Das Konzept der kulturellen Identität aus der Perspektive Ulrich Becks


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003
28 Seiten, Note: 3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1 Das Konzept der kulturellen Identität
1.1 Der Kulturbegriff
1.2 Der Identitätsbegriff
1.2.1 Fazit

2 Becks Betrachtungen zur Gegenwartsproblematik
2.1 Vergangenheit: Der Nationalstaat?
2.2 Gegenwart: Die Weltgesellschaft?
2.2.1 Der Prozess der Globalisierung
2.2.2 Der Prozess der Individualisierung und seine Begleiterscheinungen
2.3 Was bedeuten diese Entwicklungen für die Bildung einer kulturellen Identität?
2.3.1 Allgemeine Betrachtungen
2.3.2 Sprache als identitätsstiftender Moment?
2.3.3 Können Feinde eine gemeinsame Identität schaffen?
2.3.4 Fazit

3 Zusammenfassende Schlussbetrachtung

4 Literaturverzeichnis

Einleitung

In dieser Hausarbeit soll der Versuch unternommen werden, die Theorie der kulturellen Identität auf der Grundlage der sozialwissenschaftlichen Arbeiten Ulrich Becks näher zu untersuchen.

Ulrich Beck gehört zu den bekanntesten Soziologen Deutschlands und lehrt seit... an der Universität ….München,

Beck beschäftigt sich vor allem mit zeitgenössischen Problematiken, wie der Entstehung neuer Risikolagen oder gesellschaftlichen Veränderungen infolge bzw. bedingt durch den allgegenwärtigen Prozesses der Globalisierung.

So stammen Beschreibungen gegenwärtiger Prozesse, wie …..

"People shop internationally, work internationally, love and marry internationally, and combine multiple loyalties and identities in their lives. ( Beck http://www.lse.ac.uk/serials/Bjs/lectdet.htm)

aus der Feder Ulrich Becks. Das Zitat verweist darauf, dass die ´container-theory` ihre Geltung verloren hat. Das unterstellte Deckungsverhältnis von Staat und Gesellschaft bricht auf ( Beck 1999, S. 31).

Dies verweist auf ein generelles Problem der Sozialwissenschaften, von welchen Beck theoretische Neuentwicklungen und Anpassung an die neuen Herausforderungen gegenwärtiger Prozesse verlangt (Beck 1999, S. 30)

Genauer heißt es:

"Ulrich Beck suggested cosmopolitan social science as the beginnings of a new critical theory, that is an approach in which the national perspective is no longer assumed as a central organising principal of social scientific thought, in which the contradictions, dilemmas and unseen and unwanted side-effects of an increasingly cosmopolitan modernity are problematised." (http://www.lse.ac.uk/Depts/global/Yearbook/methnatreport.htm)

Zu derartigen Unzulänglichkeiten gegenwärtiger sozialwissenschaftlicher Theorie gehört, wie im Folgenden noch zu sehen sein wird, auch das territoriale Verständnis von Identität.

Genauer heißt es bei Beck die

"...neue technologisch-symbolische Erfahrungseinheit von Globalität und Intimität... ist mit den gängigen Begrifflichkeiten von ´Lebenswelten`, ´Klassen`, ´Kulturen`, ´Subkulturen` und ähnlich territorial gedachten Einheiten nicht zu fassen ( Beck 1998, S.56 ).

Im Folgenden wird versucht Becks Ausführungen bezüglich der Aspekte bzw. Bedingungen für die Bildung einer kulturellen Identität darzulegen.

Im ersten Teil dieser Hausarbeit soll zunächst das Konzept der kulturellen Identität vorgestellt werden. Da davon auszugehen ist, dass es auch verschieden Betrachtungsweise gibt, werden verschiedenen Beiträge zur Problematik der kulturellen Identität aufgegriffen und behandelt.

Dies soll nicht zu letzt einen umfassenderen Blick geschuldet sein. Genauer werden im ersten Teil die Begriffe Kultur und Identität näher erläutert und differenzierend betrachtet werden.

Im darauf folgenden zweiten Teil sollen zunächst einige Theorien Becks vorgestellt werden von denen ich denke, dass man sie im Kontext des Konzepts der kulturellen Identität heranziehen bzw. betrachten kann.

Insbesondere soll auch ein Vergleich zwischen den Charakteristika der kulturellen Identität aus Teil 1 und den Betrachtungen Becks herangezogen werden.

Im Anschluss daran folgt, wie allgemein üblich, eine zusammenfassende Schlussbetrachtung und die Liste der verwendeten Literatur aus dem Bereich der Printmedien und des Internets.

1 Das Konzept der kulturellen Identität

1.1 Der Kulturbegriff

Maletzke definiert den Begriff der Kultur

"...als System von Konzepten, Überzeugungen, Einstellungen, Wertorientierungen, die sowohl im Verhalten und Handeln der Menschen wie auch in geistigen und materiellen Produkten sichtbar werden. ( Maletzke 1996, S. 35).

Hier wird Kultur als die Art und Weise verstanden wie Menschen ihr Leben und ihre Umwelt gestalten.

Müller-Doohm dagegen geht in seiner Begriffsklärung weniger von mikrosoziologischen Anhaltspunkten aus. So begreift er Kultur ausgehen von geschichtlichen und gesamtgesellschaftlichen Gesichtspunkten …

" … als die historisch entstandene Konstellation von Bedeutungssetzungen (...): als ausdifferenziertes System gemeinsamer Symbole, auf dessen Grundlage die Subjekte ihren Erfahrungen Bedeutungen verleihen können." ( Viehoff/ Segers. 1999, S. 86)

Eder stellt fest: " Kultur ist ein Medium für Kommunikation. Kultur ist die Bedingung der Möglichkeit für Kommunikation." ( Viehoff/ Segers.1999, S. 171) und betont dabei einen wesentlichen Bestandteil in der Konstituierung von kollektiv orientierten Identität. Aber dazu später mehr.

Beck dagegen differenziert zwischen zwei Auffassungen des Kulturbegriffes. Demnach bindet der erste Kulturbegriff die Kultur an ein bestimmtes Territorium. Dieser Begriff geht von der Annahme aus, dass Kultur immer als ein Produkt lokaler Prozesse zu betrachten ist. Dieses Begriffsverständnis ermöglicht eine klare Abgrenzung der Kulturen bzw. der territorialen Gemeinschaften. (Beck 1997 a, S. 118)

Der zweite Kulturbegriff versteht Kultur als "allgemein menschliche software". Nach diesem Verständnis erfolgen bei allen Menschen Lernprozesse, die sich nicht an deren spezifische Kulturen binden.

"Diese werden als nicht-integrierte, nicht-abgegrenzte Vielheit ohne Einheit gedacht, in meinem Sinne als inklusive Unterscheidungen." (ebd.)

Diesem Wortsinn nach, existieren eine Reihe von Kulturen nebeneinander, die zusammen eine Gesamtheit bilden.

Generell aber gehen beide Definitionen davon aus, dass jede Kultur an einen Ort gebunden ist. Während erstere den Ort einer Kultur als in sich geschlossen begreift, versteht die zweite Kulturdefinition den Ort als nach außen und somit für andere kulturelle Einflüsse offen (ebd.).

Für die "allgemein menschliche software" des zweiten Kulturbegriffs sprechen die sogenannten Kulturellen Universalien. Diese Eigenschaften, Fähigkeiten und Verhaltensweisen treffen kulturübergreifend auf alle Individuen zu. Neben den biologischen Universalien, die klar vorhanden und erwiesen sind, gestaltet sich der Nachweis kultureller Universalien schwierig bis unmöglich, da die Bedingungen, die kulturelle Universalien erfüllen müssen - überall und zu jeder Zeit gegolten zu haben und heute noch zu gelten - schwerlich nachweisbar sind. Generell aber kann man davon ausgehen, dass zum Beispiel Namen, Zahlensystem, die Ehe, Phonome und Morpheme, moralische Werte, Musik u.s.w. den Charakter kultureller Universalien tragen ( Maletzke 1996, S. 36).

1.2 Der Identitätsbegriff

Saxer versteht unter der Identität eines Menschen

"…die subjektive Verarbeitung biographischer Kontinuität/ Diskontinuität und ökologischer Konsistenz/ Inkonsistenz durch eine Person in Bezug auf Selbstansprüche und soziale Anforderungen." ( Viehoff / Segers 1999, S. 98)

Graumann betont einen Aspekt, der besonders für die spätere Diskussion von Relevanz ist: die Ortgebundenheit einer Identität. So schreibt er:

" Jede soziale Identität ist nicht nur interpersonal-interaktiv eingebunden; sie ist auch immer ortsgebunden (...) und dingbezogen." (Viehoff/ Segers 1999, S. 64)

Wie später noch zu erfahren sei wird, hält Beck angesichts aktueller Entwicklung die Bedingung der Ortsgebundenheit einer Identität für nicht zeitgemäß (http://www.lse.ac.uk/Depts/global/Yearbook/methnatreport.htm). Darauf wird an anderer Stelle noch einzugehen sein.

Des weiteren nimmt Graumann ab, dass ein elementarer Vorgang für die Entwicklung einer Identität die Unterscheidung bzw. die Kategorisierung zwischen "wir" und "den anderen" ist. Dieser Vergleich beruht auf der Einschätzung, dass der andere in einer bestimmten Hinsicht als anders bzw. unterschiedlich eingeschätzt wird, d.h. einer anderen sozialen Gruppe oder Gemeinschaft angehört ( ebd., S.71). Somit stützt sich soziale Identität auf das Bewusstsein einer bestimmten Gruppe anzugehören.

Darüber hinaus stellt Graumann klar, dass soziale und kulturelle Identität aus denselben Quellen entspringen. So schreibt Graumann:

" Was Orte und Dinge wie Personen symbolisieren können, sind letztlich Werte, die in ihrer Gesamtheit eine Kultur definieren. Sich mit jemanden oder mit etwas zu identifizieren ist immer wertbezogen und damit auch eine Identifikation mit der Gemeinschaft, für die diese Werte verbindlich sind. In dem Maße also, in dem soziale Identität durch Identifikation konstituiert wird, ist es legitim, sie auch als kulturelle Identität zu interpretieren." (ebd., S. 64)

Auch Eder betont die notwendige Abgrenzung zum Anderen, indem er schreibt:

"Kollektive Identität ist etwas, dessen Inhalt kontingent ist, mit dem eine diffuse affektive Bindung besteht und das eine zentrale Leistung erbringt: zu definieren, wer dazu gehört und wer nicht, also Exklusionsleistung zu vollbringen."( ebd., S. 148)

Allerdings führt Eder das Gemeinsame, auf dessen Basis über Inklusion und Exklusion entschieden wird, nicht auf historisch gewachsene Gegebenheiten zurück, wie Müller-Doohm, der Kultur als "…historisch entstandene Konstellation von Bedeutungssetzungen" begreift. Vielmehr meint er:

" Wenn ein Gemeinsames identifiziert wird, dann nicht auf Grund von Geschichte, sondern deswegen, weil sich in Institutionen der Kommunikation kultureller Sinnzusammenhänge ausgebildet haben, die festlegen, was als gemeinsames kommuniziert werden soll." (ebd., S. 160)

Darüber hinaus führt Eder aus: "Die kulturellen Wurzel der europäischen Gesellschaft bauen somit auf einem komplexen kulturellen Erbe auf." ( ebd.)

Dieses besteht einerseits aus den Griechen, deren Gesellschaft sich durch

"…soziale, ökonomische und politische Dynamik (und, Anmerkung des Verf.) flexiblen kulturellen Restriktionen des Gebrauchs politischer Macht…." auszeichnete und andererseits aus dem jüdischen Erbe, welches ihre ökonomische, politische und soziale Dynamik in eine kulturelle Welt integrierte, die dem Gebrauch von politsicher Macht rigide Begrenzungen setzte." (ebd., S. 157).

Welches Gesellschaftsmodell sich durchsetzte muss sicherlich nicht noch mal erwähnt werden.

Generell geht es nach Eder

"… nicht um die Richtigkeit kollektiver Erinnerungen und Geschichten - es geht nur um die Tatsache, daß kollektive Erfahrungen erinnert werden, wie fiktiv sie auch immer sein mögen." (ebd., S.154)

Müller-Doohm begreift kollektive Identitäten als "… Konstrukte aus symbolischen Mitteln", die ihrerseits einem kulturellen Traditionszusammenhang entnommen werden. (ebd., S. 78).

Diese Identitäten kennzeichnen die Zugehörigkeit zu einer Gruppe sei es eine Sprachgemeinschaft, eine Nation oder ein Zusammenschlusses von Staaten und sind aus eine historischen Prozess entstanden. Müller-Doohm verweist des weiteren bereits eine Veränderung in der Konstituierung sozialer Identitäten an, wenn er schreibt:

"Diese spezifisch moderne Gemeinsamkeit gründet nicht mehr auf der Identifikation mit einer alle repräsentierenden symbolischen Figur (...), sondern auf einer artifiziell durch Kommunikation hergestellten Gemeinschaft, die sich auf beliebige Merkmale berufen kann: Sprache, auf Herkunft, auf Religion." ( ebd., S. 163)

So unterliegt die Gestaltung der Identität im Laufe der Globalisierung, die hier begriffen wird als

"... Prozeß fortschreitender Verdichtung bei gleichzeitiger Verflechtung von Orten, Kapital, Gütern, Dienstleistungen und Risiken..." (ebd., S. 175),

einem Wandel. Nicht mehr die Nation bzw. die lokale Gemeinschaft bildet die Basis für Gruppenzugehörigkeiten. Stattdessen macht man sich auf die Suche nach einem "…gemeinsamen Nenner jenseits des Nationalen." (ebd., S. 165).

Das Gemeinsame bleibt im ´postmodernen Identitätsentwurf ` weitgehend beliebig (ebd., S. 157). Dennoch kann gelten:

"… die Konstruktion kollektiver Identitäten ist im Zeitalter des Globalismus nicht nur durch die Bindung an partikuläre Weltbilder zu sichern, sondern an ein außerordentlich hohes Niveau kommunikativer Kompetenz gebunden." ( ebd., S. 178).

Graumann hält insbesondere für komplexe und pluralistische Gesellschaften, in denen "...viele heterogene Werte repräsentiert sind und von denen manche ( wie Egoismus und Solidarität) nicht miteinander vereinbar sind" davon ausgegangen werden muss fest, dass sich die auch die sozialen Identitäten ihrer Mitglieder "...komplex und spannungsreich..." strukturieren ( Viehoff/ Segers 1999, S. 67).

1.2.1 Fazit

Die kulturelle Identität ist dem Begriff nach folglich ein Bewusstsein, welches sich auf der Basis einer Gemeinsamkeit herausbildet.

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Das Konzept der kulturellen Identität aus der Perspektive Ulrich Becks
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Medienwissenschaften)
Note
3
Autor
Jahr
2003
Seiten
28
Katalognummer
V19229
ISBN (eBook)
9783638234030
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konzept, Identität, Perspektive, Ulrich, Becks
Arbeit zitieren
Jessica Karcher (Autor), 2003, Das Konzept der kulturellen Identität aus der Perspektive Ulrich Becks, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19229

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