Die Varietäten des Französischen auf Guadeloupe


Seminararbeit, 2010

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt:

1. Einleitung

2. Die Kolonialisierung durch Frankreich-geographische Lage Guadeloupes, geschichtlicher Abriss und aktuelle Problematik
2.1 Geographische Lage
2.2 Geschichtlicher Abriss der Kolonialgeschichte
2.3 Aktuelle Problematik

3. Die Varietäten des Französischen auf Guadeloupe

4. Soziolinguistische Analyse des Gebrauchs der Varietäten des Französischen

5. Fazit

6. Anhang

7. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung:

« Paris, c'est-à-dire l’Europe n’a jamais été aussi proche. L’avion, les nombreuses chaînes de télévision à l’heure du direct, le téléphone portable, Internet et autres nouvelles technologies ont beaucoup réduit l’insularité et l’isolement. »1

Seit 1946 besitzt die ehemalige Kolonie Guadeloupe den Status eines französischen Überseedepartements.2Diese Tatsache impliziert bereits, dass der politische Einfluss des Hexagons auf die französische Insel in den Kleinen Antillen nach wie vor evident ist. Zu glauben, dass in Guadeloupe seit Ende der französischen Kolonialisierung der Einfluss Frankreichs abrupt abgebrochen sei, muss durchaus als naiv bezeichnet werden. Zudem ist, im Zuge der Globalisierung, Mobilisierung und im Zeitalter der Massenmedien, die Verbindung zwischen der Insel Guadeloupe und dem französischen Festland nie leichter herzustellen gewesen, wie es das einleitende Zitat treffend illustriert. Ausgehend von diesen einleitenden Überlegungen stellt sich die Frage, wie sich der Einfluss Frankreichs auf das Sprechverhalten der Bewohner Guadeloupes ausgewirkt hat und sich noch weiter auswirken wird. Welche Sprachen werden auf Guadeloupe gesprochen, welche Besonderheiten hat die französische Sprache auf Guadeloupe und welche sprachlichen Entwicklungstendenzen zeichnen sich ab? Dies führt zum Forschungsthema dieser Arbeit:

Die Varietäten des Französischen auf Guadeloupe.

Die Arbeit wird in fünf Teile untergliedert. Auf diese Einleitung folgen im zweiten Kapitel ein kurzer Abriss der Kolonialgeschichte Guadeloupes sowie einige geographische Hinweise. Hierbei wird auch auf die aktuellen politischen Konflikte zwischen Guadeloupe und dem französischen Festland eingegangen. Darauf folgt, im dritten Kapitel, eine Übersicht der Sprachvarietäten auf Guadeloupe und darauf aufbauend, im vierten Kapitel, eine soziolinguistische Analyse des Gebrauchs der Varietäten durch die Sprecher. Abschließend wird ein Fazit gezogen und ein hypothetischer Ausblick gegeben.

2. Die Kolonialisierung durch Frankreich- geographische Lage Guadeloupes, geschichtlicher Abriss und aktuelle Problematik:

2.1 Geographische Lage:

Um die Sprachenvielfalt auf Guadeloupe beschreiben und verstehen zu können, ist es unerlässlich, dass man sich zum einen die geographische Lage der Insel vor Augen führt und zum anderen die wichtigsten und markantesten Eckpunkte der Kolonialgeschichte kennt:

« Située entre 15° 59’ et 18° 5’ de latitude N. et entre 61 degrés et 63° 22’ de longitude O., et encadré elle aussi par des territoires britanniques (Montserrat au nord, la Dominique au sud), la Guadeloupe se compose de deux îles : la Basse-Terre ou Guadeloupe proprement dite (943 km²), la Grande-Terre (566 km²), que sépare un bras de mer envasé de 20 à 30 mètres de large coupant en son milieu l’isthme par lequel sont unies ces deux terres et dit la Rivière salée. Aux deux îles principales s’adjoignent plusieurs dépendances , dont les deux derniers ne se rattachent à la Guadeloupe que de façon administrative : à l’est la Désirade (27 km²) et la Petite- Terre (4 km²) ; au sud Marie-Galante (149 km²) et les Saintes (Terre-de-Haut et Terre-de-Bas, 14 km²) et la partie nord de Saint-Martin (59 km², représentant environ les deux tiers d’une île dont le restant est possession hollandaise.3

Dieses Zitat bietet einen guten Überblick über die geographische Lage und Größe sowie über die Bestandteile der Inselgruppe Guadeloupe. Martinique und Guadeloupe bilden zusammen die Kleinen Antillen und werden auf Grund der französischen Kolonialisierung und des heutigen politischen Status der selbstständigen Überseedepartements auch französische Antillen genannt.4Der Guadeloupe-Archipel, der ca. 7000 Kilometer vom europäischen Festland entfernt ist und mitten in der Karibik liegt, besteht aus acht bewohnten und einigen weiteren nicht bewohnten Inseln5. Die Hauptinsel Guadeloupe setzt sich aus zwei landschaftlich sehr unterschiedlichen Hälften zusammen, nämlich Basse-Terre und Grande-Terre. Diese sind nur durch einen schmalen Meeresarm voneinander getrennt. Die Form beider Inselhälften erweckt den Eindruck eines Schmetterlings, weshalb Guadeloupe oft auch als „Schmetterling der Karibik“ bezeichnet wird.6Zu den weiteren bewohnten Inseln zählt die Inselgruppe Iles des Saintes (sie umfasst zwei bewohnte und sieben unbewohnte Inseln). Zum Archipel gehören des Weiteren die bewohnten Inseln Marie-Galante und La Désirade sowie die zwei kleineren nicht bewohnten Inseln Iles de la Petite Terre.7 Besonders erwähnenswert ist außerdem der Status der Insel Saint- Barthélemy und des Französischen Teils von Saint-Martin: Diese 200 Kilometer nördlich der Hauptinsel Basse-Terre gelegenen Inseln gehörten bis 2007 politisch ebenfalls zu Guadeloupe, sind jedoch seit Februar 2007 von Guadeloupe abgetrennt und haben nun den Status von zwei überseeischen Gebietskörperschaften, sogenannte collectivités d’outre-mer.8Die Insel Guadeloupe mit ihrer Hauptstadt Basse-Terre hat ein Gesamteinwohnerzahl von 448.713 (Stand: 2005) auf einer Gesamtfläche von 1780 km².9Im Anhang dieser Arbeit befindet sich eine geographische Karte von Guadeloupe zur Ansicht. Was die ethnische Zusammensetzung angeht, lässt sich konstatieren, dass ca. 90% der Bevölkerung aus Schwarzen und Mulatten besteht, weitere 5% sind Weiße und Inder, Libanesen und Chinesen machen die restlichen 5% der Bevölkerung Guadeloupes aus.10

2.2 Geschichtlicher Abriss der Kolonialgeschichte:

Es würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen, an dieser Stelle eine detaillierte Beschreibung der Geschichte Guadeloupes von der Entdeckung Guadeloupes durch Christoph Kolumbus bis zur Integration in den französischen Staat zu geben. Dennoch werden im Folgenden einige wichtige und zentrale Eckpunkte der Kolonialgeschichte kurz erläutert, ohne die ein Verständnis der aktuellen Situation auf Guadeloupe nur schwer möglich wäre.

Wie bereits erwähnt wurde Guadeloupe von Christoph Kolumbus entdeckt, und zwar am 04.11.1493. Auf seiner zweiten Reise kam er auf Guadeloupe in Kontakt mit der indigenen Bevölkerung, den „Caraïbes“.11Letztere wiederum hatten das Volk der Arawak verdrängt, ebenfalls eine indianische Bevölkerung, die aus Südamerika gekommen war.12Nachdem im Jahre 1604 ein Kolonisierungsversuch der Spanier von den Bewohnern Guadeloupes verhindert werden konnte, ging die Insel dreißig Jahre später, 1635, in französischen Besitz über.13Bauern aus der Normandie siedelten sich an und die Neuankömmlinge begannen ab 1644 mit dem Anbau von Zuckerrohr und betrieben ihre Plantagen mit Sklaven aus Schwarzafrika.14Jean-Baptiste Colbert fasste alle französischen Besitzungen in der Karibik in der Compagnie des Indes Occidentales zusammen, die Gewürze, Tabak, Zucker und Rum für das Mutterland Frankreich produzierte.15Die Sklaven aus Südafrika waren notwendig, weil die sogenannten Engagés, also die Kontraktarbeiter aus Frankreich, den Arbeitsbedingungen im extremen tropischen Klima nicht gewachsen waren. Die Sklaven aus Schwarzafrika waren den klimatischen Bedingungen besser gewachsen und zudem noch billiger.16Als logische Konsequenz entstand auf Guadeloupe eine neue Klassengesellschaft. Der Klasse der herrschenden Weißen, die sich wiederum in petits blancs und grands blancs untergliedern ließ (ärmere Bauern und reichere Plantagenbesitzer) stand die Klasse der rechtslosen Sklaven gegenüber. Die Mulatten17stellten eine Zwischenschicht dar, die die Verwaltung der Kolonie mitgestaltete. Um die gefährdete hierarchische Ordnung auf der Insel zu bewahren, proklamierte Colbert 1685 die Sklavengesetze, bekannt unter dem Namen Code Noir. Die Sklaverei erhielt somit eine rechtliche Grundlage.18Ein weiteres entscheidendes Datum ist der 27. April 1848: An diesem Tag verkündete der elsässische Humanist Victor Schoelcher das offizielle Dekret über die Abschaffung der Sklaverei in den französischen Kolonien. Dadurch wurden die Sklaven, die 80% der Bevölkerung ausmachten, zu freien Bürgern, zumindest im juristischen Sinne.19Die Folge der Abschaffung der Sklaverei war ein Mangel an Arbeitskräften auf Guadeloupe, der in den Jahren zwischen 1854 und 1889 durch mehr als 67.000 Vertragsarbeiter aus Indien und China kompensiert wurde.

[...]


1Burac, Maurice: Les Antilles et la Guyane françaises à l'aube du XXIè siècle. [colloque de la fin de l'année 2000 organisé par le Centre de Recherche GEODE Caraïbe]. Paris, Schoelcher: Karthala; GEODE Caraïbe. (Terres d'Amérique, 4), S.13.

2Vgl. Pustka, Elissa (2007): Phonologie et variétés en contact. Aveyronnais et Guadeloupéens à Paris. Univ., Diss.--München, 2006. Tübingen: Narr (Romanica Monacensia, 75), S. 54.

3Leiris, Michel (1955): Contacts de civilisations en Martinique et en Guadeloupe. 1. Aufl. Paris: UNESCO-Gallimard (Race et Société), S. 15.

4Vgl. Gorskih, Ada (2008): Sprach- und Kulturtransfer zwischen Frankreich und Guadeloupe. München: Grin-Verlag für akademische Texte, S. 4.

5Vgl. Ebd.

6Gorskih, Ada (2008), S.4.

7Vgl. Ebd.

8Vgl. Ebd.

9Vgl. Ebd.

10Vgl. Ebd.

11Vgl. Leiris, Michel (1955), S. 17.

12Vgl. Leiris, Michel (1955), S. 17.

13Vgl. Ebd.

14Vgl. Reutner, Ursula (2005): Sprache und Identität einer postkolonialen Gesellschaft im Zeitalter der Globalisierung. Eine Studie zu den französischen Antillen Guadeloupe und Martinique. Univ., Diss.-- Augsburg, 2004. Hamburg: Buske (Kreolische Bibliothek, 20), S. 5.

15Vgl. Guadeloupe. In: http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/reisen/reisefuehrer/karibik/index,page=1859852.ht - ml ] Stand: 17.07.2010].

16Vgl. Gorskih, Ada (2008), S. 6.

17 Ein Mulatte ist das Kind eines weißen Herren und einer Sklavin.

18Vgl. Ebd., S. 7.

19Vgl. Ebd., S. 8.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Varietäten des Französischen auf Guadeloupe
Hochschule
Universität Trier
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V192204
ISBN (eBook)
9783656170334
ISBN (Buch)
9783656170662
Dateigröße
617 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
varietäten, französischen, guadeloupe
Arbeit zitieren
Julian Bethmann (Autor), 2010, Die Varietäten des Französischen auf Guadeloupe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192204

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