geschwindigkeit gespielt, um Doppelfehler zu vermeiden und die Bälle fliegen in einer stärker gekrümmten Bahn über das Netz (siehe Abbildung 1 Flugkurve 2). Mit dem geraden Aufschlag wird die höchste Aufschlaggeschwindigkeit erzielt. Aufgrund seiner flachen Flugkurve, wird er zumeist durch die Mitte gespielt, da hier das Netz niedriger ist (vgl. ebd. S. 103).

- Kick-Aufschlag

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten


Der Kick-Aufschlag oder auch Twist-Aufschlag genannt, findet meistens als zweiten Aufschlag Anwendung und wird mit verminderter Geschwindigkeit in einer stärker gekrümmten Flugbahn über das Netz gespielt. Nicht selten wird diese Variante auch als sicherer erster Aufschlag gewählt. Diese Aufschlagvariante wird mit einem starken Vorwärtsdrall gespielt. Dies hat zur Folge, dass der Ball nach dem Aufprall sehr hoch und beschleunigt wegspringt (siehe Abbildung 2 Flugkurve K).

Der Returnspieler steht hier vor dem Problem, die Flugkurve des Balles nach dem Aufprall richtig zu berechnen und wird in der Regel zu einem hohen Treffpunkt gezwungen. Zudem kann dieser Aufschlag ohne Probleme auf jede beliebige Stelle der T-Linie gespielt werden, was den Return zusätzlich erschwert. Auf der anderen Seite, ist der Kick-Aufschlag deutlich langsamer als der gerade Aufschlag, da die Bewegungsenergie des Tennisschlägers mehr in die Rotation und weniger in die Geschwindigkeit des Balles aufgeht (vgl. ebd. S. 171ff.).

- Slice-Aufschlag

Der Slice-Aufschlag wird mit Seitwärtsdrall geschlagen. Er springt aus Sicht des Aufschlägers nach links weg (siehe Abbildung 2 Flugkurve Sl). Die Idee ist, den Returnspieler aus dem Feld zu treiben, um so beim nächsten Schlag, das ganze Feld offen zu haben. Auch dieser Aufschlag hat eine geringe Geschwindigkeit, die von der Stärke des Seitwärtsdrall abhängt. Der Returnspieler muss abhängig von seiner Ausgangsstellung einen weiten Weg gehen und hat daher Probleme den Körper hinter den Ball zu bekommen und fällt als Folge „nach hinten“ womit der Return nur mit verminderter Geschwindigkeit gespielt werden kann. Als Variation wird der Slice-Aufschlag auch mittig platziert mit dem Effekt, dass sich der Ball mit seinem Seitwärtsdrall in den Gegner hinein dreht, was einen guten Return erheblich erschwert (vgl. ebd. S. 171ff.).

2.2 Der Return

Als Return wird der auf den Aufschlag folgende Rückschlag des Balles in Richtung des Aufschlägers bezeichnet. Er ist kein normaler Schlag und hat seine ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten. Er muss unter hohem Zeitdruck gespielt werden und der Returnspieler steht möglicherweise, in Abhängigkeit vom Aufschlag, an einer sehr ungünstigen Stelle auf dem Platz. Außerdem wird der Ball beim Aufschlag oft mit viel Vorwärts- oder Seitwärtsdrall gespielt, so dass der Returnspieler einen hohen Grad an Ungewissheit über die Flugbahn hat, wie im vorigen Abschnitt erläutert (vgl. ebd. S. 63).

Es werden drei Arten von Return unterschieden: der defensive Return, der gewöhnliche Return und der offensive Return.

- Defensiver Return

Dieser Return kommt in der Regel zum Einsatz, wenn der Aufschlag mit hoher Geschwindigkeit geschlagen wird (siehe gerader Aufschlag). Aufgrund der geringen Vorbereitungszeit empfiehlt es sich, eine kurze Ausholbewegung vorzunehmen. „Je härter der gegnerische Aufschlag ist und je weniger deshalb Zeit zum Ausholen beim Return gegeben ist, desto eher empfiehlt es sich, nur ganz kurz auszuholen und den Ball »abzublocken« “ (DTB 2001, S. 64).

- Gewöhnlicher Return

Hier wird der Ball kontrolliert und möglichst platziert gespielt. Dieser Return wird in der Regel beim Kick- oder Slice-Aufschlag gespielt. Hier ist die Beinarbeit sehr wichtig und der Ball muss insbesondere beim Kickaufschlag frühzeitig getroffen werden. Die gewählte Platzierung hängt vom Aufschlagenden ab. Verharrt dieser an der Grundlinie, so ist ein lang gespielter Return an die Grundlinie sehr wirkungsvoll. Geht der Aufschlagende zu einem Netzangriff über, ist der Longline-Passierball oder ein direkt vor die Füße gespielter Return das Mittel der Wahl. Alternativ kann bei einem Netzangriff auch ein Lob gespielt.

- Offensiver Return

Hier wird der Ball offensiv gespielt, um direkt zu attackieren, einen Punkt gut vorzubereiten oder gar um direkt einen Punkt zu erzielen. Er setzt entweder einen schwachen zweiten Aufschlag des Gegners voraus oder der Returnspieler steht sehr günstig zum Ball, wenn zum Beispiel der Slice-Aufschlag nur wenig Außendrall hat.

Wie auch immer der Aufschlag gespielt wird, der erfolgreiche Return bedingt die folgenden prinzipiellen Anforderungen:

- frühe Wahrnehmung und Antizipation des Aufschlages
- schnelle Reaktion
- präzises Treffen des Balles, gute Auge-Hand-Koordination
- schnelle Bewegungen
- spezifische Schlagtechnik und optimale Ausgangsstellung
- gute Beinarbeit.

Die einzelnen Punkte sind natürlich nicht unabhängig voneinander. Im Folgenden werden diese Punkte genauer aufgearbeitet. Die Antizipation des Aufschlages bedingt das sorgfältige Beobachten der Aufschlagvorbereitung des Gegners. Das bezieht sich sowohl auf das Hochwerfen des Balles als auch auf die Position des Gegners. Schlägt dieser von rechts auf und versucht durch die Mitte aufzuschlagen, sodass der Returnspieler mit der Rückhand (weil Rechtshänder) antworten muss, kann dieser sich von vornherein etwas weiter in die Mitte orientieren, um diese besser abzudecken. Dadurch wird dem Aufschläger die Vorhandseite des Gegners angeboten. Gerade beim zweiten Aufschlag hat man durch diese taktische Maßnahme mehr Erfolg. Allerdings muss man bei diesem Manöver ganz bewusst auf die äußere Vorhandseite achten, denn dahin schlagen erfahrene Spieler dann gerne auch auf.

Schnelle Reaktionen und Bewegungen setzen zudem eine kurze Ausholbewegung voraus (vgl. DTB 2001, S. 63f.). Die kurze Ausholbewegung ist ein spezifisches technisches Element des Returns, das aber auch gute Beinarbeit für eine optimale Ausgangsstellung voraussetzt.

3 Schnelligkeitsanforderungen beim Return

Im Tennis und speziell auch beim Return spielen, wie eben schon erwähnt, Antizipation, Reaktion, kurze Sprints und rasche Richtungswechsel eine große Rolle. Die Fähigkeit zum schnellen Erkennen von Situationen, zur richtigen Entscheidung und zur flüssigen, präzisen Ausführung der entsprechenden motorischen Antwort mit hoher Bewegungsgeschwindigkeit lässt sich gezielt trainieren (vgl. Banzer, Thiel 2009, S. 6).

Grundsätzlich gilt, dass man sich an den raum-zeitlichen Anforderungen im Tennis orientieren sollte. „Tennis fordert Laufwege von weniger als 2,5 Metern bei 80% der Schläge bei einer Belastungsdauer zwischen 3 Sekunden auf schnellen und maximal 15 Sekunden auf langsamen Belägen und einem Belastungs-Pausen-Verhältnis von 1:2 bis 1:5“ (Banzer, Thiel 2009, S. 6).

Auf Basis visueller Informationen dominiert vorwiegend reaktives und antizipatives Handeln. Das komplexe Spielgeschehen beim Return, die hohen Ball- und Aktionsgeschwindigkeiten und die Notwendigkeit, die Ballflugwege und das Gegnerverhalten während der Eigenbewegungen unter Zeitdruck visuell erfassen und zu analysieren, veranschaulicht die Bedeutung eines guten und präzisen Sehens sowohl im Leistungssport- als auch im Breitensportbereich (vgl. Jendrusch 1995, S. 1).

Für eine günstige Bewegungsausführung sind folgende Merkmale wichtig (vgl. ebd. S. 6):

- kleine und flache, aber aktiv gesetzte Schritte zum Abbremsen vor einer Richtungsänderung
- ein permanent tiefer Körperschwerpunkt
- eine gute Rumpf- und Oberkörperstabilität beim Richtungswechsel.

3.1 Die besonderen Gegebenheiten beim Aufschlag-Return

Die »Aufschlag-Return« Situation weist besondere Merkmale auf, die sich direkt und indirekt auf das Spiel auswirken. So sind die Vorteile des Rückschlägers zum einen die, dass er nur die Hälfte der Grundlinie abzudecken hat. Des Weiteren geben die Regeln vor, dass der Aufschlag vor der Aufschlaglinie des Rückspielers aufkommen muss. Dieser kann sich also auf die ungefähre Länge des Balles einstellen bzw. kann diese zumindest besser einschätzen als im „freien“ Spiel. Darüber hinaus darf der Rückspieler jede beliebige Position im Feld einnehmen, während der Aufschläger sichjeweils nur rechts bzw. links hinter der Grundlinie aufhalten darf. Die Nachteile sind jedoch ebenfalls ersichtlich. So hat der Aufschläger erstens zwei Versuche für seinen Aufschlag, kann somit seinen ersten Aufschlag mit mehr Risiko versuchen zu schlagen und zweitens kann der Aufschlag aus technischen Gründen von einem sehr guten Spieler härter und platzierter geschlagen werden als jeder andere Ball im Tennis (vgl. 1992, S. 87).

Nun könnte man meinen, dass die Vor- und Nachteile sich die Waage halten. Der Schein trügt, denn der gute Aufschläger behält einen leichten Vorteil gegenüber dem Rückschläger. Das wird in der Statistik der guten Spieler eindeutig belegt. Im Durchschnitt gibt es zwischen guten Spielern mehr gewonnene Aufschlagspiele als gewonnene Rückschlagspiele. Als Konsequenz daraus lässt sich ableiten, dass ein vermehrtes Returntraining im Tennistraining stattfinden muss. Dies geschieht schon durch einfaches sich bewusst machen über die verschiedenen Taktiken beim Return (vgl. ebd. S. 88).

Im Folgenden wird speziell auf die Verteidigungs- und Angriffsbeinarbeit beim Return eingegangen. Man könnte noch viele weitere Überlegungen anstellen, wie zum Beispiel über die Taktik der Beinarbeit bei Wind oder im Doppel, sprengt aber an dieser Stelle den Rahmen.

3.1.1 Zur Taktik der Verteidigungs-Beinarbeit beim Aufschlag-Return

Die Verteidigungs-Beinarbeit ist ein elementarer Baustein im Tennis. Sie beginnt innerhalb eines Ballwechsels nach dem Treffen des Balles und endet mit der Einnahme der Verteidigungshaltung[3] in der Verteidigungsposition. Beim Aufschlag-Return jedoch kann der Rückschläger in aller Ruhe seine Verteidigungsposition einnehmen, während der Aufschläger seine Aufschlag-Position einnimmt. Die beste Verteidigungsbeinarbeit bringt jedoch dem Rückschläger nichts, wenn er nicht die richtige Position eingenommen hat. Die Verteidigungsposition liegt beim Aufschlag-Return auf der Winkelhalbierenden des Streuungsfeldes aller möglichen gegnerischen Aufschläge und verändert sich mit der Position des Aufschlägers. Obwohl das Streuungsfeld um die Hälfte kleiner ist als im normalen Ballwechsel, muss der Rückschläger auf die genaue Einnahme seiner seitlichen Positionen achten wegen der Schnelligkeit und Platzierung der Aufschläge. Vergleiche dazu auch untenstehende Abbildung 3 (vgl. ebd. S. 88). In

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

dieser Abbildung ist auch gut die Lage der Verteidigungs-Position in der Tiefe des Feldes zu sehen. So stellt a) die Grundlinien-Region, b) die Mittelfeld-Region und c) die Netz-Region dar (vgl. ebd. S. 71).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gerade wenn ein Linkshänder von links mit viel Seitenschnitt aufschlägt, weicht die Verteidigungsposition bei einem guten Taktiker mehr oder weniger viel von der Mittelsenkrechten des Streuungsfeldes nach links ab. Vergleiche dazu untenstehende Abbildung 4. Andersherum wäre es der Fall bei einem Rechtshänder (vgl. ebd. S. 89). In dieser Abbildung wird sowohl bei a) als auch bei b) von der linken Seite der Mitte aus aufgeschlagen. Wenn wie eben erwähnt, ein Linkshänder von links mit einem Seitwärtsdrall aufschlägt, so geht der Ball nach außen weg (siehe b). Bei (a) schlägt ein Rechtshänder mit Seitswärtsdrall auf und der Ball dreht sich zur Mitte bzw. er dreht auch „auf den Körper“ des Rückschlägers.

Im Durchschnitt liegt die Verteidigungsposition etwas hinter der Grundlinie, aufgrund der besonderen Gegebenheiten, dass beim Aufschlag-Return die meisten Treffpunkte etwa auf Höhe der Grundlinie getroffen werden. Dies sollte man aber nicht Verallgemeinern, denn es gibt ebenfalls viele technische taktische Gründe für zum Teil bedeutende Abweichungen. So steht der Rückschläger weiter vorn und weiter hinten, je nachdem (vgl. ebd. S. 90):

- ob der gegnerische Aufschlag eher länger oder kürzer ist, hoch oder flach abspringt
- ob der erste Aufschlag oder der zweite Aufschlag ausgeführt wird
- ob man Gegenwind oder Mitwind hat und wie stark dieser Wind dementsprechend ist
- wie die Returntechniken des Rückschlägers sind, also ob er z.B. den zweiten Aufschlag grundsätzlich als Netzangriffsball spielt oder einen Stopball vorzieht.

[...]


[1] C-Lizenz und Cardio Trainer Lizenz

[2] im folgenden verwende ich nur die männliche Form von „Spieler“, die aber das weibliche Geschlecht mit einschließt

[3] damit ist keinesfalls eine starre, „eingefrorene“ Haltung gemeint, wie es vielfach in Lehrbüchern steht, sondern es meint, dass alles in Bewegung ist. Der Begriff „Haltung“ kann falsche Assoziationen wecken (vgl. ebd. S. 88f.).

Ende der Leseprobe aus 63 Seiten

Details

Titel
Aktionsschnelligkeit beim Return im Tennis
Hochschule
Universität Hamburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
63
Katalognummer
V192164
ISBN (eBook)
9783656185680
ISBN (Buch)
9783656212058
Dateigröße
19659 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aktionsschnelligkeit, return, tennis
Arbeit zitieren
Henning Fischer (Autor), 2011, Aktionsschnelligkeit beim Return im Tennis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192164

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