Pfahlbauten im Neolithikum in Süddeutschland und Alpenvorland


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

25 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Neolithikum in Mitteleuropa

3 Pfahlbauten
3.1 Allgemeines/Verbreitung
3.2 Pfahlbautheorie
3.3 Bauweise/Inneneinrichtung
3.4 Lebensweise der Pfahlbaubewohner
3.5 Warum Pfahlbauten?

4 Methoden in der Pfahlbauforschung
4.1 Stratigraphie
4.2 Dendrochronologie
4.3 C14-Methode

5 Chronologie der Pfahlbauten

6 Beispiel Siedlung Hornstaad-Hörnle

7 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

„Die Entdeckung der Ufer- und Moorsiedlungen in den alpennahen Seen war zweifellos eine Sternstunde der archäologischen Forschung“ (Schlichtherle 1997:7). Der Vorsitzende der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, Ferdinand Keller, interpretierte sie, nach ersten Funden im Jahre 1854, als Reste auf Plattformen errichteter Pfahlbausiedlungen. Damit wurde erstmals eine lebendige Vorstellung vom Leben jungsteinzeitlicher und bronzezeitlicher Siedlungsgemeinschaften geschaffen. Zuvor beschäftigte sich die Archäologie vor allem mit den klassischen Quellen des griechischen und römischen Altertums. Bis dahin war die Erforschung der Vorgeschichte nördlich der Alpen nur auf die Welt der Toten, auf Grabhügel und Megalithgräber gestoßen. Jetzt kamen, unter Wasser vom Luftsauerstoff abgeschlossen und in erstaunlicher Frische konserviert, Haushaltsgegenstände, Geräte für Holzbearbeitung, Wald- und Landwirtschaft, Waffen, Jagd- und Fischereigerät, Schmuck und Kleidungsgegenstände zum Vorschein. In den Kulturschichten fanden sich ganze Lagen von Kultur- und Sammelpflanzen sowie Knochen von Haus- und Wildtieren, die Einblick in Nahrungsgewohnheiten und Wirtschaft der Siedler gewährten. In Folge dieser ersten Funde setzte eine Welle von vielerorts erfolgreicher Suche in den zahlreichen Seen und Feuchtgebieten des Alpenvorlandes ein. Das „Pfahlbaufieber“ griff in Italien auf die Poebene über, auch in Norddeutschland, Schweden und Schottland wurden archäologische Fundstätten in offenen und verlandeten Gewässern gesucht und gefunden. Es zeichnete sich aber schon bald aufgrund von Gemeinsamkeiten im Fundgut und der zeitlichen Einordnung deutlich ein „Pfahlbaukreis“ rund um die Alpen ab (Schlichtherle 1997:7). Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Pfahlbauten im Neolithikum in Süddeutschland und Alpenvorland. Nach einer kurzen Einführung in das Neolithikum in Mitteleuropa werden die Pfahlbauten, ihre Verbreitung, Bauweise, die Lebensweise der Pfahlbaubewohner und die Pfahlbautheorien vorgestellt. Anschließend wird auf verschiedene Methoden, die im Zusammenhang mit der Erforschung von Pfahlbauten stehen, eingegangen. Kapitel 6 zeigt eine Übersicht zur Chronologie der Pfahlbauten. Abschließend geht die Arbeit mit der Siedlung Hornstaad-Hörnle auf ein Beispiel für Pfahlbauten ein.

2 Neolithikum in Mitteleuropa

In Mitteleuropa ist die Epoche des Neolithikums, auch Jungsteinzeit genannt, etwa auf die Zeit zwischen 5500 und 2200 vor Christus datiert (Amt für Archäologie des Kantons Thurgau 7). Als wichtigstes Kriterium des Neolithikums gegenüber den vorhergehenden Kulturstufen der Steinzeit ist die seßhafte Lebensweise und Nahrungsproduktion anzuführen. Aber auch Steinschliff, Steinbohrung, Töpferei, Mahlsteine, Weben und die Weiterentwicklung von geometrischen Zeichen als Vorläufer der Schrift sowie gesellschaftliche Arbeitsteilung und Tauschhandel sind typische Merkmale dieser neuen Zeit, die zu einer starken Veränderung der natürlichen Umwelt durch den Menschen führten. „Es war die Zeit der ersten Bauern-, Hirten- und Stadtkulturen“ (Hoffmann 1999:278). Der Mensch wendete sich vom reinen Jagen und Sammeln ab und begann mit Viehzucht und Ackerbau. Er wechselte von einer aneignenden Wirtschaftsweise, bei der er sich aus der Natur nahm, was sie ihm bot und er brauchte, zu einer produzierenden. Es wurde gesät, anstatt nur zu sammeln und es wurden Haustiere gehalten anstatt lediglich zu jagen. Desweiteren hegte und pflegte der Mensch Pflanzen und Tiere und züchtete neue Arten (Bick 2006:34). Dieser für die weitere Entwicklung der menschlichen Gesellschaft so bedeutende Umbruch wird auch als Neolithische Revolution bezeichnet (Preuß 1998:3). Diese Entwicklung begann bereits um 12.000- 10.000 v. Chr. im Vorderen Orient mit den Anzeichen einer Domestikation von Pflanzen und Tieren. Um 7.000 v. Chr. ist diese Entwicklung unter anderem im „Fruchtbaren Halbmond“ (Bezeichnung für den fruchtbaren Landschaftsbogen, der sich vom Eingang des persischen Golfes über den Nordrand der syrischen Wüste bis nach Palästina und zur Grenze Ägyptens hinzieht) schon weit verbreitet (Hoffmann 1999:278). Hier wurden Wildgetreidesorten kultiviert sowie wilde Schafe und Ziegen domestiziert und in Herden gehalten. Mit der Sesshaftigkeit entstanden dorfartige Siedlungen, auch erste Städte wie z. B. Jericho oder Damaskus. Vom Vorderen Orient wanderten diese Kulturerrungenschaften nach Nordwesten über die Mittelmeerküsten und ins Donautal bis nach Mitteleuropa. Hier etablierten sie sich neben der Lebensweise der noch wildbeuterisch lebenden Jäger- und Sammlergesellschaften der Mittelsteinzeit, welche aber allmählich diese Lebensweise aufgaben (Amt für Archäologie des Kantons Thurgau 8). Auch Schlichtherle und Wahlster (1986:8) sprechen von zwei Ausbreitungswegen der bäuerlichen Wirtschaftsform des Neolithikums vom Entstehungsgebiet um den „Fruchtbaren Halbmond“. (siehe Abbildung 1)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Die beiden Ausbreitungswege der bäuerlichen Wirtschaftsform des Neolithikums vom Entstehungsgebiet um den „Fruchtbaren Halbmond“ (A) nach Süd- und Mitteleuropa. Quelle: Schlichtherle/Wahlster (1986), S. 8.

Als mögliche Ursachen für die Besiedlung fast ganz Europas (Ausnahme Nordskandinavien) durch wandernde Bauerngruppen der Linienbandkeramiker führt Hoffmann (1999:278) zum einen den erhöhten Bevölkerungsdruck an. Stabilere Nahrungsgewinnung bildete die Grundlage für eine Vermehrung der Bevölkerung und zur Konzentration an einem Ort, aber auch zu einer durch Bevölkerungsdruck erzwungenen Ausbreitung und Inbesitznahme neuer Gebiete. Zum anderen könnte eine Katastrophe die Ursache für die Besiedlung Europas gewesen sein. Um 7750 v. Chr. durchbrach das Mittelmeer den heutigen Bosporus und flutete das 150m tiefer gelegene Schwarze Meer. An manchen Stellen drang die Küstenlinie binnen 24 Stunden mehr als einen Kilometer vor und die dort lebenden steinzeitlichen Bauern und Hirten wurden vertrieben.

3 Pfahlbauten

3.1 Allgemeines/Verbreitung

Pfahlbauten ist die ursprüngliche Bezeichnung im 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts für Siedlungen an Seen und in Mooren, die in ganz Europa, vor allem aber in Österreich, Schweiz, Süddeutschland, Norditalien, Ostfrankreich, also um den ganzen Alpenrand herum, zwischen 4500 und 800 v. Chr. entstanden. Wissenschaftliche Bezeichnungen sind Feuchtbodensiedlung und Seeufersiedlung. Ausschlaggebend für den Begriff waren die auffälligen Pfähle in Ufergegenden, die manchmal zu tausenden vorkamen (Amt für Archäologie des Kantons Thurgau 8). Im 8. Jahrhundert, mit dem Beginn der Eisenzeit, verschwanden die Pfahlbauten für immer. Die Ursache dafür wird in einer Klimaänderung um 800 v. Chr. vermutet, bei der durch höhere Niederschlagsmengen die Seen anstiegen und es so zur Aufgabe der Seeufersiedlungen führte. Die ersten Entdeckungen der Pfahlbauten in den alpennahen Seen wurden im Jahre 1854 gemacht (Hoffmann 1999:343). An Besiedlung und Bau der Pfahlbauten sind nach Schwantes (1952:184) verschiedene steinzeitliche Gruppen beteiligt gewesen. So zum Beispiel die Michelsberger Gruppe oder die sogenannte Aichbühler Gruppe. Die räumliche Nähe jener jungsteinzeitlichen Bevölkerungen zum Wasser führte wohl ganz von selber zu dieser Art des Wohnens. Aufgrund Luftabschluss und Konservierung durch das Wasser sind diese Siedlungsstellen gegenüber dem Hinterland der Uferdörfer gut erhalten geblieben (Amt für Archäologie des Kantons Thurgau 4).

Der nachfolgende Kartenausschnitt (Abb. 2) entspricht dem eingezeichneten Bereich um die Alpen (B) aus Abb. 1 und zeigt die bedeutendsten Fundgebiete der Pfahlbauforschung in den Gebieten um die Alpen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2 : Bedeutende Fundgebiete der Pfahlbauforschung. Quelle: Schlichtherle/Wahlster (1986), S.9.

1 Federsee, 2 Oberschwaben, 3 Bodensee, 4 Thurgau, 5 Greifensee/Pfäffikersee, 6 Zürichsee, 7 Zugersee, 8 Baldeggersee, 9 Wauwiler-Moos, 10 Burgäschisee, 11 Bieler See, 12 Murtensee, 13 Neuchâteler See, 14 Genfer See, 15 Lac de Chalain, 16 Lac de Clairvaux, 17 Lac d´Annecy, 18 Lac de Bourget, 19 Viverone/Piverone, 20 Lago di Varese/Monato/Lagozza, 21 Lago di Garda, 22 Lago di Ledro/Fiave, 23 Lago di Fimon, 24 Laibacher Moor, 25 Mondsee, 26 Attersee, 27 Starnberger See

3.2 Pfahlbautheorie

Im Jahre 1925 begann eine erbittert geführte Diskussion unter den Pfahlbauforschern. „Gab es überhaupt Pfahlbauten in hiesigen Breiten? Wurden ganze Dörfer oder nur einzelne Häuser auf Plattformen errichtet? Existierten sowohl ebenderdige Moorsiedlungen als auch Uferpfahlbauten und Inselsiedlungen?“ (Schlichtherle 1997:8). Der Frage der ursprünglichen Lage der Pfahlbauten ging auch Reinerth (1973:11) nach (Siehe Abbildung 3). Dabei berücksichtigte er, dass eine etwa zweitausend Jahre lange Trockenperiode in die Zeit der Pfahlbauten fiel. Preuß (1998:32) spricht von Zeiträumen zwischen dem 5. Und 3. Jahrtausend v. Chr. in denen das Wasserdargebot in der Landschaft, auch im Vergleich zur Gegenwart, deutlich vermindert war.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Die ursprüngliche Lage der Pfahlbauten. Reinerth (1973), S.11.

Auch Gustav Schwantes (1952:184) erklärte den Fundort einiger Pfahlsiedlungen im Wasser mit großen klimatischen Veränderungen. Die Errichtung setzte mit dem Beginn einer Trockenzeit ein, in deren Verlauf die Wasserlinie sich immer weiter vom ehemaligen Ufer zurückzog, so dass die jüngsten Bauten am weitesten von der ehemaligen Uferlinie entfernt liegen. Mit dem Eintritt einer niederschlagsreichen Periode am Ende der Bronzezeit (800 v. Chr.) hätten dann die Seen im allgemeinen ihre heutige Ausdehnung wieder erreicht und die Uferbauten liegen nun zum großen Teil weit draußen im Wasser. Im Verlauf der Forschungsgeschichte wurden verschiedene Hypothesen zur Rekonstruktion der Pfahlbauten entwickelt. 1854 stellt sich Keller in Zürich die Siedlungen auf einer gemeinsamen Plattform im offenen Wasser vor. Im Jahre 1922 modifizierte Reinerth diese Pfahlbautheorie (siehe Abb. 3 und 4). Die Siedlungen seien am Ufer gebaut gewesen und jeweils nur bei Hochwasser vom See erreicht worden. Ab 1942 propagierte Paret in Stuttgart die Pfahlbauten als romantischen Irrtum. Auch Vogt aus Zürich hält ab 1953 die Existenz für Pfahlbauten in Mitteleuropa für unbewiesen. Die Siedlungen wären ebenerdig am Ufer gestanden. Erst die moderne internationale Forschung ab 1970 hat bewiesen, dass es neben ebenerdigen Ufersiedlungen tatsächlich auch Pfahlbausiedlungen gegeben hat, die am überschwemmungsgefährdeten Ufer lagen oder von Inseln aus in den See hinausterrassiert wurden (Schlichtherle/Wahlster 1986:19). Die folgende Abbildung 4 verdeutlicht diese Entwicklung der Pfahlbauhypothesen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Pfahlbauten im Neolithikum in Süddeutschland und Alpenvorland
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Geographisches Institut)
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
25
Katalognummer
V192434
ISBN (eBook)
9783656173625
ISBN (Buch)
9783656173793
Dateigröße
2468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pfahlbauten, Neolithikum, Jungsteinzeit, Alpenvorland, Süddeutschland
Arbeit zitieren
Bachelor of Science Angewandte Geographie Moritz Hilgers (Autor:in), 2010, Pfahlbauten im Neolithikum in Süddeutschland und Alpenvorland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192434

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