In der vorliegenden Arbeit sollen die Liberalisierung des Eisenbahnverkehrs, sowie der Marktzugang und die Entwicklung der privaten Schienengüterverkehrsunternehmen (SGV) / Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) behandelt werden. Zunächst wird im ersten Hauptteil der Prozess der Liberalisierung von seinen Anfängen auf europäischer Ebene über die europäischen rahmengesetzgeberischen Etappen bis hin zur deutschen Umsetzung beschrieben. Im zweiten Hauptteil wird auf den Marktzugang für private SGV-Unternehmen eingegangen. Hierbei wird ein besonderes Augenmerk auf die gesetzlichen Voraussetzungen und faktischen Marktzugangsbarrieren gelegt. Im dritten Hauptteil soll ein Überblick über die Entwicklung der privaten SGV-Unternehmen gegeben werden. Im Folgenden wird der im Sprachgebrauch üblichere Begriff der „Privatbahnen“ anstatt „private SGV-Unternehmen“ verwendet (siehe: 1.2 Definitionen / Begriffsbestimmungen). Mit Rücksicht auf den Umfang der vorliegenden Arbeit soll in den allermeisten Fällen ausschließlich der Eisenbahngüterverkehr betrachtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 EINFÜHRUNG IN DAS THEMA
1.2 DEFINITIONEN / BEGRIFFSBESTIMMUNGEN
1.3 AUSGANGSLAGE
2 LIBERALISIERUNG DES EISENBAHNVERKEHRS
2.4 EUROPÄISCHE ENTWICKLUNG ALS VORBEREITUNG
2.5 DIE EUROPÄISCHEN EISENBAHNPAKETE
2.6 BAHNREFORM IN DEUTSCHLAND
2.6.1 Ziele der Bahnreform
2.6.2 Kernelemente der Bahnstrukturreform
2.7 LIBERALISIERUNG IN DEUTSCHLAND UND DER EUROPÄISCHEN UNION
3 MARKTZUGANG FÜR PRIVATBAHNEN
3.1 AUSGANGSLAGE
3.2 GESETZLICHE VORAUSSETZUNGEN
3.3 FAKTISCHE MARKTZUGANGSBARRIEREN
4 ENTWICKLUNG
4.4 ENTWICKLUNG UND WETTBEWERB DER PRIVATBAHNEN
4.5 UNTERNEHMENSBEISPIEL
4.6 AKTUELLE EREIGNISSE
5 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Liberalisierungsprozess des Eisenbahnverkehrs mit Fokus auf den Schienengüterverkehr. Dabei wird analysiert, wie sich die regulatorischen Rahmenbedingungen auf den Marktzugang und die Entwicklung privater Eisenbahnverkehrsunternehmen in Deutschland ausgewirkt haben.
- Historische Entwicklung der Liberalisierung auf europäischer und nationaler Ebene.
- Analyse gesetzlicher Rahmenbedingungen und tatsächlicher Marktzugangsbarrieren.
- Untersuchung der Wettbewerbssituation zwischen privaten Anbietern und der DB AG.
- Evaluierung der Entwicklung des Schienengüterverkehrs anhand von Marktanteilen.
- Diskussion über Marktaustrittsbarrieren und zukünftige Wachstumsaussichten privater Bahnen.
Auszug aus dem Buch
3.3 Faktische Marktzugangsbarrieren
Die theoretischen Möglichkeiten, die sich aus Richtlinien, Gesetzen und Verordnungen ergeben, bedeuten in der Praxis nicht immer, dass diese Möglichkeiten für die Privatbahnen tatsächlich so bestehen. Diese Aussage wird durch die Ergebnisse des Liberalisierungsindex Bahn 2011 untermauert. Diese Studie besteht aus dem oben bereits angesprochenen LEX-Index und dem ACCESS-Index. Im ACCESS-Index werden die tatsächlich relevanten Marktzugangsbarrieren erfasst. Die Ergebnisse des LEX-Index fielen regelmäßig höher aus als der ACCESS-Index. Dieses lässt schließen, dass die gesetzlichen Voraussetzungen weiter vorangeschritten sind als die faktischen Marktzugangsbedingungen.
Als Marktzugangsbarrieren werden allgemein Kosten definiert, die anfallen beim Marktzugang in einen neuen Markt. Heute sind die relativen Zugangsbarrieren zunehmend relevant. Diese können zwar vom eintrittswilligen Unternehmen überwunden werden, sind aber mit Zeit, Aufwand und Kosten verbunden. In dieser Form stellen sie zum Teil sehr effektive Zugangsbarrieren da. Beispiele für relative Zugangsbarrieren sind: Pflicht zur Beantragung eines Sicherheitszertifikats, sowie Betriebsgenehmigung, Kosten für die Erteilung eines Sicherheitszertifikats, zeitlicher Vorlauf bei Trassenbeantragung, Zugang zu qualifiziertem Personal, Zugang zu Waggons, Sprachbarrieren, Lizensierungs-, Sicherheitszertifikats- und Fahrzeugzulassungsprozesse.
Aus den Ergebnissen des Liberalisierungsindex Bahn 2011 und ACCESS-Index (jeweils Platz 3 hinter GB und SE) lässt sich erkennen, dass sich die Möglichkeiten des Marktzugangs dritter Anbieter in Deutschland in der Spitzengruppe in Europa befinden und somit relativ weit entwickelt sind. So werden zum Beispiel die Schienennutzungsbedingungen von der DB Netz AG in mehreren Sprachen veröffentlicht. Die Vergabe von Betriebsgenehmigungen und Sicherheitszertifikate durch das Eisenbahnbundesamt (EBA) ist transparent im AEG geregelt. Jedoch kostet eine Betriebsgenehmigung 5000€. Diese Leistung ist in anderen EU-Ländern komplett kostenfrei. Die Trassenzuweisung wird diskriminierungsfrei durchgeführt. Desweiteren ist auch die Vorlaufzeit von acht Monaten für eine Trassenzuweisung im europäischen Vergleich positiv zu bewerten. Allerdings wurden auch Beschwerden bekannt, die über Diskriminierung bei der Nutzung von Rangierbahnhöfen und Abstellgleisen klagten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Liberalisierung des Eisenbahnverkehrs sowie Definitionen der zentralen Begriffe und Darstellung der historischen Ausgangslage.
2 LIBERALISIERUNG DES EISENBAHNVERKEHRS: Beschreibung der europäischen Entwicklung durch Eisenbahnpakete und der nationalen Bahnreform in Deutschland mit ihren Zielen und Kernelementen.
3 MARKTZUGANG FÜR PRIVATBAHNEN: Analyse der gesetzlichen Rahmenbedingungen und der in der Praxis bestehenden faktischen Marktzugangsbarrieren für private Akteure.
4 ENTWICKLUNG: Untersuchung der Wettbewerbsentwicklung, der Marktanteile von privaten Schienengüterverkehrsunternehmen sowie Vorstellung eines Praxisbeispiels.
5 FAZIT: Zusammenfassende Bewertung des Liberalisierungsfortschritts und der Wettbewerbssituation in Deutschland unter Berücksichtigung zukünftiger Herausforderungen.
Schlüsselwörter
Eisenbahnverkehr, Liberalisierung, Schienengüterverkehr, Marktzugang, Privatbahnen, DB AG, Bahnreform, Wettbewerb, Eisenbahnpakete, Infrastruktur, Trassenzuweisung, Marktanteile, Transportketten, Regulierungsbehörde, Verkehrswirtschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Liberalisierung des Eisenbahnsektors und der daraus resultierenden Entwicklung privater Schienengüterverkehrsunternehmen in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt die europäische Gesetzgebung, die deutsche Bahnreform, die gesetzlichen und faktischen Marktzugangsbedingungen sowie die aktuelle Wettbewerbsdynamik zwischen privaten Anbietern und der Deutschen Bahn AG.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, den Erfolg der Liberalisierungsbemühungen und die Entwicklungschancen privater Unternehmen im deutschen Schienengüterverkehr kritisch zu hinterfragen und zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methodik liegt der Untersuchung zugrunde?
Die Untersuchung basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Indizes, wie dem Liberalisierungsindex Bahn, um die Marktstruktur und regulatorische Gegebenheiten zu erfassen.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die regulatorische Vorbereitung, die spezifischen rechtlichen Voraussetzungen für den Marktzugang und die tatsächliche Marktentwicklung der Privatbahnen inklusive Praxisbeispielen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich diese Arbeit charakterisieren?
Die wichtigsten Begriffe sind Liberalisierung, Marktzugang, Schienengüterverkehr, Wettbewerb, Bahnreform und regulatorische Rahmenbedingungen.
Welche Hürden behindern laut der Arbeit den Markteintritt für neue Anbieter massiv?
Neben hohen regulatorischen Anforderungen und Betriebskosten werden vor allem die Verfügbarkeit von Güterwagen, der Fachkräftemangel sowie Diskriminierungspotenziale bei der Infrastrukturnutzung als kritische Barrieren genannt.
Wie bewertet der Autor die Rolle der TX Logistik AG im Kontext der Arbeit?
Die TX Logistik AG dient als exemplarisches Beispiel für ein privat gegründetes Unternehmen, wobei dessen Übernahme durch die italienische Staatsbahn den Status als unabhängige „Privatbahn“ infrage stellt.
- Arbeit zitieren
- Ralph Strubbe (Autor:in), 2011, Liberalisierung, Marktzugang und Entwicklung der privaten SGV-Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192281