Favelas: Brasiliens Armenviertel


Bachelorarbeit, 2011

44 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Marginalviertel

3 Situation in Brasilien

4 Favela - Allgemeines/Verbreitung

5 Leben in der Favela
5.1 Bewohner
5.2 Infrastruktur
5.3 Bildung
5.4 Arbeitsmarkt
5.5 Soziales
5.6 Gewalt/Drogen

6 Sanierungsprojekte/Sozialprogramme

7 Wahrnehmung Favelas

8 Zusammenfassung/Fazit

Literatur

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Hüttensiedlung in Südafrika

Abbildung 2: Slum in Phnom Penh

Abbildung 3: Stadt- und Slumbevölkerung in den Entwicklungsländern

Abbildung 4: Modell der Struktur und Entwicklung der lateinamerikanischen Stadt

Abbildung 5: Modell der sozialräumlichen Differenzierung lateinamerikanischer Metropolen zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Abbildung 6: Favela Dona Marta im Stadtteil Botafogo (Rio de Janeiro)

Abbildung 7: Blick auf Pfahlbautensiedlung (Palafitas) im Stadtteil Mangueira in Salvador de Bahia

Abbildung 8: Bautyp D - Haus in Nova Holanda (Rio de Janeiro)

Abbildung 9: Geteerte Hauptstraße in der Favela Rocinha in Rio de Janeiro

Abbildung 10: Unbefahrbare Nebenstraße in einer Nebenstraße in einer Favela in Salvador de Bahia

Abbildung 11: Abfallprobleme in der Favela Mangueira (Rio de Janeiro)

Abbildung 12: Notdürftig abgedeckte Abwasserkanäle als Gasse in Calabar

Abbildung 13: Müll- und Abwasserentsorgungsprobleme während der Regenzeit in C

Abbildung 14: Gliederung des brasilianischen Schulsystems

Abbildung 15: Straßenverkäufer von Zuckerrohrsaft in Ondina (Salvador)

Abbildung 16: Favela Serrinha (Rio de Janeiro) vor und nach der Aufwertung

Tabelle 1: Slumbevölkerungen pro Land

Tabelle 2: Sozio-ökonomische Charakteristika Brasiliens im Vergleich mit ausgewählten Ländern in Lateinamerika und Europa

Tabelle 3: Favelas in den Millionenstädten Brasiliens

Tabelle 4: Wachstum der Favelas in Rio de Janeiro

Tabelle 5: Ausstattung der Wohnviertel mit Infrastrukturen (%)

Tabelle 6: Wirtschaftliche Aktivitäten in der Favela

Tabelle 7: Arbeitslosigkeit 2005 in ausgewählten brasilianischen Großstädten (Metropolitanregionen)

Tabelle 8: Teilnahme an Aktivitäten

Tabelle 9: Aktivitäten der Bewohnervereine der Favelas im Munizip von Rio de Janeiro (1981)

1 Einleitung

Marginalviertel sind zumeist räumlich, immer aber sozial gesehen von der übrigen Gesellschaft ausgeschlossen oder an den Rand gedrängt. Dies ist auch nicht anders in den Favelas, einer speziellen, brasilianischen Form von Marginalvierteln. Durch Filme wie ÄCity of God” oder ÄCity of Men” sowie die gleichnamige brasilianische Serie (portugiesisch: ÄCidade dos Homens“), aber auch aufgrund der im Vorfeld der Großveranstaltungen Fußballweltmeisterschaft (2014) und Olympische Spiele (2016) durchgeführten ÄAufräumaktion“ in Rio de Janeiro gelangten Favelas zu mehr Bekanntheit. Dabei werden jedoch größtenteils nur Aspekte wie Gewalt oder Drogen in den Vordergrund gestellt beziehungsweise thematisiert. Diese Bachelorarbeit ÄMarginalviertel: Das Beispiel Favela“ versucht einen eingehenderen und prüferenden Blick auf die Favela zu werfen. Die Arbeit beginnt mit einer allgemeinen Beschreibung und Definition von Marginalvierteln und der Darstellung der Situation in Brasilien. Anschließend wird, auch mit Hilfe dieser Merkmale, versucht das Beispiel beziehungsweise den Begriff Favela zu definieren. Eingebunden sind dabei Informationen zur Geschichte, Entstehung und Verbreitung von Favelas. Kapitel Fünf beschäftigt sich mit dem Leben in der Favela. Thematisiert werden hier die Bereiche Bewohner, Infrastruktur, Bildung, Arbeitsmarkt, Soziales, und Gewalt/Drogen. Nach einer Schilderung von vergangenen sowie aktuellen Sanierungsprojekten und Sozialprogrammen, wird abschließend auf die innere als auch äußere Wahrnehmung von Favelas eingegangen.

2 Marginalviertel

Das Wort Marginal stammt vom lateinischen Ausdruck margo und bedeutet Rand. In der Sozialgeographie kennzeichnet der Begriff Marginalität zwei Dimensionen der Armut. Zum einen die bausubstanzielle und im räumlichen Sinne aufzufassende Dimension in Form von randstädtischen, minderwertigen Siedlungsflächen. Zum anderen die unzureichende Beteiligungsmöglichkeit der Bewohner solcher Siedlungen an politischen und ökonomischen Entscheidungen als auch ihre Diskriminierung im soziokulturellen Bereich (Husa/Wohlschlägl 1988:31). In Großstädten von Entwicklungsländern werden Marginalsiedlungen anhand verschiedener Merkmale charakterisiert (Husa/Wohlschlägl 1988:31-32). Mertins (1984:434) nennt neben einer hohen Wohndichte mit einer überdurchschnittlich großen Anzahl von Personen je Wohnung, Hütte oder Haus auch die mangelhafte Bausubstanz. Im innerstädtischen Bereich spricht er in diesem Zusammenhang vom Verfall beziehungsweise von der Degradierung älterer Stadtviertel, während er im randstädtischen Bereich (bei vorhandenen Flächen auch im innerstädtischen Bereich) meist temporäre Behausungen und/oder Behelfshütten aus einfachen Baumaterialien (zum Beispiel Holz-Bambus- Lehm - Bauweise) anführt. Zudem stellt der Mangel an Wasserzapfstellen und sanitär- hygienischen Einrichtungen (nur für jeweils mehrere Haushalte verfügbar) eine unzureichende Wohninfrastruktur dar. Ein weiteres Merkmal ist die mangelhafte öffentliche Infrastruktur mit schlechten Straßen, einer schlechten oder gänzlich fehlenden Ver- und Entsorgung (Strom, Wasser, Abwasser, Müll), zu wenigen oder keinen Schulen und ungenügenden oder fehlenden medizinisch-hygienischen Einrichtungen. Außerdem ist ein hoher Anteil von Erwerbspersonen mit Niedrigsteinkommen oder unsicherem Einkommen aufgrund von Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung charakteristisch. Viele Personen besitzen keine feste Arbeitsstelle, sondern nur Gelegenheitsjobs. Bähr und Mertins (2000:19-20) erweitern die genannten Charakteristika. Mit dem hohen Prozentsatz der in Armut lebenden Bevölkerung ist ein großer Anteil der im informellen Sektor Tätigen verbunden. Sie sprechen von einem Anteil von 60-75% in fast allen Marginalvierteln. Im informellen städtischen Sektor liegen zumeist die einzigen Verdienstmöglichkeiten für die städtische Unterschicht (Deffner/Struck 2007:26). Des Weiteren gibt es eine hohe und sogar noch ansteigende Kriminalität, welche zum einen durch wachsende Armut, zum anderen durch zunehmende Politisierung oder Tribalisierung der Bewohner und davon ausgehenden

Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden lokalen Führern verursacht wird. Die Ausgrenzung der Bewohner vom Äoffiziellen“ städtischen Bereich, welche zu einer politischen und ökonomischen Unterprivilegierung sowie sozialer Diskriminierung beiträgt, ist ein weiteres Merkmal. Husa und Wohlschlägl (1988:31) fügen diesen Merkmalen hinzu, dass es keine international einheitliche Norm bei der Vergleichbarkeit von Wohnbedingungen und Wohnstandard in Marginalsiedlungen gibt. Dies kann nur regionsspezifisch vor dem Hintergrund der gesamtgesellschaftlichen Struktur und des wirtschaftlichen Entwicklungsstandes eines Landes erfolgen. Bei den Typen von großstädtischen Marginalvierteln wird in der einschlägigen Literatur prinzipiell zwischen sogenannten Squatter settlements (Hüttensiedlungen) und Slums unterschieden (Mertins 1984:437). Die Hüttensiedlungen sind informell entstandene irreguläre Siedlungen, die fast geschlossen die Ränder aller Agglomerationen der Dritten Welt umziehen. In kleinerer Zahl finden sie sich auch auf innerstädtischen Flächen, zumeist an naturräumlich ungünstigen Standorten (Bähr/Mertins 2000:19). Abbildung 1 zeigt eine solche Hüttensiedlung in Südafrika.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Hüttensiedlung in Südafrika. Quelle: Focus Online (2010).

Laut Husa und Wohlschlägl (1988:33) liegen Squattersiedlungen auf zum Teil sehr großen Arealen am Rande der geschlossen bebauten Stadtfläche oder schließen als zellenförmige Erweiterungen an diese an. Meist existieren sie in schlecht erschlossenen, abgelegenen oder unwegsamen Landstrichen, zum Beispiel auf steileren Hanglagen oder überschwemmungsgefährdeten Standorten. Kennzeichnend für solche Hüttensiedlungen ist, dass die Behausungen von den Siedlern aus eigener Kraft in einfacher Bauweise und unter Zuhilfenahme aller nur möglichen Baumaterialreste errichtet worden sind. ÄAuch spätere Verbesserungsmaßnahmen erfolgen stets in Eigenleistung durch die Bewohner“ (Husa/Wohlschlägl 1988:33). Bezüglich des Rechtsstatus wird in illegale, semilegale und legale Ansiedlungen unterschieden. Hinzu kommen solche mit ungeklärtem Rechtsstatus. Illegale Hüttenviertel wurden mittels Landbesetzung oder ÄInvasionen“ errichtet, während bei den semilegalen die Bebauung der parzellierten Fläche nicht genehmigt ist. (Heineberg 2006:277). ÄIn beiden informellen Siedlungstypen setzen unmittelbar nach der Entstehung zwei Prozesse ein“ (Mertins 2006:69). Zum einen eine baulich- infrastrukturelle Konsolidierung/Verbesserung, vor allem der fast ausschließlich in Selbsthilfe vorgenommene sukzessive Umbau der Hütte zum Haus sowie dessen spätere Vergrößerung durch Aufstockung und Anbauten. Zusätzlich entstandener Wohnraum wird überwiegend vermietet, was folglich den Verdichtungsprozess weiter fördert. Zum anderen eine Teilung der Parzellen zum Zwecke des Hütten-/Hausbaus auf den verkauften neuen Teilstücken. Bei semilegalen Wohnvierteln sind die Parzellen durchschnittlich 100 bis 150 qm groß. Auch dadurch wird der Verdichtungsprozess beschleunigt und infrastrukturelle und soziale Probleme werden größer (Mertins 2006:69). Die Slums, welche den anderen Haupttyp von Marginalvierteln darstellen, sind baulich und infrastrukturell degradierte, hochverdichtete ehemalige Wohnviertel der Ober- und oberen Mittelschicht, zum Teil auch der restlichen Mittelschicht, im Innenstadtbereich (Bähr/Mertins 2000:19). Die Gebäude und Wohnungen sind wegen Überbelegung und unterbliebenen Reparaturen in diesen schlechten Zustand geraten. Der Großteil der Slumbewohner lebt in einem Mietverhältnis, wobei die Vermietung oder Untervermietung vielfach zimmerweise, oft auch bettenweise, erfolgt. Die extrem hohe Wohndichte ist nicht zuletzt mit einer Erweiterung des Fassungsvermögens der Quartiere durch nachträglich erstellte Hinterhofbehausungen zu erklären. Slums stellen häufig aufgrund ihres Angebots an kleinen und zentral gelegenen Wohngelegenheiten den ersten Auffangort für alleinstehende oder zunächst ohne Familienangehörige zugewanderte Migranten dar. Bis in die sechziger Jahre waren Slums die wichtigsten Auffangquartiere für Zuwanderer aus unteren Sozialschichten. Durch Vordringen der modernen City und durch Sanierungsmaßnahmen nimmt ihr Umfang ständig ab. Weiterhin sind die massenhaften Zuwanderungsströme in die Metropolen der dritten Welt inzwischen so groß geworden, dass sie die Aufnahmekapazität der Slums überschreiten (Husa/Wohlschlägl 1988:32). Zumeist werden auch andere degradierte Viertel wie zum Beispiel Ätraditionelle“ Unterschichtviertel, planmäßig angelegte Arbeiterviertel aus der Zeit um die Jahrhundertwende oder ältere Siedlungen des sozialen Wohnungsbaus zur Gruppe der Slums gerechnet. Zum Teil werden unter dem Begriff Slum auch alle städtischen Marginalviertel subsumiert (Bähr/Mertins 2000:19). Husa und Wohlschlägl (1988:32) sprechen in diesem Zusammenhang davon, dass diese Ausdehnung des Slum-Begriffs, welche man vor allem bei vielen englischsprachigen Schriften findet, sachlich nicht ganz richtig ist. Das folgende Bild zeigt ein von der Definiton her Ätypisches“ Slum in Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Slum in Phnom Penh. Quelle: Amazing Data (2009).

In den Bereich städtische Marginalität kann man auch die sogenannten Äpavement dwellers“ einordnen. Sie treten insbesondere in allen süd- und südostasiatischen Großstädten sehr zahlreich auf. In Bombay wird ihre Zahl zum Beispiel auf 500.000 - 700.000 geschätzt. Es handelt sich dabei um Obdachlose, die meist an Straßenrändern, auf Bürgersteigen, Plätzen, in Vorgärten, Parks et cetera schlafen, aber auch oft versuchen, dort mit Decken, Zelt- oder Plastikbahnen ihren Bereich abzugrenzen (Bähr/Mertins 2000:21-22). Diese Form ist somit kleinräumiger als ein ganzes Marginalviertel. Tabelle 1 von Mike Davis zeigt eine weltweite Übersicht über die Slumbevölkerungen. Er benutzt dabei den Begriff Slum stellvertretend für Marginalviertel. Auffallend ist, dass die Länder Äthiopien (99,4%), Tansania (92,1%) und Sudan (85,7) bei den Anteilen der städtischen Slumbevölkerung ein rein afrikanisches Spitzentrio darstellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Slumbevölkerungen pro Land. Quelle: Davis (2006), 29.

Ähnliche Daten zeigt Abbildung 3. Sie zeigt die Anteile der städtischen Bewohner und die der Slumbevölkerung. Auch hier wird der Begriff Slum äquivalent zu Marginalviertel verwendet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Stadt- und Slumbevölkerung in den Entwicklungsländern. Quelle: Perlman (2010), 47.

3 Situation in Brasilien

ÄBrasilien weist weltweit eine der höchsten Ungleichverteilungen des Wohlstandes auf, die in den Metropolen und Megastädten am deutlichsten Gestalt annimmt“ (Deffner 2008:27). Der extrem breiten Unterklasse steht eine dünne Mittel- und potente Oberklasse gegenüber (Rothfuß 2008:20). Bei der Betrachtung des GINI Index, welcher die Verteilung und Konzentration des nationalen Vermögens angibt, fällt auf, dass Brasilien mit 0,61 auch andere süd- beziehungsweise mittelamerikanische Staaten teilweise weit hinter sich lässt. Allein die reichsten 10% besitzen mit 45,8% fast die Hälfte des Einkommens Brasiliens. Hingegen liegt dieser Anteil zum Beispiel in Deutschland bei nur 22,1%. Die folgende Tabelle 2 verdeutlicht das.

Tabelle 2: Sozio-ökonomische Charakteristika Brasiliens im Vergleich mit ausgewählten Ländern in

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Selbst innerhalb einer Berufsgruppe sind die Einkommensunterschiede in Brasilien unverhältnismäßig hoch. So hat eine Recherche der anerkannten Wochenzeitung veja aus dem Jahre 1997 ergeben, dass die untersten Einkommensgruppen im Bereich des öffentlichen Dienstes der Polizei rund 185 US-Dollar im Monat verdienen, die höchste dagegen 32.000 US-Dollar. Das bedeutet ein Verhältnis von 1:173, wohingegen zum Vergleich in Deutschland das Verhältnis bei 1:5 liegt (Rothfuß 2008:20). Der seit 1940 existierende Mindestlohn liegt derzeit bei 380 Reais, was einem Wert von etwa 150 Euro entspricht (Rothfuß 2008:19). Laut dem brasilianischen Institut für Geographie und Statistik (portugiesisch: Instituto Brasiliero de Geografia e Estatstica, kurz IBGE 2005) müssen über die Hälfte der Bevölkerung mit einem Gehalt unter zwei Mindestlöhnen pro Monat auskommen. Im Jahre 2000 lag beispielsweise das Einkommen eines Achtels der Bewohner Rio de Janeiros unterhalb der absoluten Armutsgrenze und reichte nicht für die Befriedigung der grundlegendsten Bedürfnisse aus (Lanz 2007:193). Die brasilianische Gesellschaft kann mit einer Urbanisierungsrate von 83,3% weitgehend als eine städtische gekennzeichnet werden, mit fortgeschrittenem Einfluss globalisierter Lebensweisen, Wertvorstellungen und Konsummustern. Die auffallende Ungleichheit beim Einkommen spaltet jedoch nicht nur die Gesellschaft, sondern mit ihr auch den städtischen Raum zutiefst in eine reiche und eine arme Stadt. Diese beiden Extreme stehen sich nicht mehr großräumig wie zu Zeiten der Äpolarisierten Stadt“ am Ende der Verstädterungsphase um 1970 gegenüber. Sie begegnen sich in immer dichterem Nebeneinander sozial und physisch fragmentierter Räume (Deffner 2008:27). Abbildung 3 zeigt ein Modell der Struktur und Entwicklung der lateinamerikanischen Stadt von 1550 bis in die heutige Zeit. Am Ende der Verstädterungsphase gegen 1970 hat sich bereits ein großer Bereich mit zentralen und etlichen peripheren Marginalvierteln gebildet. Die Grafik von der Äfragmentierten Stadt“ zeigt neben der Tatsache, dass zentrale Marginalviertel verdrängt wurden und sich die einzelnen Räume mit unterschiedlichen Sozialstatus vermehrt haben, auch, dass zum Beispiel periphere Marginalviertel in direkter Nähe zu Gated Communities, welche hier als barrio cerrado bezeichnet werden, liegen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Modell der Struktur und Entwicklung der lateinamerikanischen Stadt. Quelle: Borsdorf/Bähr/Janoschka (2002), 305.

Auch das folgende Modell der sozialräumlichen Differenzierung lateinamerikanischer Metropolen zu Beginn des 21. Jahrhunderts zeigt das Eindringen von Marginalräumen beziehungsweise -vierteln in die Wohnbereiche statushöherer Schichten. Zudem wird hier zwischen legalem und illegalem Status sowie legaler und illegaler Entstehung von Vierteln unterschieden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Modell der sozialräumlichen Differenzierung lateinamerikanischer Metropolen zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Quelle: Gebhardt et al. (2007), 654.

Zwischen 50 und 60% der städtischen Bevölkerung Lateinamerikas leben in inner- und randstädtischen Marginalvierteln (Heineberg 2006:279). In den insgesamt neun Metropolitanregionen Belém, Fortaleza, Recife, Salvador, Belo Horizonte, Rio de Janeiro, Sao Paulo, Curitiba und Porto Alegre betrug der Anteil der Armen an der Gesamtbevölkerung im Jahre 1990 zwischen 12,2% (Curitiba) und 47,4% (Recife). Die beiden mit Abstand größten Regionen um Sao Paolo und Rio de Janeiro kamen auf 21,6% beziehungsweise 32,2% (Wehrhahn 1998:663). Marginalviertel bezeichnet man in Brasilien unabhängig von ihrer räumlichen Lage im Stadtgebiet als bairros periféricos (Deffner 2008:32).

[...]

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Favelas: Brasiliens Armenviertel
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Geographisches Institut)
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
44
Katalognummer
V192430
ISBN (eBook)
9783656173663
ISBN (Buch)
9783656173854
Dateigröße
3243 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Favela, Marginalviertel, Brasilien, Armenviertel
Arbeit zitieren
Moritz Hilgers (Autor:in), 2011, Favelas: Brasiliens Armenviertel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192430

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