„Es ist wahnsinnig schwer, seinen Zeitgenossen geistige Geschenke zu machen.“1- Dieser
Satz steht mitten in der Entwicklung, welche mit der Suche Franz Marcs nach dem
künstlerischen Ausdrucksmittel begann und die den Suchenden zum Expressionismus
hinführte.
Doch wie gelangte Franz Marc, dessen Bilder noch heute ihre geistige Aussage zu übermitteln
verstehen, zu diesem seinen Ziel? Wie veränderte sich in dieser Entwicklung sein Umgang
mit Farbe, Form und Fläche? Franz Marc musste, um es an seine Zeitgenossen weitergeben zu
wollen, selbst dieses geistige Geschenk bekommen haben. Diese Hausarbeit setzt sich zum
Ziel, zu klären, was dieses Geschenk genau ist, den Weg und die Entwicklung dorthin zu
verfolgen und anhand der Bilder von Franz Marc zu erklären. Auch soll aus gegebenem
Anlass der Bildraum dabei genauer betrachtet werden. Geboren wurde Franz Moriz Wilhelm Marc am 8. Februar 1880 in München als zweiter Sohn
von Wilhelm Moriz Eduard und Sophie Maria Marc, geborene Maurice.
Sein Vater war ein anerkannter Genremaler, der auch seine beiden Söhne oft malte, wodurch
der junge Franz Marc bereits sehr früh in Kontakt mit der Malerei kam. Doch nach dem
Abitur ging sein Berufswunsch zunächst in eine andere Richtung - der
Konfirmandenunterricht beim Pfarrer Schlier hatte ihn sehr begeistert, und durch den Einfluss
des Pfarrers entstand in Franz Marc der Wunsch, selbst Theologe zu werden. Aber noch Ende
des Jahres 1898 nahm er von diesem Entschluss wieder Abstand. Die Philologie erschien ihm
nun erstrebenswerter und im Oktober des Jahres 1899 folgte er mit der Immatrikulation an der
Münchner Universität dem Beispiel seines 3 Jahre älteren Bruders Paul. Um aber studieren zu
können, musste Franz Marc zuvor eine einjährige Militärzeit absolvieren. Nachdem er diese
Pflicht erfüllt hatte, war von seinem ursprünglichen Vorsatz nichts übrig geblieben, wiederum
schwebte ihm ein neues Ziel vor Augen und so schrieb er sich 1900 an der Münchner
Akademie ein, um Maler zu werden. Hier erhielt er im Zeichnen Unterricht von Gabriel Hackl
und im Malen von Wilhelm Dietz. [...]
1 Kandinsky, Marc
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
1 Erste Jahre
2 Erste Schritte als freier Maler
3 Neue Künstlervereinigung München
4 „Blauer Reiter“
5 Letzte Jahre
6 Ergänzung
7 Quellenangabe
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die künstlerische Entwicklung von Franz Marc nachzuzeichnen, wobei insbesondere die Suche nach einem neuen Ausdrucksmittel, der Wandel im Umgang mit Farbe und Form sowie die Bedeutung des Bildraums analysiert werden. Im Zentrum steht die Frage, wie Marc zu seiner geistigen Bildsprache gelangte und welche Einflüsse diese Entwicklung maßgeblich prägten.
- Die frühen Jahre und die Suche nach dem künstlerischen Ausdruck.
- Die Bedeutung der Tiermotive und der Schritt zur Abstraktion.
- Die Rolle der Farbtheorie und der Einfluss bedeutender Künstler und Gruppierungen wie dem "Blauen Reiter".
- Die kritische Auseinandersetzung mit dem Bildraum und der bildnerischen Formensprache.
Auszug aus dem Buch
Die großen blauen Pferde
Ein gutes Beispiel hierfür ist das Bild „Die großen blauen Pferde“. Losgelöst von der naturalististischen Farbgebung malte er die drei zusammenstehenden Pferde, die einen Großteil des Bildraumes einnehmen, in einem mystischen Tiefblau mit schwarzgrünen Mähnen und Schweifen. Die beiden Pferde im Vordergrund halten ihren Kopf parallel nach unten gebeugt, während man vom dritten, hinteren Pferd nur den Rücken und den nach oben gehobenen Hals sieht. Die Gruppe scheint unmittelbar vor dem Betrachter zu stehen, da die Beine der Pferde durch den unteren Bildrand abgeschnitten sind. Ebenfalls vor dem Blick in die Bildtiefe steht ein dünner weißer Baumstamm in der rechten Bildhälfte, der oben und unten aus dem Bild herausreicht und der sein Pendant in einem weiter hinten, durch ein Pferd zum Teil verdeckten, gebogenen Baumstamm findet.
Die Landschaft ist in grünen, gelben, blauen und rot bis violetten Tönen dargestellt. Bemerkenswert an diesem Bild ist, dass die traditionelle Farbverteilung für die Raum- und Tiefenwirkung hier umgekehrt ist. Die dunklen und kalten, blauen und grünen Töne befinden sich vorne, während die warmen, also roten, orangefarbenen, violetten, sowie gelben Töne hinten angesiedelt sind. Erstaunlich dabei ist, wie man schon in den verwendeten Begriffen „vorne“ und „hinten“ erkennt, dass trotz der Verdrehung eine räumliche Tiefe entsteht. Dies ist durch andere Bildbestandteile möglich, beispielsweise durch die Überschneidungen innerhalb der Pferdegruppe und die davor, beziehungsweise dahinter gemalten Baumstämme.
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Suche Franz Marcs nach einem geistigen Ausdrucksmittel ein und definiert das Ziel, seinen Weg zum Expressionismus sowie seinen Umgang mit Bildraum und Form zu ergründen.
1 Erste Jahre: Dieses Kapitel beschreibt die familiäre Herkunft und den akademischen Werdegang des Künstlers, inklusive seiner frühen Flucht vor der starren Ausbildung durch Reisen.
2 Erste Schritte als freier Maler: Hier wird Marcs Abkehr von der Akademie und die Entdeckung des Tiermotivs als zentrales Ausdrucksmittel für seine Melancholie und künstlerische Vertiefung geschildert.
3 Neue Künstlervereinigung München: Das Kapitel thematisiert den Anschluss an die NKVM, die tiefe Beeinflussung durch Wassily Kandinsky und die Entwicklung von Marcs spezifischer Farbtheorie.
4 „Blauer Reiter“: Die Gründung der Redaktionsgemeinschaft „Blauer Reiter“, der Bruch mit der NKVM und die Suche nach einer neuen künstlerischen Gesamtheit bilden den inhaltlichen Schwerpunkt.
5 Letzte Jahre: Dieses Kapitel behandelt die verstärkte Hinwendung zum Abstrakten, den Einfluss des Futurismus sowie die seherische Qualität von Werken wie „Tierschicksale“ vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs.
6 Ergänzung: Hier wird zusammenfassend reflektiert, wie Marc sein Ziel, das unteilbare Sein darzustellen, über verschiedene Stile hinweg verfolgte und sein künstlerisches Vermächtnis einordnete.
7 Quellenangabe: Eine Auflistung der in der Hausarbeit verwendeten Fachliteratur und Dokumentationen.
Schlüsselwörter
Franz Marc, Expressionismus, Blauer Reiter, Abstraktion, Tiermotiv, Malerei, Farbtheorie, Bildraum, Moderne Kunst, Kandinsky, Münchener Kunst, Formensprache, Kunstgeschichte, Moderne, künstlerische Entwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die künstlerische Entwicklung von Franz Marc von seinen Anfängen bis zu seinen späten abstrakten Werken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen Marcs Suche nach einem spirituellen Ausdrucksmittel, seine Farbtheorie, die Bedeutung des Tiermotivs und die schrittweise Abkehr von der naturalististischen Abbildung hin zum abstrakten Expressionismus.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Weg Marcs zu seiner geistigen Bildsprache zu klären und zu erklären, wie sich sein Verständnis von Farbe, Form und Bildraum in seinen Bildern verändert hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine kunsthistorische Analyse, die biografische Daten mit einer intensiven werkimmanenten Bildbetrachtung verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Phasen, die den Werdegang von der Akademiezeit über die Gründung des „Blauen Reiters“ bis hin zur abstrakten Spätphase nachzeichnen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Franz Marc, Expressionismus, Blauer Reiter, Abstraktion, Farbtheorie und Formensprache geprägt.
Warum spielte das Tiermotiv eine so große Rolle für Franz Marc?
Das Tier war für Marc ein „Urwesen“, das in die Natur eingebettet war und es ihm ermöglichte, das von ihm gesuchte „unteilbare Sein“ am reinsten darzustellen.
Welchen Einfluss hatte der Erste Weltkrieg auf das Schaffen von Franz Marc?
Der Krieg führte zu einer Zäsur in seinem Schaffen; während er den Krieg anfangs als „Reinigung“ verstand, spiegeln spätere Werke wie „Tierschicksale“ eine düstere, seherische Apokalypse wider.
- Quote paper
- Caroline Dorn (Author), 2003, Die künstlerische Entwicklung von Franz Marc, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19243