Die künstlerische Entwicklung von Franz Marc


Seminararbeit, 2003

23 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Gliederung

0 Einleitung

1 Erste Jahre

2 Erste Schritte als freier Maler

3 Neue Künstlervereinigung München

4 „Blauer Reiter“

5 Letzte Jahre

6 Ergänzung

7 Quellenangabe

0 Einleitung

„Es ist wahnsinnig schwer, seinen Zeitgenossen geistige Geschenke zu machen.“[1] - Dieser Satz steht mitten in der Entwicklung, welche mit der Suche Franz Marcs nach dem künstlerischen Ausdrucksmittel begann und die den Suchenden zum Expressionismus hinführte.

Doch wie gelangte Franz Marc, dessen Bilder noch heute ihre geistige Aussage zu übermitteln verstehen, zu diesem seinen Ziel? Wie veränderte sich in dieser Entwicklung sein Umgang mit Farbe, Form und Fläche? Franz Marc musste, um es an seine Zeitgenossen weitergeben zu wollen, selbst dieses geistige Geschenk bekommen haben. Diese Hausarbeit setzt sich zum Ziel, zu klären, was dieses Geschenk genau ist, den Weg und die Entwicklung dorthin zu verfolgen und anhand der Bilder von Franz Marc zu erklären. Auch soll aus gegebenem Anlass der Bildraum dabei genauer betrachtet werden.

1 Erste Jahre

Geboren wurde Franz Moriz Wilhelm Marc am 8. Februar 1880 in München als zweiter Sohn von Wilhelm Moriz Eduard und Sophie Maria Marc, geborene Maurice.

Sein Vater war ein anerkannter Genremaler, der auch seine beiden Söhne oft malte, wodurch der junge Franz Marc bereits sehr früh in Kontakt mit der Malerei kam. Doch nach dem Abitur ging sein Berufswunsch zunächst in eine andere Richtung - der Konfirmandenunterricht beim Pfarrer Schlier hatte ihn sehr begeistert, und durch den Einfluss des Pfarrers entstand in Franz Marc der Wunsch, selbst Theologe zu werden. Aber noch Ende des Jahres 1898 nahm er von diesem Entschluss wieder Abstand. Die Philologie erschien ihm nun erstrebenswerter und im Oktober des Jahres 1899 folgte er mit der Immatrikulation an der Münchner Universität dem Beispiel seines 3 Jahre älteren Bruders Paul. Um aber studieren zu können, musste Franz Marc zuvor eine einjährige Militärzeit absolvieren. Nachdem er diese Pflicht erfüllt hatte, war von seinem ursprünglichen Vorsatz nichts übrig geblieben, wiederum schwebte ihm ein neues Ziel vor Augen und so schrieb er sich 1900 an der Münchner Akademie ein, um Maler zu werden. Hier erhielt er im Zeichnen Unterricht von Gabriel Hackl und im Malen von Wilhelm Dietz. Neben dem für Marc eher belastenden Unterricht, in dem er nicht wirklich frei malen konnte, mag es auf ihn auch ernüchternd gewirkt haben, dass man an der Akademie von der moderneren, einflussnehmenden Malerei[2] noch nichts gehört und vor allem nichts vermittelt hat. Und so begann Marc durch Reisen vor diesem Studium zu flüchten. Im Oktober 1901 reiste er beispielsweise mit seinem Bruder nach Italien, im Frühjahr und Sommer des folgenden Jahres unternahm er immer wieder Fahrten ins Dachauer Moos und auf die Staffelalm bei Kochel am See. Mit seinem Studienkollegen Friedrich Lauer reist er im Jahre 1903[3] nach Frankreich, wo er seinen Auftritt als ausländischer Maler genießt, sein mitgebrachtes Skizzenbuch aber eher selten gebraucht. Auf dieser Reise legt er durch den Kauf einiger japanischer Holzschnitte den Grundstock für seine Sammlung. Bei der Rückkehr nach München stand dann sein Entschluß fest: die strikte Malerausbildung entsprach seinen Vorstellungen nicht und er würde nicht an die Akademie zurückkehren.

2 Erste Schritte als freier Maler

Das erste eigene Atelier bezog Franz Marc 1904, es lag in der Kaulbachstraße 68 in unmittelbarer Nachbarschaft zu Anette Simon, mit der er im selben Jahr eine äußerst schwierige Beziehung einging. Der Hang der Kopistin zum Schwermut und zum Innerlichen fand bei Marc einen guten Nährboden, sodass die Verbindung der beiden wohl sehr durch Melancholie geprägt war. Dadurch, und natürlich durch den Austritt aus der Akademie, wodurch er nun vorerst alleine stand, malte Marc in dieser Zeit wenig.

Doch schon bald lernte er den Tiermaler Jean-Bloé Niestlé kennen, von dessen Bildern er sehr begeistert war. So erwähnte er beispielsweise einen Rahmen, den Niestlé angefertigt hatte und auf dem ein Schwarm Spatzen zu sehen war, von denen jeder seinen eigenen Ausdruck hatte. Er lobte in höchsten Tönen, dass man das Flügelrauschen förmlich hören könne.[4] Der Impuls, mit dem Motiv „Tier“ die Melancholie, Innerlichkeit und Vertiefung am genialsten darstellen zu können, war nun in Franz Marc gesetzt. Aber auch die Vermenschlichung des Tiers, die in diesen Ansichten lag, übernahm Marc, was seine späteren Arbeiten lange Zeit prägen würde.

1905 verbringt er den Sommer auf der Staffelalm bei Kochel und studiert die Pleinair-Arbeiten der Scholle-Gruppe, die eine flächige, aufgehellte und pastose Malweise vertraten.

Auch lernt er im selben Jahr Marie Schnür und später Maria Franck kennen. Von Anette Simon hatte er sich getrennt, was keineswegs ein Ende der Beziehung bedeutete, und nun sah er sich in einer Vierecksbeziehung zwischen den drei Frauen, die sehr wohl voneinander wussten, zumal Marie Schnür und Maria Franck sogar Freundinnen waren. Im Jahr darauf bat Marie Schnür Franz Marc, ihr bei einem Problem behilflich zu sein- sie könne als allein stehende Frau ihr Kind nicht zu sich holen, was durch eine Heirat wieder möglich wäre. Franz Marc sagte zu, er wusste nicht, dass die Gesetzeslage ganz anders aussah: Marie Schnür hätte ihr Kind ohne Probleme auch allein erziehen dürfen.

Der Sommer wurde wieder in Kochel verbracht, wo Marc auch sein Bild „Zwei Frauen am Berg“[5] malte, welches die beiden Konkurrentinnen Marie und Maria zeigt. Das eher impressionistische Bild, welches in sehr pastosen Pinselstrichen gemalt ist, nutzt die traditionelle Farbwahl, um räumliche Tiefe zu suggerieren - die im Vordergrund kräftigeren Farben verlieren nach hinten gehend ihre Intensität. Auch Licht und Schatten erzeugen Räumlichkeit, besonders gut bei der liegenden Maria Franck zu erkennen, deren Vorderseite im Schatten liegt.

Am 27. März 1907 erfüllte Marc sein Versprechen und heiratete, wenn auch etwas widerwillig, Marie Schnür. Noch am Abend desselben Tages reiste er nach Paris ab, und floh somit, wie bereits vier Jahre zuvor, vor seinen Problemen. In Paris beschäftigt er sich mit Arbeiten von Sisley, Monet und Renoir, die im Sinne des Impressionismus die künstlerische Norm ablehnten und unter freiem Himmel versuchten, die Lichtwirkung und den Augenblick einzufangen.

Im Mai starb der lange zuvor erkrankte Vater, und Franz Marc begann - wohl auch um den Schmerz zu bewältigen - exzessiv zu malen. Im folgenden Monat wurde das neue Atelier in der Schellingstraße bezogen. Ernüchternd in Bezug auf die eingegangene Ehe muss auf Franz Marc unter anderem auch der Besuch bei der Familie Maries gewesen sein, da er die Maleraura, die ihn an Marie fasziniert hatte, zerstörte. Auch hatte Marie ihr Kind noch immer nicht zu sich geholt. So wurde am 8. Juli 1908 nach nicht einmal anderthalb Jahren Ehe die Scheidung vollzogen. Entgegen ihres Versprechens bezichtigte Marie Schnür Franz Marc vor Gericht des Ehebruchs mit Maria Franck, wodurch sie eine spätere Heirat der beiden verhinderte.

Den Sommer verbrachte Marc zusammen mit Maria Franck in Lenggries, wo es für die beiden aber schwierig wurde, den Lebensunterhalt zu bestreiten, da der Ort zunehmend attraktiv für Touristen wurde. Den Geldproblemen versucht Marc als Tieranatomielehrer für Maler zu entgehen, ein Vorhaben, das wegen mangelnden Zulaufs scheiterte. Maria versuchte, da auch ihre Eltern nicht mehr lange gewillt waren, ihr regelmäßig Geld zu geben, von ihr gemalte Kinderbilder, die fraglos auch Ausdruck ihres eigenen unerfüllten Kinderwunsches waren, zu verkaufen. Es gelang ihr aber darauf, ihren Vater zu erweichen, und ein Jahr später konnten Franz und Maria die neue Wohnung in Sindelsdorf beziehen. Eine Zweisamkeit war aber Illusion, noch immer gab es die Nebenbuhlerin Anette Simon, welche von Maria Franck still geduldet wurde. Ebenfalls 1909 sah Marc eine Ausstellung von Vincent van Gogh in München und der Einfluss, den der Künstler auf ihn hatte, schlug sich auch in den Bildern Franz Marcs nieder.

Am Bild „Katzen auf rotem Tuch“ (1909 bis 1910) ist der Einfluss recht anschaulich. Zu sehen sind zwei schlafende Katzen, die auf einem roten Tuch liegen, welches sich wiederum auf einer Sandfläche inmitten einer Wiese befindet. Die beiden Katzen, die vordere blau-weiß[6], die hintere orangerot-gescheckt auf weißem Untergrund, wirken räumlich, auch durch die perspektivische Verkürzung der vorderen Katze, aber es entsteht keine Tiefenwirkung, zumal die Wiese am oberen Bildrand abgeschnitten wird und somit eher wie eine Mauer, als eine sich nach hinten ziehende Fläche wirkt. Eindeutig zu erkennen ist der Bezug zu van Gogh (1853 - 1890) erkennbar, der spätimpressionistisch gemalt und dabei seinen eigenen unverkennbaren Stil entwickelt hatte, der unter anderem durch den bewegten, aus kleinen Strichen bestehenden Pinselduktus und eindrucksvolle Farbwirkung geprägt ist. Marc griff diese Malweise auf, besonders gut sind die wie Feuer züngelnden Pinselstriche in der Grasfläche und dem Fell der hinteren Katze zu sehen. Die Verehrung, die Marc Vincent van Gogh entgegenbrachte, ist in dem Nachstreben deutlich zu erkennen.

Das Bild „Schilfhocken“ von 1909 zeigt neben der van Gogh-Bewunderung, dass sich Marc auch mit Monet beschäftigt hatte, der um 1890 eine ganze Serie von Bildern gemalt hat, auf denen Heuhaufen in den verschiedenen Licht- und Wetterverhältnissen dargestellt sind.

1910 lernt Franz Marc August Macke kennen und damit hatte er, abgesehen von der Bekanntschaft zu Jean-Bloé Niestlé, endlich Kontakt zu gleichgesinnten Künstlern. Der Austausch mit Maria Franck mag ihm wohl nicht befriedigt haben, hatte er im Kopf doch eher den Gedanken einer Lehrer-Schülerin-Beziehung in Bezug auf die Malerei. August Macke hatte sich auf einer Parisreise von den Bildern der Fauves begeistern lassen, deren oberstes Gebot die Farbe war, und die diese, genau wie die - ebenfalls Macke vertrauten - Orphisten, als Ausdrucksmittel nutzten.

[...]


[1] Kandinsky, Marc

[2] Gemeint sind unter anderem die Künstler, die später (direkt oder indirekt, ) Einfluß auf Fran Marc nehmen sollten: Vincent van Gogh, Paul Gauguin oder Paul Cézanne.

[3] vgl. Elger; Bei Elger wird im Biographie-Teil für die erste Reise nach Paris das Jahr 1902 angegeben. (S.252)

[4] Brief an Maria Franck, gelesen in: Jüngling, Roßbeck (S. 57)

[5] Bilder, die im Text behandelt werden, finden sich als Schwarz-Weiß- oder Farb-Abbildung im Anhang.

[6] Marc unternimmt hier erste Versuche, sich von Lokalfarben zu lösen, allerdings noch vorsichtig: Blau liegt einem dunklen Grau oder hellen Schwarz sehr nahe (was bei einer Katze nicht ungewöhnlich wäre).

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die künstlerische Entwicklung von Franz Marc
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Kunst- und Musikwissenschaft)
Veranstaltung
Bild und Raum im 19. und 20. Jahrhundert
Note
1
Autor
Jahr
2003
Seiten
23
Katalognummer
V19243
ISBN (eBook)
9783638234153
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ich habe die Rechtschreibfehler, die die Arbeit enthielt, inzwischen ausgebessert. Die Original-Arbeit enthielt außerdem einen Anhang mit allen im Text vorkommenden Bildern. Da diese leicht in Kunstgeschichtsbüchern zu finden sind, habe ich sie in der digitalisierten Form weggelassen.
Schlagworte
Entwicklung, Franz, Marc, Bild, Raum, Jahrhundert
Arbeit zitieren
Caroline Dorn (Autor), 2003, Die künstlerische Entwicklung von Franz Marc, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19243

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